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Ausstellung "Zwangsarbeit"

Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945

Ausstellung in der BBS II Göttingen, Godehardstraße 11, 37073 Göttingen Tel.: 0551/29346901 info@zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu
Öffnungszeiten: mittwochs 10-14 Uhr freitags 10-14 Uhr jeden 1. Sonntag im Monat 14-17 Uhr und für Gruppen nach Vereinbarung

2017 Unterstützer*innengruppe
2015 Ausstellung wird als Dauerausstellung neu eröffnet
2013 Einmotten zum Vergessen?
2013 Kreistag SPD/Grüne bieten nur 100.000 € statt 250.000 +
2007 Kreistag zwingt CDU-Landrat zur Unterstützung der Ausstellung
2010 Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit..."
Ankündigungstext der Veranstalter/innen
Eröffnungsfeier

> Zwangsarbeit (Leitseite)
>> zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu
Webseite der Ausstellung

Ausstellungsthema
Mindestens 16.000 Menschen aus 16 Nationen mussten während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet der heutigen Landkreise Göttingen und Northeim Zwangsarbeit leisten. Die interaktiv und multimedial gestaltete Ausstellung zeigt an 13 Stationen eindrucksvoll mit Texten, Bildern, Dokumenten und Filminterviews das Ausmaß der Zwangsarbeit in Südniedersachsen: in Industrie-und Handwerksbetrieben, in Gaststätten, in der Landwirtschaft, in Kliniken, in kirchlichen Einrichtungen und Privathaushalten wurden Zwangsarbeiter unterschiedlicher Nationen eingesetzt. Diese wurden, wie die gesamte Ausstellung, in gleichberechtigter Kooperation mit Partnern aus drei europäischen Ländern erstellt. Damit wird –einzigartig in Deutschland –auch die europäische Dimension des Themas verdeutlicht.

Lokhalle - Duderstadt - Hann Münden - BBS Göttingen
Im Jahr 2010 wurde die Ausstellung in der Lokhalle Göttingen eröffnet. Anschließend wurde sie in Duderstadt, Hann. Münden und erneut in Göttingen gezeigt. Für die Initiatoren wie auch für den Landkreis Göttingen war klar, dass die Ausstellung anschließend nicht in einem Archiv verschwinden darf, sondern als ständige Ausstellung in Südniedersachsen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollte. Wir haben uns deshalb in den letzten Jahren darum bemüht, die Ausstellung weiterhin und dauerhaft in angemessenen Räumen zu zeigen. Unser Ziel war und ist, in unserer Region einen Lernort zum Nationalsozialismus, nicht ohne Bezüge zur Gegenwart, zu schaffen. Unterstützung fanden wir dabei unter anderem im niedersächsischen Kultusministerium, bei der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten und bei vielen Einzelpersonen, wofür wir dankbar sind. Die Ausstellung steht jetzt als ständige Ausstellung in der BBS II in Göttingen

 

Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt:
Unterstützer*innengruppe

Die personelle Betreuung erfolgte bislang im Wesentlichen auf ehrenamtlicher Basis durch die Mitglieder der Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen. Die Öffnung der Ausstellung, Durchführung eines Bildungsprogrammes, Sonderveranstaltungen und die wichtige Öffentlichkeitsarbeit sind auf ehrenamtlicher Basis aber nur sehr eingeschränkt zu leisten. Das war von Anfang an klar. Bisher ist es kaum gelungen, finanzielle Mittel für eine hauptamtliche Betreuung der Ausstellung zu erhalten. Dadurch ist ihr gegenwärtiger Betrieb in Frage gestellt und ihre Zukunft gefährdet.

Um auszuloten, wie ein sicheres Fundament für die Ausstellung geschaffen werden kann, hatten die Geschichtswerkstätten Göttingene.V. und Duderstadte.V. am 23. August 2016 zu einem Informationsgespräch eingeladen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie die Ausstellung unterstützt und gefördert werden kann, eventuell durch die Schaffung eines Beirats. Am 16. März 2017 wurde das Gespräch fortgesetzt.. Im Anschluß daran hat die Göttinger Ausstellung einen Unterstützungskreis gegründet. Seine Mitglieder stammen aus der Lokalpolitik, den Gewerkschaften, dem Bildungsbereich und der evangelischen Kirche. Sie werden sich drei bis vier Mal im Jahr treffen und sollen die Ausstellung als außerschulischen Lernort bekannter machen. Die Koordinierung des Unterstützungskreises und des allgemeinen Ausstellungsbetriebes liegt bei der Geschichtsstudentin Lara Jungkind, deren Stelle durch private Spenden finanziert wird. Außerdem ist Sascha Ermisch, Lehrer an der Berufsbildenden Schule II in Göttingen, über die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten mit drei Unterrichtsstunden an die Ausstellung abgeordnet. Er soll den Besuch der Ausstellung durch Schulklassen fördern und pädagogische Konzepte dafür entwickeln.

