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Linos AG (1898 - 1998 Spindler & Hoyer)

Protestaktion gegen Militärproduktion bei der Firma Linos 3.4.03
Linos kauft Rodenstock und will sich aus dem Tarifvertrag herausschleichen 2003/2004

 

Protestaktion gegen Militärproduktion bei der Linos AG

linos4.jpg (22527 Byte) Protest vor Linos am 3.4.2003. Die Protestierenden behaupteten, die Linos AG stelle optische Zielsuchsysteme für Lenkwaffen im Auftrag der EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) her, "die wahrscheinlich auch im [damals stattfindenden] Irak-Krieg zum Einsatz kommen."

Angeblich hat Gerd Litfin, Vorstandsvorsitzender der Linos AG nach der Aktion am 4.4.03 behauptet, dass in dem Betrieb in der Königsallee nichts militärisches hergestellt werde, er habe aber bestätigt dass in der Linos AG militärisch nutzbare Bildverarbeitungssysteme mit rein passivem Charakter" gefertigt würden deren Umsatzanteil nur 6 % betrüge.

Erwiderung der Linos-KritikerInnen 5.4.09:

"Wieso sind optische Zielsysteme für Lenkwaffen nun plötzlich "Bildverarbeitungssystme" mit "rein passiven Charakter"? Wieso soll der Protest gegen die Produktion von Kriegswaffen davon abhängig gemacht werden, ob die betroffene Firma auch andere Dinge herstellt? Gerade das würde doch zeigen, dass es sich um ein verzichtbares Geschäft mit dem Tod handelt. Ich zitiere den Geschäftsführer aus seiner eigenen Presseerklärung (Dez. 2002) zum Auftrag der EADS "Im Rahmen dieses Auftrags wird LINOS für EADS optische Systeme für den Verteidigungsbereich entwicklen und produzieren" und weiter "LINOS baut mit diesem Auftrag die langjährige Geschäftsbeziehung und gute Zusammenarbeit mit der EADS weiter aus. 'Die Aufträge belegen, dass der Geschäftsbereich Information Technology & Communications großes Potenzial besitzt. Bereits im laufenden Jahr hat sich das Marktsegment Defense als Umsatzträger mit steigender Tendenz erwiesen. Für die Zukunft erwarten wir hier einen weiter steigenden Auftragseingang', erläuterte Prof. Dr. Gerd Litfin, Vorstandsvorsitzender der LINOS AG."
(Litfin war bis Ende 2006 Vorstandsvorsitzender und wechselte Anfang 2007 in den Aufsichtsrat.)"

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Die Protestaktion dürfte bei einigen Beschäftigten für Gesprächsstoff in der Firma gesorgt haben. Die Forderung über Megaphon, dass die Firma den Leuten zwecks Diskussion freigeben soll, dürfte allerdings auf mildes Lächeln gestossen sein.

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Passend dazu hier das Foto von Zeichnungen die bei einer anderen Demo an die Fensterscheiben der Deutschen Bank geklebt wurden.
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Transparent vor der Firma Linos

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Transparent vor der Firma Linos - Demonstranten als "UN-Waffeninspekteure" verkleidet.

