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Sartorius

Sartorius verlangt "Freude" 2013
Sartorius: Sartorius wächst – wohin? 2012

Sartorius wird in verschiebbare Bausteine zerlegt 2012
Alles muss raus! 2007
Management macht Fehler 11/2003

Sartorius - Entlassungen 4/2003
Sartorius Arbeitszeitverlängerung 2001

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Sartorius  >> www.sartorius.de , gegründet 1870 ,

2014 bestehen Arbeitsverträge mit 6.100 Menschen in mehr als 30 Ländern
Verstärkte Konzentration auf den Bedarf , z.B. Laborbedarf in der Biotechnologie, der Pharma und Nahrungsmittelindustrie. Sartorius sieht sich als einen der "führenden Anbieter von Produkten und Systemen für die Herstellung von Biopharmazeutika". (Gesch.bericht 2013)
Biotechnologie: Filter, Trennprozesse, Fermenter und Lösungen für Proteomics, das Bioprocessing in Labor und Prozess sowie für die Getränkeindustrie. Mechatronik : Laborwaagen, Goldwaagen Mess- und Automatisierungstecknik für Labors und Industrie. Gleitlager für Turbinen, Getriebe, Turbolader, Verdichter.

Biotechnologie-Chef
Frühjahr 2001 /Jean-Claude Wehrte, bisher als Mitglied des Vorstandes der Sartorius AG für die Sparten Biotechnologie und Umwelttechnik verantwortlich, scheidet im gegenseitigen Einvernehmen aus zwingenden privaten Gründen mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen aus. Neuer Leiter der Sparten Biotechnologie und Umwelttechnik wird Dr. Eric Janssens (45). Janssens ist Chemiker und stammt aus Belgien. Er ist im Sartorius-Konzern bisher als Geschäftsführer der Biotechnologie-Tochter B. Braun Biotech International (Melsungen/Deutschland und Allentown, Pennsylvania/USA) tätig gewesen.

Der strahlende Konzern und seine ausgelagerten Armenviertel

Sartorius veranstaltet am 10.4.2014 seine AktionärInnenversammlung in der Göttinger Lokhalle. Dann wird der Vorsitzende Joachim Kreuzburg den Gewinn und die Umsatzsteigerung loben, für die Öffentlichkeit und die Gewerkschaften darauf hinweisen, wieviele Arbeitsplätze an Sartorius hängen und verkünden, was den AktienbesitzerInnen an Geld ausbezahlt wird auch wenn sie keinen Finger krumm gemacht haben für die Firma.
Da das Geschäft im Bereich Biotechnologie boomt steht die Firma auch wirtschaftlich ganz gut da. Gewinne macht sie aber auch dadurch, dass sie bestimmte Bereiche in (Tochter-) Firmen auslagert die als Armenviertel des Konzerns angesehen werden können.

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung von Auszügen aus dem Göttinger Betriebsexpress >>Originale auf der GBE-Homepage im pdf

GBE Mai 2013 /
Der Göttinger Versanddienstleister Distribo wurde im Jahr 2004 als Gemeinschaftsunternehmen von Zufall und der Göttinger Firma Sartorius (26% Anteil) gegründet – einziger Firmenzweck: die Produkte von Sartorius zu lagern und zu verschicken.
Wohl war den KollegInnen, die vor knapp 10 Jahren gezwungenermaßen von Sartorius zur neugegründeten Firma wechselten, bei diesem Übergang nicht. Es wurde befürchtet, dass die Arbeitsbedingungen sich bei diesem Wechsel zu ihren Ungunsten verändern würden. Damals schon sagten viele: „Das macht Sartorius doch nicht einfach so – die wollen Geld sparen.“ Das hat sich leider bewahrheitet – Sartorius spart hier auf Kosten der KollegInnen, die bei Distribo beschäftigt sind. Zwar betrachtet sich die IG Metall als zuständig für den Betrieb, weil er ein Dienstleistungsbetrieb von Sartorius ist, aber das nützt den KollegInnen dort nichts. Der Betrieb ist nicht im Arbeitgeberverband und so spart sich das Unternehmen gleich mal den Tarif lohn. Konkret heißt das: seit 10 Jahren gab es keine Lohnerhöhung, die KollegInnen können sich heute von ihrem Lohn ca. 15% weniger leisten als vor 10 Jahren.

Immer mehr verlangt die Geschäftsführung von den Beschäftigten. Immer wieder werden von den KollegInnen Überstunden und Wochenendeinsätze verlangt. Die Interessen der KollegInnen zählen überhaupt nicht mehr. Das Verhältnis von Geschäftsführung zu denjenigen, die die Arbeit machen müssen, ist einfach: „Ich ordne an – ihr macht“, ist das Motto. Längst hätte neues Personal eingestellt werden müssen, weil die etwa 55 KollegInnen die Arbeit nicht schaffen. Stattdessen werden kurzfristig Leiharbeiter angeheuert, die dann nach ein paar Stunden Anlernzeit das Gleiche können sol len wie jemand, der schon seit Jahren dabei ist. Kein Wunder, dass dann doch eine Menge schief geht. Die KollegInnen bemühen sich nach Kräften trotz dieser Situation gute Arbeit abzu liefern, aber die Folgen der Geschäfts - führung ohne Rücksicht auf die Beschäftigten sind fatal: immer mehr Kol - legInnen werden krank – „viele können einfach nicht mehr“, berichtet uns ein Kollege. Heute nennt man so etwas ja gerne „Burn out“, aber man kann auch sagen, sie haben sich krank geschuftet. Während die Einen krank werden, haben die Anderen die Schnauze voll und hauen ab. So kommt es zu einer hohen Fluktuation, unter der letztlich die Qualität leidet.