Die Ausstellung, die im Jahr 2010 als Wanderausstellung in Göttingen und dem Landkreis zu sehen war, hat seit 2015 einen festen Ausstellungsort in der BBS II in der Godehardstraße 11 in Göttingen.

 

 

>(weiter oben) Zu der Geschichte der Ausstellung von Anfang an

 

2015 Ausstellung wird als Dauerausstellung neu eröffnet

7.4.15 / Die Dauerausstellung soll ein Lernort zum Thema Nationalsozialismus in Südniedersachsen werden. Die Eröffnungsfeier findet am 17. April in den Berufsbildenden Schulen II in Göttingen statt.
Ab 17. April 2015 wird eine Ausstellung mit dem Titel "Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945" dauerhaft in den Berufsbildenden Schulen II (BBS II) in Göttingen gezeigt. Die Ausstellung wurde von den Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden konzipiert. Mit großem Erfolg wurde sie im Jahr 2010 in verschiedenen Orten Südniedersachsens als Wanderausstellung präsentiert.

Ziel der Dauerausstellung ist es, einen Ort der Begegnung für Jugendliche und ein allgemeines Publikum zu schaffen, der zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und damit verknüpften aktuellen Themen einlädt. Ein fester Standort der Ausstellung bietet sehr viel mehr Möglichkeiten für die Vermittlungsarbeit als eine temporäre Ausstellung und ermöglicht auch längerfristige Projekte mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Die Ausstellung soll die Grundlage eines Denk- und Erinnerungsortes zum Thema Nationalsozialismus in Südniedersachsen sein.
In der Anlaufphase von April bis Dezember 2015 wird ein Bildungsprogramm mit vielfältigen Angeboten zur aktiven Beteiligung von Jugendlichen und einem allgemeinen Publikum konzipiert, erstellt und durchgeführt. Es soll dazu beitragen, die Ausstellung als Lernort in der Region Südniedersachsen zu etablieren. Geplant sind Führungen, Schulungen, Projektarbeit für Gruppen und Schulklassen, themenbezogene Ortserkundungen und Vorträge. Bereits jetzt findet die Ausstellung Eingang in das Projekt "Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Eine Spurensuche" des Geisteswissenschaftlichen Schülerlabors YLAB der Universität Göttingen.
Angehörige von mindestens 16 Nationen leisteten während der Zeit des Nationalsozialismus in Südniedersachsen Zwangsarbeit, es waren zwischen 50.000 und 60.000 Menschen im Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen. Ausländische Zwangsarbeitende arbeiteten in fast jedem Wirtschaftsbereich: in Gaststätten und Krankenhäusern, in der Landwirtschaft und bei der Müllabfuhr, in Steinbrüchen, kirchlichen Einrichtungen und in Privathaushalten.
Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeitender aus mehreren europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe, weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus, dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit.
Die Ausstellung ist interaktiv und multimedial. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten zeigt sie in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte, die mit dem Thema verbunden sind. In Multimediastationen werden weitere Dokumente zugänglich gemacht, vor allem aber die autobiografischen Zeugnisse der Betroffenen präsentiert. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Film­interviews berichten ehemalige Zwangsarbeitende anschaulich von ihren Erfahrungen. Um die europäischen Dimension des Themas zu betonen, ist die Ausstellung von einem internationalen Wissenschaftlerteam konzipiert worden. Studierende der Hochschule Hannover erarbeiteten das Design und die multimediale Präsentation der Ausstellung.

