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Diese Kommentarseite
wurde eingerichtet, nachdem Gerd Nier als Ratsherr zurückgetreten war
und keine offizielle Position in der Partei DieLinke oder der WählerInnen-Gemeinschaft
GöLinke ausübte. Damit die Beiträge dieses sozial engagierten und erfahrenen
Kommunalpolitikers weiterhin eine Öffentlichkeit finden, wurden sie seit
Oktober 2014 als persönliche Kommentare hier veröffentlicht.
Später wurde Gerd Nier wieder in den Sprecherrat der WählerInnen-Gemeinschaft
GöLinke gewählt und hatte wieder die Möglichkeit seine Kommentare
auf der damaligen
Webseite der GöLinke
zu veröffentlichen. 31.3.16
Im
Jahr der Kommunalwahl 2026, also nach 10 Jahren ist uns die gegenwärtige
politische Orientierung nicht mehr bekannt. Unabhängig davon sind
die hier dokumentierten Kommentare im Sinne einer Archivfunktion von goest
erhaltenswert.
| Gerd
Nier war bis 2014 Ratsherr und Fraktionsvorsitzender der WählerInneninitiative
GöLinke, gleichzeitig Mitglied in der Partei DieLinke. 1987 war
er Bundestagskandidat für die SPD, 2009 und 2013 für die Partei Die
Linke. Aus der SPD ausgetreten ist er als das Asylrecht mit dem sogenannten
"Asylkompromiß" faktisch abgeschafft wurde. Beruflich
war er in der Ausbildung von Erzieher/innen und Heilpädagoginnen tätig,
seit 2011 ist er in Rente. |
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sind von der goest-Redaktion,
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2017
Gerd Nier Presseerklärung
6.12.17
Solidarität mit Anette und Meinhardt Ramaswamy
Das Vorgehen der Polizeiführung
gegen Anette und Meinhardt Ramaswamy ist völlig inakzeptabel Es ist grotesk,
Anette Ramaswamy mit gewalttätigen Aktionen oder gewaltbegünstigenden
Aktivitäten anlässlich der G20-Demonstrationen in Hamburg in Verbindung
zu bringen. Wer die in der Friedensbewegung und der Anti-Atominitiative
aktive Göttingerin kennt, bewundert ihr Engagement, ihre Öffentlichkeitsarbeit
und ihre durch und durch humanistische, friedliche Weltanschauung und
Haltung. Wer nicht gedankenlos alle Ungerechtigkeiten, die vielen Vergehen
gegen Umwelt, Natur und insbesondere auch gegen die uns nachfolgenden
Generationen hinnimmt, der wird sich immer wieder mit Anette Ramaswamy
auf Mahnwachen und Demonstrationen treffen. Das ist es aber anscheinend,
was sie einigen vermeintlichen „Staatsschützern“ und rechten Akteuren
suspekt macht und ihre überzogenen, teilweise wütenden und hasserfüllten
Reaktionen auf sich zieht. Vor fast einem Jahr waren es Neonazis, die
ihre Familie bedrohten und vor ihrem Haus randalierten. Damals mussten
sie lange auf den erbetenen Schutz durch die Polizei warten. Heute nun
dringt die Polizei in aller Frühe ohne jede Vorwarnung selbst in die Wohnung
der Familie ein und verbreitet Angst und Schrecken mit ihrem martialischen
Aussehen und Vorgehen. Es werden Datenträger beschlagnahmt, die dem Kreistagsabgeordneten
Meinhardt Ramaswamy gehören, der nachweislich nie in Hamburg zu den G20-Demonstrationen
war. Dem der Rat in einer Resolution noch seine Solidarität zum Ausdruck
gebracht hat. Heute ist es Anette Ramaswamy, die mit Recht von einigen
Bürger*innen für den Courage-Preis vorgeschlagen wird, gegen die ungerechtfertigt
und völlig überzogen von Staatsorganen vorgegangen wird. Es ist absurd,
den Vorwurf zu konstruieren, dass sie bei ihrer Teilnahme an den G20-Demonstrationen
- wie tausende anderer Demonstranten*innen -erkennungsdienstlich behandelt
wurde. Da kann man nur hoffen und dafür arbeiten, dass mit diesem Vorgehen
das Ziel der Polizeioberen und selbsternannten Staatsschützer Menschen
einzuschüchtern und von ihrem Demonstrationsrecht abzuhalten nicht aufgeht.
Sondern das genaue Gegenteil erfolgt, indem sich noch mehr Menschen in
Göttingen gegen Willkür und Machtmissbrauch stellen und sich mit Anette
und Meinhardt Ramaswamy solidarisieren. Ich fühle mich an ihrer Seite.
2016
JU
verbreite Unsinn zu studentischen Wohnheimen 1.8.16
Wer instrumentalisiert hier wen? 6.6.16
> Naturschutzbeauftragte
Walbrun soll bleiben 22.5.16
Zur
Verletzung durch CS-Gas bei Demo gegen Nazis 21.5.16
Friedjof-Nansen.Haus des Goethe-Instituts in "private Hände" 21.5.16
Medizinische
Flüchtlingshilfe 13.5.16
>>
Massenunterkunft - Reaktion auf zurückgehende Flüchtlingszahlen? 11.5.16
Fracking
gehört verboten 5.5.16
Städtisches
Museum 24.4.16
XXXL / Bauverwaltung gefährdet den Innenstadthandel
31.3.16
Kritik an Investition in Dieselbusse stat Elektrobusse
29.3.16
Kleine
kommunale Pöstchendeals
7.3.16
Jazz
im OM 10
29.2.16
Ehrenamtliche in der Voigtschule unterstützen
18.2.16
> Neujahrsempfang im OM 10 Bericht
& Kommentar 11.1.16
/
VHS Göttingen -
gestern und heute 6.9.16
So schnell kann es gehen. "Gestern" noch der personell alternativlose
einzige Kandidat für die neue, große gGmbH Volkshochschule Göttingen/Osterode.
Insbesondere auch die SPD-Vertreter im Aufsichtsrat versperrten sich vehement
einer Stellenausschreibung und peitschten ihren Favoriten durch. "Heute"
einstimmig vom Aufsichtsrat abberufen mit dem begleitenden Kommentar der
SPD: " Sein Verhalten gegenüber den Mitarbeiter*innen und seine unsachgemäße
Buchführung seien nicht hinnehmbar." Gestern noch Begrifflichkeiten wie
"illoyal","unanständig", "feige" gegenüber Mitarbeiter*innen und Betriebsrat,
die auf finanzielle Ungereimtheiten aufmerksam machten, heute "zum Schutze
aller Beteiligten" die Abberufung des Geschäftsführers. Manchmal ist man
ganz fix im Umdenken und Umsteuern. Als es darum ging, den Mitarbeiter*innen
nach mehreren Jahren wieder zu einer tarifgerechten Bezahlung zu verhelfen
wurden Begriffe wie unanständiges und ungerechtes Verhalten von der Mehrheit
des VHS-Vorstandes als unberechtigt, unangemessen und populistisch abgekanzelt.
Vielleicht distanziert sich ja der Aufsichtsrat nun von den unberechtigten
Vorwürfen einiger seiner Mitglieder gegen Mitarbeiter*innen und ihren
Betriebsrat genauso fix und mit einem Dank für verantwortungsvolles Handeln.
"Junge Unwissende"
verbreiten "Jeglichen Unsinn", JU 1.8.16
(...) Da kritisiert die JU das Studentenwerk, weil es angeblich Wohnheime
an "extrem linke Gruppen" vermietet. "Staatlich finanzierter Extremismus"
in besetzten Häusern sei das. Die Unwissenheit der Jungpolitiker darüber,
dass alle studentischen Wohnheime über legale Mietverträge abgesichert
sind und es außer dem ehemaligen DGB-Haus z. Z. kein einziges besetztes
Haus in Göttingen gibt, mag man noch verzeihen. Die Tatsache, dass die
bestehenden Wohngemeinschaften in einigen kleinen studentischen Wohnheimen
ein vereinbartes Mitspracherecht für Nachmieter*innen haben, zu skandalisieren,
zeugt dann doch schon eher von wenig Toleranz und einem ausschließlich
hierarchisch orientierten Denken. Bei den von den Alten Herren finanzierten
Burschenschaftshäusern gelten übrigens weit rigidere und einschneidendere
Regelungen. Aber da läuft halt alles ohne jegliche öffentliche Kontrolle
und nur über Connektions (und vielleicht auch über politische Gesinnung?).
Nur noch dummdreist ist dann die Behauptung, Bewohner*innen der kleineren
studentischen Wohnheime würden vorrangig nach politischer Gesinnung rekrutiert,
seinen häufig gar nicht immatrikuliert und sympathisierten vor allem mit
Kommunisten und Anarchisten. Mag ja sein, dass die Göttinger Junge Union
alle Studierenden, die nicht geschniegelt und gestriegelt durch Uni und
Stadt laufen, die statt einer Deutschlandfahne ein Transparent hochhalten
für verdächtig, für Kommunisten, Linksextremisten und Anarchisten halten.
Für die Göttinger Linke ist dies, wie auch z.B. verschiedene Lebens- und
Wohnformen, eher Ausdruck einer pluralistischen, lebendigen Gesellschaft
und ein Ausdruck für "Vielfalt statt Einfalt".
Randbemerkung zur
Siekhöhe 20.7.16
Es läuft alles rund in der Flüchtlingsunterkunft Siekhöhe, alles friedlich.
"Ziel der Integrationsarbeit sei es nun, zur Selbstständigkeit zu erziehen",
so laut GT der Leiter der Unterkunft. Erziehen will man die überwiegend
erwachsenen Menschen. Zur Selbstständigkeit. Die, die unter schwierigsten,
entbehrungsreichen und gefährlichsten Bedingungen den Weg bis nach Göttingen
geschafft haben, waren bisher ja so unselbstständig. Es hallt deutlich
in der Halle bei der momentanen Belegung mit 100 Personen wegen der fehlenden
Decken über den einzelnen Wohneinheiten, so der Bericht. Mal sehen, wie
sich das dann beim Bezug durch geplante 400 Menschen anhört? Wie wäre
es denn damit, wenn nicht nur "die Zimmergröße mit bis zu 14 Personen
überdacht" würde, wie in einem Gutachten angemerkt. Deutet nicht doch
einiges auf einen generelleren Dachschaden hin? Etwas nachgedacht und
100 Menschen könnten ziemlich selbstständig allein in den leerstehenden
Wohnungen in Grone ein richtiges Dach über dem Kopf haben. Mit Bedacht
gehandelt gäbe es sicher ein persönlicheres und individuelleres Obdach
für viele dieser Menschen. Da kommt einen ja fast der Verdacht, da hat
man an was Bestimmtes bei gedacht.
Freiwillige
Helfer*innen schmeissen die Klamotten hin
Zum Verhältnis von amtlich und ehrenamtlich
"Die Säulen der Willkommenskultur", " das schöne Gesicht Deutschlands",
"die stillen Heldinnen und Helden der Nation", so und ähnlich werden sie
in den Sonntagsreden von Politiker*innen und Spitzenbeamten*innen tituliert
und umgarnt. Ohne sie wäre eine humane Flüchtlingshilfe gar nicht möglich
und die vielen Aufgaben der Integration nicht zu bewältigen. Gemeint sind
die vielen Hunderttausende von Flüchtlingshelfer*innen, die unentgeltlich,
ehrenamtlich und aus Überzeugung und sozialem Engagement ihre Freizeit,
häufig auch privates Geld und teilweise sogar ihren Urlaub für eine menschliche
Aufnahme, Unterstützung und Begleitung geflohener Menschen einbringen.
Alles so lange mit dem amtlich- bürokratischen Wohlwollen und Siegel versehen,
solange sie sich als willige, caritative Erfüllungsgehilfen*innen der
amtlichen Autoritäten und deren Weisungen betätigen. Aber wehe, sie kommen
mit eigenen Vorstellungen, melden möglicherweise sogar Kritik an, dann
gelten sie plötzlich als inkompetent, aufmüpfig oder politisch fremdgesteuert.
Auch hier in Göttingen häufen sich die Beispiele von Konflikten zwischen
ehrenamtlichen Helfer*innen und Stadtverwaltung. Nach Kritik und Protest
der Initiative in der alten Voigtschule, nach kritischen Worten aus der
Flüchtlingsinitiative IWF, nach Protesten aus Weende und dem Hagenweg,
einem gemeinsamen Aufruf des Göttinger Netzwerkes von Flüchtlingsinitiativen,
erklären nun die freiwilligen Helfer*innen des zentralen Spendenzentrums
frustriert und enttäuscht, dass sie ihre Mitarbeit einstellen werden.
Schade, dass man in den Amtstuben nicht begreift, dass die bürokratische
Hierarchie im Umgang mit Ehrenamtlichen nicht funktioniert. Dass man nicht
nach dem Motto handeln kann "wir wissen, was richtig, wichtig und gut
ist und wie was abzulaufen hat". Im Verhältnis Hauptamtliche / Ehrenamtliche
gilt nicht das Prinzip Vorgesetzte und Untergebene. Kooperation, Transparenz,
Diskussion und gegenseitiger Respekt sind gefragt statt Weisungen und
einseitigen Beschlüssen und deren Verkündung. Es muss der ernsthafte Versuch
erkennbar werden, die ehrenamtlichen Helfer*innen als Partner*innen in
dem gemeinsamen Bemühen um eine menschenwürdige Flüchtlingshilfe und -Politik
einzubeziehen und sie nicht nur als willfährige und nützliche Entlastung
in personeller und finanzieller Hinsicht zu sehen.
> Spendenzentrum
Angriffe
gegen Flüchtlings-Inis nur noch ironisch, satirisch zu kommentieren
Wer instrumentalisiert hier wen? 6.6.16
Die fünf vernetzten Flüchtlingsinitiativen mit ihren vielen ehrenamtlichen
Helfer*innen in Weende, Hagenweg, IWF, Voigtschule, OM10 lassen sich also
laut Stadtverwaltung von Aktivisten*innen für deren "politisches Süppchen"
instrumentalisieren. Worin die Instrumentalisierung bestehen soll wird
zwar nicht näher ausgeführt, aber gemeint ist sicherlich die subversive
Infragestellung wohlmeinenden Verwaltungshandelns in Form von Zwangsverlegungen
geflohener Menschen in eine Massenunterkunft. Da lassen sich doch die
fünf Initiativen eine kritische Presseerklärung zu diesem sozialen Akt
städtischer Wohlfahrt von Menschen unterjubeln, die sich in der ehrenamtlichen
Flüchtlingshilfe noch nie engagiert haben. Da haben wir es doch wieder
einmal, diese naiven "Gutmenschen" der oben angeführten Flüchtlingsinitiativen
wollen nicht begreifen, dass man im Rathaus schon weiß, was für die Menschen
am Besten ist. Anstatt den Profis zu vertrauen, folgen sie lieber politischen
Hasardeuren, die ihnen einreden, kleinere Unterbringungseinheiten hätten
zumindest zur Zeit soviel freie Kapazitäten, dass auf die Massenunterbringung
im Anna-Vandenhoek-Weg ohne Weiteres verzichtet werden könnte. Sie lassen
sich ein Papier diktieren, das völlig unsinnige Mindeststandards für Flüchtlingseinrichtungen
fordert wie: angemessene Sanitäranlagen, Sicherung medizinischer Versorgung,
Schaffung von Gemeinschaftsräumen, eigene Gestaltungsmöglichkeiten des
Wohnraums und was da noch so alles gefordert wird. Da lobe ich mir doch
die Eigenständigkeit der versammelten Ratsfraktionen, die sich in keiner
Weise von den Vorgaben ihrer Verwaltung instrumentalisieren lassen. Die
aus eigener Einsicht und Weitsicht unisono den Verwaltungsprofis zustimmen
und folgen. Die Rathauskoalitionäre schaffen es sogar, eine Presseerklärung
herauszugeben, die im Wortlaut fast identisch ist mit der wenige Stunden
zuvor erfolgten Erklärung eines Dezernenten. "Zynismus" werfen Sie den
Kritikern aus den Flüchtlingsinitiativen vor, wenn sie über "individuelle
Vorlieben für bestimmte Unterkünfte sprechen". Ist
nicht in einem knapp zwei Jahre alten Ratsbeschluss die Rede davon, dezentrale
Unterbringungsformen in jedem Falle zu favorisieren?
Zur
Verletzung durch CS-Gas bei Demo gegen Nazis
Die Kennzeichnungspflicht für Polizisten in Niedersachsen muss her!
21.5.16
Persönlich halte ich nicht viel von Vermummung. Gerade auch bei Demonstrationen
will ich Gesicht zeigen für was ich stehe. Die Vorfälle bei der Demo am
Samstag gegen die Kundgebung des sogenannten Freundeskreises Thüringen/
Niedersachsen zeigen mir aber einmal wieder deutlich, dass auch die Polizistinnen
und Polizisten mit ihrem Namen für ihr Verhalten stehen müssen. Es muss
dringend die namentliche Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte eingeführt
werden. So wird vermutlich wieder mal kein Vertreter der Staatsgewalt
zur Rechenschaft gezogen werden für den völlig unangemessenen und überzogenen
Pfeffersprayeinsatz, bei dem sich die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele
Andretta erhebliche Augenverletzungen zugezogen hat. Ihr gegenüber wird
ja wohl niemand behaupten können, dass sie durch besonders provokatives
oder gar aggressives Verhalten gegenüber der Polizei aufgefallen wäre.
Aktuell gelten alle meine guten Wünsche auf möglichst umgehende Besserung
Frau Andretta. Ich möchte ihr meinen Respekt und meine Solidarität für
ihre Teilnahme an der von vielen getragenen Gegendemonstration zum Ausdruck
bringen. Als politische Forderung gilt aber mehr denn je, dass sich auch
Uniformträger*innen ihrer Verantwortung stellen müssen. Deshalb muss endlich
für sie eine Kennzeichnungspflicht her. Die Veranstaltung "Anonyme Polizei
in Niedersachsen - Ist die fehlende Kennzeichnung eine Gefahr für den
Rechtsstaat" am 25. Mai in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz um 19.00 Uhr
hat traurige Aktualität erhalten.
Friedjof-Nansen.Haus
nach dem Auszug des Goethe-Instituts in "private Hände"
So kommt auch der letzte öffentliche Immobilienbesitz unter den Hammer
21.5.16
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nach dem Sparkassen-Hotel-Objekt
am Groner Tor, dem monolithischen Block aus Stampfbeton in der Düsteren
Straße nun der GWG-Bau für das Goethe-Institut im Güterbahnhofsbereich.
Ob gelungen oder nicht gelungen bleibt der Beurteilung jedes Einzelnen
überlassen. Auf jeden Fall werden diese drei im Entstehen begriffenen
Gebäude unser Stadtbild mit prägen. Was mit mit dem im städtischen Besitz
befindliche Fridjof-Nansen-Haus, dem jetzigen Domizil des Goethe-Instituts,
geschehen soll verrät uns unser Oberbürgermeister in einem kleinen Nebensatz
bei der Vorstellung des Neubauprojektes durch die 100-prozentige städtische
Göttinger-Wirtschafts-Gesellschaft. Er wünscht sich es an "private Hände
abzugeben". Das ist dann für mich keine Geschmackssache mehr, sondern
unvernünftig und kurzsichtig. Was mit der in private Hände abgegebenen
Villa des ehemaligen Pädagogischen Instituts, das sich im öffentlichen
Besitz befand, geschieht, kann jeder sehen. Es gammelt vor sich hin, der
private Besitzer hat immer noch kein Nutzungskonzept, verwehrt aber gleichzeitig
die Nutzung zu Wohnzwecken. Dass die Stadt für das ehemalige IWF - ebenfalls
mal in öffentlichem Besitz - Millionen für Miete an den privaten Investor
für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft in den nächsten Jahren zahlen
muss, ist nicht Warnung genug. Dass man für den Umbau einer Lagerhalle
in ein wenig ansprechendes Massenquartier für Flüchtlinge Millionen ausgibt
und das für eine Mietlaufzeit von fünf Jahren scheint völlig in Ordnung.
Aber wie mit der alten Voigtschule geplant und fast auch umgesetzt wird
der letzte Rest an öffentlichen Immobilien verscheuert, um mit einem einmaligen,
in der Regel eher niedrigen Verkaufspreis den Haushalt kurzfristig etwas
zu schönen. Nachhaltigkeit, Sicherung öffentlicher Interessen, Erhalt
letzter eigener Gestaltungsspielräume scheint dabei keinerlei Rolle zu
spielen. Der Ausverkauf an vermeintlich potente Investoren schreitet rapide
voran.
Verwaltungshandeln
ohne Namen
Drohungen statt Aufklärung 14.5.16
Rechtliche Konsequenzen droht unsere Stadtverwaltung an, weil ein aktuelles
Dokument mit erkennbarem Namenszug der Sachbearbeiterin veröffentlich
wurde, das es eigentlich seit 2013 in Göttingen gar nicht mehr geben dürfte.
Ein Wertgutschein in Höhe von 110 Euro zum Bezug von Sachleistungen an
Asylbewerber. Nicht etwa eine Erklärung dafür, wie es zum Wiederaufleben
eines von der Stadtverwaltung und dem Rat in der Vergangenheit selbst
kritisierten Systems der Sachleistung statt Bargeld gekommen ist. Weil
es "aus humanitären, aber auch verwaltungstechnischen Gründen geboten
wäre, auf die Ausgabe von Wertgutscheinen an Asylbewerber zu verzichten
und Bargeld auszuzahlen," so die Sozialdezernentin 2012. Nicht die Persönlichkeitsverletzung
der damit wieder ein Stückchen mehr entmündigten und entwürdigten "Bezieher"
dieses Dokumentes wird beklagt. Die Persönlichkeitsverletzung der unterzeichnenden
Sachbearbeiterin, deren Namen auf dem veröffentlichten "Bezugsschein"
erkennbar ist wird moniert und mit der Androhung rechtlicher Konsequenzen
belegt. Irgendwie ein bekanntes Muster aus vordemokratischen Zeiten: Wenn
der Obrigkeit ein Sachverhalt missfallen hat, wenn ihr etwas unangenehm
war, wenn ihr die Argumente fehlten, wurde gedroht. In heutigen Zeiten
und aus den oben angeführten Anlass so zu reagieren wirkt eher hilflos,
dumm und im gewissen Grade lächerlich. Frage eines Untertans: Ist die
Ausgabe des veröffentlichten Wertgutscheins aus 2016 nun ein Versehen,
eine Ausnahme und Rarität oder ein Beleg für eine Kehrtwende in der Praxis
unserer Stadtverwaltung und soll das der Regelfall werden?
Medizinische
Flüchtlingshilfe
Humanität und Rechtsstaatlichkeit 13.5.16
Welches
christliche Menschenbild mag wohl die christdemokratische niedersächsische
Landtagsabgeordnete Joumaah vertreten, wenn sie davor warnt, dass Humanität
als Schwäche verstanden werde könnte. Wenn sie Menschen, die
wegen einer angeordneten Abschiebung untergetaucht sind die medizinische
Versorgung auf der Grundlage der anonymen Krankenversorgung verweigern
lassen will. "Weiterhin staatlich geduldete Krankenversorgung, die dem
Rechtsstaatsprinzip widerspreche", nennt Frau Jahn (CDU) das. Gemeint
sind in diesem Falle konkret die beiden Göttinger Roma-Familien,
die sich der groß .angelegten Abschiebung am
20. Februar
entzogen haben und deren Aufenthaltsort bisher unbekannt geblieben ist.
Gemeint
sind 18 Menschen, davon 13 Kinder, die den größten Teil ihres
Lebens, bzw. ausschließlich in Göttingen gewohnt haben. Auf
sie bezog sich nämlich die kleine Anfrage und die damit verbundene
Kommentierung von drei niedersächsischen Landtagsabgeordneten der
CDU. Kein Mensch ist illegal, aber erst recht darf keinem Menschen die
notwendige (medizinische) Hilfe versagt werden, egal in welcher Situation
er sich befindet, wenn er darauf angewiesen ist. Sonst müsste unser
Rechtsstaat wegen unterlassener Hilfeleistung einschreiten.
Fracking
gehört verboten 5.5.16
CDU/CSU und SPD gegen Fracking-Verbot. Auch Güntzler und Oppermann
stimmen dagegen.