Mit Hilfe der IG Metall wurde nach der Ausgliederung ein Betriebsrat gegründet, aber die Belegschaft ist ziemlich eingeschüchtert und der Betriebsrat ist nicht sonderlich aktiv. Auf den wenigen Betriebsversammlungen traten sogar Vertreter von Zufall auf, die gar nicht zum Unternehmen gehören und der Betriebsrat hat sie dort reden lassen. Und der Betriebsrat lässt sich anscheinend auch gefallen, dass die Firmenchefs mal eben Überstunden anordnen ohne sich das - wie es das Betr.Verfassungsgesetz vorsieht - vom Betriebsrat die Zustimmung erbitten. Dieses Management nach Gutsherrenart scheint aber auch bei der Mutterfirma Zufall in Göttingen – wo das Distribo-Management herkommt – normal zu sein. Über 100 Zufall-KollegInnen haben gegen diese Amtsführung des Betriebsrates in einer Unterschriftensammlung protestiert und die Gewerkschaft ver.di hat sogar ein Verfahren zur Amtsenthebung der Arbeitnehmervertretung eingeleitet
Das alles hilft natürlich den KollegInnen bei Distribo nichts, die ja in einer „eigenständigen“ Firma arbeiten. Eigentlich könnten sie ja zufrieden sein, denn Anfang des Jahres haben Zufall und Sartorius bekannt gegeben, dass ein neues Logistikzentrum zwischen Göttingen und Rosdorf gebaut werden soll, das die bisher auf fünf Standorte im Industriegebiet verteilten Hallen an ei nem Ort zusammenbringen soll. Und der einzige Auftraggeber Sartorius scheint auf Wachstum programmiert zu sein. Sartorius hat seinen operativen Gewinn im letzten Jahr um 20% gesteigert, Zufall hat 2011 den Gewinn um fast 25% erhöht – da muss es doch möglich sein, auch den KollegInnen, auf deren Arbeit dieser Erfolg beruht, einen fairen Anteil abzugeben.

GBE Februar 2014 / Sartorius im Glück?
In dem neugegründeten Versandzentrums am Siekanger sollen angeblich 70 MitarbeiterInnen von Distribo (einer gemeinsamen Tocherfirma von Zufall und Sartorius) und 40 KollegInnen von Sartorius arbeiten. Jetzt befürchten die KollegInnen von Sartorius, in eine ähnliche schlechte Situation wie die Beschäftigten der Tochterfirma zu kommen, wenn sie im neuen Versandzentrum untergebracht werden - die Begeisterung hält sich daher in Grenzen.

 

Sartorius verlangt "Identifikation mit dem Unternehmenswert Freude"

2013 / Zwei Ereignisse lenkten kürzlich die Aufmerksamkeit in Göttingen auf Sartorius: Die AktionärInnenversammlung der Sartorius AG 2013 bei der glückliche AktionärInnen Dankesgedichte vortrugen und die Eröffnung eines Zweigwerkes der aufgekauften Firma Stedim Plastics, die Kunststoff-Spritzguss für Labor-Einweg-Material in der Karl-Arnold-Straße herstellt. Die gegenwärtig gute wirtschaftliche Lage des Sartoriuskonzerns bedeutet jedoch nicht in gleichem Maße Glück und Freude für alle Sartorius-Beschäftigten.

"Freude"?
In Stellenausschreibungen verlangt Sartorius vom einfachen Buchhalter bis zum Rechtsrefenten "Identifikation mit unseren Unternehmenswerten: NACHHALTIGKEIT, OFFENHEIT, FREUDE!" (>>Quelle) Diese Identifikationsforderung, die eher nach Zugehörigkeit in einer ökologisch angehauchten Psycho-Sekte klingt, könnte für einige Beschäftigte in Zukunft schwer zu erfüllen sein, da ihr Arbeitsplatz bedroht ist. Und mit "Nachhaltigkeit" scheint bei Sartorius eher nachhaltiges Gewinnmachen zu meinen, denn die Produktion von Einwegprodukten aus Kunststoff entspricht nicht der Nachhaltigkeit im ökologischen Sinn.

