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Carl Zeiss Microscopy in Göttingen

Carl Zeiss Microscopy in Göttingen
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Demonstation am 31.10.15
Stellungnahme WählerInneninitiative GöLinke
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Stellungnahme Landrat
GBE-Artikel zu Zeiss 2015
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Carl Zeiss Microscopy GmbH in der Königsallee 9-21
/ Neubau der Straße erfolgte erst kürzlich auch nach Wünschen von Zeiss

Carl Zeiss Microscopy in Göttingen

/ Die Carl Zeiss Microscopy GmbH in der Königsallee 9-21 ist einer von mehreren Standorten (Jena [Hauptsitz], München, Oberkochen, Cambridge und Peabody). "Für den Schwerpunkt BioSciences entwickelt und vermarktet die Carl Zeiss Microscopy in Göttingen aufrechte und inverse Mikroskope, Stereomikroskope und darauf basierende Systeme für Industrie, Wissenschaft und Forschung."
Nachdem lange Zeit keine Information durch das Mangagement erfolgte aber immer wieder von "Personalabbau" die Rede war, wurde schließlich Im September 2015 die faktische Auflösung des selbständigen Standortes Göttingen verkündet.

Kurzkommentar goest: Je länger die Belegschaft mit der Umsetzung ihres Wunsches "die Brocken hinzuwerfen" wartet, umso geringer wird die Chance etwas zu erreichen. Das, was vom Verhalten des Zeiss-Managements bekannt geworden ist lässt den Schluß zu, dass sie die Beschäftigten sowie deren Interessensvertretung die ganze Zeit schlichtweg "verarscht" haben (Man muß es so deutlich sagen). Jetzt heisst es: sich nicht spalten lassen - gemeinsam handeln, die Brocken hinwerfen, damit die Firmenleitung merkt was Sache ist. (G. Schäfer / 3.10.15)

 

Dezember 2015 / Neue Infos zu Zeiss

Zeiss-Belegschaft verschärft die Gangart

Bis auf weiteres werden alle Überstunden abgelehnt
7.12.15 / Überstunden bei Carl Zeiss sind laut Stiftungsstatut freiwillig und werden beim Betriebsrat beantragt (Mitbestimmung nach Betriebsverfassungsgesetz) . Da nicht alle KollegInnen den Mut haben Überstunden abzulehnen, hat das für sie der Betriebsrat übernommen. Im Übrigen hat die Geschäftsleitung und der Konzern-Personalchef wegen der Ablehnung der Überstunden getobt. Der BR ist jetzt auf dem richtigen Weg. Zu den Wirtschaftszahlen: Zeiss habe einen Gewinn nach Steuer von 27 Mio Euro gemacht. Der Auftragseingang ist sehr hoch so dass Zeiss mit dem jetzigen Personal den Umsatz den die Geschäftsleitung machen will nicht schaffen kann. Die Arbeitgeberseite im Wirtschaftsausschuss beklagte, dass sie sich in einer Notsituation befände. Die Arbeitnehmer_innenseite konnte ihr Lachen nur mühsam unterdrücken und forderte sofort: "dann nehmen sie alle Maßnahmen der Personalreduzierung zurück !"

Betriebsratsinfo 29 , 2015
Informationen des Betriebsrates am Standort Göttingen

Kolleginnen und Kollegen
Ablehnung der Überstunden
Der Betriebsrat hat sich in seiner Sitzung am 2.12. 2015 mit der Kapazitätssituation in der Produktion beschäftigt. Es lagen Anträge auf 40 bzw.45 Stunden in der Woche für die nächsten 6 Monate vor. Nach intensiver Beratung hat der BR folgenden Beschluss gefasst: ,,Aus gegebenen Anlass kann und wird der Betriebsrat bis auf weiteres keine Überstunden mehr genehmigen." Begründung: Da eine breite Ablehnung in der Belegschaft und im Betriebsrat gegen das vorgestellte Konzept - Arbeitsplatzverlust für ca. 450 unserer Kolleginnen und Kollegen auf Grund der Verlagerung von Kompetenzen und Tätigkeiten an andere Standorte - besteht, können wir aus den oben genannten Gründen nicht dazu beitragen, dass unsere Kollegen mit vielen Überstunden, wie z.B. 40 bzw. 45 Stundenverträgen und geleisteter Samstagsarbeit, in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. WiA Sondersitzung am 3.1 2.2015 ln der geplanten Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses ist es zu einem Eklat mit den Firmenvertretern gekommen. Herr Ridderskamp sagte im WiA, da.ss die Fa. sich in einer Notsituation befindet und deshalb die Ablehnung der Überstundert nicht akzeptiert wird. Wenn der BR nicht bis 15.00 Uhr des gleichen Tages den Beschluss zurück nimmt wird die Firma Maßnahmen ergreifen. Auf Hinweis, dass wir im Wirtschaftsausschuss sitzen, der Beschlüsse der Standortbetriebsräte nicht verändern kann und bis 15.00 Uhr keine Sitzung des BR in Göttingen stattfinden kann, kam die Ansage: egal, sie haben bis 15.00 Uhr Zeit. Danach befragt was die Konsequenzen wären, blieb die Antwort undurchsichtig. Eventuell Verlagerung der Arbeit, keine lnvestitionen in Maschinen in Göttingen usw. Wir sagten Herrn Ridderskamp, dass wir uns von ihm bedroht fühlen und Iaut Stiftungsstatut Überstunden freiwillig sind. Nach interner Beratung sagten wir deshalb die Bearbeitung von noch offenen Themen im WiA ab und verwiesen auf die nächste Sitzung. Euer Betriebsrat Göttingen, den 4.12.2015