Relativ unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit haben fast alle
Abgeordneten der großen Koalition am 28. April einen gemeinsamen
Antrag der Grünen und LINKEN im Bundestag auf ein Fracking-Verbot
abgelehnt. Auch unsere beiden Göttinger Abgeordneten Güntzler
(CDU) und Oppermann (SPD) stimmten dagegen. Gerade aber in Niedersachsen
gibt es seit Jahren großen Widerstand in der Bevölkerung gegen
diese Art der Gasförderung. Grundwasser- und Luftverschmutzung, erhöhte
Erdbebengefahr und erhöhte Krebsraten in den jetzt schon betroffenen
Gebieten lassen sich zwischenzeitlich klar belegen. Die Skandale um giftigen
Bohrschlamm, der Jahrzehnte lang bei der Förderungen auf sogenannte
konventionelle Art einfach in ungesicherten Gruben entsorgt wurden ist
uns noch im Ohr. Was mit dem hochgiftigen Chemiecocktail passiert, der
beim Fracking eingesetzt wird, wird uns bis heute vorenthalten. Was soll
man von den Lippenbekenntnis von SPD und CDU/CSU während Wahlkampfzeiten
halten, dass auch bei ihnen der Schutz der Gesundheit der Menschen, der
Umwelt und des Trinkwassers keine Kompromisse zulasse. Mit ihrem Abstimmungsverhalten
belegen sie vielmehr, dass sie sich auch schon ohne TTIP-Abschluss auf
das amerikanische Risikoprinzip anstelle des Vorsorgeprinzips eingelassen
haben.Zur Übersicht: Von 290 CDU/CSU Abgeordneten stimmten 282 gegen
ein Frackingverbot. Von 182 abgegebenen SPD-Stimmen votierten 141 gegen
ein Verbot, 40 enthielten sich und nur eine Abgeordnete war für ein
Verbot.Für Niedersachsen müssen wir befürchten, dass wir
neben dem Atomklo der Nation zwischenzeitlich auch zur Deponie für
Giftschlamm und zum Schwamm für hochgiftige Chemiecocktails geworden
sind bzw. werden.
Städtisches
Museum 24.4.16
Realsatire oder Trauerspiel? Die Göttinger SPD und das städtische Museum
Mit der Zustimmung zum Kustbetonbunker im sogenannten Steidl'chen Kunstquartier
in der Düsteren Straße ging es ganz fix bei der SPD-Ratsfraktion. Die
Arche soll es sein, die sich fensterlos aus Stampfbeton als monolithischer
Block in das Gesamtensemble der Straße einpasst. Das nennt man im Volksmund
"Mut zur Lücke". Um für das über Jahrhunderte gewachsene Ensemble des
städtischen Museum am Ritterplan endlich Planungssicherheit zu schaffen
benötigen die SPD-Ratspolitiker*innen allerdings dagegen jahrelange Beratungszeit.
Bisher ohne Ergebnis und ohne eigene Konzeption, sieht man mal von dem
glorreichen Vorschlag eines Umzugs in die alte Voigtschule ab. Äußerst
konstruktiv und wegweisend, sich dann der gemeinsamen Diskussion über
das Museumskonzept in der letzten Sitzung des Kulturausschusses zu verweigern.
Voll taktischen Geschick dies mit möglichen Verknüpfungen mit den Forum
Wissenschaft zu verknüpfen. Ungemein verantwortungsvoll im Umgang mit
den zwischenzeitlich schon etliche Millionen Euro betragenden Steuermitteln,
die in die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles am Ritterplan gesteckt
wurden. Extrem bürger*innenfreundlich der Umgang mit den engagierten Mitgliedern
des Geschichtsvereins. Na ja und der auch von der SPD-Ratsfraktion mitgetragene
Workshops war wohl sowieso nur als Spielwiese gedacht. Mir scheint, dass
die SPD als ehemals große Volkspartei im Kleinen wie im Großen so langsam
darauf achten muss, dass sie nicht selbst im Museum landet. Das am Ritterplan
böte zumindest ein schönes und würdiges Ambiente.
XXXL / Die Kapriolen
der Bauverwaltung gefährden den Innenstadthandel 31.3.16
Es wird immer grotesker. Da wird vor zwei Jahren nach intensiver Diskussion
ein Einzelhandelskonzept für Göttingen beschlossen, das eine Begrenzung
bei Neuansiedlungen von Bau-, Möbel- und ähnlichen Großmärkten auf eine
Verkaufsfläche von maximal 800 qm für innenstadtrelevante Waren vorsieht.
Dummes Geschwätz von gestern für unsere Bau- und Stadtverwaltung. Sie
will nun solche Verkaufsflächen bis auf 10% der Gesamtfläche, im konkreten
Fall auf 3300 qm erweitern. Dabei ist bemerkenswert, dass der potentielle
Betreiber, die Möbelhauskette XXXL selbst mit einer kleineren Fläche zufrieden
wäre. 2000 qm im Rahmen einer Gesamtfläche von 33000 qm würden XXXL auch
schon genügen. Aber auch das wär noch zweieinhalb mal so viel, wie der
vor zwei Jahren ausgehandelte Kompromiss. Was treibt unsere Bauverwaltung
dazu, über alle bisherigen Vorgaben hinweg, so großzügige, umstrittene,
den Innenstadthandel erkennbar beeinträchtigende Vorschläge zu unterbreiten?
Warum hält sie an dem von allen Mittelzentren von Northeim über Duderstadt
bis Hann. Münden kritisierten Konzept der Ansiedlung eines riesigen Möbelgroßmarktes
fest? Wieso hat sie sich bisher mit keinem Wort zu dem Verhalten der Möbelhauskette
XXXL gegenüber ihren Mitarbeiter*innen in Ingolstadt und München geäußert,
wo ganzen Belegschaften von heute auf morgen gekündigt wurde? Einer Kette,
die alles dafür tut, in ihren Filialen Betriebsräte zu verhindern. Muss
Göttingen "um jeden Preis" Gewerbeflächen verhökern? Sind Siekhöhe und
Siekanger nicht Warnung genug? Das Argument der Schaffung sicherer Arbeitsplätze
kann bei dem bekanntgewordenen arbeitnehmerfeindlichen Verhalten des avisierten
Investors wohl kaum ein ernsthaftes Argument sein. Bleibt also genügend
Raum zum Spekulieren über die wahren Motive. Man kann nur hoffen, dass
die Ratsparteien dem Ansinnen der Bauverwaltung im nächsten Bauausschuss
einen Riegel vorschieben werden.
Die Anschaffung
neuer Dieselbusse und Fahrpreiserhöhungen passen nicht ins Konzept von
Klimaschutz und Ausweitung des ÖPNV 28.3.16
Da hat der Rat
einen ambitionierten "Masterplan 100 % Klimaschutz" verabschiedet, der
sich zum Ziel setzt 2050 klimaneutrale Stadt zu sein. Dieses Ziel beinhaltet
die Reduzierung der klimaschädlichen CO2 Emissionen um 100%. Bis 2020
soll der CO2-Ausstoß immerhin schon um 40% vermindert werden. Da wird
der auf dem Papier entwickelte Klimaplan Verkehrsentwicklung der Stadt
Göttingen 2014 als "Leuchturmprojekt" vom Land Niedersachsen ausgezeichnet.
Und dann muss man Anfang 2016 mit Verwunderung vernehmen, dass unsere
Verkehrsbetriebe für 3,7 Millionen Euro 14 neue Dieselbusse anschaffen.
Dass Dieselmotoren mit die größten Emittenten für CO2 sind dürfte sich
zwischenzeitlich rumgesprochen haben. Dass die Automobilindustrie bei
Dieselautos tricksen und schummeln musste, um die jetzt schon geltenden
Abgasnormen vermeintlich einzuhalten , ist spätestens seit dem VW- Skandal
bekannt. Da werden Offensiven für Elektromobilisierung gerade auch in
Göttingen gefahren und dann hört man von unseren Stadtwerken zur Entscheidung,
2016 noch neue Dieselbusse anzuschaffen nur lapidar, andere Motortechniken
wären noch nicht ausgereift. Merkwürdig, in Braunschweig werden seit 2014
Gelenkbusse mit Elektroantrieb eingesetzt. Die Üstra Hannover testet elektrisch
betriebene Busse im Linienbetrieb. Wir müssen erst gar nicht nach Freiburg,
Bielefeld oder in die Schweiz schauen, um uns schlau zu machen, sondern
ein Austausch mit niedersächsischen Verkehrsbetrieben würde schon genügen.
Was nützen uns großartige Klimaschutzpläne, Hochglanzbroschüren und tolle
Konzepte zur Verbesserung des ÖPNV, wenn sich in der Praxis nichts bewegt.
Ebenso wie die Anschaffung neuer Dieselbusse zum jetzigen Zeitpunkt sind
die vor wenigen Tagen bekannt gegebenen Fahrpreiserhöhungen für etliche
Bustickets kontraproduktiv. Nicht nur, dass auch hier die Argumente wenig
einleuchten sind, sondern auch, dass wir uns damit wieder ein Stückchen
mehr davon entfernen einen kostengünstigen öffentlichen Nahverkehr als
ernsthafte Alternative und Konkurrenz zum privaten Autoverkehr anzubieten.
Kleine kommunale
Pöstchendeals 7.3.16
Ist denn mittlerweile selbst auf kommunaler Ebene Politik nur noch ein
Pöstchengeschachere? Innerhalb weniger Tage werden uns im Landkreis Göttingen
und dem Nachbarkreis Northeim mal wieder zwei Vorgänge präsentiert, die
doch zumindest ein bißchen nachdenklich stimmen. Da beschließen die Grünen
im Landkreis Göttingen keine eigene Kandidatin, keinen eigenen Kandidaten
zur Landratswahl aufzustellen. Man will den SPD-Kandidaten Reuter schon
im ersten Wahlgang unterstützen. Verbunden wird dies mit der Meldung,
dass dann ( oder dafür) Frau Wemheuer von den Grünen erste Kreisrätin
bleibt und der Posten des Kreisrates weiterhin durch den SPD-Mann Riething
besetzt bleiben soll. Na dann ist ja alles Wesentliche abgesprochen und
geregelt. Da müssen die Wähler* innen sich nicht noch riesig abmühen mit
ihrer Entscheidung. Und nun, ein paar Tage später kann man lesen, dass
der Landratskandidat der CDU für den Landkreis Northeim von Garmissen
im Vorfeld der Stichwahl dem im ersten Wahlgang ausgeschiedenem parteilosen
Kandidaten Richert den demnächst vakanten Posten des ersten Kreisrates
avisiert, sollte er gewählt werden. Selbstverständlich ohne jede Hintergedanken
und erst recht nicht mit dem Ansinnen, dass der nun seine Wähler*innen
für eine Stimmabgabe für von Garmissen aufruft. Es geht ausschließlich
um Kompetenz bei diesem Hinweis. Und außerdem, ein Kreisrates wird zwar
nicht von den Bürger* innen gewählt! aber immerhin noch vom Kreistag.
Aber was soll es. Ich weiß nicht wie, aber da ist mir doch spontan wieder
das Buch von Kilz und Preuß über den Flick-Skandal eingefallen: Die gekaufte
Republik. Aber da ging es allerdings um eine Staatsaffäre und nicht um
kleine kommunale Deals. Aber egal, ob in der ersten, zweiten oder dritten
Liga das sind anscheinend Dinge, die zum Geschäft gehören.
Jazz
im OM 10
OM10 - ein Haus für geflohene Menschen, ein Kulturzentrum, eine Begegnungsstätte
Der Saal
im ehemaligen DGB-Haus war mal wieder mehr als gut gefüllt am Sonntag,
den 28. Februar. Diesmal standen nicht Informationen über den Fortgang
der Umbauarbeiten, der Weiterentwicklung des Konzeptes, den Stand der
Vereinsgründung oder andere inhaltliche Themen im Mittelpunkt des Treffens,
sondern ein Jazzfrühsrück der Band jazz. Gut zweieinhalb Stunden, unterbrochen
durch eine Pause für Führungen durch die neugestalteten Wohnräume für
geflohene Menschen und andere Bewohner* innen unterhielten Marcus Beyer
(Vocal), Ede Luszas(Bass/Gitarre), Lukas Manz (Piano/Bass) und Bernd Mehrwert
(Drum) Diezahlreichen Zuhörer *innen mit einem Potpourri bekannter und
weniger bekannter Jazz-Stücke. Nun bin ich bestimmt kein Kulturkritiker
und habe mich auch in Sachen Kulturpolitik bisher eher vornehm zurückgehalten,
aber nach meinem Verständnis waren das Beiträge auf hohem Niveau. Und
anscheinend nicht nur mir, sondern fast allen Anwesenden hat es gefallen
und Spaß gemacht, was dem tollen Applaus zwischendrin und am Ende zu entnehmen
war. Soviel Lebendigkeit, Stimmung und rhythmische Bewegungen dürfte das
ehemalige DGB-Haus wohl nicht all zu häufig in seiner bisherigen Geschichte
erlebt haben. Hier entwickelt sich seit der Wiederinbetriebnahme der jahrelang
leergestanden Räumlichkeiten ein im wörtlichen Sinne sozio-kulturelles
Projekt mitten in der Innenstadt. Es könnte ein Aushängeschild für Göttingen
werden und sich zum Nachahmen in anderen Teilen der Republik empfehlen.
Konkrete Hilfe, direkte Begegnung und kulturelle Veranstaltungen unter
einem Dach als Ausdruck von Solidarität, Gemeinsinn und Lebensfreude.
Diese gelungene Mischung macht das Besondere, den Reiz von Om10 aus. Kein
Eintritt, kein Verzehrzwang, aber immer einen Kaffee und ein paar kleine
Häppchen mit einer dezenten Spendendose daneben, erlauben jeder/m das
Dabeisein, unabhängig vom Inhalt des Portemonnaies. Göttingen kann stolz
sein auf dieses Projekt und sollte Danke sagen den vielen ehrenamtlich
Mitarbeitenden. Der DGB mit seiner Vermögens- und Treuhand Gesellschaft
inclusive der Stadtverwaltung und dem Rat sollten alles dafür unternehmen,
diesem interessanten, gut funktionierenden und lebendigen Projekt möglichst
bald eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen.
Ehrenamtliche
in der Voigtschule unterstützen
Die Flüchtlingsunterbringung und die dort geleistete ehrenamtliche Hilfe
müssen aus ihrem Schattendasein herausgeholt werden .
Kaum einer hat es richtig mitbekommen, als im Frühsommer letzten Jahres
die ersten geflohenen Menschen in die alte Voigtschule einquartiert wurden.
Erst nach und nach bemerkte man in der Nachbarschaft, dass Leben in dem
städtischen Gebäude herrscht. Spontan und erst einmal unorganisiert sammelten
sich einige Anwohner* innen und nahmen Kontakt mit den neuen Nachbarn
auf. Im Herbst dann bildete man die Gruppe unabhängige Flüchtlingshilfe
samt einem Orga-Team für die Voigtschule. Zu diesem Zeitpunkt schaute
stundenweise und nicht immer täglich eine städtische Sozialarbeiterin
in der Einrichtung vorbei. Die ehrenamtlichen Helfer* innen dagegen waren
die meiste Zeit über präsent und halfen da, wo es notwendig war, wo sie
angefordert wurden, wo sie ihre Kompetenzen einsetzen konnten. Die Einrichtung
selbst, die dort geleistete ehrenamtliche Arbeit fristete allerdings in
der öffentlichen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit und der städtischen Berichterstattung
ein eher tristes Dasein. Viel Beachtung erhielt sie nicht. Das änderte
sich auch nicht wesentlich, als mit Beginn des Jahres Bonveno die Teilträgerschaft
übernahm. Die beiden neu eingestellten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen
mussten und müssen sich teilweise immer noch in ihr schwieriges Arbeitsgebiet
einarbeiten. Dass sie dabei in diesem belastenden Arbeitsfeld immer wieder
mal an ihre Grenzen stoßen, kann und darf ihnen niemand vorwerfen. Dass
aber ihr Vorgesetzter ihnen nicht dabei hilft bessere Kooperationsformen
im Umgang mit den teilweise schon viel länger in der Voigtschule engagierten
Ehrenamtlichen zu finden ist unverständlich und fahrlässig. Dass berechtigte
Kritik an bestimmten Abläufen - wie zum Beispiel die Schlüsselverwaltung
für die Duschen durch den Sicherheitsdienst - als störend empfunden wird
und Hinweise auf gesundheitsgefährdende hygienische Zustände, die unhaltbare
Situationen für schwangere Frauen als Angriff auf den Betreiber gesehen
werden, ist unverständlich. Ich denke wir alle, die sich für geflohene
Menschen in Göttingen einsetzen sind aufgerufen unser Augenmerk auch auf
die Situation in der alten Voigtschule zu richten. Die dort engagierten
freiwilligen Helfer*innen, die deutlich weniger sind als z.B. im ehemaligen
IWF und auf den Zietenterassen, müssen wir in ihren berechtigten Forderungen
unterstützen, ihnen Mut machen und ihnen. danken. Das mindeste was sie
erwarten dürfen ist Respekt für ihren Einsatz und öffentliche Unterstützung
für ihre berechtigten Forderungen.
Ratsmehrheit SPD/CDU für Nichtbefassung mit Abschiebung von Romakindern
Abschiebung "Eine Lehrstunde der Demokratie" oder wie man sich davor
drückt, zu argumentieren.
12.2.16 / Der Göttinger Rat schmeißt mehrheitlich den Antrag auf Aussetzung
der Abschiebung zweier Roma Familien von der Tagesordnung Mit den Stimmen
der Ratsfraktionen von CDU und SPD wurde der Antrag auf weitere Duldung
zweier Roma-Familien und den Verzicht auf ihre unmittelbare Abschiebung
von der Tagesordnung gestrichen. Eine rein formal begründeter Antrag der
CDU auf Nichtbefassung genügte, um sich einer Diskussion und dem Austausch
von Argumenten zu entziehen. Beschämend, dass bis auf eine Enthaltung
alle anderen Ratsmitglieder der SPD dem Nichtbefassungsantrag ohne jegliche
eigene Stellungnahme zustimmten. Selbst eine mehrheitliche Enthaltung
der Sozialdemokraten hätte genügt, damit der Rat sich mit dem Anliegen
des Antrages befasst hätte. Man hätte den vielen anwesenden Bürger*innen
die Pro und Kontra-Argumente nennen können, sich auseinandersetzen können
und damit zumindest beweisen können, dass man das Anliegen ernst nimmt
und gewillt ist sich damit auseinandersetzt. Auch wenn ich persönlich
ganz klar der Meinung bin, dass man die Verantwortung für menschliche
Schicksale nicht einfach wie eine Jacke an der Garderobe abgeben kann.
Auch wenn ich der Überzeugung bin, dass es Ermessensspielräume auch in
der Ausländerbehörde vor Ort gibt und bei etwas mehr Courage des Oberbürgermeisters
zumindest der sofortige Vollzug einer Abschiebung verhindert werden könnte,
hätte ich eine aus meiner Sicht negative Abstimmung nach Aussprache und
Diskussion zumindest akzeptieren müssen. Sich aber durch einen formalen
Tagesordnungsantrag aus der Verantwortung zu stehlen, ist für mich mehr
als schäbig. Was die vielen anwesenden jungen Menschen für sich aus diesem
"Lehrstück in Sachen Demokratie" ziehen, kann man sich ausmalen. Ihren
Unmut, ihr Unverständnis haben sie unmittelbar, lebhaft und unmißverständlch
zum Ausdruck gebracht. Wer sich darüber empört, der ist unfähig dazu bei
sich selbst Emotionen zuzulassen. Zu den persönlichen Schicksalen, der
Angst, der hoffnungslosen Perspektive der 13 hier geborenen Kinder und
ihrer Eltern wurde schon an anderer Stelle vieles gesagt. Nun muss man
auch von der Ignoranz, der Feigheit und dem unterentwickelten Demokratieverständnis
einer Ratsmehrheit in Göttingen reden.
Kommentare
2015
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rote Überschriften
sind von der goest-Redaktion
schwarze Überschriften sind von Gerd Nier
Roma-Abschiebung
von OB -
Relativierung des Lobes 23.11.15
Abschiebungen zu Weihnachten
4.12.15
Grone:
Immobilienfirma und Sozialdezernentin verdrücken sich
23.11.15
Gespräch mit zwei Afghanen im besetzten DGB-Haus
12.11.15
Zur Besetzung des DGB-Hauses 7.11.15
Versicherungen als Gewinnler der Flüchtlingspolitik
2.11.15
Leerstehende Immobilien nutzen statt Turnhallen für
Flüchtlinge 23.10.15
Kommentar zum Wohnungsleerstand in Grone 22.9.15
Mit "Landesverrat"-Ermittlung gegen Netzpolitik.org 1.8.15
IWF-Initativen-Beteiligung ? Nix da! 21.7.15
Frackingverbot!
Villa
im Ostviertel, Pädagogisches Seminar / Baurat Gerber Straße
Satire
zum Geländeverbot für protestierende MitarbeiterInnen
27.6.15
Peinliches
Verhalten der Asklepios-Geschäftsführung
25.6.15
Krankenschwestern
und Pfleger/innen sind keine seelenlosen Roboter 24.6.15
Die
"Firma Stadt Göttingen" muß transparent gemacht werden
18.6.15
Für
die Finanzierung der Flüchtlingshilfe muß mehr vom Bund kommen
3.6.15
Soziale
Arbeit ist schwierige Arbeit,kein Hobby von Menschenfreunden 3.6.15
Aktivitäten
zur Unterstützung von Flüchtlingen zeigen Wirkung
13.5.15
>
Recht
der Kommunen sich gegen TTIP und CETA zu
äußern
>
AK-Asyl
subversive, feindliche Organisation?! 25.3.15
Mit
einem Golfplatz Bürger_innen und Rebhühner vertreiben?19.3.15
Immobiliengeschäfte
und Ignoranz gegenüber Bürger_innen-Meinungen
14.3.
Unwürdige
Diskussion um Abschiebung im Rat 14.3.15
Ausbildung
zum Frieden statt zu Krieger_innen 14.3.
15
Impfpflicht
für deutsche Kinder, kein Impfserum für Flüchtlingskinder
8.3.15
Voigtschule:
Es gab höhere Geld-Angebote aber Goethe-Institut ist ok 6.3.15
>
Flucht
ist kein Verbrechen! Gegen Verschärfung des Bleiberecht 5.3.15
Ungereimtheiten
bei Voigtschule-Pirouetten 1.3.15
Stadt
wird zum IWF aktiv 18.2.15
Das
Thema "Ukraine" und Waffenlieferungen in Göttingen
18.2.15
>
Das
großkotzige und arrogante Gehabe eines Göttinger Verlegers
18.2.15
>
(GöBit) Bundeswehr lässt sich von
privaten Sicherheitsdienst sichern14.2.15
(GöBit)
Das Töten zu lernen ist keine normale Berufsausbildung 13.2.15
Flucht
vor Schrecken, Elend, Lebensbedrohung 11.2.15
Angriff
auf Kirchenasyl 5.2. / Kirchenasyl = Scharia
? 11.2.15
Durch
ein offenes Tor zu gehen ist "Hausfriedensbruch" ?
6.2.15
> 1.
Treffen der IWF - Initiative Flüchtlinge Willkommen 31.1.15
Güterverkehrszentrum: Investitionen bei unklarem Bedarf immer höher
23.1.15
Inklusionsgegner
Lindner 27.1.15
Die
Nachbarn von Flüchtlingswohnungen rechtzeitig informieren 21.1.15
Absichtserklärungen
in der Neujahrsrede des OB
Sie
können doch auch ohne Hartz4 leben oder? Beweisen Sie das Gegenteil
"Bluenote"
als "kleines Kunstquartier" erhalten! 6.1.15
Kritik
an Abschiebungen als "populisitisch" diffamiert 1.1.15
Roma-Abschiebung
von OB vorläufig gestoppt:
Relativierung des Lobes 21.12.15
http://www.goettinger-linke.de/ wurde am 11. Dezember
2015 ein Kommentar von Gerd Nier unter folgendem Titel veröffentlicht.