Die industrielle Wägetechnik soll verkauft werden
Der >>Vortrag des Vorstandsvorsitzenden Kreuzburg auf der Hauptversammlung 2013 machte deutlich, wie die ursprüngliche Haupt-Produktsparte immer mehr heruntergefahren werden soll. Die Der Welt-Konzerns hat seinen Schwerpunkt inzwischen mit 56 % auf die Sparte "Einwegprodukte und Equipment für die Produktion von Biopharmazeutika" gelegt, mit 32 % auf die Sparte "Laborinstrumente, Verbrauchsartikel und Service für die Forschung und Entwicklung, sowie die Qualitätssicherung, und nur noch mit 12 % auf die Sparte "Industrielle Wäge- u. Kontrolltechnik". Der Aufkauf einer Firma zur Verstärkung der Hauptsparte Firma Stedim und die Entwicklung des Umsatzbereiches der Einwegprodukte zeigt die Marschrichtung des Konzerns an. Und die hat für die industrielle Wägetechnik und die 80 dort Beschäftigten keine guten Auswirkungen. Diesen Bereich der Industriellen Wäge- und Kontrolltechnik beschrieb Kreuzburg in seiner Rede vor AktionärInnen zwar als "Premiumanbieter" mit wettbewerbsfähigen Produkten, attraktiver und breiter Kundenbasis, der ein profitables Geschäft mit guten Bruttomargen macht. Aber langfristig betrachtet sei das als globales „Stand-Alone-Geschäft“ relativ klein und derzeit laufe eine "konkrete Prüfung von Optionen zum Verkauf der Sparte"

In einem >>Interview am 7.1.13 hat Dr. Joachim Kreuzburg noch offener ausgesprochen was Sache ist. Auf die Frage "Wie soll es mit Ihrem Industriewaagen-Geschäft weitergehen?" antwortete er: "Wie bereits zu Jahresbeginn kommuniziert, steht dieses Geschäft zum Verkauf. Im Sommer haben wir einen strukturierten Verkaufsprozess eingeleitet. Inzwischen haben wir eine Reihe interessanter Angebote erhalten, wovon wir uns nun auf die für uns attraktivsten konzentrieren werden. Einen Abschluss kann ich mir durchaus in den nächsten Monaten vorstellen."

Dies alles wurde schon seit langem vorbereitet. Der Göttinger Betriebsexpress beschrieb schon 2009 wie dem zu verkaufenden Bereich die Daumenschrauben angelegt wurden:
"So war es zwar nicht völlig unerwartet, aber trotzdem für die meisten KollegInnen ein Schock, als der Vorstandschef Kreuzburg auf der Hauptversammlung verkündete, dass in der Mechatronik weltweit ca. 25 Millionen Kosten eingespart werden sollen, davon 20 Millionen Personalkosten." Und ironisch fügt der GBE hinzu: "Für den Vorstand geht es dabei um viel: obwohl die Vorstände in 2008 jeweils 40.000 Euro mehr Fixgehalt hatten als im Jahr zuvor, sank das Einkommen des Vorstandsvorsitzenden Kreuzburg auf schlappe 789.000 Euro, lediglich die Nummer 2 im Vorstand, Herr Maaz konnte sich mit 573.000 Euro über eine Erhöhung von 15% freuen. Um nicht in den nächsten Jahren mit deutlich niedrigerem Einkommen dasitzen zu müssen, kommen die beiden gar nicht um eine Kürzung der Personalkosten herum." (>>Quelle GBE 2009)


Tagungsgebäude Sartorius-Kolleg auf dem Firmengelände im Industrieviertel

Entwicklung der anderen Sparten

Nach dem Verkauf der industriellen Wägetechnik will Sartorius die "anderen beiden Bereiche kraftvoll weiterentwickeln" (Interview a.a.O). Dies drückt sich in Göttingen folgendermaßen aus:
-- Ausbau der Spritzgussfertigung (Göttingen) Spritzgusskomponenten werden für alle Einwegprodukte benötigt - Verdoppelung der Kapazitäten, Einweihung 19. April 2013,
-- Ausbau der Laborwaagenfertigung (Göttingen) Modulare, teil-automatisierte Produktion, Schrittweiser Kapazitätsaufbau 2013 - 2015 (Kreuzburg-Rede)

Der Kurs der Sartoriusaktie hat sich in den letzten Jahr stark nach oben entwickelt. Das Bild eines proper wachsenden Konzerns mit ausreichend Gewinn und Wachstum wird allenthalben kolportiert. Die Gefahren einer Überbewertung der Aktien, Fehlspekulationen, werden ausgeblendet. Analysten stufen die Aktie inzwischen auf "Halten" und sogar auf "Verkaufen". Bei den Vorzugsaktien (Aktien ohne Stimmrecht mit höherer Dividende) ging der Kurs seit einiger Zeit von 90 auf 75 runter. Ausgeblendet wir auch die Fragen nach dem Verbleib der 80 Beschäftigten beim Verkauf der Wägetechnik.