Auf nach Oberkochen !
IG Metall und Betriebsrat der Carl Zeiss Microscopy Göttingen rufen alle Beschäftigten am Standort Göttingen auf, an einer Protestveranstaltung in Oberkochen teilzunehmen. Am Konzernstandort von Zeiss wollen wir die gesammelten 15 809 Unterschriften persönlich an den Vorstand überreichen. Heraus zum Protest ! Zeigen wir dem Vorstand der Carl Zeiss AG und der Geschäftsführung der Microscopy GmbH, dass wir ihr Kahlschlagkonzept nicht akzeptieren werden ! Wir treffen uns! Treffpunkt : Schützenplatz in Göttingen Abfahrt : Mittwoch 9.12.2015 um 7:00 Uhr Ankunft : ca. 12 Uhr in Oberkochen Kundgebung vor der Hauptverwaltung der Carl Zeiss AG Übergabe der Unterschriftenliste anschließend Heimreise Bitte meldet Euch zahlreich zur Mitfahrt im Betriebsratsbüro an. Betriebsräte und lG Metall Vertrauensleute der Fa. Carl Zeiss


Demonstation am 31.10.15

31.10.2015 Demonstration ab dem Schützenplatz um 10:30 Uhr.

650 Teilnehmer_innen zogen in einem Demonstrationszug über die Godehard Straße, Berliner Straße und Weender Straße zur Kundgebung um 11 Uhr an der Johanniskirche . Mögen sich die Manager der Unternehmensleitung von Zeiss mal vorstellen, dass diese Masse von Leuten, wie sie auf dem Demobild oben zu sehen sind, sich den Spruch "...wandle Frust in Widerstand" zu eigen machen könnte und sofort "die Brocken hinschmeissen". (Vor einer Entwicklung wie beim >>Streik bei Air France brauchen die Zeiss-Manager aber sicher keine Angst zu haben)

In den Reden bei der Kundgebung war zwar immer wieder die Hauptorientierung auf ein Gespräch mit der Unternehmensleitung gelegt und dabei Hoffnungen auf die Beteiligung von Politiker_innen genährt worden. Wie man die Geschäftsleitung tatsächlich zu Verhandlungen und einer Rücknahme der Standort-Reduzierung bewegen will blieb unbeantwortet. Dass dies nur mit einer spürbaren Erhöhung des Drucks zu verwirklichen sein wird, das ist wohl die Meinung jener Demonstrationsteilnehmer_innen, die mit ihren Schildern einen etwas schärfern Ton anschlugen. Von der zaghaften Erinnerung an das Recht auf Warnstreik bis zur Faust und Widerstand war schon einiges auf der Demo zu merken. Von der Lust darauf, die Brocken jetzt hinzuschmeissen ist schon länger die Rede. Bei offiziellen Reden aber wird überwiegend auf Abwarten hin orientiert, während die Unternehmensleitung mit Hochdruck an der Abwicklung arbeitet. Demnächst wird es wohl zu spät sein für jede Verhandlung.

An der Spitze des Zuges, passend zu Halloween, marschierte der symbolische Bezug zur Beerdigung des Zeiss-Standorts Göttingen. Die oft bemühte Symbolik mit Sensemännern und Sarg stellten keine Entschlossenheit zum Widerstand dar sondern illustrierten die Trauer darüber worüber man sich insgeheim schon abgefunden haben könnte, signalisierte also eher Resignation. Zweifel über die Sarg- und Sensemannsymbolik beschlichen wohl auch Betriebsratsvorsitzenden Dreyer, der mit Zylinder und Rassel vorneweg zog, denn er meinte später in seiner Rede auf der Kundgebung, halb entschuldigend, es sei wohl etwas makaber, was sie da gemacht hätten.


Kundgebung zwischen Johanniskirche und Deutscher Bank

Redeliste auf der Kundgebung
--- Torsten Dreyer, Betriebsratsvorsitzender Zeiss Microscopy in Göttingen.
--- Martina Ditzell, 2. Bevollmächtigte der IG Metall SNH
--- Ronald Schminke, Mitglied des Niedersächsischen Landtages
--- Reinhard Dickehuth (Stellv. Betriebsratsvorsitzender und Wirtschaftsausschuss-Vorsitzender)
--- Patrick Humke, Ratsherr für die WählerInnengemeinschaft GöLinke
--- Frank-Peter Arndt, Ratsherr SPD
--- Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (CDU) verlas ein Grußwort von MdB Fritz Güntzler

Aufruf der IGMetall, 28.10.15
Demonstration und Kundgebung für den Erhalt von ZEISS in Göttingen!