"Nicht nur zur Weihnachtszeit" - OB Köhler stoppt vorerst die Abschiebung
zweier Roma-Familien" Das darin enthaltene enthusiastische Lob wurde
nun entschieden relativiert:
Meine Lobeshymne auf
unseren OB scheint doch nicht so ganz angebracht zu sein Eine von vielen
sinnvollen Volksweisheiten lautet: Man soll den Morgen nicht vor dem Abend
loben. Allein die Information, dass die sofortige Abschiebung der beiden
Roma-Familien durch den OB ausgesetzt wurde, hat mich dazu verleitet,
das Verhalten des OB als besonders lobenswert herauszustellen. Nun, nachdem
ich nähere Details aus dem Gespräch kenne und mir auch seine Aussagen
gegenüber dem NDR angehört habe, muss ich mein spontanes Lob doch deutlich
relativieren. Da bleibt nicht mehr viel von persönlichem Mut und humanitärer
statt obrigkeitshöriger Haltung. Auch der OB betont, dass er sich nach
Gesetz und Gerichtsentscheidung richten will und Dass er für Menschlichkeit
nicht zuständig sei. Die Abschiebung für die Kinder wäre zwar schade,
da sie für die Fehler ihrer Eltern büßen müssten, aber so sei das nun
mal. Dass er immerhin die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes noch
abwarten will, musste ihm dann schon abgenötigt werden. Na ja, dies Verhalten
kann man dann bei gutem Willen noch der Kategorie "Großzügigkeit" zu ordnen.
Von wirklicher Betroffenheit und persönlichem Engagement kann aber wohl
dann doch nicht die Rede sein. Schade! Da habe ich wohl in meiner Freude
über den Stop der Abschiebung unserem OB doch zu viel Zivilcourage und
Eigenständigkeit angedichtet. Nun frage ich mich eher: Was kann eigentlich
einem Oberbürgermeister passieren, der es sich einmal wagt, die Entscheidungen
vermeintlich Vorgesetzter Instanzen nicht einfach zu vollziehen? Der sich
zugunsten von Menschlichkeit gegen unmenschliche Verwaltungs- und Rechtsakte
stellt. Ein Ratsantrag auf Amtsenthebung? Da müsste es erst mal eine Ratsmehrheit
geben, die diesen stellt und mitträgt. Die bisherigen Bekundungen aus
den Reihen von SPD und Grünen lassen das nicht vermuten. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde,
eine Rüge des Innenministeriums oder eine bindende Weisung des BAMF? Ich
denke, das könnte er verkraften. Kann er es da nicht mal riskieren, "gegen
den Strom zu schwimmen". Angst um irgendwelche Altersbezüge, die gefährdet
sein könnten, muss er bestimmt nicht haben. Da hat er sich ein gutes Polster
allein schon aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer
der Städtischen Wohnungsbau erworben. Fazit: Ich habe mal wieder jemanden
viel edlere Motive unterstellt, als er sie wirklich selbst gehabt hat.
Und trotzdem, ich werde mich nicht davon abbringen lassen daran zu glauben,
dass es auch in Führungspositionen Menschen geben könnte, die sich trauen
in der Abwägung von Recht und Gerechtigkeit sich für letzteres zu entscheiden.
(Anmerkung der Red. : Siehe dazu auch die goest-Seite >abschiebungen
... keiner hat das Recht zu gehorchen ..)
Petition stoppen-sie-die-abschiebung-von-zwei-goettinger-roma-familien
Abschiebungen
zu Weihnachten 4.12.15
Ein vorweihnachtliche Erlebnis / Es ist mitten in der Woche am frühen
Nachmittag. Gut 150 meist junge Menschen haben sich gegenüber dem Verwaltungsgericht
versammelt. Sie protestieren gegen die bevorstehende Abschiebung einer
Romafamilie in das Kosovo. Richter sollen heute entscheiden, ob z.B. etliche
Kinder und Jugendliche in ein Land abgeschoben werden, das sie noch nie
gesehen haben. Dessen Sprache sie nicht beherrschen und wo Sinti und Roma
vielerorts nicht nur diskriminiert sondern regelrecht verfolgt werden.
Richter sollen nun das vollziehen, was Bundespolitiker mit ihrer unmenschlichen
Antiasylgesetzgebung beschlossen haben und was u.a. niedersächsische PolitikerInnen
in der Härtefallkommission als keine unbillige Härte angesehen haben.
Kinder, Jugendliche, die hier geboren wurden, wie z.B. Anita vor 15 Jahren,
die hier ihre Freundinnen und Freunde haben, die hier zur Schule und den
Kindergarten gehen, sollen abgeschoben und entwurzelt werden. Nur schön,
dass es anscheinend vermehrt engagierte junge Menschen gibt, die versuchen
ihren Fuß in den Türspalt zu klemmen, um sie gegen die Obrigkeit für Mitmenschlichkeit
und Solidarität wenigsten noch ein bißchen offen zu halten.
Diversity-Management
vor tausend Jahren schon weiter in Ungarn als Urban heute
2.12.15
/ Vor tausend Jahren gab es einen klügeren Staatenlenker in
Ungarn als Victor Orban heute "Ein Land mit nur einer Sprache und einer
Sitte ist schwach und gebrechlich. Darum ehre die Fremden und hole sie
ins Land." (Stephan I., der Heilige, König der Ungarn, 975 - 1038) Victor
Orban dagegen lässt Ungarn sich mit Stacheldrahtzäunen und Metallgittern
abschotten und behandelt geflohene Menschen, Fremde, wie Verbrecher. Von
wegen Aufklärung, Moderne, christliche Wertegemeinschaft. Da war ein Monarch
in Ungarn vor 1000 Jahren zumindest in dieser Frage weiter als etliche
Pseudodemokraten in Europa heute.
Runder
Tisch Grone: Immobilienfirma und Sozialdezernentin verdrücken sich
In der Abwägung gegen Bürger_innenengagement Runder Tisch Grone und
die Problematik von Wohnungsleerstand wird nicht sehr ernst genommen
Nichts gegen die regionale kulturhistorische Bedeutung der Klingebiel-Zelle
und den Engagement unserer Sozialdezernentin Dr. Schlapeit-Beck für diese.
Aber dann doch alles für die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit
der Stadtverwaltung und ihrer zuständigen Wahlbeamtin für den Diaglog
und die Zusammenarbeit mit den Bürger_innen in der Wohnungs- und Flüchtlingspolitik.
Dass sich Frau Schlapeit Beck anscheinend kurzfristig für die Teilnahme
an einem Kolloquium im Sprengel Museum Hannover entschieden hat, statt
dem Runden Tisch Grone Rede und Antwort zu stehen, ist als solches aus
meiner Sicht schon eher bedauerlich. Dass sich insgesamt aus der Sozialverwaltung
angeblich niemand finden ließ ist mehr als verwunderlich, es ist einfach
nur ärgerlich. Die Ignoranz des Vertreters der Westgrund Niedersachsen
Süd GmbH als einer der größten Wohnungseigentümer in Grone gegenüber gegenüber
dem Runden Tisch und der Ortsbürgermeisterin und seine erst am Veranstaltungstag
erfolgte Absage zugunsten seines Urlaubs erstaunt dabei schon weit weniger.
Käme doch Herr Sager in deutliche Erklärungsnot den erheblichen Leerstand
an Wohnungen seiner Gesellschaft angesichts der akuten Wohnraumnot in
Göttingen zu erklären. Es ist schon bemerkenswert, wie insgesamt mit den
aufgedeckten Recherchen Groner Bürger_innen über den Leerstand umgegangen
wird. Während die Ortsbürgermeisterin noch heute über einen Leerstand
von über 100 Wohnungen im Sommer dieses Jahres spricht, der Pressesprecher
der Stadt dies heftigst dementiert und von einer geringen Zahl leerer
Wohnungen fabuliert, offeriert die Westgrund zwischenzeitlich acht (in
Zahlen 8) renovierte Wohnungen für den Bezug von Flüchtlingen und anderen
Wohnungssuchenden. Ich bleibe immer noch bei meiner Aussage, es ist und
bleibt ein Skandal. Um aber nicht in den Ruf zu kommen, immer nur zu kritisieren
und zu nörgeln: Danke für das Engagement der Ortsbürgermeisterin Frau
Sterr. Ein gutes Beispiel für eine im Vergleich zu einer Wahlbeamtin nur
mit einer kleinen Aufwandsentschädigung dotierte Volksvertreterin. Danke
natürlich allen beteiligten am Runden Tisch Grone für ihren Einsatz und
ihre Frustrationstoleranz. Nachhaken, nicht aufgeben!
Wieviel tatsächlich
leersteht... siehe Seite
"Fluechtlingsunterkuenfte.htm"
Anmerkung der goest-Redaktion:
Anfrage
der WählerInnengemeinschaft GöLinke-Ratsfraktion am 29.10.15
Welche Anstrengungen will die Verwaltung zusätzlich übernehmen,
um die die nach wie vor leer stehenden Wohnungen der Westgrund Niedersachen-Süd
GmbH für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt
zu bekommen? |
Antwort
der Verwaltung nach der Ratssitzung am 13.11.15 (nur schriftlich
im Internet)
Die Westgrund Niedersachsen Süd GmbH hat Ende des Jahres 2014 die
beiden Teilbestände in Grone-Süd und Alt-Grone käuflich erworben.
Ab Januar 2015 hat der Eigentümer mit der Sanierung von Wohnungen
diese wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt. Die Renovierung von Wohnungen
wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen
in 5 er bzw. 10 er Paketen vorgenommen. Darin lag und wird auch
in Zukunft ein gewisser Leerstand begründet sein. ... |
Gespräch
mit zwei jungen Männern aus Afghanistan im besetzten DGB-Haus
12.11.15
Die mörderische Logik der Bundesregierung In der Flüchtlingspolitik wird
immer unmenschlicher gehandelt. Ein wirkliches Asylrecht gibt es schon
seit langem nicht mehr. Nun soll auch für die Bürgerkriegsflüchtlinge
aus Syrien wieder im vollen Umfang das unselige Dublin III-Abkommen gelten
und angewandt werden. Nun soll die Familienzusammenführung ausgehebelt
werden. Und das unter christlich sozialer Führung, wo doch bisher die
Familie "zur Keimzelle des Staates" dieser Superchristen auserkoren war.
Vermutlich liegt der Stacheldraht zur Sicherung "unserer nationalen Grenzen"
auch schon längst bereit. Bei all diesen Sauereien geht ein anderer Sachverhalt
fast gänzlich unter. In einem Gespräch am Rande eines Besuchs im besetzten
DGB-Haus wurde mir das in einem Gespräch mit zwei jungen Männern aus Afghanistan
eindrucksvoll und erschütternd vor Augen geführt. Diese beiden jungen
Männer sind vor fast zwei Jahren unter kaum nachvollziehbaren Gefahren
und Strapazen aus diesem Bürgerkriegsland geflohen. Besser gesagt, sie
mussten fliehen, weil sie einer ethnischen Minderheit angehören. Und nun,
nach wenigen Monaten in Deutschland werden sie mit dem Vorhaben von de
Maisiere konfrontiert, dass faktisch alle Flüchtlinge aus Afghanistan
Deutschland verlassen sollen. Sie sollen abgeschoben werden, weil geplant
wird, Afghanistan als sicheres Herkunftsland einzustufen. Klar doch, haben
unsere Soldaten in 13 Jahren Kriegsbeteiligung mit dafür gesorgt, dass
durch ihren Einsatz wieder ein blühender, funktionierender Staat aufgebaut
wurde, in dem jede Bürgerin, jeder Bürger ohne jegliche Gefährdung sich
niederlassen, bewegen und leben kann. Merkwürdig nur, dass die gleiche
Regierung über ihr Außenministerium deutsche Bürger_innen dringend davor
warnt, nach Afghanistan zu reisen. Es bestehe "ein hohes Risiko, Opfer
einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Auch in der Hauptstadt
Kabul können Attentate, Überfälle, Entführungen und andere Gewaltverbrechen
nicht ausgeschlossen werden." Wie es in der ehemals deutschen Enklave
Kundus aussieht, kann man z.B. an der bei einem "US-Einsatz" zerbombten
Klinik in Kundus sehen. Und weil doch alles so sicher in Afghanistan ist,
möchte ja die Regierung auch die Zahl der deutschen Soldaten am Hindukusch
erhöhen und das Mandat für den Verbleib deutscher Soldaten in Afghanistan
um einige Jahre verlängern. Klare Logik, wo deutsche Reisende gefährdet
sind, deutsche Soldaten angeblich weiter benötigt werden, da gibt es dann
aber eigentlich keinen Grund afghanische Flüchtlinge wieder hin abzuschieben.
So tief sind wir mit unserer Antiasylgesetzgebung schon gesunken. (Gerd
Nier) >
DGB-Haus
Zur
Besetzung des DGB-Hauses 7.11.15
Endlich! Was Stadtverwaltung und Vermögensverwaltung des DGB seit Monaten
nicht geschafft haben hat die Initiative "Our House OM 10" mit ihrer Besetzungsaktion
des ehemaligen DGB-Hauses in der Oberen Masch 10 In kürzester Zeit ins
Rollen gebracht. Man will nun ernsthaft miteinander reden und verhandeln,
damit das seit sechs Jahren leer stehende Gebäude möglichst unverzüglich
für Wohnzwecke genutzt werden kann. Wichtig und zu beachten sind dabei
aus meiner Sicht mehrere Dinge: - Es darf kein monatelanges Gefeilsche
und Palavern werden. Das Gebäude muss umgehend zur Verfügung stehen. Der
Winter steht vor der Tür. - Die Initiative "OM 10" muss unabdingbar in
alle Entscheidungen mit einbezogen werden. Ihre Ideen und Vorstellungen
für ein selbstverwaltetes Wohnprojekt sollten als Diskussionsgrundlage
dienen und möglichst verwirklicht werden. - Es muss zu einem verbindlichen,
vertragsrechtlich sicheren und zeitlich möglichst langfristigen bzw. dauerhaften
Ergebnis kommen. - Umbau-, Sanierungs- und Unterhaltungskosten müssen
geklärt und eindeutig abgesichert sein - Der momentane Eigentümer erklärt
verbindlich auf Zwangsmaßnahmen wie eine Räumung oder strafrechtliche
Sanktionsandrohungen zu verzichten. - Während der möglichst kurzen Zeit
der Verhandlungen wird die momentane Nutzung des Gebäudes durch die Initiative
gewährleistet. Strom, Wasser und Heizung werden zur Verfügung gestellt.
Dass sich mit der Aktion der Initiative zwischenzeitlich neben Parteienvertretern
auch etliche zivilgesellschaftliche Gruppen solidarisiert haben ist mehr
als begrüßenswert und spricht für Göttingen. Mit Verdi hat sich auch ausdrücklich
eine Gewerkschaft vor Ort mit Anliegen und Vorgehen der "Besetzer" einverstanden
erklärt und ihre Unterstützung zugesagt. Wie notwendig und wirkungsvoll
dies Aktion war und ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass in den
wenigen Tagen der Besetzung schon etliche Flüchtlinge, die z.B. In Göttingen
am Bahnhof gestrandet waren ein Bett und ein Dach über dem Kopf finden
konnten. Schon dafür Danke der Initiative Our House OM 10! Man kann ihr
nur viel Erfolg, Durchhaltevermögen und eine möglichst breite Unterstützung
aus der Bevölkerung wünschen. (Gerd Nier)
Versicherungen
als Gewinnler der Flüchtlingspolitik 1.11.15
Versicherungen als "Abzocker"
Wer kennt sie nicht, die verspiegelten Glaspaläste der Versicherungen
an den prominentesten und teuersten Plätzen in den Kommunen. Es scheint
doch ein gutes Geschäft mit beträchtlicher Rendite zu sein, was die deutsche
Versicherungswirtschaft betreibt. Sie versprechen großspurig den Bürger_innen,
alle möglichen Lebensrisiken abzusichern und drücken sich dann,m wenn
es mal zum Schwur kommt.. Bei den Abschlüssen zur Riesterrente haben dann
schon viele von uns erleben müssen, dass die einzigen,die davon einem
Abschluss wirklich profitierten die Versicherungen waren. Und nun, in
einer Situation wo gesellschaftlicher Zusammenhalt, Solidarität und Engagement
gefordert sind und von den vielen ehrenamtlich Tätigen auch gezeigt wird,
zeigt die Versicherungswirtschaft mal wieder, was für sie wirklich zählt.
"Kohle machen"! Die Situation der Kommunen, die den geflohenen Menschen
Obdach bieten müssen. Soll schamlos ausgenutzt werden. Wegen der "zunehmenden
Gefahrenlage" und "innerer und äußerer Bedrohung" sollen die Prämien für
Gebäude in denen Asylbewerber_innen beherbergt werden, deutlich erhöht
werden. Das ist gelinde gesagt "eine Sauerei" und übelste Abzocke. Aber
so ist das nun mal im Spiel der "freien Kräfte" auf dem Markt der Renditejäger.
Man nutzt auch Notsituationen aus um satte Gewinne zu erzielen. Moral,
Anstand, Humanität, das sind für sie Begrifflichkeiten aus einer Welt
der "Gutmenschen". Und so wird die Wohnraumnot von Immobilienhaien ausgenutzt
um den Mietzins ständig nach oben zu treiben und so nutzen die Versicherungen
politisch motivierte Brandstiftungen von Neonazis um ihren Profit weiter
zu steigern. Ein solch perfides Zusammenwirken verdient nur noch ein Pfui!
(Gerd Nier)
Leerstehende
Immobilien nutzen statt Turnhallen für Flüchtlinge 23.10.15
Müssen es unbedingt Turnhallen sein?
Was ist mit den von Bürgerinnen und Bürgern genannten größeren Gebäuden
in der Stadt die leer stehen? Nun sollen es laut GöSF-Chef Frey womöglich
sogar mehr als vier Turnhallen werden, die zur Notunterbringung für geflüchtete
Menschen anvisiert und vorbereitet werden. Und die Stadtverwaltung beschwichtigt
und beruhigt, spricht von Übergangslösungen für eine kurze Zeit. Wenn
dem so wäre, dann könnte man auch besorgten Eltern einen Teil ihrer Bedenken
ausräumen und notorischen Fremdenhassern und Neonazis "den Wind aus den
Segeln nehmen". Dafür müsste man aber Alternativen aufzeigen. Denn kein
vernünftiger Mensch glaubt, dass sich das Problem der Wohnraumnot in ein
paar Monaten gelegt haben wird. Warum herrscht völliges Stillschweigen
der Verwaltung zu Vorschlägen von Bürger/innen und Bürgern zu offensichtlichem
Leerstand größerer Gebäude. Man könnte doch zumindest erklären, ob und
mit welchen Ergebnis mit welchen Eigentümern verhandelt wurde. Wurde der
DGB mal angesprochen wegen des leerstehenden Gebäudes am Platz der Synagoge
und wie hat er darauf reagiert? Gab es mal den Versuch mit den Eigentümern
des ehemaligen EAM-Gebäudes ins Gespräch zu kommen? Wurde geprüft, ob
es zutrifft, dass es in den Liegenschaften der Gothaer in der Geismar
Landstraße etlichen Leerstand gibt? Gab und gibt es Versuche, brauchbare
Immobilien in Gewerbegebieten auf ihre Eignung für Wohnen hin zu überprüfen
und ggf. Verhandlungen aufzunehmen? Laufen da überall nur Geheimverhandlungen,
deren Offenlegung den Verhandlungsprozess stören könnte? Es ist mir unverständlich,
dass die Verwaltung in Sachen Gebäudeleerstand so defensiv agiert. Es
müssen doch keine Namen genannt werden, wenn sich positive Ansätze zeigen.
Die Aussage, "wir stehen in Verhandlung" würde doch als erster Schritt
genügen, Es kann doch gesagt und können Gründe genannt werden, weshalb
man einige Vorschläge wie z.B. das alte Gefängnis oder die Liegenschaften
auf dem Kehr nicht in die engere Erwägung bzw. in einem Abwägungsprozess
dazu steht.. Es wäre allerdings unverständlich, wenn uneinsichtige und
unwillige Eigentümer aus falscher Rücksichtnahme geschützt werden sollten
und nicht genannt werden. In dieser zugestanden nicht einfachen Situation
wären Transparenz und Offenheit soweit irgend möglich angesagt. Dann würden
auch die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger ihren Einsatz, ihr
Angebot zur Mithilfe und ihre konkreten Vorschläge deutlich ehrlicher
gewürdigt sehen und das Verständnis für Verwaltungshandeln könnte ggf.
besser nachvollzogen werden. (Gerd Nier)
Kommentar
zum Wohnungsleerstand in Grone 22.9.15
Wird auch in Göttingen im größeren Stil mit Wohnraum spekuliert?
Das Aufdecken des anscheinend bewussten Leerstandes etlicher Wohnungen
im Stadtgebiet, besonders im Ortsteil Grone nährt den Verdacht, dass hier
bewußt mit Wohnraum spekuliert wird. Wenn man sich ansieht, zwischen wem
die Besitzverhältnisse in Grone in den letzten Jahren gewechselt haben,
dann kann man schon den Eindruck erhalten, dass hier eher sogenannte Heuschrecken
am Werk waren, denn seriöse Wohnungsbauunternehmen. Will man mit dem bewussten
Leerstand die immer schlimmer werdende Notlage auf dem Göttinger Wohnungsmarkt
gezielt ausnutzen, um demnächst Wuchermietzins kassieren zu können? Dem
muss ein Riegel vorgeschoben werden. Gegen sachgerechte Sanierungsmaßnahmen
in einer angemessenen Zeit möglichst mit geringem Mietaufschlag ist nicht
viel einzuwenden. Gegen längeren Leerstand womöglich für reine Spekulationsgeschäfte
muss rigoros vorgegangen werden. Das sind wir den wohnungssuchenden Hartz-IV-Empfänger/innen
und Geringverdiener/innen, den Studenten//innen und den geflohenen Menschen
schuldig. (Gerd Nier)
Mit
"Landesverrat"-Ermittlung gegen Netzpolitik.org
Range: Nationale Belange mit Vorrang vor anderen Rechtsnormen
Vor zwei
Jahren weigerte sich Bundesanwalt Range, ein Ermittlungsverfahren gegen
die NSA aufzunehmen und ist bis heute dabei geblieben. Im Falle der zwei
Blogger und Journalisten war er nicht so zögerlich. Da hat er die Anzeige
vom BND-Chef sofort aufgegriffen und hätte - wenn der Druck von Außen
nicht so groß geworden wäre - unverzüglich ein Verfahren wegen Landesverrats
eingeleitet. In diesem Fall ist der regionale Bezug denke ich allein schon
durch die Tatsache gegeben, dass Range in Göttingen geboren ist, hier
große Teile seines Studiums absolvierete und in Bovenden wohnt(e). (Gerd
Nier)
Vor Range wird
mir bange Und wieder mal ein Göttinger/Bovender der für Negativschlagzeilen
aus unserer Region sorgt. Ganz anders als 2013, als es um ein Ermittlungsverfahren
gegen die NSA wegen der sich als Lawine herausstellenden Ausspähaktionen
ging, in die mittlerweile erwiesenermaßen auch der BND verwickelt ist,
zögerte unser Generalbundesanwalt diesmal nicht nach einer Strafanzeige
aus dem BND gegen Journalisten wegen Landesverrats zu ermitteln. Dass
er bis heute in Sachen NSA nichts unternommen hat, kommentierte er seinerzeit
mit der dem Satz: " Manchmal gibt es nationale Belange, die gegebenenfalls
Vorrang vor anderen Rechtsnormen haben.(..) Es gibt eben Überwachungsmöglichkeiten
und damit muss man rechnen." Diesmal war der gebürtige Göttinger und FDP-Mitglied
Harald Range nicht ganz so zurückhaltend. Obwohl der Bundesverfassungsgericht
nach der sogenannten Spiegel-Affäre festgestellt: "Journalist/innen sind
nach anderen Maßstäben zu messen als Spione. Sie können Geheimnisse aufdecken
und damit der Demokratie dienen", zieht Range für sich und die Generalstaatsanwalt
anscheinend den Umkehrschluss. Ausspähen und spionieren muss man als gegeben
hinnehmen, das Aufdecken aber von staatlich organisierter Überwachung
durch Journalisten könnte Landesverrat darstellen. Auch wenn der Bundesanwalt
nach massiven Druck von Außen nun das Ermitlungsverfahren erst einmal
ruhen lassen will, ist seine Willfährigkeit gegenüber einer Anzeige des
BND-Chefs ein Skandal. Da zögert er mit seiner Eilentscheidung für ein
Ermitlungsverfahren gegen die beiden Journalisten Beckedahl und Meister
nicht einen Augenblick damit, einen massiven Angriff auf die Pressefreiheit
zu starten - und das muss ihm bewusst gewesen sein. Die massiven Eingriffe
in elementare Belange von Bürger/innen und staatliche Instanzen und die
damit einhergehenden Rechtsverletzungen scheinen für ihn aber immer noch
eher unvermeidliche Kollateralschäden durch einen mit uns befreundeten
Geheimdienst zu sein. Ist halt anscheinend doch was dran, wenn immer mehr
Menschen fordern, dass solch wichtige Posten, wie ihn z.B. Range inne
hat, nicht vorrangig nach dem Parteibuch vergeben werden sollten. Eine
saubere Gewaltenteilung soll doch das Fundament unserer Demokratie bilden.Also
schickt Herrn Range nach Hause in den Ruhestand. Und wenn es denn sein
muss auch nach Bovenden. (Gerd Nier)
Hinweis
der Red. / FDP-Mitglied Range war 2001 von SPD-Ministerpräsident Sigmar
Gabriel zum Generalstaatsanwalt ernannt worden. Range wurde 1948 in
Göttingen geboren. Er studierte dort und in Bonn Rechtswissenschaften
und Publizistik. 1975 wurde er Richter, unter anderem in Lüneburg, Northeim
und Osterode im Harz. Danach wechselte er zur Staatsanwaltschaft Göttingen,
verfolgte dort Wirtschafts- und Umweltdelikte. " >>Quelle
Die Zeit
Üble
Burschen 21.7.15
Saufen, Kotzen, in Hauseingänge urinieren, Nazi-Lieder singen, pöbeln,
verprügeln und nun auch noch schießen.