Aktienkurs Sartorius AG Inhaber-Stammaktien o.N. 2009 bis Frühjahr 2013 / Dividende 1,51 %

So sieht das Bild für Aktionäre aus

Die IGMetall sieht im Vergleich dazu die Stagnation von Löhnen und Gehäler

Im Bereich der Produktkategorien: Laborwaagen und Pipetten (~180 Mio Umsatz) , Verbrauchsartikel und Service (~89 Mio Umsatz), soll ein "Ausbau der Synergien, Intensivierung des E-Business, Direktvertrieb" erfolgen und sollen "Allianzen und Akquisitionen" geschaffen werden. In diesem Bereich sind daher zukünftig personalwirtschaftliche Folgen in den Bereichen Verkauf, Vertrieb zu erwarten. Auch die Standardisierung der Geschäftsprozesse durch Einsatz von SAP hat in aller Regel zur Folge, dass Doppelarbeiten im Betrieb (durch Intergration und Einmalerfassung) vermieden werden (Falls die Systeme alle laufen). Bislang sind die Beschäftigtenzahlen gestiegen, im Konzern von 2011:4887 auf 2012 5.491 und in Deutschland von 2011 2.299 auf 2012: 2.396. Das Wachstum ist vor allem auf USA und Asien (China und Indien) zurückzuführen.
Im Interview (a.a.O.) auf die aktuellen Krisenfolgen angesprochen gab Kreuzburg zu in den "beiden Divisionen, der Laborsparte und der Industriewägetechnik, spielt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung schon eine Rolle" . Und diese Entwicklung wird mit dem Zurückgang des Wachstums in China noch spürbarer werden.

 

Sartorius wird in verschiebbare Bausteine zerlegt
(Zusammenfassung des Artikels aus dem GBE Nr. 190 / 25.4.2012 > vollständiger Artikel)

Nach außen hin stellt sich die Firma als stabil und gewinnträchtig dar. Nach innen entsteht Verunsicherung. Die Struktur des Konzerns wird aktuell durch die Aufteilung und Zersplitterung in organisatorische und rechtlich getrennte Einheiten in eine Art „Baukastensystem“ zerlegt. So kann der Verkauf von Unternehmensteilen oder die Einbindung bei möglichen Zukäufen einfacher erfolgen. Bereits vor einiger Zeit hat die Firmenleitung verkündet, dass im Bereich Industriewaagen 'desinvestiert' werden soll – ein anderer Ausdruck für 'Verkauf oder Schließung'. Anfang des Jahres wurde auf einigen Börsen-Webseiten sogar vom Verkauf der „konjunkturanfälligen Wägetechnik“ geredet. Erst im Nachhinein wurden diese Berichte korrigiert und dann vom Verkauf der industriellen Wägetechnik geredet. Die ca. 80 Kolleginnen und Kollegen, die in Göttingen in der industriellen Wägetechnik, also mit Waagen speziell für die Industrie beschäftigt sind, fühlen sich auf dem Abstellgleis. Die Geschäftstätigkeit ist von den anderen beiden Sparten abgetrennt worden und wartet auf den richtigen Investor – wobei 'richtig' im Sinne der Geschäftsleitung wohl derjenige ist, der am meisten Geld bietet. Eine Befürchtung ist, dass ein Investor nur Interesse an den Standorten Aachen und Hamburg hat und der Göttinger Teil der Sparte alleine gar nicht überlebensfähig ist.

In den letzten Jahren wurden die alten Sparten Biotechnologie und Mechatronik in eigenständige Firmen aufgeteilt – zuletzt wurde z.B. die Mechatronik, die noch unter Sartorius AG firmierte, in die Sartorius Weighing Technology GmbH ausgelagert. Jetzt übt die Geschäftsleitung die Rolle rückwärts: Vertrieb, Marketing und Entwicklung werden entsprechend der neuen Spartenaufteilung zusammengefasst – und die alten Abteilungsstrukturen aufgelöst. Das führt dazu, dass jetzt Kolleginnen und Kollegen zusammen die gleiche Arbeit machen, aber unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, variabler Vergütungsstrukturen und tarifvertraglicher Absicherung vorfinden. Wenn sie bei diesem Veränderungsprozess nicht unter die Räder kommen wollen, sind die Kolleginnen und Kollegen bei Sartorius wohl gut beraten, sich nicht auseinander dividieren zu lassen. So manch einer bedauert, dass es am Göttinger Standort mehrere Betriebsratsgremien gibt. Aufgrund der firmenübergreifenden Zusammenarbeit ist oft gar nicht klar, welcher Betriebsrat welcher GmbH für ein Problem gerade zuständig ist. Die Beschäftigten sind gut beraten, sich aktiv in die Diskussion „Sartorius wächst“ einzubringen – ansonsten könnte ihnen auch einiges über den Kopf oder in die falsche Richtung wachsen…

 

GBE 183 / Dezember 2007
Alles muss raus!

Am 10. September überraschte der Sartoriusvorstand die KollegInnen mit der Mitteilung, dass der Arbeitsdirektor Olaf Grothey sein Amt als Vorstand bei Sartorius beendet. Seit über fünf Jahren war Olaf Grothey im Vorstand für Personalwesen und allgemeine Verwaltung zuständig. Damit hat der Sartorius-Chef Kreuzburg sich eines der letzten Erbstücke aus der Ära seines Vorgängers und Ziehvaters Utz Claassen entledigt. Utz Claassen hatte 2002 einen echten Überraschungscoup gelandet, indem er den damaligen Betriebsratsvorsitzenden Grothey in den Vorstand berief.

