Startseite
Artikel
redaktion@goest.de
Veranstaltungen
  Impressum

Öffentliche Plätze - Freiräume

> Stadtplanung Leitseite
> Wilhelmsplatz
> Recht auf die Nutzung des Cheltenhamparks
> Stadtplanung Weender Straße

 

Nicht-kommerzielle Nutzung öffentlicher Plätze

Seit 10 Jahren schon geistert die Idee herum, der Kommerzialisierung öffentlicher Plätze etwas entgegenzusetzen. Das richtet sich z.B. gegen den gezielten Verzicht auf ausreichende Bänke in der Innenstadt ("Möblierung") der den Zwang erzeugt, für eine Ruhepause ausschließlich kommerzielle Angebote nutzen zu können.
Bei der Neugestaltung der Weender Straße hatte ein Gremium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Franz Pesch (Herdecke) von 9 eingereichten Entwürfen 3 ausgewählt:
1.) das Planungsbüros WES und Partner aus Hamburg an erster Stelle mit der Bemerkung " Hervorzuheben ist die sehr zurückhaltende und minimalistische Möblierung." sprich keine Bänke.
2.) das Planungsbüro Club L 94 aus Köln. "Dessen Arbeit besticht durch ihren konsequenten Ansatz, die Fußgängerzone von allen verstellenden Objekten zu befreien (...) Durch die Wegnahme der Bäume wird der leicht schwingende, sich aufweitende und verengende Stadtraum wieder klar ablesbar. Ein öffentlicher Raum entsteht, der eine wohltuende, zurückhaltende Benutzeroberfläche für Flanieren und Konsumieren bietet. (...)
"
3.) (Rang 3) wurde besonders gewürdigt, weil er die Fußgängerzone radikal "Von allen verstellenden Objekten befreit".


2004 / Einrichtung nicht-kommerzieller Ruhezonen bei
Protest Sozialabbau und gegen Hartz IV


2004 Rundbank mit Lichtenberg


2014 Forderung nach Rundbank und mehr
nichtkommerziellen Ruhezonen in der Stadt 10.5.14
Die Stadtratsfraktion der Grünen unterstützt die bewusste Aneignung des öffentlichen Raumes mit Sitzaktionen auf den Markplatz - und wiederholt ihre "Sitzung" erneut am 17.5.14 Samstag um 11 Uhr .Die Stadtratsfraktion setzt für den Erhalt und den Ausbau des öffentlichen Raums ein und richtet sich gegen "Tendenzen, die Nutzbarkeit des öffentlichen Raums durch Bürgerinnen und Bürger einzuschränken" .

Nach anhaltenden Protesten und Forderungen nach der Rundbank, wurde 2014 die Rundbank wieder aufgestellt - zufällig eine Woche vor der OB-Wahl , und zufällig neben den Werbeständen der SPD.


Die durchgehende Einnahme des öffentlichen Raumes durch die Kneipe im Rathauskeller (mit dem Burschenschafter-Lied-Namen "Bullerjahn") ist am unteren Bildrand zu sehen.

 

Forderungen nach nichtkommerziellen Ruhezonen und Sitzbänken ignoriert

Erstaunlich häufig fand sich auf den Pinwänden beim "BürgerInnendialog" zur Innenstadtplanung 2008 ein Hinweis auf Forderungen nach nicht-kommerziellen Räumen. Die Fotos zeigen einen Ausschnitt aus den damaligen Pin-Wänden.

  • Den öffentlichen Raum multifunktional und nichtkommerziell gestalten
  • Kornmarkt - Bänke
  • kostenfreie öffentliche Toiletten !
  • mehr nicht kommerzielle Sitzmöglichkeiten (auch im Schatten) !
  • Mittelpunkt und Treffpunkt für alle Bürger
  • mehr Grünflächen mit Sitzbänken
  • Sitzgelegenheiten ohne Verzehrzwang
  • Freie Sitzgelegenheiten ohne Kaufzwang

Bei einer >Veranstaltung mit Kindern im Neuen Rathaus 2007 hatten auch die Kinder Bereiche in der Innenstadt gefordert, wo sie sich aufhalten können. Man müsse irgendwo hingehen können ohne Geld in die Hand nehmen zu müssen. Wenigstens sollten auch mehr Bänke aufgestellt werden. Hierauf antwortete OB Meyer, das sei halt so ein Problem, denn man habe da schon Bänke aufgestellt und dann hätten sich dort permanent Leute aufgehalten, die den ganzen Tag dort sitzen und Alkohol trinken - die hätte man da halt nicht so gerne gehabt.