Die selbst
ernannte Elite Göttingens schreckt vor nichts mehr zurück. Im Dezember
2013 musste sich der Rat mit den zunehmenden Beschwerden von Nachbarn
verschiedener Verbindungshäusern befassen, die über zum Teil widerliche
Verhaltensformen von Verbindungsstudenten insbesondere nach Saufgelagen
berichteten. Hinzu kamen Hinweise auf das Absingen oder eher Grölen von
nationalsozialistischen Liedtexten durch einige Burschenschaften. Mehrheitlich
wurde verabschiedet, dass die Stadt in Form des Ordnungsamtes klarer und
eindeutiger bei eingehenden Beschwerden handeln soll und ggf. auch Rechtsmittel
eingesetzt werden sollen. Nun, gut ein Jahr später verpesten einige dieser
Saufbolde, ewig Gestrigen und sich selbst als Elite empfindenden Jung-Arier
nicht mehr nur durch verbale Entgleisungen und und Uringestank die Luft,
sondern werden in ernsthaft bedrohlicher Weise rabiat. Da wird ein junger
Mann angegriffen, vom Fahrrad gestoßen und ernsthaft verletzt, weil er
sich erdreistete eine Verbindungshaus zu fotografieren. Und dann wenige
Tage später wird mit einer Druckluftwaffe durch das Fenster auf Bewohner/innen
eines studentischen Wohnheims in der Bühlstrasse geschossen, an dem schon
in der Vergangenheit vermehrt Sachbeschädigungen und Diebstähle zu verzeichnen
waren und deren Bewohner/innen von Verbindungsstudenten beleidigt, bedroht
und auch schon verletzt wurden. Während Reichskriegsflaggen und andere
Symbole rechtsnationaler Gesinnung an ihren Verbindungshäusern anscheinend
für die Farbenträger legitimer Ausdruck ihrer deutsch-nationalen Gesinnung
und mehr sind, reagieren sie anscheinend allergisch auf Transparente Andersdenkender.
Ich kann nur sagen, auf Sauf- und Raufbolde, Schläger mit pseudo-akademischen
Gehabe, können wir gut verzichten. Schießwütige und Körperverletzer müssen
allerdings mit allen rechtlichen Mitteln belangt werden. (Gerd Nier)
IWF-Initativen-Beteiligung
? Nix da! 21.7.15
Die Vermietung
des ehemaligen IWF gestaltet sich zu einem lukrativen Geschäft an der
Öffentlichkeit vorbei
Die Umbaumaßnahmen durch den neuen Besitzer der Immobilien des ehemaligen
IWF scheinen im vollen Gange zu sein, um einen Bezug durch Flüchtlinge
zum Herbst dieses Jahres zu gewährleisten. Merkwürdig dabei ist, dass
man bis heute der Initiative Willkommen Flüchtlinge (IWF) eine gemeinsame
Begehung der Immobilie verweigert. Vorschläge und mögliche Veränderungswünsche
aus dem Kreise der Bürger/innen sind somit unerwünscht und werden mit
dem Hinweis verwehrt, dass dies "vertragswidrig" sei. Mit dem Eigentümer,
der die Umbauten auf der Grundlage von Vorgaben der Verwaltung durchführt
sei alles so festgezurrt, dass für Änderungswünsche, die auch nur kleinste
Mehrkosten verursachen könnten, keinerlei Platz mehr sei. Wenn man der
Information glauben darf, dass für die mehr als 4000 qm Nutzfläche ein
Quadratmeterpreis von 8,50 Euro vereinbart wurde, dann kommt leicht eine
halbe Million Mieteinnahmen pro Jahr zustande. Keinerlei finanzieller
Spielraum mehr für möglicherweise sinnvolle und für die Menschen hilfreiche
Anregungen? Es drängt sich insgesamt der Eindruck auf, dass man sich gern
mit dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder der Flüchtlingsinitiative
IWF schmückt, sie aber in wirklich wichtige Entscheidungen kaum bis gar
nicht mit einbezieht. Es tut sich nichts von Seiten der Stadt, die Nahversorgung
aller Bewohner/innen des Quartiers Nonnenstieg wieder sicher zu stellen
und die Ansiedlung eines zumindest kleinen Einkaufmarktes in fußläufiger
Nähe zu forcieren. Es wird sehenden Auges in Kauf genommen, dass vielen
engagierten Menschen der Eindruck vermittelt wird, doch wieder nur vor
vollendete Maßnahmen gestellt zu werden. Und, die Befürchtung ist nicht
ganz von der Hand zu weisen, dem Investor wird der Verzicht für den schnellen
Abriss und eine verdichtete Bebauung im hochpreisigen Segment für die
nächsten drei bis fünf Jahre mit einem erklecklichen Mietzins vergoldet,
um dann das wirklich anvisierte Bebauungsprojekt mit dem Segen der Stadt
realisieren zu können. (Gerd Nier)
>IWF Initiative
>IWF
Frackingverbot!
Fracking hat in Niedersachsen schon zu beleg- und erkennbaren Schäden
geführt. 16.7.15 / Nier
Nach dem Motto, sollen doch erst einmal Geschädigte den Beweis erbringen,
dass Fracking ursächlich für die Schäden verantwortlich ist, hat die Bundesregierung
vor einigen Monaten Fracking "mit Auflagen" als Gasfördermethode auch
bei uns grundsätzlich erlaubt. Damit hat sie schon im Vorgriff auf TTIP
eine Forderung aus den USA umgesetzt. Probebohrungen laufen ja gerade
auch in Niedersachsen schon seit etlichen Jahren. Umweltverbände und Bürgerinitiativen
in den USA und hier warnen seit längerem vor den sich abzeichneten Risiken
eines hochgiftigen Chemiecocktails, der ins Gestein gepumpt wird und den
Gefahren geologischer Veränderungen. Nun belegt der Bergschäden-Sachverständige
Peter Immekus, dass es rund drei Dutzend Erdbeben in den Zentren der Gasförderung
Niedersachsens in den letzten Jahrzehnten gegeben hat. Dies ist vermutlich
aber erst eine kleine Vorwarnung, denn die wirklichen Folgen von Bodenbewegungen
seien in den betroffenen Gebieten "noch gar nicht absehbar". Je intensiver
die Lagerstätten ausgebeutet würden, um so höher sei die Bebengefahr.
"Das sind versteckte Ewigkeitskosten", so Immekus. Kennen wir das nicht
schon aus den Folgen der einstmals hochgepriesenen Atomtechnologie. Deshalb
kann die Forderung nur lauten: Frackingverbot! (Gerd Nier)
Villa
im Ostviertel, Pädagogisches Seminar / Baurat Gerber Straße
Eigentum verpflichtet - zu nichts! 6.7.15 / Nier
Da erfährt man mal so nebenbei, dass die Villa im Ostviertel, in dem ein
Teil des Pädagogischen Seminars bis 2013 untergebracht war, verkauft wurde
und seit Anfang 2014 leer steht. Immerhin fast 1400 Quadratmeter Wohn-
und Nutzfläche. Da sucht die Stadt händeringend nach Wohnraum für Flüchtlinge.
Da wird überlegt, Gewerbe- und Büroräume in Industriegebieten anzumieten
und an das soziale Gewissen privater Vermieter wird appelliert, um das
Problem zu bewältigen. Containerbauten werden auf den Ziethenterassen
errichtet und dann so etwas. Er habe sich halt mal "das Filetstück" in
seiner alten Heimatstadt sichern wollen, so der neue Eigentümer. Aber
so eine richtige Idee zur Nutzung habe er - in den anderthalb Jahren Leerstand
- noch nicht entwickelt. Also bleibt das Ding vorerst weiter unbewohnt.
Ich hatte noch in der Schule irgendwas von der Sozialpflichtigkeit von
Eigentum gelernt, soll immer noch in der hessischen Verfassung stehen,
aber das war wohl von Beginn der Bundesrepublik an nie so ernst gemeint.
Doch heute gilt uneingeschränkt, mit dem was mir gehört kann ich machen
was ich will. Wenn die Mietrendite noch nicht stimmt, wie am Leinebogen,
halt leer stehen lassen. Ehe in sozialen Notlagen behilflich zu sein,
lieber verrotten und leer stehen lassen. All das ist legal, aber sollte
sich jemand wagen solcherlei Immobilien für Wohnzwecke zu besetzen, dann
kriegt er es unweigerlich mit dem Kadi zu tun. Es lebe unsere freiheitlich
demokratische Grundordnung. (Gerd Nier)
Krankenschwestern
und Pfleger/innen sind keine seelenlosen Roboter 24.6.15
Der Streik an
der Charité ist kein normaler Arbeitskampf um Tariferhöhungen, sondern
ein politischer Streik für ein gerechteres Gesundheitswesen, das sich
nicht nur an Profitraten, betriebswirtschaftlichen Rechnungsgrößen, Kennziffern
und entpersönlichten Pauschalberechnungen orientiert. Gut, dass sich in
einer bundesweiten Aktion Mitarbeiterinnen von hunderten von Kliniken
vor die Portale ihrer Einrichtungen begeben haben und deutlich dafür demonstriert
haben, dass sie nicht mehr bereit sind die seit langem bekannten Missstände
weiterhin hinzunehmen und zu kompensieren. Sie wollen nicht nur in der
Charité sondern auch im Uniklinikum Göttingen, in den Kliniken von Asklepios,
im von der Insolvenz bedrohten Krankenhaus Hann. Münden etc. nicht mehr
nachts mit 25 Patienten allein sein. Sie wollen nicht mehr weiterhin Pflegeschüler/innen
und Auszubildende zur Krankenschwester als bewusst eingeplante Kräfte
einsetzen und deren Ausbildung vernachlässigen, weil ihnen dafür die notwendige
Zeit fehlt. Sie wollen mit den kranken Menschen wenigstens ein paar Worte
wechseln können und nicht gleich zum nächsten Patienten hetzten müssen.
Sie wollen nicht länger die ständig zunehmende Arbeitsverdichtung hinnehmen,
den wegen der enormen physischen und psychischen Belastungen vermehrten
Krankenstand der Kolleginnen ohne Personalersatz auffangen, um dann selbst
irgendwann nicht mehr zu können. Sie wollen endlich ihre Überstunden abbauen
und endlich die notwendige Anerkennung und den Respekt für ihre Arbeit
erhalten. Sie wollen ein anderes Gesundheitssystem. Seit Jahren fordern
sie eine gesetzlich verankerte Personalzumessung. Nichts hat sich getan.
Seit Jahren fordern sie, die Welle der Ausgründungen wichtiger Krankenhausaufgaben
und -bereiche, häufig Outsourcing genannt, zu beenden. Das Gegenteil ist
der Fall. In Hann. Münden bangen die Mitarbeiterinnen zusätzlich aktuell
darum, dass der mögliche neue Investor das Personal weitgehend übernimmt,
dass er keine Lohn- und Gehaltsdrückerei betreibt und keine weiteren Rationalisierungen
zu Lasten der Patienten und des Personals vornimmt. Diese Befürchtungen
und Ängste stellen die Realitäten in unserem Krankenhaussystem dar, weil
Gesundheit zur Ware verkommen ist. Weil eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
in großen Teilen privatisiert und Renditeerwartungen unterworfen wurde
und weil sich Bund und Länder immer mehr aus der Verantwortung gestohlen
haben. Deshalb muss endlich mehr Personal her im Sinne der Aktion 162.000.
Deshalb müssen wir alle begreifen, in diesem Streik geht es auch um uns,
denn jeder von uns kann ganz schnell in die Situation kommen auf die kompetente,
zuverlässige und zugewandte Hilfe von Schwestern und Pfleger/innen und
Ärzten angewiesen und nicht von ausgepowerten, gestressten und überforderten
Personal abhängig zu sein. (Gerd Nier)
Peinliches
Verhalten der Asklepios-Geschäftsführung 25.6.15
Es passt in das Geschäftsgebaren und insbesondere in den Umgang mit seinem
Personal, das Verbot der Asklepios-Geschäftsführung für seine Mitglieder
sich an dem bundesweiten Aktionstag für mehr Personal in den Kliniken
zu beteiligen. Verbot auf dem Klinikgelände zu demonstrieren, Teilnahme
an der nur für eine kurze Zeitdauer angekündigte nicht nur außerhalb des
Geländes, sondern auch nur außerhalb der Arbeitszeit. Auch in den Göttinger
Asklepios-Kliniken stöhnen die Mitarbeiter/innen unter der ständig zunehmenden
Arbeitsverdichtung, unter hohem Krankenstand wegen völliger Überlastung
des Personals und wegen fast inhumanen Bedingungen im Umgang mit den Patienten.
Fürsorgepflicht für das Personal scheint für Asklepios ein Fremdwort zu
sein, von Wertschätzung darf man schon gar nicht mehr reden. Gewinnmargen
und Renditen für die Anteileigner und Aktionäre stehen im alleinigen Focus
dieser Gesundheitsdienstleister, oder sollte man hier eher von Krankmachern
sprechen. Wo Gesundheit zur Ware verkommt und wo Gewinnstreben das einzige
Ziel darstellt ist auch das Personal mit seiner verantwortungsvollen,
schweren und aufopfernden Arbeit anscheinend nur noch ein "leider
nicht vermeidbarer Kostenfaktor". Erbärmlich! Bleibt zu hoffen, dass
die Mitarbeiter/innen sich nicht einschüchtern ließen und sich dennoch
an der Aktion 162 000 neue Stellen in den Kliniken beteiligten.(Gerd Nier)
[goest: Nachdem
der Geschäftsführer der Göttinger Asklepios-Kliniken die oben geschilderte
peinlich-gewerkschaftsfeindliche Maßnahme mit der Ausrede "begründete",
es sei eine "Schutzmaßnahme für die Patienen/innen" kann für
Gerd Nier nur noch mit Satire geantwortet werden: ]
Satire
zum Geländeverbot für protestierende MitarbeiterInnen 27.6.15
Asklepios sorgt sich um verängstigte Patienten. Das Verbot der Beteiligung
der Mitarbeiter/innen der beiden Göttinger Asklepios Kliniken an der
Aktion "162.000" für dringend benötigte neue Stellen im Krankenhausbereich
auf dem Klinikgelände war ausschließlich als humane Maßnahme zum Schutze
der Patenten/innen gedacht. Die hätten, so der Geschäftsführer Huppertz
durch die Demonstration vor Ihren Fenstern möglicherweise "beunruhigt"
werden können. Soviel Rücksichtnahme aber auch. Die wären vermutlich
auch beunruhigt, wenn plötzlich ein paar neue neue Gesichter auf ihrer
Station auftauchen würden, die sich neben den altbekannten vorbeihetzenden
Pfleger/innen ihnen mit etwas mehr Zeit zuwenden würden. Die wären sicher
auch beunruhigt, wenn bei ihrer Medikation ein paar Psychopharmaka bei
ihre täglichen Tablettenration fehlen würden. Sehr fürsorglich! Auch
für die Mitarbeiter/innen hat die Geschäftsleitung sicher mitgedacht.
Statt ihre Mittagspause vor dem Portal mit dem Hochhalten von Transparenten
mit sinnlos Forderungen im Stehen zu vergeuden, sollen sie doch wenigstens
für 15 Minuten mal ihre Füße ein bisschen hoch legen und ihre Stulle
essen, um danach um so schneller wieder über die Flure rennen zu können.
Ist das nicht wahre Fürsorge für Patienten/innen und Mitarbeiter/innen.
Mein sich andeutender Lachanfall ist mir dann doch im Halse stecken
geblieben.
Die
"Firma Stadt Göttingen" muß transparent gemacht werden
18.6.15
Die Stadt muss endlich einen Gesamtabschluss vorlegen
Mit Recht fordern die Piraten mehr Transparenz der Geldflüsse zwischen
Stadt und ihren Tochtergesellschaften. Eine Maßnahme wäre, dass die Stadt
ihrer rechtlichen Verpflichtung nachkommt und endlich den seit 2012 geforderten
Gesamtabschluss vorlegt. Die niedersächsische Kommunalverfassung schreibt
seit 2012 ausdrücklich vor, dass die Kommunen einen Gesamtüberblick über
ihre Finanzlage erstellen müssen. Das Innenministerium selbst sagt dazu:
"Gegenwärtig fehlt ein solcher Gesamtüberblick, auch weil teilweise viele
kommunale Aufgaben von verselbständigten Aufgabenträgern wahrgenommen
werden." Auch für Göttingen trifft das ohne Zweifel zu. Als öffentliche
Dienstleister (im 100 % Besitz oder mit dem Mehrheitseigner Stadt) fungieren
mit eigenen Haushalten z.B. die Göttinger Wirtschafts-Gesellschaft (GWG),
die Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GöSF), die Stadtwerke, die Stadthallen
GmbH und etliche andere Gesellschaften und Stiftungen. Deren Haushalte
und Abschlüsse werden aber nicht mehr vom Rat diskutiert und kontrolliert,
sondern von Aufsichtsräten, in denen nur eine kleine Anzahl von Ratsmitgliedern
sitzen. Hier wird teilweise über Millioneninvestitionen hinter verschlossenen
Türen beschlossen, also nicht öffentlich. Zu dem unterliegen auch die
dort mitwirkenden Rats- und Verwaltungsmitglieder der völligen Verschwiegenheitspflicht.
Sicher, die Vorlage eines formalen Gesamt- oder Konzernabschlusses bringt
noch keinen Cent mehr in den städtischen Haushalt. Sicher, eine erhöhte
Transparenz für die Bürger/innen, aber auch die Ratsmitglieder hängt auch
von der Qualität der Zusammenstellung, sprich Offenheit der Verbindungswege
ab. Aber die Pflicht zum Erstellen eines Gesamtabschlusses über nun schon
mindestens zwei Jahre nicht nachzukommen lässt nur folgende Schlussfolgerungen
zu: Entweder ist die Verwaltung damit überfordert oder aber es liegt mangelnder
Wille vor. Beides ist eigentlich nicht zu tolerieren. Wenn sich der Rat
in den letzten Jahrzehnten durch die zunehmende Ausgründungen kommunaler
Aufgaben in Tochtergesellschaften in seiner Gesamtheit m.E. selbst deutlich
entmachtet hat, so sollte ihm zumindest doch der Gesamtüberblick erleichtert
werden. Das heißt Ratsmitgliedern und Bürger/innen muss erspart werden,
jeden Einzelhaushalt nebeneinander zu legen, um sich ein Gesamtbild über
Kassenstand, Vermögen und Schulden der Kommune zu machen. (Gerd Nier)
Für
die Finanzierung der Flüchtlingshilfe muß mehr vom Bund kommen
3.6.15
Weils Trostpflästerchen hilft nicht wirklich weiter
Ministerpräsident Weil propagiert sein 40 Millionen Sofort-Hilfe-Programm
für die Kommunen in der Flüchtlingshilfe als nachhaltige Entlastung der
Kommunen. Dabei verschweigt er tunlichst, dass auch die etwas erhöhten
Erstattungen des Landes bei weitem noch nicht einmal die Kosten für die
Gewährleistung von Mindeststandards abdecken. Dabei verschweigt er, dass
ein großer Teil der niedersächsischen Kommunen so hoch verschuldet ist,
dass sie sich unter den "Rettungsschirm" von Entschuldungshilfeprogrammen
des Landes flüchten mussten, die erhebliche Einschnitte in die kommunale
Selbstverwaltung bedeuten und für viele Bereiche den Charakter eines Knebelungsvertrages
haben. Dabei versteigt er sich auf Rechenexempel, dass jetzt die Kommunen
nur noch einen Eigenbeitrag von 1800 Euro pro Flüchtling zu leisten hätten.
Für Göttingen lässt sich jetzt schon absehen, dass es 4000 und mehr Euro
sein werden. Man kann die Kosten für unterschiedlich strukturierte Gebietskörperschaften
nicht einfach pauschaliert über einen Kamm scheren. Mietkosten und Möglichkeiten
der medizinische Betreuung und Versorgung insbesondere auch von traumatisierten
Menschen z.B. differieren erheblich im Lande. Deshalb dürfte es Kostenerstattungen
nur auf der Grundlage der wirklich notwendigen und geleisteten Aufwendungen
geben. Deshalb wäre es richtig, die Gesamtverantwortung für die finanzielle
Abwicklung der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen in einer Hand,
nämlich beim Bund anzusiedeln. In den Gemeinden, leisten die Bürgerinnen
und Bürger durch ehrenamtliches Engagement, die Kommunen durch logistische
und organisatorische Arbeit und hoffentlich auch zunehmende Aktivitäten
im sozialen Wohnungsbau ihre Beiträge, die durch Geld kaum aufzuwiegen
sind. Das wurde erst gestern Abend wieder auf der überaus gut besuchten
Veranstaltung der verschiedenen Flüchtlingsinitiativen und Organisationen
im Collegium Albertinum klar. Das Sonderpaketchen der Landesregierung
hilft nicht wirklich weiter, sondern ist wie leider häufig in der Politik
üblich "ein Tropfen auf den heißen Stein", das eher die Funktion einer
Beruhigungspille hat. Warum stellt sich der Ministerpräsident nicht an
die Spitze einer Initiative aus den Ländern, die endlich die volle finanzielle
Zuständigkeit des Bundes fordert? (Gerd Nier)
Soziale
Arbeit ist schwierige Arbeit und kein Hobby von Menschenfreunden
3.6.15
Beim Streik der Kolleginnen und Kollegen der Erziehungs- und Sozialberufe
geht es um weit mehr als um eine erforderliche Tariferhöhung.
Eine grundsätzliche
Neu- und Höherbewertung im Sinne einer längst überfälligen besseren Eingruppierung
im allgemeinen Tarifsystem stellt hier die zentrale und berechtigte Forderung
dar. Dieser Dienstleistungsbereich, der überwiegend von Frauen ausgefüllt
wird, wurde und wird immer noch eher nach einem Verständnis "christlich,
sozialer und/oder moralischer Berufung" eingestuft und entlohnt. Es handelt
sich aber um Berufe, die eine besondere Qualifikation erfordern, lange
Ausbildungszeiten voraussetzen und ein hohes Verantwortungsbewusstsein
erfordern. Als jemand, der selbst über 30 Jahre in der Ausbildung von
Erzieherinnen und Heilpädagoginnen tätig war (und dafür mit einem akzeptablen
Lehrergehalt bezahlt wurde), ist mir das Versagen der gesellschaftlichen
Anerkennung und einer gerechten Entlohnung der Menschen in den Erziehungs-
und Sozialberufen immer wieder deutlich dokumentiert und vor Augen geführt
worden. Es mag sein, dass es auch ein Merkmal vieler Erzieherinnen und
Sozialarbeiter/innen ist, geduldig und langmütig zu sein und dass dies
viel zu lange ausgenutzt wurde. Jetzt ist es aber endgültig an der Zeit,
ihnen die gesellschaftliche Anerkennung, und auch die Einstufung und Bezahlung
zukommen zu lassen, die ihnen schon seit jeher gebührt hätte. Mein Respekt
und meine Solidarität gilt sowohl ihrer Arbeit, als auch dem berechtigten
(und seit langem notwendigen) Streik für ihre Rechte und ihre gesellschaftliche
Wertschätzung. Und ich bitte auch die vom Streik in den Kindertagesstätten
betroffenen Eltern weiterhin um ihr Verständnis und die Unterstützung
für die streikenden Kolleginnen. Nicht auch zuletzt im Interesse ihrer
und nachfolgender Kinder. . (Gerd Nier)
Aktivitäten
zur Unterstützung von Flüchtlingen zeigen Wirkung - aber noch
nicht genug 13.5.15
Widersprüchliche Signale in der Flüchtlingspolitik.