Schwieriges Verhältnis
Das Verhältnis der KollegInnen zum Vorstand war naturgemäß schwierig. Viele empfanden den Seitenwechsel als unpassend – auch wenn Olaf Grothey immer wieder mit seiner Mitgliedschaft in der IG Metall kokettierte. Dass er als 'Mann fürs Grobe' dann im Jahr 2003 die Entlassung von 180 KollegInnen organisiert hat, machte ihn in deren Augen nicht gerade sympathischer. Welche Gründe nun dazu führten, dass der Piercingträger Grothey nicht mehr im Sartoriusvorstand arbeitet , liegt im Feld der Spekulation. Vielleicht war der ehemalige Feinmechaniker angesichts der Fusion mit dem französischen Plastiktütenhersteller Stedim nicht mehr fein genug. Jedenfalls wurde seine Stelle nicht neu besetzt. Der Mitvorstand Dr. Maaz (... jetzt sind es nur noch zwei im Vorstand) ist nun Arbeitsdirektor und soll die Arbeit von Olaf Grothey miterledigen.

Gleitlager entflutscht dem Sartorius Konzern
Dass die Gleitlagersparte von Sartorius verkauft werden sollte, ist schon seit Jahren Thema gewesen. Seitdem sich das Gleitlager im Jahr 2005 Sartorius Bearings Technology (SBT) nannte und ein eigenes Unternehmen war, wurde ein Verkauf nur noch äußerst lahm dementiert. Und der Umzug weg vom Sartoriusgelände in die alten Phywe-Hallen hat den Verdacht nur bestärkt, dass etwas im Busche ist. Am 15. Oktober haben es die KollegInnen dann erfahren: sie müssen raus! Die Firma ist jetzt an die britische Smiths Group verkauft und wird in Zukunft unter den Fittichen der John Crane GmbH in Fulda stehen.

Im Moment scheinen die KollegInnen ihre Zukunft bei John Crane nicht so schwarz zu sehen. Die Fuldaer Firma stellt Gleitdichtungen und Ähnliches her und tummelt sich mit anderen Produkten auf dem gleichen Markt wie SBT. Und die Fuldaer Firma ist mit 190 KollegInnen nur knapp doppelt so groß wie SBT. Die Gefahr in einem großen Konzern wie der Smiths Group mit ca. 32.000 Beschäftigten unterzugehen, ist bei dieser Konstruktion nicht so groß. Allerdings wird die Smiths Group, zu der John Crane gehört, zur Zeit auch von Fraktionskämpfen unter den Kapitaleignern geschüttelt. Ein Teil der Kapitaleigner möchte den Konzern lieber in mehrere kleine Firmen zerlegen, um noch mehr Geld aus dem Unternehmen zu holen. Die KollegInnen vom Gleitlager haben sich bisher aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen – sie sind zum Großteil in der IG Metall organisiert. Das ist ein gutes Fundament, um die Interessen auch gegenüber neuen Eigentümern erfolgreich zu vertreten.

Wohin mit der Kohle
Fragt sich, was im Sartoriuskonzern mit den 20 Millionen Euro passiert, die der Verkauf von SBT gebracht hat. Böse Zungen behaupten, dass der Vorstand jetzt schnell zugeschlagen hat, um für den Fall gerüstet zu sein, dass die Sartorius-Stedim-Fusion nicht so glatt verläuft wie geplant. Die Kosten solcher Fusionen werden ja häufig unterschätzt, auch wenn nicht jede Fusion gleich so katastrophal verlaufen muss wie z.B. bei Daimler-Chrysler. Viele KollegInnen aus dem ehemaligen Kernbereich der Firma, der Waagenproduktion, hoffen natürlich, dass das Geld für Investitionen in diesem Bereich genutzt wird. Schließlich fehlen der sogenannten Mechatroniksparte in Zukunft 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr, die das Gleitlager beigetragen hat. Im Gegenzug hat die Biotechnologiesparte durch die französische Stedim ja erheblich an Umsatz hinzugewonnen. Die Gewichte innerhalb von Sartorius haben sich also weiter verschoben. Aber die Hoffnungen auf Investitionen sind trügerisch. Selbst wenn der Vorstand entscheidet, in die Mechatronik zu investieren, wird dies nicht unbedingt in Göttingen sein. Wahrscheinlicher ist, dass "Umsatz hinzugekauft" wird in Form einer Firma irgendwo auf der Welt. Nur in einem können sich die KollegInnen sicher sein: das Geld wird nicht als Weihnachtsgratifikation an die Mitarbeiter verteilt. Aber das wär ja auch nicht normal...