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zeissianer, liebe Zeissianerinnen, Kommen Sie zur Demonstration und Kundgebung am Samstag, den 31.10.2015 und stärken Sie damit den Göttinger Betriebsrat, die Vertrauensleute und die IG Metall! Treffpunkt/ Demonstration: 10:30 Uhr Schützenplatz Beginn der Kundgebung: 11 Uhr am Johanniskirchhof

Der Göttinger Betriebsrat, Eure Vertrauensleute und die IG Metall werden die Schließung des Microscopy-Standortes in Göttingen nicht kampflos hinnehmen. Die Absichtserklärung der Arbeitgeberseite, dass die Fertigung mit 240 Beschäftigten in Göttingen bleiben soll, reicht uns nicht. Das alle anderen Bereiche wie Entwicklung, Produktmanagement, Konstruktion, Vertrieb, Einkauf und Controlling in den nächsten zwei Jahren an andere Standorte der Zeiss Microscopy verlagert werden sollen, können wir nicht akzeptieren. Wenn diese Funktionsbereiche verlagert werden, ist zu befürchten, dass die Produktion nicht erfolgreich und effektiv bestehen kann.Die IG Metall, der Betriebsrat und die Vertrauensleute wollen gemeinsam mit Ihnen für den Erhalt des gesamten Standortes der Microscopy in Göttingen kämpfen. Wir erwarten vom Vorstand, dem Aufsichtsrat der Carl Zeiss AG und von den Geschäftsführern Wehmer und Weber mehr, als das Plattmachen des Standortes Göttingen. Wir fordern, dass sie sich vor Ort stellen, um mit uns über die Zukunft des Standortes Göttingen zu verhandeln. Herr Wehmer sagte im Interview vom 22.10.2015 im Göttinger Tageblatt, es werde keine grundsätzliche Überprüfung der geplanten Verkleinerung des Standorts Göttingen mehr geben. Die Gespräche mit dem Betriebsrat wolle er möglichst vor Weihnachten zum Abschluss bringen. Das hat mit sozialer Verantwortung nichts mehr zu tun! Jetzt machen wir deutlich, dass wir von der Geschäftsführung weiterhin ein Konzept mit allen deutschen Standorten der Microscopy fordern. Im Interesse der Beschäftigten in Göttingen werden wir uns alle notwendigen detaillierten Informationen besorgen, diese prüfen und bewerten, bevor die Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan beginnen können. Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen! Es geht schließlich um mehr als 400 Menschen, die ihren Arbeitsplatz und damit ihre Existenzgrundlage verlieren sollen!

 

Unterschriftensammlungen

Am 31.10.15 wurde bei der Kundgebung mitgeteilt, dass die anvisierten 10.000 Unterschriften die regelmäßig auf dem Marktplatz gesammelt wurden bereits um 1000 übertroffen wurden.

In einem Aufruf der IGM zur Unterstützung Unterschriftenlisten heisst es:
Aufgrund der ersten Betriebsänderung „Compete“ werden in Göttingen bereits 90 Mitarbeiter reduziert. Nun planen die Geschäftsführer Wehmer und Weber die Schließung des Microscopy-Standortes in Göttingen. Lediglich die Fertigung mit 240 Beschäftigten soll in Göttingen bleiben und dem Produktionsnetzwerk Carl Zeiss Jena GmbH zugeordnet werden. Alle anderen Bereiche wie Entwicklung, Produktmanagement, Konstruktion, Vertrieb, Einkauf und Controlling sollen wohl in den nächsten zwei Jahren an die anderen drei Standorte der Zeiss Microscopy verlagert werden. Für den Betriebsrat und die IG Metall ist es unannehmbar, dass in Göttingen von derzeit 694 Beschäftigten nur 240 übrig bleiben sollen. (...) Wir sammeln Unterschriften für den Erhalt des Standortes mit den Beschäftigten, bei Göttinger Bürgerinnen und Bürgern, bei Vereinen und Verbänden, bei Kolleginnen und Kollegen auch aus anderen Betrieben, bei Angehörigen, Freunden und Bekannten.(...) Wir fordern von der Geschäftsführung ein neues Konzept, das allen vier deutschen Standorten in Jena, Oberkochen, München und Göttingen eine Chance und Perspektive bietet.(...) Die Mitarbeiter aller Standorte haben die Situation nicht zu verantworten, sondern das Management! Nicht umsonst wurden im März diesen Jahres alle Geschäftsführer durch Justus Felix Wehmer und Dr. Markus Weber ersetzt. Die Mitarbeiter am Standort Göttingen sind maßlos enttäuscht über die Entscheidung und das Management. Und die Stimmung, die Brocken hinzuschmeißen, wächst von Tag zu Tag. Wir lassen uns als Belegschaft nicht spalten. Die Beschäftigten in Göttingen, Jena, Oberkochen und München dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