Ende 2013 beschloss der Landkreis Göttingen, Räumlichkeiten für die Präsentation der Ausstellung zur Zwangsarbeit in Südniedersachsen im Gebäude der Berufsbildenden Schulen II Göttingen (BBS II), Godehardstraße 11, zu schaffen und sie dauerhaft als Kern eines Ausstellungs- und Lernorts zum Thema Nationalsozialismus und Rechtsextremismus zur Verfügung zu stellen. Seit dem Herbst 2014 wurden diese Räume durch den Landkreis Göttingen saniert und in eine geschlossene Einheit umgebaut. Die Stadt Göttingen beteiligt sich in den Jahren 2014 und 2015 an den Betriebskosten. Die Kosten der Eröffnungsveranstaltung und des Bildungsprogramms werden für 2015 vor allem durch Zuschüsse der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und des Landschaftsverbands Südniedersachsen gesichert. Weitere Förderung erhält das Projekt von der Sparkasse Göttingen und durch Spenden von Einzelpersonen.
Die Eröffnungsfeier mit Musik, Lesung und Tanz, internationalen Zeitzeuginnen/Zeitzeugen und Mitgliedern der internationalen Projektgruppe findet am Freitag, 17. April 2015, um 17.00 Uhr in der Mensa der BBS II statt. Künstlerische Beiträge kommen von Johan Meijer (Niederlande), art la danse (Göttingen) und der Kreismusikschule Göttingen. Der italienische Generalkonsul Flavio Rodilosso wird anwesend sein. Sprechen werden die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, der Göttinger Landrat Bernhard Reuter, die Göttinger Stadträtin Dagmar Schlapeit-Beck sowie Rolf Keller von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Lisa Grow und Günther Siedbürger von den Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt halten einen multimedialen Vortrag zum Thema "Zwangsarbeit und Befreiung 1945". Im Anschluss wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten. Zur Ausstellung ist ein Katalog in Form einer Kartenbox mit einer 16-seitigen Broschüre und zwölf Faltblättern mit Lebensgeschichten von Zwangsarbeitenden und Verortungsgrafiken erschienen.

"Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945. Eine Dauerausstellung" Berufsbildende Schulen II Göttingen (BBS II), Godehardstraße 11, 37081 Göttingen Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag von 10.00 - 16.00 Uhr, jeden 1. Sonntag im Monat von 14.00 - 17.00 Uhr Für Schulklassen und Gruppen weitere Termine nach Vereinbarung Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.

 

2013 Einmotten zum Vergessen?
Erst Geschichte der Zwangsarbeit dokumentieren und dann Vergessen?

21.11.13 / "Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1933- 1945". Diese Ausstellung zeigt NS-Zwangsarbeit ganz konkret durch Biographien von Zwangsarbeitern in der Region. Ausstellung ist an vier Orten im Landkreis Göttingen gezeigt worden und hat eine große Beachtung von BesucherInnen und Medien erfahren.
Vor diesem Hintergrund beschloss der Kreistag des Landkreises Göttingen Anfang 2012 einstimmig (!), Möglichkeiten zur Einrichtung einer ständiger Ausstellung zum Thema "Zwangsarbeit in Südniedersachsen" zu schaffen, auf der Grundlage dieser Wanderausstellung. Laut Kreistagsbeschluss sollte "ein Ort geschaffen werden, an dem kontinuierlich die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus stattfinden kann und damit verknüpft aktuelle Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus u.a. stattfinden kann."
Nun ist die Ausstellung schon seit drei Jahren eingelagert! Wenn jetzt keine Entscheidung für eine dauerhafte Lösung erreicht wird, besteht die Gefahr, dass die Einlagerung ein Dauerzustand wird. Seit fast zwei Jahren prüft der Landkreis Göttingen dieses Vorhaben! Dem Vernehmen nach gibt es in einigen Fraktionen (darunter die SPD) Widerstände, den Beschluss umzusetzen. Verschiedene Standorte wurden besichtigt und verworfen. Die Gründe sind vielfältig: zu hohe Kosten, zu geringe Flächen und Deckenhöhen, abgelegene Orte mit unzureichender Anbindung.
Der Landkreis sollte die Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich halten und nicht zuschütten wie den historischen Brunnen auf dem Marktplatz. Diese Ausstellung sollte Ausgangspunkt für eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem NS und aktuellem Rechtsextremismus sein.
Bisher wurden widrige Umstände als Verhinderungsgründe vorgebracht. Jetzt aber bietet sich die Möglichkeit an, eine Dauerausstellung in einem Gebäudeteil der BBS II Göttingen (Godehardstraße) unterzubringen. Die Berufsbildenden Schulen II in der Godehardstraße liegen im Zentrum von Göttingen und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Allein an der BBS II gibt es ca. 2000 Schüler und Schülerinnen, die mit der Ausstellung arbeiten könnten. Genauso könnten das natürlich auch die SchülerInnen anderer Schulen und Jugendliche allgemein.
Die Ausstellung "Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1933-1945" sollte am Standort der BBS II in Göttingen aufgebaut werden, um dort dauerhaft als Teil eines künftigen Lernzentrums über Nationalsozialismus und Rechtsextremismus zu informieren und begleitend aktuelle rassistische, rechtsextreme oder antisemitische Strömungen und Aktivitäten aufgreifen.