Einerseits
immer noch die geplante Verschärfung des Asyl- und Bleiberechts, andererseits
Bekundungen, der Bund müsse endlich die Kosten für die Flüchtlinge übernehmen.
In Göttingen haben am Samstag wieder einmal überwiegend junge Menschen
gegen die Abschiebepraxis. gegen eine weitere Verschärfung des Asylrechts
und gegen den brutalen Einsatz der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
(BFE) bei einer Abschiebeblockade vor einem Jahr protestiert. Aufgerufen
dazu hatten u.a. Grüne Jugend und Jusos. Und selbst der Stadtverbandsvorsitzende
der Göttinger SPD Christoph Lehmann äußerte anlässlich einer Protest-
und Blockadeaktion am Göttinger SPD-Haus gegen die Asylpolitik auf Bundesebene
in der Nacht zuvor, dass der Protest die Falschen treffe: Die Göttinger
SPD sei gegen die Verschärfung des Asylrechts und beteilige sich an Hilfsinitiativen
für Flüchtlinge. Und wohl unter dem Eindruck der unsäglichen Vorgänge
in Tröglitz und immer dramatisch werdender Hilferufe aus den Kommunen,
schwingt sich selbst SPD-Chef Gabriel dazu auf, die seit langem geforderte
Verantwortung des Bundes zumindest für die finanziellen Folgen der Flüchtlingsunterbringung
anzuerkennen. Ist es Einsicht, oder Druck der Öffentlichkeit und unterer
Parteigliederungen, dass man die Kommunen nicht weiter allein im Regen
stehen lassen will? Wirken Argumente oder ist es nur parteipolitisches
Kalkül, dass man vorgibt erkannt zu haben, dass man die Verantwortung
nicht mehr weiter hin und her schieben kann? Soll tatsächlich mehr Transparenz
geschaffen werden, bei der Planung und Realisierung von Flüchtlingseinrichtungen
und siegt endlich die Erkenntnis, dass es wichtig ist, Bürgerinnen und
Bürger frühzeitig zu informieren und einzubeziehen? Will man endlich erklärten
Rassisten, und Angstmachern den Boden entziehen indem man bürgerschaftliches
Engagement für die ankommenden Flüchtlinge erkennbar fördert und stärkt?
Wenn dem so wäre, dann sollte schleunigst auch die geplante Gesetzesvorlage
zur Verschärfung des Bleiberechts und die Kriminalisierung von Flüchtlingen
und damit einhergehende verstärkte Inhaftierungsmöglichkeiten vom Tisch.
Dass öffentlicher Druck und Beharrlichkeit immer wieder auch etwas erreichen
können zeigt auch die Presseverlautbarung der Göttinger Stadtverwaltung
vom Samstag, dass in den ehemaligen Gebäuden des IWF ab Herbst Flüchtlinge
wohnen werden. Hätten nicht Bürgerinitiativen gegen einen beabsichtigten
fragwürdigen Bebauungsplan mobil gemacht, wäre nicht Wohnen von Flüchtlingen
und Studenten ins Spiel gebracht worden und wären nicht unbequeme Fragen
in etlichen Bauausschusssitzungen gestellt, aber auch klare Signale bürgerschaftlichen
Engagements der Initiative Flüchtlinge Willkommen (IWF) am Klausberg gesendet
worden, wäre diese Entwicklung undenkbar gewesen. Dann wäre längst ein
vom Investor und der Bauverwaltung favorisierter Bebauungsplan durchgewunken
worden und die Bagger und Kräne hätten durch Abriss Platz für eine verdichtete,
hochpreisige Wohnbebauung geschaffen. Egal, wer sich "die Federn nun an
den Hut steckt", egal ob es späte Einsicht oder ausschließlich die Drucksituation
war, der die Stadtverwaltung zum Umdenken bewegte, das Ergebnis zählt
und das ist positiv. Und das macht neben allen weiterhin geltenden bedrängenden
Sachverhalten Mut, quer zudenken, nachzuhaken und Initiative zu entwickeln.
(Gerd Nier)
Mit
einem Golfplatz Bürger_innen und Rebhühner vertreiben?19.3.15
/
Tennisplätze
haben wir genug, nun benötigen wir einen Golfplatz zur Wiederbelebung
der Göttinger Arbeitersportkultur
Schon einmal, nach dem Abzug der Bundeswehr aus Göttingen, plante ein
sozialdemokratischer Oberstadtdirektor zwecks Wiederbelebung der Arbeitersportkultur
die Anlage eines Golfplatzes auf dem Kerstlingeröder Feld. Auch, wie jetzt
wieder erst einmal "im stillen Kämmerlein", an der Öffentlichkeit vorbei.
Doch dann machten ihm die Naturschützer einen Strich durch die Rechnung,
indem sie das Kerstlingeröder Feld als Naturschutzgebiet beanspruchten.
Nun, nach gut 15 Jahren Funkstille mal wieder ein Anlauf. Vermutlich wieder
an den Ratsgremien und der Öffentlichkeit bis kurz vor der Entscheidungsreife
vorbei, versucht die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF, ein 100-prozentiges
Unternehmen der Stadt) endlich die Vision von Hermann Schierwater umzusetzen.
Ein 9-Loch-Golfplatz für einen privaten Betreiber soll es werden, so das
Rostocker Unternehmen, was mit der Planung beauftragt wurde. Und das Gelände
ist längst ausgeguckt. Die renaturierte alte Bauschuttdeponie oberhalb
des Altdorfes Geismar wurde dafür ausgeguckt. Ob das wohl der Ortsrat
schon weiß und beraten hat? Eigentlich haben wir in der Umgebung genügend
Golfplätze, aber alle eher in Richtung Northeim und Eichsfeld. Sind nach
Feierabend nur schwer erreichbar für die arbeitende Göttinger Bevölkerung.
Eigentlich hat sich das Gelände um die ehemalige Deponie bis hin zur Diemardener
Warte zu einem kleinen Naturrefugium entwickelt und wird von der Bevölkerung
als Naherholungsgebiet gern genutzt. Aber so ein immer grüner, gut gedüngter
und mit Pestiziden gepflegter, kurzgeschorener Golfplatz hat auch so seinen
ästhetischen Reiz. Der darf aber irgendwann leider nur von zahlenden Besuchern
und Vereinsmitgliedern betreten werden. Auch wenn jetzt noch behauptet
wird, er solle öffentlich zugänglich sein. Auf jeden Fall wird gelten:
Achtung Lebensgefahr, herumfliegende Golfbälle! Was wahrscheinlich nicht
mehr herumfliegen wird sind laut Ornithologen das Rebhuhn, der Feldschwirl,
der Schwalbenschwanz und weitere Vögel und Schmetterlinge, die sich seit
längerem wieder in dem renaturierten Gebiet tummeln. Als Ausgleich dürfen
sich dafür aber ein paar Caddy-Sklaven eine kleine Aufbesserung ihres
Taschengeldes verdienen, was uns dann als Arbeitsbeschaffung verkauft
wird. (siehe Artikelseite >golfplatz )(Gerd
Nier)
Immobiliengeschäfte
und Ignoranz gegenüber Bürger_innen-Meinungen
14.3.15
Gestern war ich dann zum
ersten Mal wieder in einer Ratssitzung. Mich interessierte insbesondere
der Antrag de Piraten zum Abschiebstop (der aus meiner Sicht gut begründet
wurde) und der Verkaufsbeschluss zur Voigtschule. Außer der Wichtigkeit,
das Goethe Institut in Göttingen zu halten (was ich auch will), kam
da nicht viel. Zu den Fragen einiger Bürger/innen wegen des Zeitdrucks
und dem Fehlen von transparenten Beratungen kam nichs aus den Reihen von
Rat und Verwaltung. Warum keine Vermietung, warum ein so geringer Preis
(das "arme" Goethe Institut wird vom Bund gefördert, der die Kommunen
in vielen Bereichen finanziell hängen lässt), warum keine Gespräche
mit den Ex-Bietern bzw. eine Gesprächsmöglichkeit zwischen diesen
und dem Goethe-Institut? Kein Kommentar aus den Reihen von Verwaltung
und Rat.
Es ging dann wirklich
alles ganz schnell.
Mit der
alten Voigtschule wurde eine weitere städtische Immobilie ohne Not
"verscherbelt"
Man konnte
ihr die Betroffenheit deutlich anmerken, als die Vertreterin einer Bürgerinitiative
Ihre Fragen in der Bürgerfragestunde und vor der Beschlussfassung
des Rates stellte: Warum muss das denn jetzt alles so schnell gehen und
warum hat man uns trotz Schreiben an Rat und Verwaltung noch nicht einmal
angehört? Warum wurden die damaligen Bieter, die dem privaten Investor
unterlegen waren nicht wieder in das neue Verkaufsverfahren miteinbezogen?
Überwiegend Schweigen und ein paar Worthülsen zur Bedeutung
des Goethe Instituts waren die Reaktion von den Bänken der Ratsmitglieder
und er Verwaltung. Lediglich die Fraktion der Göttinger Linken stimmte
gegen den Verkaufsbeschluss und die Piratenfraktion verweigerte sich aus
Protest der Abstimmung. Alle anderen stimmten unisono nach ca. zwei Wochen
"Beratung" nach Bekanntgabe durch die Verwaltung in Form einer
öffentlichen Bauausschusssitzung für den Verkauf. Die gleiche
Mehrheit, die seinerzeit in einer eilends einberufenen Sondersitzung vor
der Sommerpause 2013 für den Verkauf des Objektes an einen privaten
Investor gestimmt hatte. Die gleiche Mehrheit, die sich einem Antrag der
Göttinger Linken widersetzten, die Chance zu nutzen im Kulturausschuss
vorliegende Konzepte anderer Bieter zu diskutieren, im Bauausschuss die
Frage einer Vermietung mal ernsthaft zu besprechen und durchzurechnen
und die Entkoppelung des Verkaufs von Baptistenkirche und Voigtschule
zu thematisieren. Nein, kein Beratungsbedarf, kein Aufschub des Verkaufsbeschlusses
um einen maximal zwei Monate nach der Sommerpause, weil der Verkaufserlös
stimme, der Käufer äußerst seriös sei und auch alle
(vagen) Auflagen einer auch kulturellen Nutzung von ihm erfüllt würden.
Nun, das Ergebnis kennen wir ja. Nach einem Jahr ständiger Beteuerungen
es ginge alles seinen normalen Gang der Verhandlungen dann der Verhandlungs-
und Verkaufstop durch den damaligen OB; alles zurück auf Null. Und
dann unvermittelt die Museumspläne, die von großen Teilen der
Öffentlichkeit mit Erstaunen und Protest vernommen wurden. Und nun
der schnelle Verkauf an das Goethe Institut. Bürgerbeteiligung und
Transparenz sieht für mich anders aus.(Gerd
Nier)
Unwürdige
Diskussion um Abschiebung im Rat 14.3.15
Gestern habe ich auch
die (unwürdige) Diskussion um den Antrag der Piraten für einen
Abschiebestopp und die Beschreitung des Rechtsweges gegen Abschiebeanweisungen
verfolgt. Da stand - mir noch nicht bekannt - schon die nächste Abschiebung
nach dem Dublin III-Abkommen in Göttingen im Raum. Es
ist einfach nur noch beschäemden, wie OB und Ratsmehrheit unterwürfig
nur auf ihre Pflicht der Durchführung verweisen. Deshalb auch hier
zum wiederholten Maße ein Kommentar dazu.
Sich wegducken und die
nächste Abschiebung vollziehen
Während
am Freitag die große Mehrheit im Rat formaljuristisch gegen einen
Antrag der Piratenpartei - Abschiebungen zu stoppen und Rechtsmittel gegen
die Anordnung übergeordneter Stellen einzulegen - argumentierte,
stand die nächste Abschiebung in Göttingen längst fest.
Diesmal soll
Faris Hiwahi aus Palästina am 17. 03. in aller Frühe nach Bulgarien
abgeschoben werden. Eines der ärmsten Länder in Europa, einem
Land da laut UNHCR keine zureichende Versorgung sicher stellen kann und
in dem offensichtliche Mängel bei Asylverfahren zu beklagen sind.
Wieder bildet das sogenannte Dublin III-Abkommen die Unrechtsgrundlage
für den Vollzugsgehorsam der Göttinger Ausländerbehörde.
Immer noch nicht ist man bereit sich zu wagen, von sich aus den Rechtsweg
einzuschlagen und eine solche Anordnung zur Abschiebung mal auf Vereinbarkeit
mit der Menschenrechtscharta, dem Grundgesetz und etlichen Urteilen des
Europäischen Gerichtshofes überprüfen zu lassen. Nur halbherzig
konnte sich eine knappe Ratsmehrheit dazu durchringen, den Antrag nicht
sofort abzulehnen, sondern in den Ausschuss für Allgemeine Angelegenheiten
zu überweisen. Man kann sich schon ziemlich sicher ausmalen, wie
dort mit dem Antrag umgegangen wird. Allgemeine Bekundungen des Bedauerns,
Leugnung jeglicher eigener Verantwortung und Verweis auf Gesetzgebung
von Bundes- und Landesbehörden. Ganz in der Argumentationskette des
Oberbürgermeisters, der im Rat erklärte, dass er persönlich
einige Bestimmungen des Asyl- und Bleiberechts kritisch sehe, aber gegen
jeden Beschluss intervenieren werde, der die Weisungsgebundenheit der
Stadt unterminieren wolle, oder wie er wörtlich sagte "geltendes
Recht missachten würde". Es bleibt also gar nicht anderes übrig,
solange im Bund sogar an der Verschärfung des Bleibe- und Asylrechts
gearbeitet wird, solange sich die kommunalen Behörden nur als Handlanger
und Befehlsempfänger sehen den Widerstand gegen diese unmenschliche
Praxis in der Zivilgesellschaft zu organisieren. Deshalb kann ich nur
den Aufruf zur Demonstration am Montag, den 16. März zur Demo um
11.00 Uhr vor dem Neuen Rathaus unterstützen. Stoppt die Anschioebung
von Faris Hiwahi! Weg mit der Dublin-Verordnung! Mut zu zivilen und behördlichen
Ungehorsam! Was Unrecht ist kann nicht zu Recht werden!(Gerd
Nier)
Ausbildung
zum Frieden statt zu Krieger_innen 14.3.
15
Nachdem ich von einem
Beschluss des Jugendhilfeausschusses der Stadt Herne aus Herne erfahren
habe, dass dort einstimmig die Bundeswehr von einer Bildungsmesse ausgeladen
wurde und dann auch noch vom Urteil de Verwaltungsgerichtes heute gelesen
habe, das eine junge Ärztin zur Rückzahlung von 134.000 Euro
sogenannter Ausbildungskosten an den Bund verurteilt hat, weil sie sich
weigerte nach Afghanistan zu gehen, will ich mich noch gezielter dafür
einsetzen, dass alle Hebel in Gang gesetzt werden, damit junge Menschen
nicht in Schulen und auf Bildungsmessen verführt werden.
Schluss mit der Teilnahme
der Bundeswehr auf der Bildungsmesse GöBit
In Göttingen
sollten Kreistag und Stadtrat dafür sorgen, dass es auf den kommenden
Bildungsmessen keine Werbestände der Bundeswehr mehr gibt. Als
17-jährige "ging sie der Bundeswehr auf den Leim". Jetzt
muss sie laut Urteil des Verwaltungsgerichtes Göttingen 124.000 Euro
sogenannte Ausbildungskosten zur Ärztin an den Bund zurückzahlen,
weil sie sich weigerte nach Afghanistan in den Krieg zu ziehen. Ein weiterer
Fall eines jungen Menschen, der den Webern der Bundeswehr glaubte: Auslandseinsätze
kein Thema und wenn, dann nur freiwillig. Von Freiwilligkeit war dann
2008 keine Rede mehr, ab nach Afghanistan. Weil sie das nicht wollte und
die Bundeswehr verließ, soll sie nun die gesamten Ausbildungskosten
zurückzahlen. Es
ist an der Zeit, dass sich endlich auch die Kommunalpolitik in der Region
Göttingen dagegen wehrt, dass häufig noch minderjährige
junge Menschen in Schulen und auf Bildungsmessen von der Bundeswehr als
"Rekrutierungsobjekte" in die Irre geführt werden. In
Herne beispielsweise hat der Jugendhilfeausschuss 2013 einstimmig eine
Resolution verabschiedet "künftig keine militärische Werbung
mehr an Orten zu machen, die hauptsächlich von Minderjährigen
wahrgenommen werden." Entsprechend wurde die Bundeswehr für
die Bildungsmesse "Mittleres Ruhrgebiet" wieder ausgeladen.
Dass dann der Ältestenrat der Stadt Herne diesen Beschluss wieder
aufhob begründete Oberbürgermeisterin Scholz damit, dass die
SPD dem Druck von CDU und Bundeswehr nachgeben musste. Im Ergebnis schade
und schäbig von der SPD, aber immerhin hat sich hier ein Jugendamtsleiter
und ein Ratsausschuss getraut aktiv zu werden, Position zu beziehen und
nicht schon vorher "die Schere im Kopf" zu haben.
Im Göttinger
Kreistag und im Rat und/oder seinen entsprechenden Ausschüssen sollte
man endlich auch aktiv werden und einen Vorstoß unternehmen, der
Bundeswehr auf den kommenden Göttinger Berufsinformationstagen (GöBit)
keine Plattform mehr zu bieten.
Dies wäre
auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention ohne weiteres zu vertreten
und zu legitimieren. Berufsinformationsmessen sind vorrangig für
Schulabgänger/innen der Klassen 10 und 12 gedacht. Fast alle diese
Jugendlichen sind also noch minderjährig. Aber auch das Verständnis
für berufliche Ausbildung ganz allgemein wird mit dem Werben für
den "Soldatenberuf" pervertiert. Töten zu lernen und zu
Zerstören darf nicht gleichgesetzt werden mit einer normalen Berufsausbildung.
Nun höre
ich schon wieder die Formalisten aus den Reihen der Kommunalpolitiker
der sogenannten großen Parteien. Kreis und Stadt sind keine Ausrichter
der GöBiT, können also gar nicht machen. Richtig, Ausrichter
ist die Agentur für Arbeit. Aber in deren Verwaltungsrat haben Kreis-
und Stadtverwaltung z.B. ihre Vertreter/innen sitzen, die ihre Stimme
erheben könnten. Der Kreis ist zudem seit etlichen Jahren "Gastgeber"
und Hausherr der GöBit in den Räumlichkeiten einer Berufsbildenden
Schule. Die Berufsbildenden Schulen selbst sind wesentliche Aussteller
und Informationsträger auf der GöBit. Also, wenn der politische
Wille vorhanden wäre, könnte man schon Einfluss nehmen. Wäre
doch auch eine öffentliche Notiz wert, wenn aus dem kommunalpolitischen
Raum in der Region Göttingen ein Signal ähnlich wie in Herne
kommen würde. Die Bundeswehr hat in Schulen und auf Bildungsmessen
nichts zu suchen!(Gerd
Nier)
Impfpflicht
für deutsche Kinder, kein Impfserum für Flüchtlingskinder
8.3.15
Da streiten sich die deutschen
Gesundheitspolitiker/innen um die Frage nach Einführung der Impfpflicht,
weil wieder vermehrt Masernerkrankungen zu registrieren sind. Da macht
die fast gleichzeitig die Meldung die Runde, dass möglicherweise
der Masernausbruch in Berlin von einer bosnischen Flüchtlingsfamilie
ausgegangen sein könnte. Und dann wird eher beiläufig publik,
dass es an Geld, an Personal und an den nötigen Impfseren für
die Menschen fehlt, die zwischenzeitlich wieder in Massenunterkünften
(in Sälen, Turnhallen etc.) in Berlin und anderen Städten untergebracht
werden müssen. Die Kommunen fühlen sich allein gelassen, finanziell
überfordert und greifen aufgrund eines überforderten Wohnungsmarktes
immer mehr auf Notunterbringungen zurück. Es ist schon beschämend,
wenn sich in Berlin eine Ärztin an die Bevölkerung wenden muss,
um Spenden für dringend notwendigen Impfstoff einzuwerben. Sie selbst
ist seit Wochen ehrenamtlich und unentgeltlich mit wenigen Kollegen/innen
in den Notunterkünften für Flüchtlinge unterwegs und kümmert
sich darum, Kinder,Jugendliche und Erwachsene – die häufig über
keinerlei Impfschutz verfügen – zu impfen, um z.B. den Ausbruch von
TBC und anderen ansteckenden Krankheiten der auf engsten Raum zusammengepferchten
Menschen zu verhindern. Hier müssen Menschen zu einer Impfung nicht
gesetzlich gezwungen werden, hier wird sie ihnen, obwohl sie eine Impfung
möchten, vorenthalten. Beschämend!(Gerd
Nier)
Voigtschule:
Es gab höhere Geld-Angebote aber Goethe-Institut ist ok
6.3.15
Nur noch eine kleine Randbemerkung zum "neuen" Goethe-Institut in der
alten Voigtschule
Nun wird also das Goethe-Institut Besitzer der alten Voigtschule. Wie
auch schon von mir erwähnt allemal besser als der private Investor, der
keinerlei Bindungen zur späteren Nutzung eingehen wollte. Wenn die Zusagen
des Goethe-Instituts eingehalten werden - und daran habe ich erst einmal
keine Zweifel - dann kann die großzügige und schöne Aula auch von anderen
Einrichtungen für kulturelle und andere Zwecke genutzt werden. Dann können
ggf. sogar ein paar zusätzliche Probenräume für Musiker und andere Kulturschaffende
im Gebäude entstehen. Alles begrüßenswert und im Interesse des Gemeinwohls.
