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Marktplatz

Vom Marktplatz zur Kommerz-Event-Location?
Die Innenstadt gehört nicht ProCity sondern allen BürgerInnen!

Der Marktplatz vor dem alten Rathaus war jahrzehntelang der Ort, an dem sich politische Meinung darstellte, ein Ort für Informationsstände und Kundgebungen. Dieser zentrale öffentliche Platz war gleichzeitig der Ort an dem alles was viele Menschen bewegte, seinen Ausdruck fand - sei es die Neujahrsfeier oder die Fußballweltmeisterschaft. Daher war der Marktplatz im besten Sinne öffentlicher, politischer Raum und Teil des städtischen sozialen Lebens.
Seit 3 Jahren ungefähr nimmt die Zahl der Werbeveranstaltungen auf dem Markt zu und das nichtkommerzielle Leben ab. Wir werden enteignet - die öffentlichen Räume werden uns auch noch genommen.

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Auf dem Bild  sind die Werbeflächen von der Redaktion weiß übermalt worden.
Ein Beispiel aus der Vergangenheit das "Event" gesponsert von einer Versicherung, einem Verlag und einem Mobilfunk-Anbieter, die den  Marktplatz dabei zum Reklameplatz verwandelten.

Events werden immer stärker in Richtung "Stadtmarketing" gefördert. Von der "(Um)Nacht(ung) der Kultur" bis Gänselieselfest mit offenen Geschäften. Autohersteller und Versicherungen oder Einzelhändler okkupieren mit ihren Reklameaktionen unseren (!) Marktplatz.

Grüne Ratsfraktion interveniert
Passend zu diesem Fallbeispiel haben nun auch die Grünen zur gleichen Zeit internveniert. In ihrer Presserklärung heißt es:
Die GRÜNE-Ratsfraktion fordert die Stadtverwaltung auf, Kriterien für die Vergabe des Marktplatzes vor dem Alten Rathaus zu entwickeln und eine Kontrolle durch ein politisches Gremium zu gewährleisten. In ihrer Presserklärung vom 7.5.04 heißt es:
Die GRÜNEN beobachten mit Besorgnis die aktuelle Vergabepraxis durch die Stadtverwaltung. "Es ist eindeutig eine Tendenz zugunsten kommerzieller Veranstaltungen zu beobachten. Der Marktplatz ist jedoch der zentrale Versammlungsplatz aller Bürger dieser Stadt!", erklärt der grüne Fraktionsvorsitzende Rolf Becker.
Aufgrund einer Gerichtsentscheidung sei die Stadtverwaltung gezwungen, lediglich achtzehn Veranstaltungen im Jahr mit einer Lautstärke von über 70 Dezibel auf dem Marktplatz zuzulassen.

marktplatz1.JPG (27053 Byte) So wärs ProCity recht: Rummel, Trubel - kaufbereite Massen - sonst nix

Ein Großteil dieser begrenzten Veranstaltungstermine werde durch kommerzielle Veranstaltungen - von der Autoshow bis zum Gänselieselfest- vergeben. Veranstaltungen mit kulturellem und sozialem Hintergrund, wie z.B. der jährliche Göttinger Gesundheitsmarkt, dürfen den Marktplatz nicht mehr in Anspruch nehmen und werden in Randlagen verdrängt. Damit bestehe die Gefahr, dass einige Veranstaltungen erst gar nicht mehr realisiert werden. Hier müsse dringend für einen gerechten Ausgleich von Veranstaltungen von öffentlichem und kommerziellem Interesse gesorgt werden."

Es geht darum klarzumachen, dass die Innenstadt nicht ProCity und dem Einzelhandel gehört, sondern ALLEN, auch denen, die sie am liebsten wegschicken würden. Während des Aktionstages Die Stadt gehört allen wurde folgende Formulierung geprägt: Leute mit Geld für Konsum finden bei Handel und Gastronomie ihr Angebot; Leute ohne Geld erscheinen hin und wieder als Störfaktoren, weil auch sie Raum in der Öffentlichkeit beanspruchen. (..) Die Stadt gehört allen! Deshalb wünschen wir uns von den Stadtplanern und Lokalpolitikern, besondere Anstrengungen zu unternehmen, Non-Profit-Angebote in der Stadt zu initiieren und zu fördern!

Es gab auch schon eine schöne Aktion von Holefleisch (Bürgermeister), der sich mit einem Liegestuhl auf den Marktplatz setzte um den Mangel an nicht kommerziellen Sitzmöglichkeiten anzuprangern.

marktplatz2.JPG (25831 Byte) Ausschnitt des Marktplatzes

Man stelle sich vor: die Leute würden auf diesem Platz ihre Gartenstühle und -tische aufstellen und ihre Thermoskanne mit Kaffee auspacken.
In Anlehnung an den Sprachgebrauch der Clubszene könnte man das dann "Non Commercial Lounge" nennen.
Wäre auch eine Idee das nächste Arbeitslosenfrühstück

Die Räume ohne Konsumorientierung, die Räume die "nur" dem sozialen Leben, der freien Entfaltung gewidmet sind, werden immer weiter von profitorientierten Veranstaltungen durchdrungen, andererseits werden die institutionellen Ansätze für "andere Kultur" durch Sparmaßnahmen ausgetrocknet.