Die Bemerkung, diese Bänke würden nur Obdachlose und biertrinkende Menschen anziehen und deshalb wollte man die Bänke nicht ist oft zu hören. Merkwürdigerweise dürfen die Menschen auf den Sesseln der Gastronomie aber ohne Einschränkungen jede gewünschte Menge Alkohol trinken und dabei so lange herumsitzen wie sie möchten. Hinter der scheinbar ordnungs- und sicherheitsorientierten Argumentation steckt also ein ökonomisches Interesse.

 

Aneignung öffentlicher Plätze

Die Okkupation öffentlichen Raumes durch kommerzielle Aktion schränkt freie Urbanität ein. Siehe dazu die >Kritik an dem BID-Konzept "Business Improvment Districts". Dies hat auch eine politische Dimension, wenn bei Vergabe des >Marktplatzes immer häufiger Infostände und Kundgebungen der Platz verwehrt wird, weil er kommerziell anderweitig vergeben ist.
Nichtkommerzielle Menschenansammlungen auf dem Marktplatz am Gänseliesel, am Wilhelmsplatz, im Cheltenhampark, usw. führen zu Konflikten und die mit Einschränkungen der Freiheit drohen.

Eine weitere Form der Aneignung öffentlichen Raumes sind verschiedene Tango-Open-Airs
Der Wilhelmsplatz, als innerstädtischer Ruheort wurde des bei warmen Sommerabenden teilweise zum innerstädtischen Unruheort , gleichwohl aber auch ein Kristallisationspunkt für "lebendige Innenstadt"

Statt Polizeiaktionen , wurde der Platz mit Streetworker/
Sozialarbeit befriedet.

Konflikte gibt es auch wegen der Versammlungen im Cheltenhampark

Jugendliche reklamierten dann in einer öffentlichen Erklärung den Park und riefen zur Party dort auf.

Als sie trotz regnerischen Wetters um 18 Uhr das Recht auf die Nutzung des Cheltenhamparks reklamierten
wurden sie genaustens von Polizei und Ordnungsamt. beobachtet


Stadtplan mit eingezeichneten Potentialen an öffentlichen Plätzen (Ausschnitt)

 

Bürger_innenbeteiligung bei der Planung der Innenstadt

9.6.08 / Am 12.3.08 wurde mit einem internen Workshop der Verwaltung für die Entwicklung eines neuen Innenstadtleitbilds begonnen. Dem folgten Sitzungen von Facharbeitsgruppen, "Entscheidertreffen" und "Synergietreffen". An die ca. 9000 Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt wurden dann Einladungen zur Diskussion um ein neues Innenstadtleitbild verschickt. Am 7.6.08 trafen sich ca. 60-80 Leute in der alten Sporthalle der Universität in der Geiststraße für einen moderierten Austausch . Es wurde ein Bürgerbeirat gewählt, dem interessierte Göttinger und Göttingerinnen jederzeit noch beitreten können. Das erste Treffen des Innenstadt-Bürgerbeirates fand am Mittwoch, den 2. Juli 2008, in der Zeit von 18 bis 21 Uhr, Treffpunkt Hauptbahnhof statt.


Blick in den Veranstaltungsraum der Halle in der Geiststrasse.


Vor den Pinwänden zum Thema "Umwelt"

Bild links: Dipl. Ing Oliver Kuklinski von PlanKom (Hannover) als Moderator der Veranstaltung.
Bild rechts: Karen Hoffmann, Projektleiterin Innenstadtleitbild in der Bauverwaltung und Hans-Dieter Ohlow, Sprecher der verwaltungsinternen Facharbeitsgruppe " Kultur und Wissenschaft", beide Fachdienst 61.1 Stadt- und Verkehrsplanung.

"Bürger_innenbeteiligung" - alle Bürger_innen?
Grundsätzliches Problem bei der "Bürgerbeteiligung" ist stets, dass vor allem jene sich beteiligen, die über die persönlichen Voraussetzungen an Zeit und Artikulationsfähigkeit verfügen die notwendig für eine Teilnahme sind. Unterrepräsentiert ist in aller Regel die Bevölkerungsgruppe, die nicht geübt ist, sich sprachlich innerhalb von Workshops zu äußern, ganz zu schweigen von Migrantinnen und Migranten, die sprachliche Hürden zu bewältigen haben oder Behinderten, deren Teilnahme noch ganz andere Hürden entgegenstehen. Auch alleinerziehende Menschen, die in der Innenstadt wohnen und eine Kinderbetreuung während der Teilnahme bräuchten sind nicht vertreten. Es ist nicht verwunderlich, dass aus den sicherlich zur Innenstadt zählenden problematischen Wohnkomplexen wie Idunazentrum und Groner Str. 9 die schätzungsweise mindestens 500 Menschen umfassen, wohl niemand anwesend war und folglich auch keine Vorschläge zu finden waren, die diese Bereiche betreffen.