 

Resolution im Stadtrat
Antrag für eine gemeinsame Resolution aller Fraktionen im Rat der Stadt Göttingen
zur Sitzung des Rates der Stadt Göttingen am Freitag, dem 13. November 2015

DieGrünen, GöLinke, Piraten, SPD, CDU/FDP

Kein Abbau von Arbeitsplätzen bei Zeiss Microscopy GmbH - Standort Göttingen langfristig sichern
Der Rat möge beschließen:
1. Der Rat der Stadt Göttingen erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat der Carl Zeiss AG in Göttingen und fordert den Vorstand der Carl Zeiss AG auf, seine Entscheidung über den Wegfall von über 400 Arbeitsplätzen in Göttingen bei der Zeiss-Tochter Microscopy GmbH zurückzunehmen.
2. Der massive Stellenabbau am Standort Göttingen d urch die Schließung der Entwick- lungsabteilung in Göttingen ist falsch – für das Unternehmen und den Standort Göttingen.
3. Der Rat der Stadt Göttingen bittet den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, und den Nds. Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Olaf Lies, die örtlichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen sowie die Stadtverwaltung und die Gesellschaft für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung (GWG), so schnell wie möglich Gespräche mit den Verantwortlichen der Carl Zeiss AG aufzunehmen, soweit dies noch nicht geschehen ist, mit dem Ziel, die Arbeitsplätze und den Standort in Göttingen zu erhalten.
4. Die Verwaltung wird beauftragt, den Vorstand und den Betriebsrat (Gesamtbetriebs- rat) der Carl Zeiss AG von dieser Resolution in Kenntnis zu setzen.

Begründung: Der Rat der Stadt Göttingen sieht mit großer Sorge die vom Vorstand der Carl Zeiss AG getroffene Entscheidung über 400 Arbeitsplätze am S tandort Göttingen bei der Zeiss- Tochter Microscopy GmbH abzubauen. Eine funktionierende Einheit wird zerstört. Hunderte von Arbeitsplätzen gehen durch die Entscheidungen des Zeiss Vorstandes in Göttingen ve rloren. Aus Göttingen verschwinden werden alle Werksbereiche - inklusive Forschung und Entwicklung - außer der Fertigung. Im Göttinger Werk gibt es jedoch eine starke Anbind ung von Industrie und Wissenschaft, somit von Forschung und Entwicklung. Beides ist nicht nur für die Produktentwicklung, sondern auch für die Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte unabdingbar. Durch die Verlagerung der Arbeitsplätze wird der ohnehin strukturschwache Raum Süd- niedersachsen ein weiteres Mal schwer belastet. Kaufkraft, aber auch Knowhow gehen der Region verloren und Familien werden getrennt.

 

Politische Stellungnahmen

Stellungnahme WählerInneninitiative GöLinke
In einer Erklärung vom 2.10.15 empört sich die WählerInnengemeinschaft über das Vorgehen der Zeiss-Manager. Zeiss halte "bis heute die gesamte Belegschaft bewusst im Unklaren und verbreitet damit Angst und Schrecken. Allein dieser Umgang mit Menschen, die teilweise über Jahrzehnte der Firma in Göttingen die Treue gehalten haben, ist mehr als beschämend." Als kommunalpolitische Gruppe, die auch als Fraktion im Rat vertreten ist weist die WählerInnengemeinschaft darauf hin, "dass Zeiss Göttingen sich immer der Infrastruktur Göttingens bedient hat, selbst bei der Sanierung und Umgestaltung der Königsallee vor kurzer Zeit seine besonderen Wünsche noch an die Kommunalpolitiker/innen herangetragen hat, mit seinen Entlassungsplänen aber auch Stadt und Landkreis bis zuletzt im Ungewissen gehalten hat."

Stellungnahme Partei DieLinke
23.10.15 / Nach einer Mitteilung der Partei DieLinke Kreisverband Göttingen/Osterode) rufen Teile des Göttinger Betriebsrats und die IG-Metall für den 31.Oktober zu einer "Großdemonstration" auf. Die IGMetall hatte darüber hinaus Arbeitsniederlegungen angekündigt falls die Geschäftsleitung von ihren Kahlschlagplänen nicht abrücken sollte.
Weiter heisst es in der Mitteilung: "Wie Kolleg*innen berichtet haben, wollen sich allerdings Teile des Gesamt-Betriebsrates schon vor möglichen Kampfmaßnahmen auf Verhandlungen mit der Unternehmensführung über Stellenstreichungen einlassen, während die IG-Metall mit der Demonstration die Solidarität der Kolleg*innen auch in den Zulieferbetrieben und in der Öffentlichkeit mobilisieren will. Mit der Einstellung von Leiharbeiter*innen für die Kolleg*innen, die in Altersteilzeit gehen wollen, würde der Stellenabbau bereits eingeleitet, bevor wirkliche Verhandlungen überhaupt begonnen haben. Es wäre sicher gut, wenn die gewerkschaftlich organisierten Kolleg*innen bald zusammenkämen um zu klären, mit welchen Mitteln der Kahlschlag bei Zeiss verhindert werden kann."