2013: Kreistag SPD/GRÜNE bieten 100.000 € / Nötig wären 250.00 + Personalkosten

Jörg Wieland Fraktionsvorsitzender schrieb am 18.11.13 in einem Brief an Stiftung Polnisch Deutsche Aussöhnung in Warschau SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag hätten bereits im Februar 2012 einen Antrag für die Schaffung eines Ausstellungsortes eingebracht. Die SPD-Kreistagsfraktion habe den weiteren Prozess "konstruktiv begleitet". Nachdem die BBS als möglicher Standort gefunden worden sei, werde die SPD-Kreistagsfraktion zusammen mit den Grünen "100.000 Euro im Haushalt 2014 für entsprechende bauliche Maßnahmen zur Einrichtung der Ausstellung bereitstellen."
Seitens der Geschichtswerkstatt wird darauf hingewiesen, dass die langwierige Standortsuche "keineswegs immer "konstruktiv begleitet" wurde. "Vielmehr wurden aus teils persönlichen, teils politischen, teils überhaupt nicht erklärten Gründen andere, z.T. besser geeignete und kostengünstigere Standorte abgelehnt." Aktuell weise das Angebot Mängel auf, die das Vorhaben scheitern lassen. Die vorgesehene Fläche sei zu gering, es gebe keinen Schutz vor Vandalismus und zusammen mit der Behebung baulicher Mängel würden "nach Schätzungen der Verwaltung Gesamtkosten von ca. 250.000 Euro" entstehen. Die angebotenen 100.000 € reichen also nicht aus. Außerdem gäbe es keine Bereitschaft, Personalkosten für die Betreuung zu bezuschussen.
Zusammenfassend heisst es dann "Hier werden also unzulängliche Rahmenbedingungen geschaffen, die das Scheitern des Projekts absehbar, ja vielleicht unausweichlich machen. Wir befürchten, dass dies ein bewusstes politisches Kalkül sein könnte - um in naher Zukunft unter Verweis auf mangelndes öffentliches Interesse eine weitere Förderung auszuschlagen. Dieses Spiel werden wir nicht mitspielen."


2007: Kreistagsbeschluß zwingt CDU-Landrat zur Unterstützung der Zwangsarbeit-Ausstellung

2.10.07/ Reinhard Schermann muß einen Beschluss des Keisausschusses umsetzen und ein Ausstellung zum Thema "Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen 1939 - 1945" unterstützen. Zunächst soll die Ausstellung in der BBS II in Göttingen und danach als Wanderausstellung in weiteren kreiseigenen Schulen gezeigt werden.
Zum Gelingen der Ausstellung bittet der Landrat die Kreisbewohner um die ergänzende Bereitstellung von Ausstellungsstücken zu diesem Thema aus der Zeit von 1939 bis 1945. Diese würden zur Lebendigkeit und Veranschaulichung entscheidend beitragen und den jungen Leuten die Vorstellung über diesen wichtigen geschichtlichen Abschnitt erleichtern helfen. Der Landrat fragt: "Haben Sie auf Ihrem Speicher, in der Garage, im Schuppen oder sonst wo anschauliche Gegenstände, Fotos, oder Bekleidung, die Sie der Ausstellung im Original oder als Foto zur Verfügung stellen können? Interessant wären z.B. Fotos mit betroffenen Personen (z.B. die polnische Arbeiterin von Bauer X oder der französische Arbeiter von Bäcker Y), Fotos von Arbeitssituationen (wie z.B. in der Küche, beim Wäscheaufhängen, auf dem Feld, in der Fabrik, vor einer Maschine), Fotos von der Unterbringung". Des Weiteren können u. a. Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Ausländerausweise, Ausländerarbeitskarten, NS-Lebensmittelbezugsscheine, sonstige schriftliche Zeugnisse und auch Bekleidung (besonders, wenn noch ein "P-" oder "Ost"-Abzeichen darauf ist), ein Fahrrad aus den 40er-Jahren dem Ausstellungsziel dienlich sein.
Der Landrat bittet, per Post, E-Mail oder Telefon, unter folgender Adresse Kontakt zum Kreis aufzunehmen: G. Siedbürger o. V. Landkreis Göttingen Amt 40, Zi. 57 (EG) Reinhäuser Landstraße 4 37083 Göttingen
siedbuerger.guenter@landkreisgoettingen.de 0551-525 511


Eindrücke vom Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit..." (2010)

Wo ist die Aufmerksamkeit der Firmen?