Eine neue Ära muss rein
Wie ganz normal durchschnittlich das Leben eines Beschäftigten bei einem Technologieführer der Mechatronik und Biotechnologiezulieferer ist, haben viele SartorianerInnen am 5. November 2007 gespürt. An diesem Tag haben sie ihre Eingruppierung in dem neuen Entgeltrahmentarifvertrag (ERa) der IG Metall erhalten. Was da zu lesen war, ist leider nur Durchschnitt oder auch noch darunter. Mit diesem neuen modernen Tarifvertrag, der die alten Zöpfe der Zweigleisigkeit von Arbeiter und Angestellten abschneiden soll, schwappte auch die schöne neue Arbeitsmarktwelt mit der neuen Unterbewertung von Arbeit ins Haus Sartorius. Was viele, oft langgediente und auch oft gut bezahlte SartorianerInnen zukünftig an Geld für ihre Tätigkeit zu erwarten haben, schlug in der Belegschaft heftig ein. Zwar hat die IG Metall im ERa-Tarifvertrag eine materielle Absicherung in Form einer sogenannten Überleitungszulage herausverhandelt, aber diese "Sozialzulage" lag vielen doch sehr schwer im Magen. Immerhin 2/3 der KollegInnen, also ca. 1000 Beschäftigte bei Sartorius, erhalten zu ihrer neuen Entgeltgruppe zukünftig eine Zulage, weil sie angeblich nicht mehr das Geld wert sind, das sie bisher bekommen haben. Die Beträge sind mitunter nicht klein und bewegen sich bei ca. 250 Beschäftigten sogar oberhalb der 500,- €. Anlässlich der Betriebsversammlung im November haben Betriebsrat und Führung den Unmut der Belegschaft wohl schon heftig kennengelernt, denn ERa ist bei Sartorius im Moment Flurgespräch Nr.1.

Man darf gespannt sein, wie es ggf. in einem Unternehmen mit einer so überdurchschnittlichen Ertragslage gelingen könnte, die Einkommensstrukturen bei den ganz normalen Beschäftigten unterhalb des Top-Führungskreises nach unten zu drücken.

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GBE 173 / November 2003
Sartorius-Management macht Fehler, die  "geringer verdienenden abhängig Beschäftigten" müssen büssen

Auf der Grundlage eines Artikels aus dem Göttinger Betriebsexpress Nr. 173, 19.11.03 stark gekürzt und mit einigen Textumstellungen

Unsinnige Managemententscheidungen
"Die für das Jahr 2002 ausgehandelte Arbeitszeitverkürzung von 10% in der Mechatronik wurde vereinbarungsgemäß zum 31.12.2002 beendet, obwohl auch weiterhin nicht genug Aufträge hereinkamen." Stattdessen setzt der Vorstand auf Entlassungen. "Der neue Vorstand Kreuzburg will jährlich 8 Millionen Euro bei den Löhnen einsparen. Die einzige Lösung, die dem Jungmanager dazu einfiel, waren 180 Entlassungen, wie er sie bereits bei den Sartorius-Töchtern Boekels in Aachen und GWT in Hamburg durchgeführt hatte. Betriebsrat und Gewerkschaft dagegen waren der Meinung, dass eine Arbeitszeitabsenkung trotz der bitteren Pille des Lohnverzichts allemal besser sei als Entlassungen. Das Ziel war, so die geforderte Kosteneinsparung zu erreichen, ohne dass hinterher Kolleglnnen auf der Straße stehen. Außerdem hoffte man so, das Wissen und Können von allen KollegInnen zu halten und die Firma so besser auf Zeiten mit günstigerer Konjunktur vorzubereiten." "Insgesamt bleiben in den ersten 9 Monaten nur Verluste zurück. Diese Bilanz hätte mit einer Arbeitszeitabsenkung deutlich besser ausgesehen, weil die Rückstellungen für die Transfergeselischaft und die Abfindungen den Gewinn nicht verringert hätten."
Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass Härte demonstriert werden soll damit die Leute aus Angst alles schweigend ertragen bzw. "Ja und Amen" sagen. "Bei den Entlassungen bemühte sich die Geschäftsleitung nicht gerade um Samthandschuhe: z.T. kamen die Betroffenen nach dem ,Gespräch in der Personalabteilung' nicht mehr an ihren Arbeitsplatz, weil die elektronischen Werksausweise und die EDV-Zugänge schon gesperrt waren. "

Millionenverluste durch Managementfehler
Zunächst wurde der neue Vorstand gelobt, weil er angeblich erfolgreich Firmenbeteiligungen gemanagt habe. Die Firma Diessel in Hildesheim, an der Sartorius beteiligt war, wurde inzwischen allerdings nur erfolgreich in die Pleite geschickt. "In einer Sartorius-Presseerklärung wird von Unregelmäßigkeiten gesprochen. Tatsächlich ist dem Management hier wohl der Überblick abhanden gekommen. Der Verlust durch diese Pleite soll sich im ,einstelligen Millionenbereich' bewegen, er dürfte laut Quartalsbericht um vier Millionen liegen und damit einen Großteil der Einsparungen ausmachen, die durch die Entlassungen für das nächste Jahr erhofft werden. Dies ist eines von vielen Beispielen für die ,Nieten in Nadelstreifen', die den Bockmist, den sie machen, von den einfachen Kolleginnen ausbaden lassen."

Management kein Gespür für richtige Prognosen
"Bezeichnend ist auch, dass die Analyse von Chef Kreuzburg zu seinem Amtsantritt sich fast in das Gegenteil verkehrt hat. Hatte er im Februar noch darüber geklagt, dass die Industriewaagen Verluste bringen, während mit Laborwaagen Geld verdient wird, so wird im Neunmonatsbericht genau das Gegenteilige bemerkt: Umsatzrückgang im Laborgeschäft, steigende Umsätze in der Industrie.