Stellungnahme Landrat
Nachdem die Schließung im September endlich offiziell von der Firma Zeiss bekannt gegeben wurde kritisierte Landrat Reuter "dass die Geschäftsführung nicht zuvor das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen am Standort gesucht habe. "Jetzt werde ich auf die Geschäftsführung der Carl Zeiss Microscopy GmbH zugehen. Ich will mir die Gründe für die Entscheidung erläutern lassen und die Unterstützung des Landkreises anbieten. (...) Die enge Verknüpfung von Industrie und Wissenschaft und eine starke Anbindung an Forschung und Entwicklung seien in Göttingen in einzigartiger Weise gegeben. (lt. Pressemitteilung des Landkreises) Hätten Reuter oder seine Mitarbeiter die Artikel des Göttinger Betriebsexpresses beachtet, hätten sie allerdings schon vorher ahnen können, dass da eine größere Entlassungswelle auf die Leute bei Zeiss zukommt. Nun ist die Politik gefragt. Gewerkschaftlich orientierte SPD-Politiker_innen wie OB Köhler und MdL Dr. Andretta werden sicher als erstes mit der IGM und dem Betriebsrat in Kontakt treten um Perspektiven gegen die Schließungspläne von Zeiss zu erörtern.


Problemüberblick

685 Personen als Spielball im Konzern mit 25.000 Beschäftigten

30.9.15 / Update 1.10.15

2014 schrieb die IGMetall, dass bei Zeiss in Göttingen 685 Personen beschäftigt sind und 40 sich in Ausbildung befinden. Bei einem Mediengespräch des Betriebsrates am 1.10.15 wurde von 665 Beschäftigten und 29 Azubis gesprochen

Die GmbH ist zu 100 % im Besitz der Carl Zeiss AG und somit Teil eines Gesamtkonzerns mit 25.000 Mitarbeiter_innen in rund 30 Produktions- , über 50 Vertriebsstandorten sowie rund 25 Forschungstandorten. Als kleines Rädchen im großen Konzerns ist der Göttinger Standort lediglich Spielball übergreifender Strategien der Standortverlagerung z.B. nach China. Nachdem die Leistungsauspressungs-Spezialist_innen von McKinsey bei Zeiss unterwegs waren hiess es, dass 300 Stellen plattgemacht werden sollen. So fragt sich ob der Auftrag war, vor allem eine Strategie des reibungslosen Stellenabbaus auszuarbeiten.

Zeiss entzieht mehreren Hundert Personen die jetzige Existenzgrundlage

Die Firma wird vielen Beschäftigten den Arbeitsplatz wegnehmen. Sie begründet dies mit der lapidaren Formel, dass sie "wettbewerbsfähiger" werden müsse, und nennt das dazugehörige Aktionsprogramm "Compete" (Wettbewerb). Was nichts anderes heisst, als dass Löhne und Gehälter für Personal eingespart werden sollen. Die Zahlenangaben für Personalreduzierungen schwanken zwischen 215 bis 400 Stellen. Beim Mediengespräch des Betriebsrates am 1.10.15 wurden die Reduzierung von 694 auf 240 genannt. Wobei bereits ca. 100 Personen sich aufgrund von propagierten Ausstiegsprogrammen bereit erklärt haben "freiwillig" zu gehen. Die verbleibenden Beschäftigten wären dann aber nicht einmal bei Zeiss Göttingen beschäftigt sondern unterstünden als "verlängerte Werkbank" der Verwaltung durch den Hauptsitz in Jena. Nebenbei wurde angemerkt, die Firmenleitung habe darauf gedrungen, dass beim Pressegespräch keine konkreten Zahlen genannt werden, da sie dies als "Betriebsgeheimnis" ansehe.

Mediengespräch des Betriebsrates am 1.10.15
v.l.n.r.: Reinhard Dickehuth (Stellv. Betriebsratsvorsitzender und Wirtschaftsausschuss-Vorsitzender), Torsten Dreyer (Betriebsratsvorsitzender), Martina Ditzell (2. Bevollmächtigte der IGMetall Südniedersachsen-Harz), Axel Freerk (Aufsichtsratsmitglied und Mitglied im IGM-Ortsvorstand) , Markus Neumann (Stellvertretender BR-Vorsitzender und Stellv. Wirtschaftsausschussvorsitzender, sowie Mitglied im Gesamtbetriebsrat)


Die Belegschaft ruhig halten bis verwertbare Informationen vorliegen?