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Marktplatz Konflikt - Zugang behindert / verhindert

Wenn man diesen Fall anschaut, könnte man die Hypothese wagen, dass es seitens der Stadtverwaltung den Versuch gibt, unliebsame Veranstaltungen durch Schikane in ihrer Durchführung derart zu behindern, dass sie letztlich nicht stattfinden können. Gleichzeitig möchte sie aber keinen Verdacht aufkommen lassen, dass hierhinter politisch-inhaltliche Auswahlkriterien stecken.
Wie der Zugang zum Marktplatz als politischer Raum behindert wird zeigt sich z.B. daran, wie mit einer Initiative umgegangen wird, die sich für ein soziales Zentrum einsetzt:

Text der Initiative für ein Soziales Zentrum

"Stadt Göttingen behindert Grundrecht auf Versammlungsfreiheit
Mit dubiosem Verwaltungshandeln behindert die Stadt Göttingen politische Initiativen. Der für den 14.5.2004 geplante Aktionstag über die Folgen der derzeitigen Sozialreformen musste abgesagt werden, weil die Stadt Göttingen kommerziellen Veranstaltern Vorrang einräumt. Trotz rechtzeitiger Anmeldung wurde die mündliche Zusage zurückgezogen. Begründet wurde dies mit einer angeblich gleichzeitigen Anmeldung eines kommerziellen Veranstalters. Ein Nachweis über die Richtigkeit der Begründung wurde mehrmals verweigert. Nachdem die Verwaltung zunächst die Unterlagen angeblich nicht finden konnte, verweigerte sie auch zu einem späteren Zeitpunkt die Offenlegung.
Eine demnächst geplante Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt wurde zunächst genehmigt. Zwei Wochen später wurde die Zusage für den Ort der Auftaktkundgebung zurückgezogen, mit der Begründung, dass auf dem Kundgebungsplatz eine kommerzielle Veranstaltung stattfinde, über die die Genehmigungsbehörde nicht informiert war.
In beiden Fällen handelt es sich um den Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Der Marktplatz soll offensichtlich nur noch für Kommerzveranstaltungen zur Verfügung stehen.
Diese Ereignisse setzen die Praxis der Stadt Göttingen der letzten Jahre fort, die immer wieder nicht genehme politische Veranstaltungen gegenüber kommerziellen Veranstaltungen benachteiligt. Immer wiederkehrendes Instrument ist dabei ein nicht durchschaubares Verwaltungshandeln.
Wir lassen uns unser Recht auf Versammlungsfreiheit nicht beschneiden. Ebenso wenig werden wir der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums tatenlos zusehen.
Initiative für ein Soziales Zentrum Göttingen"

Am 11.5.04 wurde der Pressesprecher der Stadt vom Stadtradio zu diesen Vorwürfen befragt und danach dessen Darstellung in den Nachrichten wiedergegeben: Er stellte es so dar, als ob die AnmelderInnen sich einfach nicht auf einen Termin hätten festlegen können und am Ende sei der Platz eben vergeben gewesen.
Die Nachfrage von goest bei der Initiative ergab, dass es nach deren Aussage gerade umgekehrt war und die Verwaltung dauernd neue Hindernisse in den Weg legte und auf neue Terminvorschläge wechselte bis sie schließlich einen Termin mündlich zusagte, danach aber auch wieder absagte.

Ein Sprecher der Initiative sinngemäß zu goest:
Der Termin wurde einmal verschoben, weil zuwenig Platz auf dem Markt verfügbar war. Am darauffolgenden Ausweichtermin ging es dann auch wieder nicht, wegen anderer Veranstaltungen am Markt. Danach haben sie uns schließlich mündlich den 14. Mai zugesagt anschließend die Zusage ein paar Tage später nochmals widerrufen, weil angeblich Jack Wolfskin vorher angemeldet hätte.
Jack Wolfskin hat aber nach eigener Aussage nichts angemeldet und nur bei Pro City nachgefragt. Auf diesen Einwand hat die Verwaltung nie geantwortet, ebenso wie sie uns nicht belegen konnte bzw. dass ihre Aussagen richtig sind. Ihre Begründung wechselte ständig: Nachdem es erst angeblich eine gleichzeitige Anmeldung gab, zauberten sie am Montag dann ein Schriftstück vor, aus dem hervorgehen sollte, dass Jack Wolfskin den Platz vor uns schriftlich angemeldet hatte - was vorher nie von der Verwaltung behauptet wurde. Was das für ein Schriftstück war, konnte auch niemand richtig erkennen. Demnach hätte Wolfskin den Platz angemeldet, als sie uns zugesagt haben.

Wir meinen: Wenn die Verwaltung Veranstaltungen verhindern will, dann soll sie klar begründen, warum sie das tut und sich damit legitimationspflichtig machen aber es nicht über technische Tricks auf die krumme Tour probieren.

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Bullerjahn macht sich breit

Privatisierung öffentlicher Räume am Beispiel am Marktplatz
Sandburg auf dem Marktplatz abbauen!

Der Marktplatz mit historischem Alten Rathaus und Gänseliesel wird durch eine Glasburg des Lokals "Bullerjahn" verschandelt. Nicht genug damit, dass der Anblick des Alten Rathauses durch die riesigen Schirme beeinträchtigt wird, durch den Glaskasten wird auch noch die Sicht auf die Lichtenbergstatue und den steinernen Löwen verdeckt. So wie der typische Deutsche mit seiner Sandburg am Strand, so steckt das Lokal hier sein Terrain auf einem öffentlichen Platz ab und demonstriert kleinbürgerliche Einigelung statt Weltoffenheit und das auf dem am meisten besuchten zentralen Platz Göttingens. Es wird Zeit dass das wieder abgebaut wird.

 

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