Wenn aber der Grüne Bürgermeister Holefleisch davon spricht, dass die
Schule ja sonst niemand kaufen wolle und man sich deshalb mit 400.000
Euro Verkaufserlös zufrieden geben muss, dann muss er in den entscheidenden
Bauausschusssitzungen des letzten und vorletzten Jahres gefehlt oder geschlafen
haben. Damals gab es neben dem Millionengebot des Herrn Koch noch weitere
fünf Gebote, die sich in der Größenordnung von 500.000 bis 800.000 Euro
bewegten. Warum nicht dazu stehen, dass man das Goethe-Institut so wichtig
für Göttingen hält, dass man ihm auch preislich etwas entgegenkommt? Vielleicht
deshalb, weil man in der Vergangenheit immer darauf bestanden hatte, dass
es keinen politischen Preis für das Gebäude geben könne, weil die Stadt
jeden Cent brauche und nur das höchste Gebot zähle? Lernfähigkeit ist
doch eigentlich keine Schande. (Gerd Nier)
Ungereimtheiten
bei Voigtschule-Pirouetten 1.3.15
Mit den Überlegungen
zur alten Voigtschule wird jedes Jahr eine "neue Sau durchs Dorf getrieben"
Zugegeben,
es ist schon etwas anderes, sollte die alte Voigtschule nun an das Goethe-
Institut veräußert werden, als der vor gut zwei Jahren faktisch schon
beschlossene Verkauf an einen privaten Investor. Nicht nur, dass anders
als vom damaligen Käufer klare Aussagen für eine auch dem Gemeinwohl zu
gute kommende Nutzung vom Goethe-Institut zugesagt werden, sondern auch,
weil damit nun endgültig die unsägliche Debatte zur Verlagerung des Museums
in die Voigtschule beendet wird. Was wie eh und je allerdings unangenehm
auffällt ist die Tatsache, dass diese neue Entwicklung völlig an der Öffentlichkeit
und vermutlich auch dem Rat vorbei gelaufen ist. Dass wieder einmal in
völliger Hektik noch im März der Rat über den Verkauf entscheiden soll
und dass die Frage eines Eigentumsverbleibs im städtischen Besitz völlig
vor der Tür bleibt. Braucht die Stadt die eine Million Euro, die den Verkaufserlös
darstellen dürfte denn wirklich so dringlich, wenn sie gleichzeitig vorerst
eine halbe Million an Investitionskosten in das Kunstquartier erübrigen
kann. Wenn sie 1,2 Millionen in die weitere Erschließung des GVZ III Geländes
investieren kann etc. Hat sich nicht schon in den vergangenen Monaten
die Nutzung der wider Erwarten noch im städtischen Besitz befindlichen
alten Voigtschule - und sei es als Notmaßnahme - zur Unterbringung für
ankommende Erstsemester gezeigt, dass es an Verwendungen im öffentlichen
Interesse nicht fehlt. Ist man sich sicher, anders noch als vor ein paar
Wochen, dass man das Gebäude auch als kurzfristige Zwischenlösung zur
Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr benötigt? Wohlgemerkt, meine
Vorbehalte gegenüber dem jetzigen Verkaufsvorhaben sind deutlich geringer
als seinerzeit beim Verkaufsbeschluss an Herrn Koch. Aber muss wieder
einmal alles "übers Knie gebrochen werden"? Ist diese Eile wirklich zwingend
erforderlich oder wäre es nicht sinnvoller aus den wenig erfreulichen
Begleitumständen des Verkaufsbeschlusses von vor zwei Jahren ein bisschen
was zu lernen? (Gerd Nier)
Stadt
wird zum IWF aktiv
18.2.15
Stadt
stellt Bauvoranfrage zur Nutzung des ehemaligen IWF als Wohneinheit für
Flüchtlinge
Manchmal lohnt es sich selbst
"dicke Bretter zu bohren"
Am Rande des sehr gut besuchten Jahresempfangs
des Integrationsrates im Haus der Kulturen erwähnte Oberbürgermeister
Rolf-Georg Köhler in einem Halbsatz, dass die Stadt am heutigen Tage
eine Bauvoranfrage für das ehemalige IWF zur Nutzung als Wohneinrichtung
für Flüchtlinge gestellt hat. In einem kurzen informellen Gespräch
erläuterte er mir dann auf Nachfrage, dass es mit dem Investor weitgehend
eine Einigung über Umbauten und eine mindestens vierjährige
Vermietung an die Stadt gibt. Die Unterschriften unter dem Vertrag fehlen
anscheinend noch, aber die eingereichte Bauvoranfrage ist doch ein ziemlich
klares Signal, dass das ehemalige IWF vermutlich das erste zu beziehende
der drei größeren Objekte zum Wohnen für Flüchtlinge
sein wird. Ob auch Studentisches Wohnen in das Projekt mit einbezogen
wird, scheint momentan noch eher unsicher. Das wäre aus meiner Sicht
immer noch sinnvoll und erstrebenswert, aber der Druck zur Unterbringung
von Flüchtlingen scheint so groß zu sein, dass jeder denkbare
Platz für diese Menschen benötigt wird. Als im Rahmen der Diskussion
des Bebauungsplanes im Bauausschuss und Rat vor gut zwei Jahren von mir
der Hinweis kam, eine Nutzung der völlig intakten Gebäude des
ehemaligen IWF als Flüchtlings- und Studentenwohnungen zu prüfen
und möglichst zu realisieren, wurde ich belächelt und als Phantast
und Träumer bezeichnet. Als sich dann die Bürgerinitiative Nonnenstieg
diesen Überlegungen anschloss, ließ sich immer noch kein Zeichen
eines Umdenkens erkennen. Nun, nach gut zwei Jahren meines ersten Vorstoßes,
endlich ein klares Signal dafür, dass das doch nicht alles Blödsinn
und Spinnerei war. Schön, dass die neue "Initiative
Flüchtlinge Willkommen (IWF)" schon fest dabei ist, Überlegungen
und Vorbereitungen zum Empfang und zur Unterstützung der ankommenden
Menschen zu treffen. Es
war ein schöner, lebendiger und fröhlicher Abend mit den vielen
anwesenden Menschen aus allen Teilen dieser Welt mit einer eher lapidaren,
aber guten und positiven Nachricht des OB.
Das
Thema "Ukraine" und Waffenlieferungen in Göttingen
18.2.15
Das
Wort "alternativlos" gehört eigentlich nicht zu meinem
Sprachgebrauch und findet sich eher häufiger in Beiträgen unserer
Kanzlerin. Im Falle der Gespräche von Minsk akzeptiere ich diesen
Begriff aber vorbehaltlos. Frieden kann nur durch Diplomatie und Gespräche
geschaffen werden. Waffenlieferungen, militärische Interventionen
und Krieg dürfen nicht als Alternative gelten. Hoffen wir, dass als
erster Schritt die momentan noch brüchige Waffenruhe sich stabilisiert.
Wenig hilfreich dabei sind weiterhin die Beiträge der US-Administration
wie z.B. von Senator Mc. Caine, der die Bemühungen von Hollande und
Merkel als Beitrag zur Spaltung der Ukraine bezeichnet und wie Vizepräsident
Biden weiterhin auf Konfrontation setzt.
Waffenlieferungen
in Kriegsgebiete verlängern immer nur das Leiden und Töten
Zwei Artikel in der regionalen Presse vom selben Tag machen
nach- und bedenklich. Da wird einerseits in einer guten Rezension das
Buch des Göttinger Schriftstellers Wolfgang Bittner "Die Eroberung
Europas durch die USA" vorgestellt, in dem die Hintergründe
gerade auch des Konfliktes in der Ukraine kritisch näher beleuchtet
werden. Und da wird im weltpolitischen Teil anderseits verkündet,
dass die USA planen, schweres Kriegsgerät für über drei
Milliarden Dollar an die ukrainische Regierung zu liefern.
US-Amerikanische Soldaten sind im letzten und in diesem Jahrhundert in
zwei Weltkriegen, in Korea, Vietnam, im Irak, in Afghanistan und etlichen
Ländern umgekommen. Aber auf dem Territorium der Vereinigten Staaten
sind seit dem Sezessionskrieg (einem inneramerikanischen Krieg) vor gut
150 Jahren keine Zivilisten mehr bei militärischen Auseinandersetzungen
ums Leben gekommen. Kann es sein, dass diese eigentlich für die USA
glückliche Tatsache selbst einen Friedensnobelpreisträger wie
Barak Obama dazu verleiten, sehr schnell zu militärischen Mitteln
zu greifen, immer mehr Drohnen als "saubere Kriegswaffe" in
Krisengebieten einzusetzen und Waffenlieferungen statt Diplomatie zu favorisieren.
Wir in Europa, egal ob Kriegs- oder Nachkriegsgeneration, haben in vielen
Familien nicht nur Väter und Großväter als Soldaten verloren,
wir haben auch Mütter, Großmütter und deren Kinder in
zerbombten Städten, in menschenverachtenden KZ auf Flüchtlingstrecks
etc. auf dem gesamten Boden Europas verloren. Spätestens seit den
Veröffentlichungen über die Foltermethoden in amerikanischen
Gefängnislagern – übrigens auch weitgehend exterritorial – fällt
es auch immer schwerer zu glauben, dass all die US-amerikanischen Einsätze
immer nur im Namen der Verteidigung der Menschenrechte und der westlichen
Werteskala geschahen.
Geopolitische und ökonomische Interessen standen vielmehr meist im
Vordergrund der Interventionen. Und die Ergebnisse dieser militärischen
Eingriffe können wir uns z.B. im Irak und in Afghanistan betrachten.
Völlig destabilisierte, im Chaos und Bürgerkrieg versinkende
Länder. Europa muss sich, wie Wolfgang Bittner in seinem Buch beschreibt,
frei machen von einer vasallenhaften Pseudopartnerschaft mit der US-Administration,
muss gerade auch aufgrund seiner kriegerischen Geschichte im letzten Jahrhundert
alles dafür tun, damit eine friedliche Koexistenz der Staaten auf
unserem Kontinent aufgebaut und gesichert wird. Mit dem Aufbau alter und
neuer Feindbilder, mit Waffenlieferungen und dem Export von Soldaten begeben
wir uns sonst wieder in Gefahr einen "Flächenbrand" auf
unserem Kontinent auszulösen oder zumindest die Gräben des Kalten
Krieges wieder "neu auszuheben". (Gerd Nier)
GöBit
Das Töten zu
lernen ist keine normale Berufsausbildung 13.2.15
Und wieder stehen die Göttinger Berufsinformationstage (GöBit )vor der
Tür und wieder wird es einen großen Werbestand der Bundeswehr geben. Um
den Bedarf an Soldaten/innen zu decken, greift Verteidigungsministerin
von der Leyen vermehrt auf die Rekrutierung Minderjähriger zurück. Waren
es vor drei Jahren schon 2016 junge Menschen unter 18 Jahren, die die
Bundeswehr einstellte, werden zwischenzeitlich noch deutlich mehr Bewerbungen
selbst von 16-jährigen entgegengenommen. An den sogenannten Tauglichkeitsuntersuchung
stellen Minderjährige eine immer größere Anzahl. Schon 2008 hatte der
UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes die Bundesrepublik aufgefordert,
das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben. Und was ist die Antwort:
Immer mehr Jugendoffiziere werden ausgebildet und an unsere Schulen geschickt,
um für die Bundeswehr zu werben (offiziell wird von Vorstellung der Bundeswehr
im staatskundlichen Unterricht gesprochen). Längst ist es zur Selbstverständlichkeit
geworden, dass auch hier in Göttingen die Bundeswehr teilnimmt an Ausbildungsmessen,
siehe GöBit. Der Antrag der Göttinger Linken im Rat, sich gegen die Anmietung
von Räumen eines Karriereberatungsbüros der Bundeswehr im Gebäude der
Bundesagentur für Arbeit vom September 2012 auszusprechen, wurde mit großer
Mehrheit und fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Wenn es schon zum Kulturgenuss
etlicher erwachsener Menschen anscheinend dazu gehört, sich an Märschen
von Militärkapellen zu berauschen, so lasst doch das Militär wenigstens
aus unseren Schulen heraus und stellt ihm auch kein Forum zum Werben auf
Bildungsmessen zur Verfügung. (Gerd Nier)
Flucht
vor Schrecken, Elend, Lebensbedrohung 11.2.15
Todbringende
Wertegemeinschaft
Neun Millionen Euro wären nach offiziellen Angaben monatlich notwendig,
um das italienische Mare Nostrum-Konzept fortzuführen, das auf die Rettung
von Bootsflüchtlingen ausgelegt war. Neun Millionen Euro der Wertegemeinschaft
Europa, um möglichst viele der verzweifelten und ausgebeuteten Menschen
zu retten, die ihrem Hunger- und Bürgerkriegskontinent Afrika übers Mittelmeer
entfliehen wollen. Für Meldungen in unseren Medien über eine der zur Zeit
größten humanitären Katastrophen eignen sich nur noch die ganz großen
Tragödien mit hunderten von Toten an einem Tag, wie jetzt gerade einmal
wieder. Die tagtäglich im Mittelmeer ertrunkenen Menschen in kleinerer
Zahl , die sich aber auf Tausende summiert, wird kaum mehr registriert.
Vermutlich nur ein drei bis vier Millionen Euro mehr, als für das als
Abschreckung und in keinster Weise auf Hilfe ausgerichtete Frontexprogramm
Triton, können 28 Staaten der Europäischen Union nicht aufbringen, um
Menschenleben zu retten. Um ein paar Millionen Euro zu sparen, nimmt diese
Wertegemeinschaft billigend in Kauf, dass weiterhin für dringen auf Hilfe
angewiesene Menschen das Mittelmeer zum Friedhof wird. Wie abgestumpft,
zynisch und unmenschlich sind denn nur unsere europäischen Repräsentanten
gegenüber diesem Elend. Die gleichen Politiker, die mit einem Wimpernzucken
Milliarden Euro als Rettungsschirme für Banken beschließen. Wobei sie
dann immer deutlich betonen, wie systemrelevant diese Banken sind; Menschenleben
sind das für sie anscheinend nicht. (Gerd Nier)
Angriff
auf Kirchenasyl
Kirchenasyl = Scharia
? 11.2.15
Zu was für Vergleiche sich (führende) Politiker versteigen können, zeigt
das neueste Beispiel von Bundesinnenminister de Maiziére. Kirchenasyl
und die Scharia auf deutschem Boden stellt er auf eine Stufe; beides dürfe
sich nicht über das staatliche Recht erheben. Den Einsatz von Menschen
gegen inhumane Abschiebungen und deren konkrete Hilfe stellt er auf die
gleiche Ebene mit einer immer wieder noch mit mittelalterlichen Strafen
verbundenen religiösen Gesetzesgrundlage für Muslime. Wobei die für viele
Moslems geltende Scharia meines Wissens nach nicht zwangsläufig mit Steinigungen,
Enthauptungen oder dem Abhacken von Körpergliedern gleichgesetzt werden
kann, aber als Strafgerichtsbarkeit aufgebaut ist. Wenn Herr de Maiziére
aktuell auf Gesetzesübertreter auf deutschem Boden aufmerksam machen will,
dann sollte er mit aller Deutlichkeit auf die neusten Aufdeckungen über
tausende von deutschen Staatsbürgern aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness
aufmerksam machen, die Milliarden von Steuergeldern unterschlagen und
veruntreut haben. Aber die benötigen aller Voraussicht nach kein Kirchenasyl,
weil sie wohl kaum ernsthaft verfolgt werden. (Gerd
Nier)
Selbst Kirchenasyl
soll nun kaum mehr geduldet werden 5.2.15
Staatlicherseits läuft alles darauf hinaus, auch die letzten Formen der
Hilfe für Asylsuchende zu unterbinden. An die faktische Abschaffung des
Asylrechtes hat sich der größere Teil der Bevölkerung anscheinend längst
gewöhnt. Dass jetzt aber sogar die bisher geduldete Praxis des Kirchenasyls
bedroht und angegangen wird, ist ein weiterer Schritt in die Inhumanität.
Im Januar hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den obersten
Kirchenleitungen bekanntgegeben, dass Flüchtlinge nach dem sogenannten
Dublin III-Abkommen nicht als "an Leib und Leben gefährdet" gelten. Somit
gelten viele Menschen in Kirchenasyl neuerdings dann als "flüchtig" (welche
Perversität liegt schon in dieser Begrifflichkeit). Alle, die sich auch
nur ein wenig mit der Situation von Minderheiten wie z.B. von Sinti und
Roma in etlichen europäischen Staaten befassen, wissen, dass zwangsrückgeführte
Flüchtlinge keineswegs menschenwürdig in diesen Ländern behandelt werden.
Die Dublin III-Verordnung führt in den meisten Fällen zur Abschiebung
in menschenunwürdige Verhältnisse, bis hin zu direkten Repressalien. Pfarrer
Helge Hohmann, der Beauftragte für Zuwanderungsarbeit der Evangelischen
Kirche in Westfalen sagt dazu u.a.: "Es kommt zu Familientrennungen, Obdachlosigkeit
und Kettenabschiebungen. Traumatisierte Menschen, Kranke und Kinder brauchen
besonderen Schutz. Das wird nicht berücksichtigt." Schön, dass sich auch
weitere kirchliche Amtsinhaber eindeutig gegen jede Aushöhlung oder gar
Kriminalisierung des Kirchenasyls wenden. Menschen, denen im Sinne der
internationalen Menschenrechte und des Grundgesetzes in Kirchen als letzte
Möglichkeit Zuflucht gewährt wird, sind nicht "flüchtig", so ein Kirchenvertreter,
"da in jedem Fall die zuständigen Behörden informiert werden". Wichtig
auch der Hinweis aus Kirchenkreisen, dass weiterhin die Verantwortung
für das Kirchenasyl bei Ländern und den Ausländerbehörden der Kommunen
liege und das BAWMF keine Weisungsbefugnisse besitze. Hoffen wir, dass
dies auch bis zur Ausländerbehörde in Göttingen durchgedrungen ist.
(Gerd Nier)
Durch
ein offenes Tor zu gehen ist "Hausfriedensbruch" ? 6.2.15
(Vorbemerkung
der Red.: Am 4. Februar standen fünf Göttinger Anti-Atom-Aktivisten in
Hameln vor Gericht. Sie müssen die Zumutung erdulden, sich wegen ihrer
verantwortlichen Aufklärungsarbeit anklagen zu lassen, sie hätten
angeblich "Hausfriedensbruchs" begangen, sie waren durch ein
offenes Tor auf das Gelände gegangen. Der Prozess wurde eingestellt.
siehe >Artikel dazu)
Es ist ein Skandal,
wenn Menschen dafür kriminalisiert werden, dass sie auf katastrophale
Missstände im AKW Grohnde hinweisen
Gestern, am 4. Februar, mussten sich fünf AKW-Gegner in Hameln dem Gericht
wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs stellen. Menschen, die auf die
unverantwortlichen Zustände im AKW-Grohnde hingewiesen haben, die einen
eher zufällig entdeckten verrosteten Ersatzgenerator öffentlich machten.
Warum wird nicht das gewissenlose Handeln des AKW-Betreibers angeklagt?
Warum gibt es keinen Sturm der Entrüstung über das erpresserische Verhalten
der Energiemonopole gegenüber der Bundesregierung und damit gegenüber
den SteuerzahlerInnen? Warum dürfen sich die Produzenten der riesigen
Menge von Atommüll scheibchenweise aus der Verantwortung ziehen und das
"Restrisiko" an uns alle übergeben? Unsere Solidarität gehört den fünf
angeklagten Anti-Atom-Aktivisten, unabhängig von der Gerichtsentscheidung.
Für mich gehören die wirklich Verantwortlichen auf die Anklagebank. Zwischenzeitlich
wurden alle fünf Angeklagten vom Hamelner Gericht freigesprochen. Dennoch
bleibt der Skandal, dass der Betreiber des AKW-Grohnde versucht hat, die
Offenlegung des Einbaus eines verrotteten Generators in das AKW durch
Kriminalisierung mundtot zu machen. (Gerd Nier)
Güterverekehrszentrum:
Investitionen bei unklarem Bedarf gehen immer weiter
(Gerd Nier als als
Ex-Mitglied des Vorstandes der GWG weiß noch, wie schwieirg sich die Vermarktung
der bisher erschlossenen Geländeteile gestaltet hat)
GVZ III 23.1.15
Nun sollen weitere Millionen in das GVZ III gepumpt werden, obwohl bis
heute keine Neuansiedlung eines Logistikanbieters gelungen ist bzw. in
Aussicht steht. Nicht nur, dass in unmittelbarer Nähe des Leinebergs eine
Freizeitfläche und gutes Ackerland verloren ging und versiegelt wurde.
Nicht nur, dass schon bisher Millionen an Steuergeldern verbuddelt wurden
und lediglich eine Standortverlagerung eines Betriebes innerhalb von Göttingen
in das GVZ III stattgefunden hat. Nein, die angrenzende Fläche wird von
der Gemeinde Rosdorf beplant. In Kassel werden große, voll erschlossene
Flächen mit Bahn- und Autobahnanbindung wie "sauer Bier" angeboten. Der
Landkreis hat sich immer noch nicht offiziell von den Plänen eines Logistikzentrums
im Bereich Bovenden/Klein Lengden/Holtensen verabschiedet. Und nun sollen
weitere 2 Millionen Euro über die GWG - einer hundertprozentigen städtischen
Gesellschaft - verpulvert werden. Und kein Aufschrei der Grünen wegen
weiterem unnötigen Flächenverbrauch und zusätzlicher Versiegelung. Und
keine Einsicht bei der SPD, dass man sich in einer unseligen Konkurrenz
zwischen den Kommunen s gegenseitig ausspielt und potentiellen Investoren
"die Schnäppchen auf dem Goldenen Tablett serviert werden". Verblüffend
bei der Göttinger Gemengelage ist, dass Linke im Verbund mit der CDU ihre
Kritik und Ablehnung formulieren. Der CDU wird dann doch das alte Vorurteil
der Wirtschaftsfeindlichkeit, der wir Linken immer wieder begegnen, nun
nicht ernsthaft jemand unterstellen. (Gerd Nier)
Inklusionsgegner
Lindner
Herr
Lindner sollte insbesondere die Prozentrechnung hervorheben 27.1.15
Mehr
Geld für den Mathematikunterricht statt für Inklusion, so eine wesentliche
Forderung des FDP-Chefs Lindner als Gastredner beim Gildetag in Northeim.Wenn
er "statt" durch "und für" ersetzt hätte, wäre mir die Zustimmung leicht
gefallen. So aber zeigt er das immer noch wahre Gesicht seiner FDP: Soziale
Ignoranz und Kälte versus Zahlenfetischismus und Profitrechnung. Die Gleichung
"mehr:statt" hat etliche Unbekannte. Wirklich erkennbar Geld für die Annäherung
an den Inklusionsanspruch ist bisher weder auf Bundes-, Landes- noch kommunaler
Ebene geflossen. Dafür allerdings viele Reden mit vielen hehren Worten.
Wenn Sozialkompetenz gegen vermeintliche Sachkompetenz als Bildungsziele
ausgespielt werden widerspricht das nicht nur allen Grundlagen eine humanistischen
Bildung, sondern leistet der Separierung in unserer Gesellschaft eindeutig
Vorschub. Wenn Herrn Lindner Mathematikkenntnisse schon so wichtig sind,
dann sollte er sich insbesondere um die Prozentrechnung kümmern. Obwohl,
drei Prozent sind eigentlich ein häufig üblicher Rabattbetrag, mehr muss
nicht sein. (Gerd Nier)
Die
Nachbarn von Flüchtlingswohnungen rechtzeitig informieren
*der Begriff
"Ünterkünfte" beinhaltet schon, dass ein niedriger
Standard angenommen wird
Zur Bürgerinitiative
Zietenterrassen und deren Flugblatt möchte Gerd Nier am 27.1. klarstellen:
Als ich mich zu dem aus meiner Sicht berechtigten Anliegen der BI Zietenterassen
nach mehr Transparenz und frühzeitiger Information zu Göttinger Flüchtlingspolitik
geäußert habe, kannte ich weder das jetzt kursierende Fliugblatt noch
mir zwischenzeitlich bekannt gewordene Äußerungen einzelner Mitglieder
in der Öffentlichkeit. Nach wie vor stehe ich hinter der Forderung nach
Transparenz, ich distanztiere mich aber von etlichen Äußerungen des Flugblattes,
dem eher Angst machenden Tenor der darin vorherrscht und der auf wenig
Verständnis schließenden Haltung gegenüber der dramatischen Situation
der zu uns kommenden Flüchtlinge. Außerdem fehlen mir jegliche Hinweise
auf eine konstruktive Form der Begleitung der Wohnraumbeschaffung für
die Menschen, die nach ihren schlimmen Erlebnissen, nichts mehr benötigen,
als sich in ihrer schwierigen Situation als willkommen und angenommen
zu fühlen. 27.1.15
Das hätte nicht
sein müssen. Bau und Einrichtung von Flüchtlingswohnungen darf nicht an
der Bevölkerung vorbei geplant werden. 21.1.15
Schon im
Ratsantrag der Göttinger Linken zur Wohnraumversorgung für Flüchtlinge
vom November 2013, der dann von allen Ratsfraktionen als interfraktioneller
Antrag eingebracht wurde, heißt es u.a. explizit: "Dabei soll die Göttinger
Bevölkerung durch geeignete Informationen und ggf. auch BürgerInnenveranstaltungen
eingebunden werden, um eine möglichst positive Willkommenskultur zu schaffen
..." Wie man zwischenzeitlich und bis heute feststellen musste und muss,
wurde dies von der Stadtverwaltung, hier insbesondere von der Sozialdezernentin
Schlapeit-Beck, sträflich vernachlässigt. Immer wieder werden die Bürger
über die Presse darüber informiert, dass in ihrem Wohnbereich die Unterbringung
von einer größeren Zahl von Flüchtlingen stattfinden wird. Das war so
im Falle des Groner Hofes - und prompt regte sich Widerstand. Das ist
so auf den Zietenterassen - und prompt kommen "hässliche" und dumpfe Leserbriefe.