In den beiden unten dokumentierten Artikeln des GBE wurde darauf hingewiesen, dass der Gesamtbetriebsrat (GBR) die Standortbetriebsräte längere Zeit zur Nichtinformation über die Abbaupläne aufgefordert habe (um Unruhe zu vermeiden)! Die Betriebsräte wollten auf den Betriebsversammlungen dann vermeiden, "einer Angstpolitik Vorschub" zu leisten. Dadurch wäre gerade die Salamitaktik der Abfindungs- und Aufhebungsverträge möglich, ohne dass es zu großem Widerstand der Belegschaft kam. Beim Mediengespräch des Betriebsrates am 1.10.15 wurde dies aber rundweg als "Quatsch" bezeichnet. Man habe einfach keine verwertbare Information von der Firmeleitung erhalten. Es hätte jede Menge Gerüchte und entsprechende Unruhe gegeben , die Gerüchte "seien ins Kraut geschossen" aber eben keine handfesten verwertbaren Informationen. Jedenfalls sei "nie von Schließung" die Rede gewesen. Als die Planung zur Schließung bekanntgegeben wurde sei man dann "aus allen Wolken gefallen".


Reinhard Dickehuth und Torsten Dreyer


Martina Ditzell und Axel Freerk

Große Unruhe in der Belegschaft

In den Betriebsversammlungen (des Betriebsates) wurden immer wieder Fragen über die Pläne der Firmenleitung aufgeworfen - aber nichts wurde von der Firmenleitung vernünftig beantwortet. Schließlich hatte die Firmenleitung selbst am 25.9.15 eine Personalversammlung - als reine Arbeitgeberveranstaltung - einberufen. Am Eingang erfolgten Taschenkontrollen von Beschfätigten einer Security-Firma, die auch während der Versammlung im Saal rumstanden. Die "Mitarbeiter_innen" waren wegen dieses Auftretens der Security-Firma empört. Dann erfolgte auf der Versammlung die Bekanntgabe der Entlassungspläne ; die Mitarbeiter_innen waren k"erbost, geschockt und aufgebracht".
Die Zeiss-Manager spielen bei dieser Personalpolitik im Grunde mit dem Feuer, denn wenn die Mitarbeiter_innen in Göttingen "die Brocken hinschmeißen" was einige bereits jetzt am liebsten machen würden, dann hätte das Auswirkungen weit über Göttingen hinaus auf andere Standorte und Produkte und das würde nicht nur das Image von Zeiss schädigen, sondern auch direkt wirtschaftlichen Schaden anrichten. Dies, so die Einschätzung der Betriebsräte würde zum jetzigen Zeitpunkt niemandem nützen - es soll versucht werden über eine Bewegung im Betrieb und über den Betrieb hinaus Druck dahingehend zu erzeugen, dass die geplante Firmenschließung zurückgenommen wird.

 

Unterschriftensammlung als Gegenaktion ...

Ab 2. Oktober gingen die Zeissianer auf die Weender Straße bzw. Marktplatz und kündigten an, ab jetzt an jedem Samstag am Gänseliesel einen Infostand aufzu stellen und Unterschriften zu sammeln.

>>Foto-Bericht bei KPW

Die Zeiss-Werbung vor dem Firmengebäude ähnelt der Informationspolitik des Zeiss-Managements

Großspurige verwirrende Sprüche einerseits,bis dann irgendwann die plakativen Sprüche abblättern und die nackte Realität zum Vorschein kommt. Der Spruch "mit Licht Zukunft geschrieben" bezieht sich auf Lichtmikroskope - das Management aber arbeitet eher mit Verdunkeln

(Nach dieser Veröffentlichung wurde die Plakatwand erneuert.)

 

GBE-Artikel zu Zeiss 2015

Sommer 2015 Göttinger Betriebsexpress 196 Printausgabe / Artikeldokumentation

" In unserer letzten Ausgabe berichtete der GBE, dass bei Carl Zeiss Microscopy Göttingen jeder achte Arbeitsplatz (75 von 650) abgebaut werden soll.

Die Belegschaft und zumindest die Standort-BetriebsrätInnen machten Gegenvorschläge (z. B. die Wochenarbeitszeit im Rahmen einer schon existierenden Kapazitätsvereinbarung zu reduzieren). Als die Information die Belegschaften erreichte, gab es erzürnte Diskussionen. Vor allem auch deshalb, weil gerade im Unternehmenssektor Microscopy wachsende Umsatz- und Gewinnzahlen vorgelegt wurden. Das ist auch so geblieben. Im ersten Halbjahr 2014/2015 ist der Umsatz nochmals um 9 Prozent gestiegen (Zeiss im Bild = ZiB aktuell vom 7.5.2015). Schon der Headliner der aktuellen ZiB lautet allerdings "Es braucht größere Anstrengungen, damit wir unseren Erfolgskurs beibehalten" (Unterüberschrift: "Stabile Entwicklung der ersten Geschäftsjahreshälfte, aber stark durch günstige Währungseinflüsse geprägt") und signalisiert, dass der Abbauzug weiter rollen soll. Im weiteren Text wird erläutert, dass die Zielsetzungen noch weit höher angesetzt wurden.