Es ist vorgesehen, als drittes Aufsichtsratsmitglied ab Januar 2007 Nils Stoesser zu berufen. Er ist Direktor des Private-Equity-Unternehmens Candover Partners plc, dem Hauptgesellschafter von Qioptiq. Die Veränderungen in der Unternehmensführung stehen in Zusammenhang mit der Übernahme von LINOS durch die Qioptiq Gruppe, die am 11. Oktober 2006 umgesetzt wurde. Litfin und seine Familie, bisher Hauptaktionäre, hatten im Rahmen der Übernahme ihr Aktienpaket veräußert. Nach einem Grußwort von Thomas Oppermann (MdB) würdigte Gerd Kastrup bei dem Empfang die Entwicklung der LINOS AG von einem Familienbetrieb mit 100-jähriger Tradition zu einem kapitalmarktorientierten, weltweit operierenden Unternehmen. Er zeigte sich davon überzeugt, dass "sich für LINOS in dem Verbund mit Qioptiq eine Vielzahl neuer Chancen im Markt eröffnet". In seiner Festansprache hob Nils Stoesser, Direktor von Candover Partners, hervor, dass Kostensenkungsprogramme beim Zusammengehen von LINOS und Qioptiq nicht im Vordergrund stehen. "Um unser Ziel - Ergebnisse durch Wachstum - zu erreichen, geben wir den Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, sowohl strategische als auch finanzielle Unterstützung, um damit ihre Marktstellung und ihre Ergebnissituation nachhaltig zu verbessern.", sagte Stoesser. Benoit Bazire, CEO der Qioptiq Gruppe, sagte in einem Pressegespräch im Vorfeld des Empfangs: "Die LINOS Akquisition ist eine ausgezeichnete Ergänzung unserer Aktivitäten - mit Stärken, die wir erhalten, nutzen und weiterentwickeln wollen. LINOS wird von unserer weltweiten Präsenz, vor allem von unserem starken Vertrieb in den USA, und von unserer technischen Leistungsfähigkeit in einigen komplementären Bereichen profitieren. Die Qioptiq-Gruppe steigert durch die Übernahme ihre Kompetenzen, insbesondere auf den Gebieten der Systemintegration und UV-Optik. Dies versetzt uns in die Lage, unseren Kunden eine breitere Palette an Produkten und Dienstleistungen anzubieten."

 

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Linos kauft Rodenstock und will sich aus dem Tarifvertrag herausschleichen

Aus Göttinger Betriebsexpress Nr. 147 (April 2004)
Auch in der Aufwärtsphase: Geschäftleitung ignoriert Tarifvertrag

Im Jahr 2003 (...) wurde mit 10 Mio. Euro ein Rekordverlust eingefahren. Auch die KollegInnen haben das zu spüren bekommen. Seit Ende 2001 sind 20% der Beschäftigten im Konzern entlassen worden. In der Göttinger Königsallee arbeiten inzwischen nur noch 170 KollegInnen – davon 30 Auszubildende.
In den ersten Monaten dieses Jahres geht es aber spürbar aufwärts mit den Geschäften von Linos. Aufgrund der Entlassungen haben die KollegInnen inzwischen Probleme, alle Aufträge zu erledigen – um Neueinstellungen kommt Linos kaum herum. (...)
In der Presse wurde jedenfalls stille geschwiegen über die miesen Tricks, mit denen sich Prof. Litfin der Tarifbindung entledigt hat. Nach der Übernahme der Rodenstock Präzisionsoptik hatte Litfin eine Firmenkonstruktion eingefädelt, bei der das Göttinger Werk jetzt rechtlich eine Tochterfirma der (inzwischen in Linos umbenannten) Rodenstock ist. Vorteil dieses Deals: die Münchner sind nicht im Arbeitgeberverband und dadurch entfiel auch für die Göttinger ‚Tochterfirma‘ die Mitgliedschaft. Ende 2002 haben sich die Göttinger KollegInnen heftig gegen die drohende Aushöhlung des Tarifs gewehrt. Mit einer Unterschriftenaktion forderten Sie den Abschluss eines Anerkennungstarifvertrages, um nicht nach einem Jahr ohne Tarif dazustehen. Tat Prof. Litfin damals noch so, als sei die Tarifbindung mehr zufällig entfallen, so wurde im Laufe der nächsten Zeit deutlich, dass die Geschäftsführung die Aushöhlung des Tarifs systematisch betreibt. Seit dem Auslaufen der Nachwirkungsfrist Ende 2003 achtet der Münchner Personalchef peinlich genau darauf, dass bei Neueinstellungen im Arbeitsvertrag der Tarifvertrag mit keinem Wort erwähnt wird. Auch eine Zuordnung zu Lohngruppen findet nicht mehr statt. Mit aller Macht will sich die Firma aus dem Tarifvertrag schleichen. Angesichts der Entlassungen der letzten Jahre und der damit einhergehenden ständigen Drohungen der Geschäftsleitung, die Produktion aus Göttingen nach Polen zu verlagern, sieht sie sich jetzt ‚am längeren Hebel‘.
Besonders interessant war für die KollegInnen natürlich, ob es nach Abschluss der Tarifverhandlungen im Metallbereich jetzt auch für sie mehr Geld gibt. Die Geschäftsleitung stellt sich auf diesem Ohr einfach taub: wieso soll sie eine Lohnerhöhung gewähren – es gibt doch keinen Tarifvertrag mehr! dassdie KollegInnen ja nicht auf der Insel der Seligen sitzen, sondern hier in Göttingen einkaufen und Miete zahlen, wird für sie das Leben von Jahr zu Jahr teurer. Im Endeffekt heißt das: Mehr Arbeit, aber weniger in der Tasche! Dass so etwas geht, ist den KollegInnen völlig unverständlich, denn in ihren Arbeitsverträgen steht schwarz auf weiß, dass die Tarifverträge der IG Metall gelten. Offensichtlich läuft alles darauf hinaus, dass die Geschäftsleitung Streit will – zur Not auch vor Gericht. (...)