16.1.10 / gjs / goest / Es wäre eine angemessene Geste, wenn von denjenigen Betrieben, die Zwangsarbeiter/innen ausgebeutet hatten, heutige VertreterInnen zur Ausstellung kämen und mit den ehemaligen Zwangsarbeiter/innen das Gespräch suchten. Von den Göttinger Firmen kämen dafür z.B. in Frage: Schneeweiß - jetzt Steritex, Zeiss, >> Café Cron&Lanz .


Cron&Lanz Ausstellungstafel, Zwangsarbeit

Cron&Lanz , Weender Straße heutzutage

Schneeweiß (heute Steritex)

Die Großwäscherei die unter dem späteren Namen >>Steritex weiterbetrieben wurde befand sich bis zu einem Großbrand vor einigen Jahren am Leineufer im Schiefen Weg. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in dieser Göttinger Firma zahlreiche Frauen zur Arbeit gezwungen, die man vorher aus ihrer Heimat weggeschleppt und nach Göttingen deportiert hatte.

Ausstellungstafel: Schneeweiß

Kleinkinderlager bei Schneeweiß

In dem Buch "Medizin und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus", 2004, hrsg. von zwei Mitgliedern der Ausstellungs-Projektgruppe Frewer/Siedbürger wird berichtet, dass es neben dem Lager am Schützenplatz bei der Großwäscherei Schneeweiß ab 1944 noch ein "Kleinkinderlager" für ca. 28 Säuglinge und ihre Mütter gab. : die (Säuglings-) Sterblichkeit lag dort noch höher als im Schützenplatzlager, nämlich bei 40 % . "Nach dem Tod ihrer Kinder mussten die Mütter das Lager Schneeweiß verlassen."


Auf dem Schützenplatz befand sich damals ein großes Lager für ZwangsarbeiterInnen. Das Schützenplatzlager wegen "schrecklicher hygienischer Bedingungen" gefürchtet. Auf einer Schautafel der Ausstellung steht der Satz: "Schwangere aus dem großen Göttinger Zwangsarbeiterlager auf dem Schützenplatz wurden für wissenschaftliche Zwecke mißbraucht, indem sie als "Hausschwangere" für die medizinische Ausbildung zur Verfügung stehen mussten."

In der Lokhalle mußten wohl die meisten Zwangsarbeiter der Region Südniedersachsen schuften . In der Lokhalle wurde somit auch der richtige Platz für diese Ausstellung gefunden. Inzwischen gehört die Lokhalle der Stadt Göttingen und wird von deren "stadteigenem Betrieb" GWG verwaltet.

Bild: Stellwand der Ausstellung in der Göttinger Lokhalle,
(im Hintergrund wurden am 15.1. gerade die Reste der Eislaufbahn demontiert)

 

Mißhandlung bei Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik

Einige Details der Ausstellung drängen mit ihrer Authentizität und Realität bedrückend ins Bewußtsein. Da ist z.B. eine Peitsche, die eine Zwangsarbeiterin aufgehoben hat , weil sie mit einer solchen geschlagen worden ist. Und diese Zwangsarbeiterin steht nun als Zeugin der Geschichte inmitten der Ausstellung unter den BesucherInnen der Pressekonferenz und beantwortet Fragen.

Text im Foto: "Diese Peitsche ließen deutsche Soldaten 1945 in der Bachmanschen Scheune in Ebergötzen zurück. Eine Zwangsarbeiterin bei Bachmann hob sie auf und behielt sie, weil sie auf der ersten Station ihrer Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik von deutschen Uniformierten mehrfach mit einer solchen Peitsche mißhandelt worden war."