Planung neuer Millionenverluste
Nun plant der Sartorius-Chef eine Ausgliederung der Logistik, aber was soll das? "Vor zwei Jahren wurde die Auslagerung gestoppt, weil das Management-Modell im Millionenbereich teurer war als die bisherige Logistikabteilung. Es steht zu befürchten; dass auch bei diesem zweiten Versuch am Ende lediglich schlechtere Arbeitsverträge für die Kolleginnen stehen, ohne dass es für die Firma einen Einsparungseffekt hat."

Management: Azubis auf die Straße geschickt
Nun sollen auch noch die Schwächsten, nämlich die Lehrlinge leiden, "die nach den Plänen der Geschäftsführung nach ihrer Prüfung nicht übernommen werden sollen. Nach dem aktuellen Metalltarif müssen die Auszubildenden mindestens für ein Jahr übernommen werden - eine Vereinbarung, die den Azubi ersparen soll, dass ihr Arbeitslosengeld auf Grundlage des Ausbildungsvergütung berechnet wird. Der Tarifvertrag hat lediglich ein Schlupfloch für besonders schwierige wirtschaftliche Situationen. Diese Vereinbarung hat bisher in der Region niemals Anwendung gefunden."

Aber ein neues Vorstands-Auto muß her!
"Die KollegInnen fragen sich, ob der Verzicht auf das neue Vorstands-Auto nicht schon einen Gutteil des Betrages ausgemacht hätte, der jetzt für die Übernahme der Auszubildenden angeblich fehlt."

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GBE 172 / April 2003
Sartorius: Rekordgewinn und 180 Entlassungen?

Stark gekürzter Artikel aus

Sartorius macht bei seinen Außendarstellungen immer eine Super Show und bisher ist noch jede Vorstellung von Jahresbilanz oder vierteljährlichem Geschäftsbericht zu einer Jubelveranstaltung mit ,Rekordzahlen' geraten. Die KollegInnen bei Sartorius haben sich allmählich daran gewöhnt, dass die Sicht der Presseerklärungen sich dabei gewaltig von der Realität in der Firma unterscheidet. Auf der Betriebsversammlung im März schien denn auch noch alles in Ordnung zu sein nach dem Motto: die Konjunktur ist ungünstig, aber die Aussichten sind glänzend. Utz Claassens Nachfolger Kreuzburg wird jedoch bald unangenehmes verkünden müssen. Seit ca. einem Monat verdichten sich nämlich die Gerüchte, dass bei Sartorius eine massive Entlassungswelle ins Haus steht, der zwischen einhundert und zweihundert Kolleginnen zum Opfer fallen dürften. Schon im letzten Jahr wurde im Bereich Waagenbau die Arbeitszeit um 10% abgesenkt. Zusammen mit dem Abbau von Gleitzeitstunden und Urlaubskonten führte dies in der Waagenproduktion zu chaotischen Zuständen. Als am Jahresende die Zahl der Bestellungen anstieg, kam die Produktion nicht mehr nach und lange Lieferzeiten waren die Folge. Angesichts des Umsatzrückgangs von ca. 7% in der Wägetechnik eine mittlere Management-Katastrophe. Der Produktionsrückstand wurde dann mit vielen Überstunden am Jahresanfang wieder eingeholt. Und kaum ist dieser Kraftakt überstanden, sickert durch, dass die Geschäftsleitung plant, ca. 10% der 1.800 Beschäftigten zu entlassen.
Der neue Chef Kreuzburg hat bei den Tochterfirmen Boekels in Aachen und GWT in Hamburg bereits massive Entlassungen durchgesetzt. Allein bei GWT wurden letztes Jahr 40 Kolleginnen in eine Beschäftigungsgesellschaft entlassen, bei Boekels traf es mehr als 20 Kolleginnen.
Das neue Management ist wohl der Meinung. wenn man mit einer groß angelegten Entlassungsaktion genug Angst und Schrecken verbreitet, dann werden die verbliebenen Kolleginnen ohne viel Murren die Arbeit für die Rausgeworfenen mitmachen.
Ein politisches Eingreifen zu Gunsten von sozialverträglicheren Lösungen findet bisher nicht statt. In aller Stille sollen die z.T. hochsubventionierten Arbeitsplätze beerdigt werden - immer getreu dem Motto, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.
Es ist wohl an der Zeit. dass Gewerkschaft und Belegschaft dem Management zeigen, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Am 25. April hat sich der zuständige IG-Metall-Funktionär Gerd-Uwe Boguslawski (der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Sartorius ist) zum ersten Mal zu den Vorgängen geäußert. Er fordert wie viele KollegInnen bei Sartorius ein "VW-Modell", also eine Arbeitszeitabsenkung zur Rettung der Arbeitsplätze. Wie es scheint. bisher ohne Erfolg. Aber in der letzten Tarifrunde haben die Kolleginnen von Sartorius bei Warnstreiks bereits gezeigt, dass sie sich für ihre Interessen einsetzen können. Der neue Chef Kreuzburg steht in dem Ruf, ein kühler Rechner zu sein - eine Rausschmiss-Lösung muss also nur teuer genug sein. damit er sie zugunsten einer vernüftigen Lösung verwirft.