Geschäftsinhaber/innen , Obdachlose, Drogenabhängige, Alkoholkranke - Die Stadt gehört allen?
Wenn z.B. "Sauberkeit der Fußgängerzone (Alkohol- und Drogenszene)" oder "Beseitigung der Alkohol und Drogensezen am Johanniskirchhof" als Thema an die Pinwand gehängt wird, dann wäre z.B. die Meinung eines Vertreters des Mittagstisches von St. Michael oder der Straßensozialarbeit wünschenswert. Die Forderungen an eine Innenstadtgestaltung aus diesen Bereichen liegen schon seit Jahren vor, ohne Gehör zu finden. So stammen folgende Sätze aus einer Forderung von 1998

"Leute mit Geld für Konsum finden bei Handel und Gastronomie ihr Angebot; Leute ohne Geld erscheinen hin und wieder als Störfaktoren, weil auch sie Raum in der Öffentlichkeit beanspruchen. Um mit Konflikten umzugehen, die entstehen, wenn die Lebenswirklichkeit von Armen oder anders auffälligen mit der Konsumwelt zusammentreffen, muß es andere Alternativen geben, als Polizei oder private Sicherheitsdienste. Wenn Behörden, Geschäftsleute und Initiativen und Bürger zusammenwirken, müßte es gelingen, sie zu finden und zu entwickeln.Die Stadt gehört allen! Deshalb wünschen wir uns von den Stadtplanern und Lokalpolitikern, besondere Anstrengungen zu unternehmen, Non-Profit-Angebote in der Stadt zu initiieren und zu fördern! Seit langem setzen wir uns für einen Treffpunkt für Drogenabhängige ein.Genauso fehlt eine Wärmestube für Obdachlose Gäste mit wenig Geld, die keiner "Problemgruppe" angehören, würden sich über ein Café freuen, dessen Preise ihrem geringen Einkommen angepaßt sind." (Mittagstisch, Die Stadt gehört allen! 1998)

 

Vielfalt, Lebendigkeit, Natur in der Innenstadt

Die Innenstadt soll ein Treffpunkt für Bürger/innen aller Generationen sein. Einzelhandelsangebote, kulturelle Angebote, Gastronomie und Veranstaltungsräumlichkeiten sowie Wohnbereiche öffentliche Plätze, mehr Grün und vor allem auch Non-Profit-Bereiche sollen in einem Mix vorhanden sein. Statt einer Normierung und "Flurbereinigung" der Innenstadt durch den Einzug großflächiger Filialen und Kaufzentren soll eine Vielfalt kleiner Geschäfte mit individuellem Angebot insbesondere auch in den Seitenstraßen gefördert werden. Stadt und Private, so einige Anregungen, sollen gemeinsam aufpassen, dass sich keine großen Einkaufszentren und Filialen durch Immobilienerwerb Zugang in die Innenstadt verschaffen und zu diesem Zweck Informationen über den Immobilienbestand, freiwerdende Flächen usw. sammeln und verbreiten. (Dies war zuletzt wegen der Ankündigung eines Großbuchhandels Thalia in der Innenstadt diskutiert worden ) "Viele verschiedene kleine Nutzungen in den Bereichen Einzelhandel, Wohnen, Gastronomie, Dienstleistung, Kultur, öffentliche Plätze. Ausgewogene Mischung von Facheinzelhandel und Filialen. Großer Einkaufszentren sollen dauerhaft vermieden werden."

Der Alte Botanische Garten ist allen ein leuchtendes Vorbild für die Einbindung von Natur in die Innenstadt. Er wird als "Oase" direkt an der Innenstadt empfunden. Hinzu kommt der Cheltenhampark an der Stadthalle.

Zur Umgestaltung der Innenstadt unter dem Aspekt Begrünung/Natur gibt es eine Reihe von Potientialen, die bislang nicht voll ausgeschöpft sind: Innenhöfe bieten ein dankbares Feld für planerisches Nachdenken und könnten zukünftig zu Erholungsinseln in der Innenstadt werden. Ebenso sind die Wallanlagen ein Stück Natur, das die Innenstadt im engen Sinne umschließt. Für diese Wallanlagen und das "Wallvorfeld" müssen visionäre Konzepte entworfen werden.

Schließlich ist der Leinekanal als malerische Wasserader in der Innenstadt viel zu wenig berücksichtigt man wünscht sich eine "Aufwertung des Leinekanals im Stadtbereich" wie überhaupt eine Aufwertung der Gewässer (Hierzug gab es bereits vom verstorbenen Architekten Brandi eine Initiative) . Ein Schritt in die richtige Richtung war z.B. die Wiederherstellung der Mühle und die Brücke an der Goetheallee. Desweiteren wurde vorgeschlagen, "verrohrte Bachläufe" wieder freizulegen. (Von den Schillerwiesen kommt ein Bach, der vor der Stadthalle irgendwo unter der Erde verschwindet)

zum Anfang