Neues aus der Arbeitshölle Callcenter 31.10.12
// Mit Imagekampagnen, Filmen und schönfärberischen Anzeigen versucht
diese Firma MitarbeiterInnen zu locken. Die Berichte von MitarbeiterInnen sprechen
eine andere Sprache. Nun erreichte die goest-Redaktion am 28.10.12 erneut eine Mail mit einem Mitarbeiterbericht. Darin schildert er seine leidvolle Erfahrung mit dieser Göttinger Firma. Wer dort arbeitet oder gearbeitet hat erkennt die Firma meist anhand der anonymen Berichte wieder, was wir - wie bereits geschrieben - auch als Bestätigung für die Richtigkeit der Berichte ansehen. Wir werden auch zukünftig weitere Berichte veröffentlichen und hoffen, dass die Beschäftigten irgendwann einen Betriebsrat gründen und sich gemeinsam wehren. Mail
vom 28.10.12 an goest-Redaktion Absender xxxxx Guten
Tag liebes goest-team,
Arbeitshölle "Callcenter" 7.5.12 Callcenter sind krankmachende Arbeitsstätten in denen viele Menschen nervlich zerrütten. Penible technische Überwachung mit darauffolgenden Schikanen, der Zwang auf Pausen zu verzichten, ein Lohn der kaum zum Leben reicht, Arbeitshetze und Nervenstress, Essen an der Tastatur, die Packung Kopfschmerztabletten daneben, das alles macht die Leute kaputt. Wer krank ist, wird sofort unter Druck gesetzt. Wer sich wehren will und z.B. das Wort "Betriebsrat" auch nur laut ausspricht, dem wird, wenn es der Leitung bekannt wird, gekündigt. Callcenter-MalocherInnen schließt euch heimlich zusammen und wehrt Euch! Der erste Bericht eines Callcenter-Mitarbeiters in der Region Göttingen sprach schon Bände, in einem zweiten Bericht werden die üblen Verhältnisse um weitere Beispiele ergänzt.
Dritter Bericht 1.6.12 / Mitarbeiter erkennt die Firma an der Beschreibung der Mißstände "Der Bericht zum Callcenter XXXXXXXXXX ist mehr als richtig. Ich selbst bin derzeit dort noch angestellt aus Not der Finanzlage und Arbeitslosigkeit und derzeit verlassen nach und nach immer mehr erfahrene Kollegen diesen Scheissladen! Richtig so! Ich selbst bin auf neuer Stellensuche, sowie viele andere auch. Der pure Hohn ist weiterhin, die am heutigen Tage (31 Mai) des Herrn YYYYYYY (Standortleiter) gesandte Mail es gäbe zu den Feiertagen nun eine saftige Erhöhung, für die, die gearbeitet haben: 0,50 Euro mehr die Stunde! 50 Cent ! Wahnsinn! Kann ich einmal im Monat mehr zum Bäcker und frische Brötchen kaufen! Geilste hingegen des XXXXX sein profil auf "xing.de", mit der großen klappe, wie toll sein heimkino doch wäre und das er nach der suche des perfekten Klanges ist. Jaaaa. bei der Kohle ist das auch kein Wunder." Zweiter Bericht über die Zustände in einem Göttinger Callcenter 7.5.12 In einem weiteren Bericht werden die am 1. Mai geschilderten Zustände eines Göttinger Callcenters bestätigt: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich beziehe mich auf Ihren Artikel zum Thema -Arbeitshölle "Callcenter"-. Ich wusste sofort, welches Callcenter gemeint ist, denn ich habe selbst einmal dort gearbeitet. Es ist genau so, wie es geschildert wird, und teilweise noch schlimmer. Man kann sich nicht vorstellen, was man sich dort alles anhören muss, wenn man zwar einem Kunden geholfen hat (und dieser sogar ein schriftliches Lob einreicht, was aber natürlich komplett ignoriert wird - könnte den Mitarbeiter ja in seinem Verhalten bestärken), aber leider die Geforderte Maximale Gesprächsdauer von 4,5 Minuten überzogen hat. In dieser Zeit soll man auf den Kunden eingehen, ihn mit vorgeschriebenen floskeln soundso oft anreden, sein Problem am besten gleich lösen oder ggf. weitergeben, ihm noch etwas verkaufen (hier wird auch gefordert, dass man lügt, z.b. eine