Foto: Peitsche in einer Ausstellungs-Vitrine

Betteln unter Strafe

Ein weiteres Detail der Ausstellung berührte doppelt peinlich. Zunächst ist es die Unbarmherzigkeit eines devoten "Volksgenossen" von damals der bettelnde Zwangsarbeiter denunzierte. Unwillkürlich fühlte ich mich an den >Bettelei-Skandal von 2009 in Göttingen erinnert, bei dem ein Sachbearbeiter des Göttinger Sozialamtes die wenigen erbettelten Euro eines Bettlers erspähte und ihm deshalb die Sozialhilfe kürzte. dass wir in einer anderen Zeit leben zeigte dann immerhin die überregionale Empörung über diesen Vorfall, was schließlich zu einer Rücknahme der Maßnahme führte.

Den menschenverachtenden Umgang mit bettelnden ZwangsarbeiterInnen damals belegt ein Brief an die NSDAP Ortsgruppe "Sültebeck" Göttingen. Darin schrieb Georg B. aus der Sültebecksbreite15: "Verschiedene Male wurde von meiner Frau beobachtet, dass Ostarbeiter in mittleren Jahren und anscheinend auch Vater und Sohn ( Junge etwas 12 Jahre alt) in der Sültebeckbreite von Haus zu Haus gehen und um Brot und Kartoffeln betteln. (...) Wie ich von anderer Seite hörte gehen die Ostarbeiter auch regelmäßig Goßler-.und Blumenbachstraße. Ich halte es daher für meine Pflicht Ihnen dieses mitzuteilen, da von Seiten der Partei wiederholt darauf hingewiesen ist, diesen Menschen nichts zu geben, zumal sie ja auch ihre auskömmliche Verpflegung haben."


Ausstellungsstück: Anzeige bettelnder Zwangsarbeiter/innen

"Welche Wirkung soll die Ausstellung haben?"

Die Entschädigungsfragen für Zwangsarbeiter/innen, so wichtig sie auch als Zeichen der Anerkennung waren, sind inzwischen beendet worden. Die Ausstellung hat also keinen Einfluß mehr auf die Durchsetzung von Zahlungsforderungen. Sie wird den noch lebenden ehemaligen ZwangsarbeiterInnen aber dadurch gerecht, dass das Ihnen zugefügte Unrecht dokumentiert und als Unrecht erkannt und anerkannt wird. Vielfach existiert in der Bevölkerung allgemein und bei Jugendlichen erst recht keine Kenntnis davon , dass in der Nazizeit Menschen aus den europäischen Nachbarländern ( Polen, Italien, Niederlande) zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Die Versuche der geschichtlichen Aufklärung erfahren nicht genügend Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das zeigt das Desinteresse der NachfolgerInnen ehemals nutznießender Firmen. Schlimmer noch als Desinteresse war z.B. der Umgang der Deutschen Bahn im Zusammenhang mit dem "Zug der Erinnerung" die das Projekt zur Erinnerung an Deportationen per Bahn ablehnte und dessen Verwirklichung behinderte. In Göttingen wurde der Zug bei seiner Ankunft symbolträchtig auf einem falschen Gleis abgestellt und zunächst nicht mit Strom versorgt.

Bei der Frage "Was lernen wir daraus?" wurde im Zwiegespräche am Rande der Pressekonferenz Verständnis für den vorgeschlagenen Vergleich mit der entrechteten Situation von afrikanischen Flüchtlingen in Spanien und Italien gezeigt. Sie wurden zwar nicht zwangsdeportiert, sondern kommen "freiwillig" als Flüchtlinge aus katastrophalen Regionen Afrikas, aber vor Ort in Europa werden sie als "Illegale" hemmungslos ausgebeutet. Sie können keinerlei Rechte geltend machen, müssen in schlimmsten Unterkünften "wohnen", haben keine medizinischer Versorgung und sind allen Schikanen der Arbeitgeber schutzlos ausgesetzt.

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Ankündigungstext der Veranstalter/innen

4.1.10 / Die Ausstellung wurde erstellt von der Geschichtswerkstatt Göttingen, der Geschichtswerkstatt Duderstadt in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden; sie wird von der Europäischen Union und von zahlreichen Institutionen in Südniedersachsen gefördert. Die Eröffnungsfeier mit Zeitzeugen und Mitgliedern der Projektgruppe findet am Freitag, 15. Januar 2010 um 16.00 Uhr in der Lokhalle Göttingen statt.