Die Situation in Göttingen
Zur Zeit werden alle KollegInnen massiv unter Druck gesetzt, ihre Produktivität zu erhöhen. So werden alle Nebentätigkeiten abgefragt und dokumentiert (Nebentätigkeiten im Betrieb, das sind alle Arbeiten, die nicht direkt mit der Montage zu tun haben). Es wird weiterhin Arbeit an andere Firmen ausgelagert, die günstiger produzieren. Der Plan, dieses massiv auch in Richtung China zu tun, wird weiter verfolgt.
Im Standortbetriebsrat und in der Belegschaft Göttingen wurde das alles kritisch betrachtet und diskutiert. Der Gesamtbetriebsrat (GBR) hatte letztes Jahr die Standortbetriebsräte längere Zeit zur Nichtinformation über die Abbaupläne aufgefordert (um Unruhe zu vermeiden etc.). Die meisten taten das wohl auch.

Gesamtbetriebsrat stimmt zu
Und nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einem Sonderinfo "Compete": 10 vom 21.5.2015 informiert der GBR, dass man sich mit der Geschäftsleitung auf ein Eckpunktepapier und ein Freiwilligenprogramm geeinigt hat. Vorbehaltlich der Zustimmung der Standortgremien sollte alles am 27.5. in einer GBR-Sondersitzung beschlossen werden. Und so geschah es auch. Mit dem nächsten Sonderinfo "Compete": 11 des GBR wurde der Beschluss am 28.5. verkündet. Dabei wurde in diesen Sonderinfos, wie auch in der Diskussion der Vergangenheit immer stark betont: "Keine betriebsbedingten Kündigungen durch ´Compete´!"

Standortsicherung und "freiwilliges" Ausscheiden
Betriebsbedingte Kündigungen sollen nun mit durch das Freiwilligenprogramm verhindert werden. Um die Freiwilligkeit zu fördern, gibt es eine Abfindungszahlung. Diese errechnet sich so: Monatsbrutto mal 0,65 mal Jahre im Betrieb plus 35.000 Euro (Turboprämie genannt). Die freiwillige Basis soll durch Aufhebungsverträge klargestellt werden. Diejenigen, die danach Arbeitslosengeld I beziehen können und wollen, laufen damit gleich Gefahr, die ersten 3 Monate von der Arbeitsagentur gesperrt zu werden. Hier werden Aufhebungsverträge in der Regel wie Eigenkündigungen gewertet. Versteuert werden müssen solche Abfindungen auch. Und so richtig lohnend wird das Ganze ja auch erst mit längerer Betriebszugehörigkeit. Der Arbeitsplatz ist aber weg und bleibt weg! Die Standortsicherung läuft 2 Jahre, bis 2017. Bis dahin darf es auch keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen geben. Kein berauschendes Ergebnis.

Nicht viel Zeit zum Nachdenken
Das Angebot über die Abfindungszahlung nebst Aufhebungsvertrag läuft bis 15. Juli 2015. Da bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen und deshalb heißt die Turboprämie auch so.
Darüber hinaus gibt es noch eine sog. Vorruhestandsregelung. MitarbeiterInnen, die nur noch 5 Jahre bis zum frühesten Renteneintritt haben, bekommen ein gesondertes Angebot. Dazu soll es vor Ort noch Info-Veranstaltungen geben. Aber bis zum 15. August 2015 sollen sich auch hier alle entschieden haben. Ein Monat mehr, aber alles recht kurzfristig. Nicht nur deshalb stellt sich die Frage, wird es überhaupt genug Freiwillige und VorruheständlerInnen geben? Und wenn nicht, was dann? Es ist in den letzten Schreiben vom GBR und der Geschäftsleitung auch an einigen Stellen von einem Sozialplan die Rede. Schauen wir mal.

GBR-Politik
Zusammenfassend kann man sich schon fragen, ob der GBR mit der Zusage, bis 2017 keine betriebsbedingten Kündigungen zu erleben, hier wirklich den richtigen Weg einschlug. Vor allem, weil die Standortprüfungen in 2017 zumindest von der Geschäftsleitung als umfassend und existenziell angekündigt werden.
Die eigene Begründung im GBR-Info "Compete" Nr. 10 lässt uns auch etwas irritiert zurück: "Am Anfang unserer Verhandlungen zum Freiwilligenprogramm sah es nicht danach aus, dass die unterschiedlichen Vorstellungen von Arbeitgeber und GBR unter einen Hut zu bekommen wären. Da beide Seiten aber gewillt waren, einen Abschluss zu erzielen, gerade angesichts der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Lage und der bestehenden Unruhe in der Belegschaft, einigte man sich bei den Knackpunkten auf Kompromisse."
Weiterhin schwierige wirtschaftliche Lage bei Zeiss? – nicht so wirklich. Und die Unruhe entstand ja auch, weil die Planungen der Geschäftsleitung lange vom GBR nicht an die Belegschaften weitergegeben wurden. Nun denn, wir werden sehen, was passiert und weiter berichten.