Aber auch die berechtigte sachlich gehaltene Kritik über die Schaffung
vollendeter Tatsachen ohne vorherige Einschaltung von Bürgerinnen und
Bürgern gehört zu den Reaktionen. Hat man denn wirklich nichts gelernt
aus den fremdenfeindlichen Vorgängen in Hellersdorf und anderswo? Wir
können nur gemeinsam mit der Bevölkerung den teilweise knapp dem Tod entronnenen,
häufig schwer traumatisierten Menschen aus den Bürgerkriegsgebieten zur
Seite stehen, ihnen eine erträgliche "Ersatzheimat" bieten. Spät, hoffentlich
nicht zu spät geschieht die Einbeziehung der Anwohner/innen nun auf den
Zietenterassen. Hoffentlich - wenn auch schon mehrfach in der Vergangenheit
gefordert - findet man sich möglichst umgehend im Bereich des Nonnenstiegs/
ehemaliges IWF zu einer Bürgerveranstaltung zusammen, um den vorhandenen
guten Willen vieler Anwohner/innen aufzugreifen und ihre Hilfsbereitschaft
gemeinsam umzusetzen und zu organisieren. Das Argument, es sei noch nicht
alles klar mit der Gebäudeanmietung, -sanierung etc. darf nicht weiter
davon abhalten. Prophylaxe, Vorbereitung ist alle mal besser, als das
Warten auf empörte Reaktionen, falsche Ängste, aber auch politisch motivierte
Fremdenfeindlichkeit. (Gerd Nier)
(Red. goest: siehe
auch >Infos auf der Themenseite Flüchtlinge
für den 27.1. und 29.1.15 sind Veranstaltungen angekündigt)
Absichtserklärungen
in der Neujahrsrede des OB
Neue Töne von neuen
OB 8.1.15
Man muss
ja nicht in allen Dingen einer Meinung sein.
-- Während der neue OB in seiner Neujahrsansprache das sogenannte Kunstquartier
für eine wesentliche Errungenschaft hält, bin ich weiterhin sehr skeptisch,
ob sich die damit verbundenen Hoffnungen, Göttingen zu einer internationalen
Kunstoase zu entwickeln, auch nur ansatzweise erfüllen werden. Besonders
bereiten mir aber die Folgekosten, die jetzt schon verkündeten Streichungen
bei anderen wichtigen Göttinger Kultureinrichtungen und der bisher nur
durch Wunschvorstellungen verbleibende Fehlbetrag von jetzt schon bezifferten
160.000 Euro deutliche "Magenschmerzen".
-- Die Aussage, nach einem fast zwei jährigen Hickhack im Bauausschuss
und Rat und der völligen Ignoranz gegenüber Anregungen und Einwendungen
zweier Bürgerinitiativen über den Bebauungsplan ehemaliges IWF jetzt doch
wieder "bei Null" anzufangen, zeigt Mut und Eigenständigkeit. Die Überlegungen
zur Abkehr einer reinen Investorenplanung zugunsten einer Angebotsplanung
mit sozialpolitischen Akzenten setzt ein erster ernsthaftes Signal, dass
neben reinen Gewinnabsichten auch soziale Verantwortung mit ins Kalkül
gezogen werden soll. (Kleine Anmerkung: Hätten wir TTIP schon, wäre das
mit Sicherheit ein Fall für Schadensersatzklagen vor einem ominösen, rechtlich
nicht legitimierten "Investorenentschädigungsgericht").
-- Auch die klare Aussage alles dafür tun zu wollen, "denen Obhut zu gewähren,
die dem Grauen in ihrer Heimat gerade noch entkommen sind" ist klar und
begrüßenswert. Bleibt zu hoffen, dass er seine Mitarbeiter/innen in der
Ausländerbehörde und im Ordnungsamt erkennbar ermutigt, nicht jeder Anweisung
zur Zwangsabschiebung als "willenlose Werkzeuge" zu folgen, sondern auch
so etwas wie eigenverantwortliches Denken und Beamtencourage zu entwickeln.
Eine Abkehr von Prinzip "Weender hui, alles andere pfui" zeigt, dass er
auch hier der Bauverwaltung neue Denkstrukturen mit auf den Weg gibt.
Bleibt zu wünschen, dass der neue OB Rolf Köhler nicht nur neue Töne anschlägt,
sondern sich auch gegen den zu erwartenden Widerstand des Apparates etliche
gute Vorsätze in die Tat umsetzen kann und wird. (Gerd
Nier)
(Anmerkung der goest-Redaktion: Als "karitative
Organisationen" hob Köhler die Reichen-Clubs: Lions, Rotary, etc.
hervor. Die vielen "kleinen Leute" die sozial z.B. in der Flüchtlingshilfe,
der Bahnhofsmission oder im Frauennotruf mit Geldknappheit und Stress
tätig sind wurden nicht erwähnt. Das ist eine beleidigende Zurücksetzung
der "sonstigen karitativen Einrichtungen" )
Sie
können doch auch ohne Hartz4 leben oder? Beweisen Sie das Gegenteil
10 Jahre Hartz-IV
– 10 Jahre Drohungen, Demütigungen, Entmündigung 8.1.15
Aus
fast tagtäglich an mich herangetragenen Beispielen weiß ich,
wie schikanös, wie entwürdigend und in Teilen sogar menschenverachtend
mit Menschen umgegangen wird, die sich in den Fallstricken von Hartz-IV
wiederfinden.
Neuestes
Beispiel: Ich wurde gebeten eine Frau zum Notar zu begleiten, die vom
Landkreis aufgefordert worden war, eine "Erbteilverpfändungserklärung"
zu unterschreiben. Es geht um ein achtel einer Doppelhaushälfte,
das noch von der 80-jährigen Mutter, der Schwester und einer Tante
(den anderen Anteilseignerinnen) bewohnt wird. Dass es nicht zu der Unterschrift
kam, ist der Intervention eines Rechtsanwaltes, der sich im Sozialrecht
auskennt und der Weigerung der Frau zu verdanken.
Mit einer Schuldanerkenntnis und dem notariell beglaubigten Eintrag
ins Grundbuch scheint sich der Landkreis"auf der sicheren Seite zu
wiegen", sich den möglichen Unannehmlichkeiten einer Zwangsräumung
und -versteigerung zu entledigen und ohne großen Aufwand ein dauerhaftes
Druckmittel in der Hand zu haben.
Was ich dann aber in einem Gespräch nach dem Notarbesuch von der
betroffenen Frau erfuhr, macht mich vollends wütend. Seit September
(Antragstellung) hat sie noch keinen Pfennig/Cent als Leistung erhalten.
Und weil dies so ist und sie sich deshalb bisher vergeblich an den Leistungsträger
wandte, bekam sie ein Schreiben mit der Aufforderung, zu belegen, wie
sie die Monate ohne Leistungsbezug leben – oder sollte man besser sagen
überleben konnte. Das ist doch nur so zu verstehen, dass ihr unterstellt
wird, dass sie die staatliche Unterstützung dann wohl nicht wirklich
benötige, sie komme ja auch so über die Runden. Welcher Zynismus:
Da wird von der Antragstellerin ein Nachweis darüber verlangt, wie
sie auch ohne Transferleistungen monatelang existieren konnte. Da sollen
womöglich Bekannte und Freunde noch eidesstattliche Erklärungen
abgeben, wann und wie viel sie ihr möglicherweise geliehen haben.
Wo leben wir denn. Da können millionenfache Steuerhinterzieher nach
einem fünftel Haftverbüßung als Freigänger quasi
als Vorbild für die Jugend fungieren. Da wird gepokert und geschachert,
um die Erben riesiger Vermögen möglichst wenig heranzuziehen.
Und den wirklich auf Hilfe angewiesenen
Menschen wird das "letzte Hemd ausgezogen" und das in einer
Form, die an Entwürdigung, Demütigung und Dreistigkeit kaum
mehr zu überbieten ist. (>Schreiben
siehe Anlage ) Nachtrag:
Trotz der mündlichen Zusicherung des Landkreisvertreters, sich (nach
fünf Monaten Zahlungsverweigerung) unverzüglich zumindest für
eine erste Zahlung einzusetzen, ist auf Nachfrage auch drei Tage nach
dem Treffen noch keine Überweisung eingegangen.
(Gerd Nier)
Bluenote als "kleines Kunstquartier" erhalten!
Das Blue Note gehört
zu Göttingen, das Kunstquartier noch nicht so ohne weiteres 6.1.15
Ganz persönlich bin
ich schon ein bisschen traurig, dass das Blue Note vor dem Aus steht.
Mit dem Blue
Note verbinde ich sowohl ganz private als auch kulturell schöne und
interessante Erlebnisse. Klar gab es in der schon fast als traditionsreich
zu benennenden Geschichte dieser Kultureinrichtung und Kneipe Höhen
und Tiefen, aber das Blue Note gehört nach den gut drei Jahrzehnten
vermutlich nicht nur für mich zu einem unverzichtbaren Teil der Göttinger
Kulturszene. Wenn es in Göttingen anscheinend ohne große Diskussion
möglich ist ein Kunstquartier mit Millionenaufwand und noch unwägbaren
Folgekosten im mehrfachen sechsstelligen Bereich zu realisieren, dann
muss es doch auch möglich sein, Spielstätten vor- und zu erhalten,
die über das reine Konsumieren von Kunst hinaus eine Verbindung zwischen
Publikumsgenuss und Aktivierung von Kleinkunst bis zur verschiedensten
Musik-Performance auf hohem Niveau bieten. Unsere Stadt lebt durch die
Vielfalt der immer noch vorhandenen kulturellen Angebote. Deshalb muss
neben der sogenannten etablierten und mit teilweise hohen öffentlichen
Summen geförderten Kultur, auch für kleinere, aber nicht weniger
attraktive und von der Bevölkerung angenommene Kultureinrichtungen
das Recht auf Unterstützung und Förderung bestehen und eigentlich
noch ausgebaut werden. Deshalb lwäre auch im Falle des Blue Note
das Engagement der Kulturverwaltung und der Ratsfraktionen gefordert sich
ernsthaft in Gesprächen mit der Uni dafür einzusetzen, dass
das Blue Note auch in neu renovierten Räumen zu annehmbaren Konditionen
am Wilhelmsplatz seinen Betrieb weiter führen kann. Und zwar möglichst
als Kultur- und Gastronomieeinrichtung. Hier könnten alle Beteiligten
zeigen, dass die auch von ihnen ebenfalls häufig gelobte und beschworene
Vielfalt der Göttinger Kulturlandschaft ohne übertriebenen Aufwand
wirklich gewollt, unterstützt und gefördert wird. Das Engagement
und der finanzielle Einsatz darf sich nicht nur auf Großprojekte
wie Kunstquartier, Händelfestspiele etc. konzentrieren.
Meine Solidarität gilt
den Initiatoren/innen von Kreuzberg on KulTour e-V., die sich für
den Erhalt und die Weiterführung des Blue Note einsetzen.
(Gerd Nier)
Kommentare
2014
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sind von der goest-Redaktion
schwarze Überschriften sind von Gerd Nier
Voigtschule
als Notunterkunft für Flüchtlinge angekündigt 12.12.14
Flüchtlingswohnheim
auf den Zietenterrassen 11.12.14
Kunstquartier
- kommunale Folgekosten 360.000 € 5.12.14
Einseitige
Justiz: Polizeiliche Gewaltakte bleiben straffrei 30.11.14
SPD-Veranstaltung:
Oppermann verteidigt TTIP 21.11.14
IWF: Mischung von Studis und Flüchtlingen bevorzugen 18.11.14
IWF für Unterbringung von Flüchtlingen nutzen ! 13.11.14
Kommunen
gegen TTIP,CETA und TiSA 12.11.14
Ausländerbehörde der Stadt sieht sich nur als Befehlsempfängerin
5.11.14
Stadt
hängt Transparente auf - Studierende dürfen es nicht 3.11.14
Streit
um die Krankenversorgung von Flüchtlingen 27.10.14
Kultur
trotz Entschuldungshilfeprogramms (EHP) / 25.10.14
Wohnraumpolitik
/ Wohnungsnot / Demo /
23.10.14
attac
wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt /
18.10.14
Bereich Groner Tor / Groner Landstraße
/ 12.10.14
Wohnungen
für Studierende / allgemeine Wohnungsnot
Kritik
an Abschiebungen als "populistisch" diffamiert
Vorbermerkung (goest)
Ein ehemaliger Ratskollege hat Gerd Niers wegen seines fortgesetzten Engagements
als "Regionalpopulist" verunglimpft. Er war sich nicht ganz
sicher, ob seine Notizen dazu veröffentlicht werden solten. Wir erinnerten
uns in diesem Zusammenhang, dass z.B. auch die Forderung im Rat , Arbeitslosenfamilien
zu Weihnachten durch eine besondere Hilfe Geschenke für ihre Kinder
zu ermöglichen, als "Populismus" diffamiert wurde. Siehe
dazu den >Artikel auf der Satireseite.
Rückblick eines
"Regionalpopulisten" auf 2014 / Gerd Nier 31.12.14 /
Am Rande des Weihnachtsmarktes
wurde ich von einem mir wohlgesonnen Ratsmitglied mit den Worten begrüßt
" Da kommt ja unser Regionalpopulist". Leicht pikiert fragte ich ihn,
wie er auf diesen Begriff komme. Antwort: "Wenn man die Leserbriefspalten
registriert und die Gespräche aus einigen Gruppen dazu nimmt, dann stehst
du mit deiner Meinung meist auf deren Seite, kontra Rat und Verwaltung".
Und dann zählte er einige Beispiele auf. Bei den Bebauungsplänen IWF und
Groner Landstrasse, bei der geplanten Museumsverlagerung und der Nutzung
der alten Voigtschule gehen die geäußerten Meinungen überwiegend in Richtung
deiner geäußerten Kritik. Beim Kunstquartier und den zu erwartenden Folgekosten
überschlagen sich die Negativkommentare mit den Argumenten, die auch du
genannt hast. Die Aufgaben der in Göttingen zu bewältigenden Flüchtlingspolitik
und der Umgang mit Abschiebungen werden von vielen genauso gesehen wie
von dir. Und dann folgten noch ein paar kleinere Beispiele zum Bereich
Wohnungspolitik, Sparkassen-Dispo und Logistikzentren. Meinen schüchternen
Einwand, dass ich meine Meinung meist vor bzw. gleichzeitig mit den Bürger/innenprotesten
formuliert habe, weil ich durch mein Ratsmandat - wenn meist auch nur
wenig früher - über die Vorhaben der Verwaltung informiert war und nicht
erst auf "den Dampfer aufgesprungen bin", wenn sich öffentliche Kritik
formierte, wurde damit gekontert: "Ist doch nicht schlimm, wenn man dem
Volk auf´s Maul schaut" Ist wohl was dran, solange man nicht dumpfe Stammtischparolen
nachplappert und bei rassistisch geprägten Demos mit läuft. Insofern versuche
ich auch ohne Ratsmandat in 2015 die Rolle als "Regionalpopulist" ein
Stück aufrecht zu erhalten und meine Meinung zu Vorgängen in und um Göttingen
herum weiterhin zu Papier zu bringen. Auf gute und bessere Zeiten in 2015
(Gerd Nier)
Voigtschule
als Notunterkunft für Flüchtlinge angekündigt 12.12.14
Eigentlich war sie
schon fast verscheuert, die alte Voigtschule. Wäre der potentielle Käufer
und private Investor in seinen Nachforderungen an die Stadt nicht zu unverschämt
gewesen, würden möglicherweise heute schon Galeristen, Therapeuten/innen,
Ärzte, Anwälte etc. in dem Gebäude ihren Geschäften nachgehen. Nach dem
Nichtverkaufseklat zeigte sich dann schnell akuter anerkannter Bedarf
nach den nun doch noch städtischen Räumlichkeiten. Studierende, die auf
dem engen Göttinger Wohnungsmarkt zu Semesterbeginn kein Zimmer bekommen
konnten, durften für einen nächtlichen Obolus von 5 Euro auf Feldbetten
schlafen. War zwar wenig komfortabel und tagsüber für den Aufenthalt gesperrt,
half aber etlichen jungen Menschen zu Beginn ihres Studiums zumindest
ein studienortnahes Dach über dem Kopf zu haben. Nun gehen die Überlegungen
in Richtung Unterkünfte für Flüchtlinge. Dafür kann man nur hoffen, dass
die Unterbringung auch als Notmaßnahme durch begleitende Maßnahmen, wie
Bau von Toiletten und Duschen und dem Vorhalten von Kochmöglichkeiten
etwas menschenfreundlicher gestaltet wird. Wenn die Hoffnung etlicher
sozialer und kultureller Initiativen auf eine Nutzung damit auch erst
einmal in die Ferne rutschen, wenn die Entscheidung der Verlagerung des
Museums vom Ritterplan in die Bürgerstrasse noch nicht vom Tisch ist,
so kann doch zumindest jetzt schon gesagt werden, dass der Widerstand
gegen den Verkauf von etlichen Bürger/innen und der Göttinger Linken zumindest
mit dazu geführt hat, dass das Gebäude der Stadt für dringende Erfordernisse
im Sinne des Gemeinwohls erhalten bleibt und für sich schon jetzt gezeigte
dringliche kommunale Verwendungszwecke zur Verfügung steht.
(Gerd Nier)
Flüchtlingswohnheim
auf den Zietenterrassen
11.12.14
/ Alle Überlegungen, Pläne und Absichten zur Unterbringung in
Göttingen mittlerweile nur noch "Notpläne" sind. Mittelfristige
Perspektiven, die über die reine Kurzzeitunterbringung hinausgehen
fehlen noch gänzlich. Alle schielen auf eine Reaktivierung des Sozialen
Wohnungsbaus, aber da zeigen sich noch immer keine ernst zunehmenden Aktivitäten
auf Landes- und Bundesebene. Also gilt z.Zt. das Prinzip Hoffnung. Die
Stadt plant (bzw. realisiert) nun doch Sammelunterkünfte für
Gruppen von über 200 Menschen (s. Zietenterassen). In diesem Zusammenhang
habe ich dann heute die ersten Leserbriefe in der Regionalpresse registriert,
die dem Elend der Flüchtlinge den vermeintlichen Wertverlust ihrer
Grundstücke gegenüberstellen. (...) [Daher
folgender Kommentar]:
Gegen
die Unterbringung von über 200 Menschen in einer Sammelunterkunft,
wie auf den Zietenterassen geplant, gibt es eine Reihe ernst zu nehmender
Gegenargumente. So sollten in Göttingen alle Möglichkeiten einer
dezentralen Unterbringung oder zumindest in kleineren Wohnheimen von Flüchtlingen
geprüft und wahrgenommen werden. Auch gemeinsames Wohnen z.B. von
Studenten/innen und Flüchtlinge sollten ernsthaft in Erwägung
gezogen werden.
Unabdingbar in der zugegeben angespannten Lage der Stadt ist aber auf
jeden Fall, die Bevölkerung in Planungen und Maßnahmen rechtzeitig
miteinzubeziehen, um Ressentiments, falschen Ängsten aber auch bewusst
geschürtem Rassismus entgegen zu wirken, und ihnen den Boden zu entziehen.
Bürgerforen, Runde Tische oder ähnliche Formen der Beteiligung
sind auch trotz drängender Zeit dringend erforderlich.
Es gibt viele hilfsbereite Menschen in Göttingen, die sich über
verbale Bekundungen hinaus direkt und praktisch an der Begleitung und
Betreuung von Flüchtlingen beteiligen möchten und werden.Leider
zeigt sich aber aktuell z.B. in Leserbriefen an die regionale Presse eine
eher beschämende und rein egoistische Tendenz von Menschen, die dem
Leid der häufig traumatisierten, teilweise dem Tod knapp entronnenen
Flüchtlinge den vermeintlichen Wertverlust ihrer Grundstücke
entgegenstellen, sollten in ihrer Nachbarschaft Flüchtlinge einquartiert
werden. Da liest man dann z.B. für den anvisierten Bau eines Wohnheims
auf den Zietenterassen Sätze wie: "... dass viele eine Wertminderung
ihrer Immobilie verkraften müssen, die sie auf so exklusiv geglaubtem
und bezahltem Bauland erworben haben." Oder etwa, kleine Kinder
müssten sich auf ihrem Schulweg den Kontakten mit Flüchtlingen
stellen.
In dieser vorweihnachtlichen Zeit wird diesen kleinen Kindern häufiger
auch die Geschichte der Herbergssuche und der erbärmlichen Unterbringung
der Eltern von Jesus erzählt. Und auch die Aussage Jesu Christi "
lasset die Kindlein zu mir kommen" ist momentan vermehrt zu hören.
Gilt dies nicht insbesondere für die vielen Kinder und jungen Menschen,
die unter größten Gefahren, Entbehrungen und Bedrohungen ihre
Heimat verlassen mussten und müssen? Die entwurzelt wurden, die medizinische
und psychologische Hilfe und sie beschützende Erwachsene benötigen.
Wenn wir jetzt nicht Hilfe organisieren und Solidarität praktizieren
und statt dessen dem St. Florians-Prinzip huldigen, konterkarieren wir
das uns in allen Einkaufzentren und auf Weihnachtsmärkten entgegenschallende
"Oh du fröhliche, oh du selige Gnaden bringende Weihnachtszeit"
in ihr genaues Gegenteil. (Gerd Nier)
Kunstquartier
- kommunale Folgekosten 360.000 €
5.12.14 / Da fehlen
angeblich an allen Ecken und Enden die Mittel im Stadtsäckel und dann
wird ein Projekt protegiert, von dem jetzt schon fest zu stehen scheint,
dass es jährliche Folgekosten von 360.000 Euro erfordern wird (wenn es
dabei bleibt). Da ächzen die Kommunen auch unter der finanziellen Last
der Flüchtlingsunterbringung und gleichzeitig sollen 9 Millionen Euro
an Steuermitteln in ein sicherlich willkommenes, aber im Rahmen von Prioritätensetzung
eher nach hinten zu schiebendes "Protz-Projekt" gesteckt werden.
Mäzenatentum
gespickt mit millionenfachen Steuermitteln. Das sogenannten Kunstquartier
in der Düsteren Straße soll auf Kosten bestehender Kultur-Projekte realisiert
werden
Gegen privates bürgerschaftliches Engagement lässt sich grundsätzlich
nichts einwenden und auch gegen Kultursponsoring im beträchtlichen Umfang.
Reichtum ist halt eben in unserer Gesellschaft so ungleich verteilt, so
dass es sich einige spielend leisten können, gönnerhaft zu wirken, um
Bürger/innen mit ihren Geschenken beglücken zu können. Also, in diesem
kapitalistischen System ist nichts grundsätzlich dagegen einzuwenden,
wenn Gerd Steidl sich als Mäzen für das Kunstquartier und ein "Grass-Memorial"
betätigt. Ein großer Teil der Düsteren Straße befindet sich ja sowieso
schon in seinem Besitz. Dadurch aber das dass momentan auf 9,3 Millionen
Euro bezifferte Projekt dann doch im Wesentlichen durch Steuermittel finanziert
wird (7,9 Millionen Bundesmittel, 500 000 Euro aus dem Stadtsäckel), stellt
sich die Situation doch etwas anders dar. Alle stöhnen über den finanziellen
Bedarf für die Flüchtlingsunterbringung. Da könnten sich Bund, Land und
Stadt doch in einer konzertierten Aktion engagieren. Die kleinen Kulturinitiativen
in Göttingen beklagen zu recht, dass ihre Zuschüsse durch die Stadt seit
Jahren stagnieren und neue Impulse keine Chance auf Förderung haben. Da
könnte doch ein Teil der jetzt schon für die Stadt berechneten anteiligen
jährlichen Folgekosten von 180 000 Euro für das Kunstquartier einfließen.