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GBE 166, Juni 2001
Sartorius auf dem Weg zur Arbeitszeitverlängerung

Hauptversammlung als Supershow

Da hat der Sartorjus-Chef Utz Claassen allen Kritikern mal wieder eindrücklich gezeigt, was eine Harke ist. Der Gewinnrückgang des vergangenen Jahres wurde auf der Hauptversammlung am 21 Juni den versammelten AktionärInnen in der Lokhalle präsentiert. Wer nicht das Glück hatte, zum erlauchten Kreis der Kapitalbesitzerinnen zu gehören, der konnte sich an einer Live-Übertragung im Internet ergötzen oder den groß aufgemachten Artikel im Göttinger Tageblatt lesen. Und wem das nicht genug an Information ist: es gibt ja noch den fast 1 Kilogramm schweren Geschäftsbericht 2000.

Außen hui ...

Die Hauptaufgabe von Utz Claassen bestand darin, den Aktionären zu erklären, wie es im Jahr 2000 bei einem Rekordumsatz zu einem solchen Gewinneinbruch kommen konnte. Das ist umso schwerer, als die Zahlen für das erste Quartal 2001 sogar noch viel schlechter aussehen. Da steht sogar ein Verlust von 2,7 Mio. Euro in den Büchern der Sartonus AG. Nachdem Sartorius bereits im Vorfeld der Hauptversammlung mit einem Feuerwerk von Pressemitteilungen geglänzt hatte, vollbrachte der smarte Sartorius-Boss diesmal. eine kleine Meisterleistung: pünktlich am Morgen der Hauptversammlung präsentierte er für den Mai neue Rekordzahlen für Umsatz und Gewinn. Das ist natürlich Balsam für die gequälte Aktionärs-Seele. Prompt ,,sehen es die Aktionäre gelassen", wie das GT vermeldete.

...innen pfui?

Dabei hätte es durchaus Anlass gegeben, einmal kritisch nachzufragen. Als Grund für den Gewinneinbruch nennt Claassen den. hohen Auftragseingang. Sartorius sei mit dem Produzieren einfach nicht nachgekommen. Wieso das aber eine Überraschung war, bleibt das Geheimnis des Sartorius-Managements. So berichtet das Betriebsblatt ,,Die Waage" der IG Metall, dass der Betriebsrat bereits vor einem Jahr darauf hingewiesen hat, dass in der Waagen-Fertigung Engpässe bestehen und dringend neue Maschinen angeschafft werden müssen. Das ist ja auch nicht so schwer zu raten. In einem Fünfjahresplan hatte der Vorstand der Firma ein jährliches Umsatz-Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent verordnet. So was geht natürlich nicht, ohne irgendwann mal die Produktion zu steigern.

Soll die Fünftagewoche fallen?

Das Management hat allerdings nichts unternommen, um die Produktionskapazitäten zu steigern. Stattdessen wurden von den Kolleginnen immer mehr Überstunden verlangt .und dann dem Betriebsrat die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder Samstagsarbeit oder die Produktion wird ins Ausland verlagert. Diese Form der Erpressung ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings, dass ein Unternehmen, das mit der IG Metall einen sog. ,,Standortsicherungs-Tarifvertrag" abgeschlossen hat, derart unverschämt auftritt. Fertigungsleiter Dr. Maaz verlangte eine Betriebsvereinbarung mit dem Samstag als Regelarbeitstag bis zum Jahr 2011. Begründung sind die Kapazitätsengpässe in der Fertigung. Und tatsächlich hat sich der Betriebsrat letztlich plattklopfen lassen. Jetzt gibt es eine Vereinbarung, die Überstunden bis 14 Uhr am Samstag vorsieht - allerdings auf freiwilliger Basis und nur bis Ende 2002.

Klare Konfrontations-Strategie Der Sartorius-Chef hat die Lieferengpässe als zeitlich begrenzt dargestellt - demnächst wird die Filtertechnik (neuerdings Bio-technologie genannt) schließlich das neue Werk beziehen. Das gilt aber auch nur für diesen Teil von Sartorius. Bei den Waagen (jetzt heißt dieser Unternehmensteil ,,Mechatronik" sieht es dagegen ganz anders aus: Längst platzt die Fertigungshalle aus allen Nähten, aber ein Neubau ist nicht geplant. Offensichtlich geht es der Firmenleitung darum, genau wie in der Filterproduktion die 7-Tage-Woche mit 3-Schichtbetrieb gegen den Willen der Beschäftigten zu erzwingen. Die Erfahrungen in der Filterproduktion sind nicht sehr ermutigend - hier hat man mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten erst angefangen., als mit 3-Schicht und 7-Tage-Woche die vorhandenen Kapazitäten endgültig ausgeknautscht waren. Und bis jetzt scheint der Betriebsrat auch zu schwach zu sein, sich der Unternehmensleitung zu widersetzen. In diesem Licht werden auch die Äußerungen des Sartörius-Chefs Claassen verständlich, der auf einer Podiumsdiskussion die guten Beziehungen zur IG Metall und zum Betriebsrat zu einem wichtigen Standortvorteil erklärt hat. Die Kolleginnen bei Sartonus werden sich also noch auf einige Auseinandersetzungen einstellen müssen, wenn sie sich aus der Umarmung ihres geschickten Chef-Taktikers befreien und ihr freies Wochenende auf Dauer retten wollen.

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