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KAZ-Mädchengruppe

Anfang Dezember 2013 fielen in der Weender Straße rosa bzw. "pinke" Schilder DIN A4 auf, die in Augenhöhe an Laternenpfählen angebracht waren. Darauf standen Sätze ähnlich wie "Würdest du mir helfen wenn ich in Not bin". Durch den unten folgenden Bericht wird darüber aufgeklärt, dass es sich um die Aktion einer Mädchengruppe des KAZ handelte, die Resultat einer Beschäftigung mit dem Problem geschlechtsspezifischer Diskriminierung und sexueller Belästigung war.


Foto: KAZ

Text KAZ Mädchengruppe / 6.12.13

Aktion Pink!
Wir, sechs Schülerinnen des zehnten Jahrgangs der IGS-Göttingen, haben in einem Projekt des KAZ e.V. über Belästigung, Diskriminierung, gewalttätigen und sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Freunde oder Bekannte des gleichen oder des anderen Geschlechts diskutiert. Am Projekt teilgenommen haben Hannah S. Gina-Denise K., Sarah B., Maie-Sofie Z., Lea S. und Leah v. D. Die Initiatorin des Projekts war Dagmar Riggers, die mit Christine Suttkus das Projekt durchgeführt hat. Wir Mädchen haben zusammen mit den Pädagoginnen eine Liste mit Störpunkten und Forderungen bzw. Wünschen erstellt. Außerdem haben wir überall in der Innenstadt pinke Zettel aufgehängt, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und die Menschen zum Handeln anzuregen.

Was uns stört
Uns stört es, dass es eine so hohe Gewaltbereitschaft gibt, die durch die Medien beeinflusst wird. Viele Menschen zeigen sehr selten Zivilcourage, wenn jemand angegriffen oder belästigt wird. Wir finden Frauen bekommen nicht genug Respekt, denn wir werden oft belästigt, angemacht oder es werden sexistische und frauenfeindliche Witze über uns gemacht. Oft ist die Unterscheidung zwischen Spaß und Ernst schwierig. Durch Gruppenzwang entstehen oft gewalttätige Übergriffe und Belästigungen gegenüber Frauen. Weil sich niemand alleine gegen die Gruppe stellen will und deswegen mitmacht.
Viele Frauen und auch Kinder werden oft von älteren Personen, insbesondere von Männern angemacht.
Viele Frauen und junge Mädchen werden durch ihre Angst eingeschränkt und haben so auch öfters Angst sich selbst zu wehren. Sie benötigen Hilfe von anderen.
In der Gesellschaft wird erwartet, dass Frauen einem Idealtyp entsprechen soll. Durch Medien wird ein Idealbild der Frauen vermittelt, welches uns noch mehr unter Druck setzt.

Wünsche und Forderungen
Um gewalttätige und sexuelle Übergriffe zu verhindern und vor Allem die Angst davor zu mindern, brauchen wir an vielen Orten bessere Beleuchtung.
Wir Mädchen wollen nicht weiterhin Umwege gehen müssen, wollen den Wall oder Parks nachts nicht meiden müssen oder uns ständig umsehen.
Wir wollen die Möglichkeit, auch nach 22. Uhr, so schnell wie möglich auf beleuchteten Wegen, nach Hause zu kommen.
An vielen Orten wird Licht allein nicht helfen. Um sich zum Beispiel im Bereich des Carrees, oder in anderen Stadtteilen, die weiter von der Innenstadt entfernt sind, sicher zu fühlen, wäre eine höhere Polizeipräsenz von großem Nutzen.
Wir wissen, dass wir mit diesem Artikel schwerlich die Installation neuer Straßenlaternen oder die erhöhte Anwesenheit der Polizei erreichen werden. Aber wir wollen an die Leserschaft da draußen appellieren sich Gedanken zu machen und die Augen zu öffnen! Manchmal kann etwas mehr Aufmerksamkeit von Außenstehenden eine bedrohliche Situation harmlos machen.
Ob im Bus, auf der Arbeit oder dem nach Hause Weg Realisieren wir überhaupt noch, wenn jemand in Not ist? Passiert da etwas? Ist das noch Spaß oder schon Ernst?
Mit unserem Projekt wollen wir uns und Ihnen die Augen öffnen. Oft passiert etwas direkt vor unserer Nase! Ob wir das bisher nicht sehen WOLLTEN oder nicht aufmerksam genug waren, macht kaum Unterschied.

Hauptsache: Es ändert sich was! Fazit
Bei diesem Projekt fiel uns Mädchen auf, wie unsicher wir uns eigentlich fühlen und wie eingeschränkt wir uns in der Stadt bewegen. Für uns ist Belästigung kein Scherz und wir wünschen uns mehr Respekt vor uns Mädchen und unseren Körpern.
Bei Dunkelheit Bus fahren, ist für Mädchen schon eine risikoreiche Angelegenheit. Aber ist denn die Alternative vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu sein? Für uns ist nicht gerechtfertigt, nur weil wir Mädchen sind, uns nicht mehr frei Abends bewegen zu können oder das wir bei 30 Grad keine Hotpans anziehen können, ohne den Hintergedanken, das es vielleicht zu aufreizend ist.
Wir wollen keine doofen Sprüche hören, nur weil wir nicht den Idealtyp entsprechen. Unser Privileg ist, anzuziehen was wir wollen und auch dazu stehen zu können. Wir möchten uns frei durch Göttingens Straßen bewegen wann und wie wir wollen. Wir wollen nach dem Weihnachtsmarkt in den Bus steigen können, ohne widerlichen Blicken ausgesetzt zu sein.
Wir möchten auch, das die Menschen mit offenen Augen durch die Stadt laufen. Nach links und rechts schauen und nicht nur auf sich selbst. Die Augen vor unangenehmen Situationen nicht verschließen, sondern helfen. Wir möchten mehr Respekt vor unserem Körper und das mehr Zivilcourage gezeigt wird.

Zeigt eure pinke Seite!

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