SIM-Karte als geschenkt anpreist, die Gebühr und die Versandkosten, die sich auf über 20,- belaufen einfach mal verschweigt...) und natürlich noch den vollständigen, inhaltlich korrekten, sinnvollen und bitte kurz zu haltenden Akteineintrag machen. Und wenn man mal seine Pause, die in großen für alle sichtbaren zahlen auf dem Bildschrim rückwärts läuft für 15 Sek überzieht.... Kaum vorstellbar. Aber leider wissen die Herren, dass sie am längeren Hebel sitzen. Schön war auch der Moment, in dem allen Mitarbeitern der Weihnachts- und Sylvesterurlaub gestrichen wurde, weil ja über die Feiertage extra viele Anrufe erwartet werden (haha). Nur Sonderfälle bei nachweislich vorliegender Hotelbuchung oder ohne Betreuungsmöglichkeit für die Kinder bekamen Urlaub. Und dann schickt der Chef am 15.12 (!) eine Email an alle, dass er jetzt in den "verdienten" Urlaub geht bis kommendes Jahr. Er war am 15.01 dann wieder da. Er wünschte allen schöne Feiertage mit der Familie und informierte uns, dass es ja sicherlich nicht viel zu tun gäbe für die wenigen, die arbeiten müssten. Es wäre ja zu erwarten, dass es über die Feiertage ruhig wird... Wie später bekannt wurde, gab es ein abkommen, dass alle anderen Callcenter, die für die gleiche Firma telefonieren, die Feiertage geschlossen hatten. Nur dieses nicht. Na, wer da wohl einen dicken Bonus bekommen hat. Und sowas wie Feiertags- oder Nachtzulage gibt es nicht, obwohl immer gearbeitet wird, bis 23 Uhr. Einen zusätzlichen Tag Urlaub, wenn man am Feiertag ran musste, wie der Gesetzgeber es vorschreibt? Nein, warum denn? Wenn der Mitarbeiter sich beschwert, kann er gerne zum Amt gehen, denn dann braucht er einen neuen Job. Ich könnte noch viel mehr berichten, und wenn interesse besteht und mit Anonymität garantiert wird, dann kann ich gerne genau benennen, um welches Callcenter es sich handelt. Damit nicht noch mehr Menschen sich dort kaputt arbeiten und dann unter einem Vorwand entfernt werden. Dass sollte sich jeder ersparen. Mit freundlichem Gruß, Erster Bericht über die Verhältnisse in einem Göttinger Callcenter Ein Callcenter-Malocher schildert die Arbeitsbedingungen in einem Callcenter der Region Göttingen folgendermaßen: -
- sehr niedriger Arbeitslohn, dieser beträgt 7€/h brutto. Ein
anderer Callcenter-Malocher schreibt warum gekündigt wurde:
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Harald
Mack Krankengymnastik Ver.di
vermutet Schikanen wegen Betriebsratswahl Inhaber
sucht z.Zt. dringend neue Kräfte
Im Internet findet man ein Foto des Teams (mit unbekanntem Datum) unter der Internetadresse: http://www.gelbe-seiten-svd.de/Anzeigen/bga_grafiken/80i10386.jpg das 9 Personen also wahrscheinlich den Inhaber mit 8 Beschäftigten zeigt. (Ab 5 kann ein Betriebsrat gebildet werden). Der Inhaber Harald Mack saß also nach der Kündigung mit nur noch 3 Leuten in seinem Betrieb und versuchte über die Weihnachtsferien neue Kräfte zu finden. Wer neue Arbeitskräfte sucht, kann schlecht behaupten, unter Arbeitsmangel zu leiden. Eine betriebsbedingte Kündigung in Folge schlechter Auftragslage oder Rationalisierung scheidet also mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Bleibt also die personenbedingte Kündigung, die noch etwas schwieriger durchzusetzen ist. Betriebsrat
muß gehört werden sonst ist die Kündigung unwirksam KOMMENTAR 14.1.11 / Die Internetseite http://www.physio-haraldmack.de/ ist inzwischen nicht mehr erreichbar und laut Aussage des Geschäftsinhabers "geschlossen". |
Aus Göttinger Betriebsexpress Nr. 167, 10.10.01
Zum
Beispiel bezahlter Urlaub... |
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