Aus Göttinger Betriebsexpress GBE Nr. 171, 12.2.2003
Heuern, feuern und mit Tricks aus der Tarifbindung

(...) Im Jahr 2001 stieg der Umsatz um 48%. Der Börsengang Linos-Aktie war ein Erfolg - eine typische Hightech-Erfolgsgeschichte. Mit der Rodenstock Präzisionsoptik in München wurde eine weitere Firma in das Imperium eingekauft. Und für die billige Serienproduktion wurde eine Firma in Polen gegründet.
(...) Mit dem Einbruch bei den Telekommunikations-Unternehmen geriet auch Linos in Schwierigkeiten. Bereits im November 2001 wurden 22 (..) KollegInnen wieder auf die Straße gesetzt. Weitere Kündigungen folgten im Juli und im Dezember letzten Jahres. Insgesamt haben in 2002 allein in Göttingen ca. 35 Kolleginnen ihren Arbeitsplatz bei Linos verloren. Und auch bei den Tochterbetrieben in Regen, Gießen, Planegg und München sah es nicht besser aus. Dabei wurde schon seit Anfang 2002 weniger gearbeitet. (...)
Der Mitte 2002 verkündete Rationalisierungsplan verheißt dassnichts Gutes. Hier wird ein allgemeines Produktions-Karussell angeschoben, das für die Göttinger KollegInnen nicht gut ausgeht. Die Fertigung von Linsen soll vollständig aus Göttingen abgezogen werden. Die Serienprodukte sollen in Polen produziert werden und die spezielleren Produkte in Regen. Dafür sollen die Prismen z.T. nach Göttingen verlagert werden. (...) Unangenehm für die Göttinger Kolleginnen ist, dass sie bei diesem Verschiebebahnhof gerade die Prismen-Fertigung abgekriegt haben, die besonders stark von den Märkten Telekommunikation und Chipproduktion abhängen, die stark eingebrochen sind. (...)

Mit Tricks aus der Tarifbindung im Oktober 2002 hat Prof. Liffin einen raffinierten Coup gelandet, um Linos aus der Tarifbindung herauszubrechen: Die sowieso fällige Integration der Rodenstock-Präzisionsoptik wurde sozusagen mit umgekehrten Vorzeichen vorgenommen. Die Firma Rodenstock wurde die Muttergesellschaft und Linos Photonics zu einer einfachen Tochter. Allerdings wurde Rodenstock sofort wieder in Linos AG umgetauft, so dass nach außen alles seine Ordnung zu haben scheint. Die fatale Wirkung für die KollegInnen in Göttingen: dassdie Firma Rodenstock - wie auch die anderen Tochterfirmen - nicht im Arbeitgeberverband ist, wurde durch diesen Trick die Tarifbindung für die Göttinger KollegInnen aufgehoben.

Gegenwehr Angesichts der Gefahren für ihre Arbeitsbedingungen wollten sich das die Kolleginnen allerdings nicht gefallen lassen. Sie organisierten eine Unterschriftenaktion, mit der die Geschäftsleitung aufgefordert wurde, mit einem Anerkennungstarifvertrag in die Tarifbindung zurückzukehren. Fast alle Göttinger KollegInnen und auch die meisten Kolleginnen aus Gießen haben mit ihrer Unterschrift ihre Meinung kundgetan. An den anderen Standorten haben sich die Betriebsräte nicht getraut, den KollegInnen die Unterschriftenlisten vorzulegen warum auch immer. (...)

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