 

Göttinger Betriebsexpress / Onlinefassung 11.3.15

Bei den 650 KollegInnen der Firma Zeiss in Göttingen wächst die Sorge um die Arbeitsplätze. Umsatz und Gewinn der Carl Zeiss AG sind zwar insgesamt deutlich gestiegen, allerdings unterschiedlich hoch in den einzelnen Bereichen. Die Carl Zeiss AG ist in sechs Bereiche aufgeteilt und vor allem die Bereiche Vision Care (Brillen und sonstige Augenoptik) und Microscopy (Mikroskopie) erfüllten nicht die Erwartungen und Planungen der Geschäftsführung und der Aktionäre. Da hilft auch nicht, dass die Carl Zeiss AG einer Stiftung gehört, in der oft betont wird, dass die MitarbeiterInnen das höchste Gut sind – aber man unterliege eben auch dem Wettbewerb... Wir kennen diese Töne.
Im letzten Jahr hat nun der Vorstand die berüchtigte Unternehmensberatung McKinsey beauftragt, vor allem in der Microscopy GmbH Analysen und Vorschläge zur Kostensenkung und Ertragserweiterung zu erarbeiten. Das Ergebnis ist u. a., dass 300 Beschäftigte „abgebaut" werden sollen. 150 in ausländischen Standorten, 150 in Deutschland. Der Großteil des Abbaus betrifft die Standorte Oberkochen und Göttingen. Es sollen 74 in Göttingen werden. Das wäre dann tatsächlich jeder achte Arbeitsplatz. Teilweise ist der Komponentenbau für die Hochleistungsmikroskope schon nach China verlegt worden. Das Gesamtziel ist, in den nächsten 3 Jahren einen 3stelligen Millionenbetrag einzusparen. Drei Viertel davon durch Einsparungen bei den Material- und Sachkosten und der Auftragsabwicklung und ein Viertel durch die Entlassung von 300 Beschäftigten (so äußerte sich Dr. Ulrich Simon, Leiter des Unternehmensbereiches Microscopy im letzten Jahr).
Neuer Vorstand...
Im Intranet haben wütende KollegInnen zwar schon des Öfteren vorgeschlagen, die „Häuptlinge" an Stelle der „Indianer" zu entlassen. Aber so wie der Wechsel in der Mikroskopiesparte erfolgte, haben sie sich das sicher nicht vorgestellt, denn der ehemalige Mikroskopievorstand Ulrich Simon und der bisherige Konzernvorstand für den Bereich Forschung haben lediglich die Stühle getauscht. Vielleicht verhindert in Zukunft eine Frauenquote diese Form von Inzucht, denn bisher sind nur Männer im Zeiss-Vorstand. Betriebsräte und die IG Metall geben dem Management die Hauptschuld an der aktuellen Situation. Standortbetriebsräte schlagen im Gegensatz zum Management vor, auf Entlassungen zu verzichten und stattdessen die Wochenarbeitszeit im Rahmen einer existierenden Kapazitätsvereinbarung zu reduzieren. Seit Juli 2014 läuft diese Diskussion. Auf Leitungsebene spielt sich das Ganze im Zuge einer 4jährigen „Carl-Zeiss-Agenda 2016" ab. In diesem Rahmen gibt es dann auch einen Namen für das gesamte Sparprojekt: Kostensparprojekt COMPETE (auf Deutsch: KÄMPFE (Anmerkung goest: besser übersetzt mit Wettbewerb und Wettkampf). Wie hart der Kampf ist, lässt sich an dem Vorschlag von McKinsey zur Entlassung von 300 KollegInnen ablesen. Diesbezüglich wurden die Betriebsräte von der Geschäftsführung zu Stillschweigen verpflichtet. Allerdings wollten die Betriebsräte anscheinend auch nicht einer Angstpolitik Vorschub leisten, ohne dass klar war, worum es der Geschäftsleitung wirklich ging. An vielen Standorten fanden im November 2014 Betriebsversammlungen statt. Dabei sind etliche Informationen denn doch bekannt geworden. Im Intranet von Zeiss begann daraufhin Ende letzten Jahres eine Diskussion, in der viele ihrer Angst und ihrem Ärger Ausdruck verliehen. Der Vorstand sprach in einem Interview in der betriebseigenen Zeitschrift ZIB (Zeiss im Bild) von einer unruhigen See, durch die Zeiss schippern muss. Er war sich aber sicher, dass sie heil an ihren Zielorten ankommen werden. Okay, wenn dabei 300 Männer/Frauen über Bord gehen, fällt das Manövrieren vielleicht leichter. Es bleiben viele Fragen offen. So wurde z. B. vom Vorstand betont, dass es keine betriebsbedingten Entlassungen geben soll. Stattdessen soll was passieren? Gibt es inzwischen konkretere Informationen an den verschiedenen Standorten? Welche Gegenmaßnahmen planen IG Metall und Betriebsräte, um Entlassungen zu vermeiden? Wir werden die Entwicklung verfolgen und berichten.