Veranstaltertext / Angehörige von mindestens 16 Nationen leisteten während der Zeit des Nationalsozialismus in Südniedersachsen Zwangsarbeit, es waren zwischen 50.000 und 60.000 Menschen im Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen. Ausländische Zwangsarbeitende arbeiteten in fast jedem Wirtschaftsbereich: in Gaststätten und Krankenhäusern, in der Landwirtschaft und bei der Müllabfuhr, in Steinbrüchen, kirchlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeitender aus fünf europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe, weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus, dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit. Die Ausstellung ist interaktiv und multimedial. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten zeigt sie in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte, die mit dem Thema verbunden sind. In Multimediastationen werden weitere Dokumente zugänglich gemacht, vor allem aber die autobiografischen Zeugnisse der Betroffenen präsentiert. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Filminterviews berichten ehemalige Zwangsarbeitende anschaulich von ihren Erfahrungen. Um die europäischen Dimension des Themas zu betonen, ist die Ausstellung von einem internationalen Wissenschaftlerteam konzipiert worden. Studierende der Fachhochschule Hannover erarbeiteten das Design und die multimediale Präsentation der Ausstellung. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung angelegt und wird in weiteren Orten Südniedersachsens gezeigt werden.

 

Eröffnungsfeier

16.1.10/ stkno / Am 15 Januar wurde in der Lokalle Göttingen die Ausstellung: Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit - Südniedersachsen 1939-1945 eröffnet. Die Ausstellung ist vom 15.01. bis 14.02. 2010 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am 15. Januar um 16 Uhr fand die Eröffnungsfeier statt, die gut besucht war. Die Moderation der Eröffnung übernahm Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstatt e.V., der auch ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die bei der Eröffnung anwesend waren, begrüßen konnte. Das Programm wurde untermalt von der Musikschule Musi-Kuss und dem Liedermacher Johan Meijer aus Amersfoort, Niederlande, der sehr kräfig und eindrucksvoll Lieder auf der Gitarre oder acapella darbrachte, die z.T. von Betroffenen selbst gedichtet waren. Sie Ausstellung ist gefördert u.a. durch: Europäische Union, Landkreis Göttingen, Geschichtswerkstatt Göttingen e.V., Spenden von Einzelpersonen. Die Konzeption und Realisierung übernahmen u.a.: Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung", Warschau, Polen; Fachschule Hannover, Falkultät III-Medien, Information und Design.


Ausstellungseröffnung

 

Bis Februar 2010 schon 1700 BesucherInnen
Pressemeldung der VeranstalterInnen 9.2.10 : "Über 1.700 Menschen haben die Ausstellung seit Mitte Januar schon besucht", sagt Lisa Grow von der Geschichtswerkstatt Göttingen. Wegen des großen Interesses werden die Öffnungszeiten erweitert: Am 13. und 14. Februar hat die Ausstellung jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Am 14. Februar gibt es zwei öffentliche Führungen, um 11.00 Uhr und 15.00 Uhr. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von NS-Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern. Ab Frühjahr 2010 wird die Ausstellung, die von den Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden erstellt wurde, in weiteren Orten Südniedersachsens zu sehen sein. Informationen unter www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu


Betrachtungen über private Fotografien der NS-Zwangsarbeit |
4.3.16 / Ein Vortrag mit Bildern , Ausstellungsraum in der BBS II, Godehardstraße 11 , 19.00 Uhr , Mit David Rojkowski, Ausstellungspartner, Redaktionsmitglied Leica Fotografie International, Hamburg, Einlass 18.00 Uhr | Darüber hinaus hat die Ausstellung von 10.00-16.00 Uhr für Einzelbesucher geöffnet. Sind Fotografien wie Schriftdokumente zu betrachten? Kann man sie als historische Belege und zur Erzählung über die NS-Zwangsarbeit verwenden? Und wenn ja, in welcher Zusammenstellung und mit welchem Kommentar? Anders als Schriftdokumente sagen Fotografien oft kein Wort zum Zeitpunkt ihres Entstehens, zum Verfasser und Empfänger. Aber sie haben meistens einen vielschichtigen Hintergrund.Anhand von verschiedenen visuellen Erzählmustern wird in dem Vortrag auf diese Fragen eingegangen. Eine Auswahl an persönlichen Fotosammlungen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen stellt außerdem diese Fotos in ihrer heutigen Funktion vor. Die Veranstaltung ist kostenlos

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