Beim städtischen Museum - das wohl nun doch am Ritterplan bleiben soll,
beim Stadtarchiv und bei Ausstellungen im Alten Rathaus die Summe einzusparen,
ist nun auch nicht gerade originell und eher kontraproduktiv. Na ja, und
dann kommt mal wieder "die Keule": Wenn Rat und Bürgerschaft bei dem Vorhaben
nicht so mitziehen wie vorgeschlagen gehen Fördermittel in Millionenhöhe
verloren. Fördermittel sind Steuergelder der Bürger/innen, egal ob sie
an den Bund, das Land oder die Kommune angeführt werden müssen
(Gerd Nier)
Einseitige
Justiz: Polizeiliche Gewaltakte bleiben straffrei 30.11.14
Unter besonderem Schutz
von Staat und Justiz Gewalt und Gewalttätern aus Reihen der Uniformierten
drohen üblicherweise keine Sanktionen - auch in Göttingen. Egal ob die
Todesschüsse von Ferguson auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen
durch einen Polizisten, die Knüppelorgien der türkischen Polizei in Istanbul
und anderswo, der körperverletzende Wasserwerfereinsatz
der Polizeiführung in Stuttgart, oder die Beissattacken von Polizeihunden
und das aggressive Vorgehen der BFE in Göttingen - in unserer viel gerühmten
westlichen Wertegemeinschaft gilt, Gewalt durch Uniformierte steht fast
immer unter dem besonderen Schutz der Justiz. Da werden Befehlsnotstand,
vermeintliche Notwehrtatbestände und sonst noch "an den Haaren herbeigezogene"
juristische Argumente bemüht, wortwörtlich sich gleichenden Aussagen von
Polizeikollegen geglaubt und bei doch mal auftauchenden Widersprüchlichkeiten
die unübersichtliche Situation gewürdigt. Da werden andererseits Sitzblockaden,
verbale Äußerungen, nicht beachtete Versammlungsauflagen etc. von Demonstranten
als Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch usw. teilweise
strafrechtlich schärfstens geahndet. Ja, man versucht zwischenzeitlich
selbst Kirchenasyl für Flüchtlinge zu kriminalisieren und rechtlich zu
ahnden. Und da klatscht man dem Papst im EU-Parlament zwar brav Beifall,
wenn er mahnt und warnt, dass das Mittelmeer nicht zum Friedhof für Flüchtlinge
verkommen darf, hält aber an den unseligen Dublin -Verordnungen fest,
setzt nach einer kurzen Phase der italienischen Mission Mare Nostrum wieder
auf Abdrängung von Flüchtlingsbooten durch Frontex und schottet seine
nationalen Grenzen soweit es geht systematisch ab. Da werden wir von der
Politik in Sonntagsreden zu einer humanen Willkommenskultur aufgefordert
und gleichzeitig werden Menschen, die sich gegen Abschiebung von Flüchtlingen
nicht nur verbal sondern auch real wehren, verfolgt und bestraft. Von
ihnen wird "angemessenes Verhalten" und "Verantwortungsbewusstsein" selbst
im Angesicht massiver Polizeieinsätze verlangt. Wo bleiben denn solcherlei
gleichlautende Erwartungen und Aufforderungen gegenüber den Einsatzkräften
der in Göttingen noch unter der Ägide Schünemanns installierten BFE? Wir
haben doch zwischenzeitlich genügend Berichte und Hinweise für ihr Einsatzverständnis
und ihrem Verhältnis zur Deeskalation. Es ist leicht, Zivilcourage zu
fordern, wenn sie im vollen Einklang mit den offiziellen Vorgaben steht,
wendet sie sich aber gegen polizeiliche Übergriffe und Verletzungen der
Menschenwürde, dann wird sie schnell zum Straftatbestand. Siehe das aktuelle
Beispiel im Prozess um die Vorgänge der geplanten Abschiebung von Abidwaali
S. (Gerd Nier)
SPD-Veranstaltung
zu TTIP: Oppermann verteidigt TTIP und wirft Kritikern Polemik vor 21.11.14
"Sie machen Stimmung
gegen die Europäische Union" und "schießen weit über das Ziel hinaus",
so Oppermann in einer SPD-Veranstaltung im Alten Rathaus. Gemeint sind
damit z.B. Äußerungen von Dierk Hirschel (Verdi), der mit auf dem Podium
saß. Der konstatierte z.B. dass die Kommission einseitig die Interessen
von Konzernen auf Kosten der Bevölkerung vertritt. Bernd Lange (SPD MdE)
beklagt, dass er selbst als Europaparlamentarier praktisch keine
Einsicht in die Vertragsunterlagen zu TTIP erhalte. Das hielt Oppermann
aber nicht davon ab, trotz der vorhandenen Geheimniskrämerei zu behaupten,
Deutschland als Wirtschaftsnation profitiere von dem Handelsabkommen.
Christoph Scherrer von der Uni Kassel verwies noch einmal auf die jetzt
schon bekannt gewordenen Senkungen von Umwelt und Verbraucherstandards
und den Abbau von Schutzrechten für Arbeitnehmer/innen. Auch die Warnung
vor der endgültige Freigabe jeglicher Art von Privatisierung in den Bereichen´öffentliche
Dienstleistungen und Daseinsfürsorge, konnte Oppermann nicht weiter beeindrucken.
"Man werde dies schon zu verhindern wissen", so sein Statement. Na ja,
und dann gäbe es ja auch noch die internationalen Schiedsgerichte, von
denen allerdings niemand weiß ob sie jemals öffentlich tagen werden, wie
sie sich zusammensetzen und wer sie einsetzt. Aber für den Optimisten
Oppermann alles kein Problem. Oder sollte man statt Optimisten lieber
den Begriff Opportunisten anwenden? (Gerd Nier)
Kommunen
müssen sich gegen TTIP,CETA und TiSA wehren 12.11.14
Ich halte es für dringend
notwendig auf allen Ebenen die Menschen zu informieren und auf die möglichen
Auswirkungen dieser dem Gemeinwohl widersprechenden Freihandelsabkommen
hinzuweisen. Mein heutiger Versuch soll in geraffter Form ein paar gravierende
Eingriffe in die kommunale Selbstverwaltung verdeutlichen.
Gut, dass sich der Rat der
Stadt Göttingen und morgen 12.11.14 hoffentlich auch der Kreistag
kritisch mit den geplanten Freihandelsabkommen beschäftigen und gegen
die zu befürchtenden Folgen für die Gebietskörperschaften
mobil machen. Wenn selbst der Deutsche Städtetag und andere kommunale
Vereinigungen immer deutlicher Stellung gegen TTIP, CETA und TiSA beziehen,
müssen "die Alarmglocken klingeln". Welch
massive Eingriffe in die kommunale Selbstverwaltung erfolgen können,
hier nur an wenigen Beispielen für die ebene Göttingen verdeutlicht.
TTIP
und die weiteren Abkommen würden der weiteren Privatisierung von
öffentlichen Dienstleistungen Tor und Tür öffnen.
Der aktuelle
Ausstieg etlicher kommunaler Anteilseigner aus den Harz-Wasser-Werken
könnte nicht – wie von den verbleibenden Kommunen beabsichtigt –
durch neue Kommunen kompensiert werden. Das Ganze würde dem sogenannten
freien Wettbewerb anheim gestellt werden. Gleiches könnte demnächst
für Müllabfuhr, Stromversorgung, aber auch Bildung und Kultur
in ungezügelter Form gelten.
TTIP
reduziert durch eine restriktive Ausschreibungspflicht kommunales Handeln
nur noch auf eine ökonomischen Grundlage
Die Berücksichtigung
regionaler Belange und Firmen wäre kaum mehr möglich. Die Auftragsvergabe
z.B. für die auch in Göttingen dringend anstehende Renovierung
von Schulen, muss an den kostengünstigsten Bieter erfolgen, unabhängig
davon, ob der Betrieb ausbildet, tarifgerecht zahlt und explizit ökologische
Aspekte berücksichtigt. Standards in der Jugendhilfe, der außerschulischen
Bildung etc. würden weitgehnd ausgehöhlt.
TTIP
will einen Investorenschutz verankern, der auch auf die Kommunen schmerzlich
zurückschlagen könnte
Die schwierige
Wohnraumsituation in Göttingen ist hinlänglich bekannt. Würde
der Rat der Stadt – was ja nicht ganz auszuschließen ist – künftigen
Investoren für Neubauten bestimmte Auflagen machen, wie z.B. eine
bestimmte Quote zur Erstellung preisgünstiger Wohnungen, dann müsste
sie befürchten auf Schadensersatz verklagt zu werden. Als Schiedsgericht
würde dann aber kein ordentliches Gericht fungieren, sondern ein
geheim tagendes Gremium, dessen Einsetzung und Zusammensetzung sich jeder
öffentlichen Kontrolle entzieht.
Allein diese wenigen Beispiele
zeigen, wie wichtig es ist, dass Bürgerinnen und Bürger, Städte
und Gemeinden sich gegen die bisher schon bekannt gewordenen Elemente
der Freihandelsabkommen
und der Dienstleistungsvereinbarung wehren. Dabei wissen wir noch längst
nicht Alles, da ja weiterhin im Geheimen verhandelt wird. Attac
beschreibt den notwendigen Widerstand durch die Kommunen so: "Wer
gut öffentliche Dienste in den Städten und Gemeinden will, der
muss dem "soviel kapitalistischer Markt und Konkurrenz wie möglich"
ein "nur soviel Konkurrenz und Markt wie nötig" und "soviel
kooperative Formen des Wirtschaftens wie möglich" entgegensetzen.
Unterstützen
wir also die Europäische Bürgerinitiative (EBI) mit unserer
Unterschrift gegen TTIP,CETA und TiSA (https://stop-ttip.org/de/unterschreiben)
(Gerd Nier)
Nochmal
zum IWF: Mischung von Studis und Flüchtlingen bevorzugen 18.11.14
Nun ist das ehemalige
IWF nach Aussage des neuen Oberbürgermeisters Köhler doch eine echte Option
zur Unterbringung von Flüchtlingen. Als die Idee von mir vor einem Jahr
im Bauausschuss angesprochen und von der Bürgerinitiative Nonnenstieg
unterstützt wurde, war sie keiner ernsthafteren Diskussion wert und wurde
von der Verwaltung mit zwei Sätzen "abgebügelt". Und vielleicht wagt sich
die Stadt ja nun auch an Überlegungen für einen Mischbezug von Studenten/innen
und Flüchtlingen heran, um den Charakter einer Sammelunterkunft aufzuweichen.
Beide Gruppen könnten gegenseitig davon profitieren und voneinander lernen.
Dass neue Wege sinnvoll und erfolgreich sein können und zudem noch von
den allermeisten Bürger/innen akzeptiert werden zeigt z.B. das Grandhotel
Cosmopolis in Augsburg, in dem normale Hotelgäste und Flüchtlinge sich
auf den Korridoren begegnen unter einem Dach wohnen und sich gegenseitigen
Respekt bezeugen. Vielleicht wagt sich ja der neue OB auch an das Projekt
alte Voigtschule heran und beendet die immer noch im Raum stehenden Verkaufspläne
und die aus meiner Sicht unsinnigen Umzugspläne für das Museum. Auch für
dieses Gebäude gibt es einen nachgewiesenen Bedarf für das Gemeinwohl.
Und wenn dann auch noch eine ernsthafte und ergebnisoffene Diskussion
für die Bebauung des Areals der alten Zoologie im Bereich Groner Landstrasse
/ Groner Tor ermöglicht würde, könnten einige der teilweise seit langem
bekannten und umstrittenen "Baustellen" zumindest im ehrlichen Diskurs
zu einem möglichst viele Bürger/innen zufriedenstellenden Ergebnis führen.
"Frischer Wind und ein bisschen Durchzug in einigen stickigen Büroräumen
könnte allseits für ein besseres Klima sorgen." (Gerd
Nier)
Leerstehendes
IWF für Unterbringung von Flüchtlingen / Studierenden nutzen
! 13.11.14
In Göttingen müssen alle Möglichkeiten der Wohnraumnutzung für Flüchtlinge
und Studenten erneut geprüft und diskutiert werden. Nachdem die ehemalige
Voigtschule zur vorübergehenden Unterbringung von Studenten/innen genutzt
wird, sollten auch weitere verfügbare Gebäude erneut in die Diskussion
mit einbezogen werden.
Nachdem der Vorstoß von OB Köhler beim Land, die Flüchtlingszuweisung
für Göttingen bis zu Beginn 2015 auszusetzen, erwartungsgemäß gescheitert
ist, sollte nun der ernsthafte Versuch unternommen werden, das ehemalige
IWF - immer noch in Landesbesitz (unter Miteigentümerschaft einiger weiterer
Bundesländer) - aufgefordert werden, dieses intakte Gebäude zur Wohnnutzung
für Flüchtlinge und Studenten zur Verfügung zu stellen. Dies wäre ein
wirklicher Akt der vielbeschworenen Solidarität zwischen Land und Kommunen,
insbesondere aber auch gegenüber den vielen Menschen, die dringend auf
menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.
Wenn man diesen Weg nicht beschreiten will oder kann, wäre hilfsweise
auch daran zu denken mit dem Geschäftsführer des potentiellen Erwerbers
Herrn Rafie zumindest über eine zwischenzeitlich befristete Anmietung
und Nutzung dieser großen Immobilie zu verhandeln.
Welche Stadt kann für die Unterbringung insbesondere von Flüchtlingen
schon vermelden, dass sich eine Bürgerinitiative in ihrer großen Mehrheit
explizit für diese Möglichkeit ausspricht. Anders als in Hellersdorf und
etlichen anderen Kommunen polemisiert und hetzt die Bürgerinitiative Nonnenstieg
nicht gegen die Nachbarschaft mit Flüchtlingen, sondern heißt sie willkommen.
Würde man ein Konzept entwickeln, dass einen Mischbezug von Studenten/innen
und Flüchtlingen ermöglicht, dürfte auch davon ausgegangen werden, dass
sich Formen der Hilfestellung und Kooperation zwischen den Bewohner/innen
entwickeln könnten, die die notwendige professionelle Sozialarbeit deutlich
entlasten würde. Mag sein, dass wir in dieser angespannten Lage nicht
umhin kommen auch Gewerbeobjekte oder Immobilien in Gewerbegebieten anzumieten.
Es sollte aber alles versucht werden, sich anbietende andere Lösungsmöglichkeiten
ernsthaft zu prüfen und ggf. in die Umsetzung zu bringen. Denkverbote
und das Beharren auf Vorstellungen von gestern helfen uns in der aktuellen
Situation nicht weiter. (Gerd Nier)
Die
Ausländerbehörde der Stadt sieht sich nur als Befehlsempfängerin
ohne Verantwortung
"Niemand hat das Recht zu gehorchen" 5.11.14
Von den Bürgern wird
Zivilcourage erwartet, Behörden und Ämter schieben sich die Verantwortlichkeit
der Entscheidung über menschliche Schicksale gegenseitig zu. Es ist gut,
dass die Abschiebung der somalischen Familie durch das tatkräftige Engagement
von weit über 100 Göttinger Bürgerinnen und Bürger verhindert werden konnte.
Es ist mal wieder ein Trauerspiel wie sich die Göttinger Ausländerbehörde
wegduckt und jegliche Verantwortung von sich weist. Das kennen wir doch
schon von vielen Beispielen zuvor. Das gleiche Muster wie mit der endlich
abgeschafften Gutscheinregelung. Man würde ja, aber der Innenminister
… und schwupps hatte man sich hinter Schünemann versteckt. Bei Abschiebungen
ist man nun leider zur Durchführung verpflichtet, die Entscheidungen trifft
aber das Bundesamt für für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie die
niedersächsische Landesaufnahmebehörde. Wieder die da Oben, hinter denen
man sich wegducken kann. Wer ist eigentlich für Menschlichkeit zuständig?
Bei der Entscheidung über die Abschiebung von Menschen, die als Flüchtlinge
aus Kriegs- und Armutsgebieten schon mehr als genug an Leid und Elend
durchgemacht haben, zeigt sich mal wieder, wie feige, mutlos und erbärmlich
unsere Politiker und Staatsdiener auf den verschiedensten Ebenen jeweils
agieren. Sollen sie uns doch ihre falschen Mitleidsbekundungen und Krokodilstränen
über die tausende von Toten im Mittelmeer - vor Lampedusa - ersparen.
Ihre Appelle und Aufrufe an die Bevölkerung für eine humane Willkommenskultur.
Die Familie, die sie abschieben wollten und weiterhin wollen hatte es
bis Lampedusa geschafft. Sie verloren nicht wie viele andere Flüchtlinge
ihr Leben auf dem Meer, aber sie verloren aufgrund der ungeheuerlichen
Strapazen, der Aufregungen und der traumatischen Erlebnisse durch eine
Fehlgeburt ein Kind. Zählt alles nicht, da gilt das Dublin-Abkommen für
das BAMF, die Anweisungen der BAMF für die Landesaufnahmebehörde und für
die Ausländerbehörde in Göttingen alles was von Oben kommt. Da sind den
"armen Beamten" (in aller Regel gut abgesichert) "leider die Hände gebunden".
Auch wenn Hannah Arendt ihre Aussage auf eine andere Zeit bezog, gerade
deshalb muss es auch heute noch gelten: "Niemand hat das Recht zu gehorchen".
Unmenschlichkeit kann nicht verordnet werden. Wir brauchen Zivil- und
Beamtencourage. (Gerd Nier)
Stadt
hängt Transparente auf - Studierende dürfen es nicht 3.11.14
Nach den Informationen,
die ich heute von der Wohrauminitiative erhalten habe, dass Magull schon
wieder mit mietrechtlichen Konsequenzen droht - diesmal wegen der Tranbparente
- habe ich mal wieder einen kurzen Kommentar verfasst.
Werbebanner hui,
Transparente pfui!
Abgesehen davon, dass
es langsam ärgerlich wird, wie der Geschäftsführer des Studentenwerkes
mit Ultimaten und Drohungen agiert, ist auch diesmal der Anlass kaum nachvollziehbar.
Da stören in dieser ach so lebendigen und bunten Stadt ein paar Transparente
an ein paar kleinen Studentenwohnheimen das ästhetische oder gar politische
Empfinden von Herrn Magull so, dass er mal wieder mit "mietrechtlichen
Konsequenzen" droht, sollten die Transparente nicht bis zum … entfernt
werden. Hatte man gehofft, dass mit der Einigung über das Belegungsrecht
im Wohnheim Humboldtallee 9 eine Versachlichung und auch Beruhigung in
dem Konflikt zwischen Studentenwerk und der Wohnrauminitiative eintritt,
so wird mit wiederkehrender Beharrlichkeit nun "das Fass" mit den ungeliebten
Transparenten wieder geöffnet.
Nur wenig Notiz wurde davon genommen, dass Bauausschuss und Stadtrat vor
Kurzem zwecks Erhöhung der Einnahmen die Zahl der großflächigen Werbeplakate
und weiterer Variation von Werbebannern in unserer Stadt beschlossen hat,
wenngleich dies sicherlich nicht unbedingt zur Verschönerung des Stadtbildes
beitragen wird. Da hängen nicht nur zu Weltmeisterschaftszeiten Flaggen
und Vereinsfahnen an etlichen Häusern und da zieren mit und ohne Adler
verzierte teutonische Banner eine Vielzahl von Verbindungshäusern. All
das gehört zum von den meisten Bürger/innen tolerierten Erscheinungsbild
Göttingens. Warum also wegen der studentischen Transparente an ein paar
Wohnheimen mal wieder solche "Geschütze" auffahren. Nicht nur Werbeplakate
sondern auch verschriftlichte Meinungsäußerungen auf Transparenten gehören
zu einer jungen, lebendigen und bunten Stadt und sind Bestandteil einer
demokratischen Kultur. (Gerd Nier)
Streit
um die Krankenversorgung von Flüchtlingen ist kleinlich und peinlich
27.10.14
Fassungslos habe
ich vernommen, dass sich Pistorius und die Landtagsfraktionen von SPD
und Grünen über die Finanzierung von voraussichtlich fünf Millionen Euro
Mehrkosten bis 2015 für die Krankenversorgung syrischer Flüchtlinge streiten:
In Niedersachsen wird
über die erhöhten Kosten für die Krankenversorgung von Flüchtlingen gestritten
Geschätzte 11 Millionen Menschen sind wegen des Bürgerkrieges in Syrien
auf Hilfe angewiesen. 3,2, Millionen, davon die Hälfte Kinder leben als
Flüchtlinge in den benachbarten Ländern Libanon, Jordanien, Türkei usw.
. 4,5 Millionen Libanesen beherbergen mehr als eine Million syrische Flüchtlinge.
Und da streiten die Landtagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen
darüber, wer bis Ende 2015 die geschätzten Mehrkosten von fünf Millionen
Euro für die Krankenversorgung syrischer Flüchtlinge übernimmt. Bis heute
wusste ich nicht, dass es über eine sogenannte politische Liste Mittel
für die regierungstragenden Fraktionen gibt. Diese 20 Millionen Euro,
so wird erläutert sind u.a. dafür gedacht, dass die Abgeordneten im Rahmen
von Haushaltsverhandlungen "kleine Geschenke" in ihren jeweiligen
Wahlkreisen verteilen können. Im Politikerdeutsch heißt das "neue Projekte
an stoßen zu können". Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU)
spricht von einer "Jahrhundertkatastrophe" die sich in und um Syrien herum
offenbart. U.a. auch deshalb, weil die humanitären Systeme in der Region
dramatisch überfordert und unterfinanziert seien. Auch in Niedersachsen
und Göttingen demonstrieren Menschen für die Versorgung der Flüchtlinge,
sammeln Spenden und fordern zu Solidarität und Hilfe für die sich auf
der Flucht befindlichen Menschen auf. Und was machen unsere Volksvertreter
in Hannover: Streiten sich um die Zuständigkeit und Finanzierung von zusätzlichen
Kosten für die Gesundheitsversorgung für die insgesamt viel zu wenigen
Flüchtlinge, die überhaupt bei uns Aufnahme finden. Ich schwanke zwischen
Wut und Scham. (Gerd Nier)
Hilfe
für Kultureinrichtungen trotz Entschuldungshilfeprogramms (EHP)
/ 25.10.14
Es gibt auch außerhalb
des EHP Möglichkeiten den kleinen Kultureinrichtungen finanziell zu helfen.
Wie wäre es mit Gewinnabführungen der Sparkasse Recht hat er, der Fraktionsvorsitzende
Rolf Becker von Bündnis 90/ Die Grünen im Rat der Stadt Göttingen. Durch
die "Deckelung" der freiwilligen Leistungen kommen insbesondere die kleinen
Kultureinrichtungen und -initiativen immer mehr in finanzielle Bedrängnis,
da noch nicht einmal mehr die jährlichen Kostensteigerungen aufgefangen
werden. An neue Impulse ist gar nicht mehr zu denken. Den etablierten
großen Einrichtungen wie DT, Händelfestspiele etc. hat man ja immerhin
langjährige Verträge mit entsprechenden Steigerungsraten zugesichert.
Nun mag es langsam langweilig werden, immer wieder zu betonen, dass dies
die Auswirkungen des beschlossenen Entschuldungshilfeprogramms (EHP) sind.
Das ist nun mal in Kraft und bindet die Stadt noch für die nächsten neun
Jahre. Warum also nicht mit ein bisschen Phantasie nach anderen Lösungen
suchen. Wie wäre es z.B. damit, die Sparkasse endlich in die Pflicht zu
nehmen, indem sie wenigstens einen Teil ihrer Gewinne an die Stadt abführt,
oder besser noch, zweckgebunden an eine Kulturstiftung überweist. Obwohl
das Thema spätestens mit der Diskussion und Bürgerbeteiligung über das
EHP als meistgenannter Bürgervorschlag angesprochen wurde, hat sich leider
immer noch keine Ratsfraktion ernsthaft an eine Gewinnabführung der Sparkasse
ran gewagt. Selbst bei den immer noch landesweit höchsten Dispo-Zinsen
gab es bisher kaum Bewegung. Anstatt in die Gefahr einer unwürdigen Diskussion
über die Konkurrenz zwischen großen und kleinen Kulturinstitutionen zu
geraten, könnte hier der Hebel zugunsten aller Kultureinrichtungen angesetzt
werden. Auch wenn Herr Hald (Vorstandvorsitzender der Sparkasse) meint
"die Sparkasse sei keine Melkkuh", meine ich, sie ist aber auch keine
heilige Kuh. (Gerd Nier)
Wohnraumpolitik
und Wohnungsnot /
23.10.14
Gerd Nier hat die
Demo für die Wohnrauminitiative und andere angemeldet, weil ihm das Thema
selbst sehr am Herzen liegt. Er findet es empörend, einerseits die moralischen
Appelle der Sozialdezernentin in der Presse zu lesen und gleichzeitig
die Verlautbarungen der Bauverwaltung, immer noch weitere,für Wohnzwecke
sinvoll zu nutzende Häuser aus städtischen Besitz zu "verscheuern". Dazu
hat er folgenden Kommentar für goest verfasst:
Das passt nicht
zusammen: Privaten Wohnraum suchen und städtischen Wohnraum verkaufen
Bezahlbarer Wohnraum
für Geringverdiener , Studentinnen und Studenten ist längst Mangelware
in Göttingen. Für die Unterbringung von Flüchtlingen
bringt die Sozialdezernentin entgegen allen früheren Beteuerungen und
Ratsbeschlüssen jetzt doch auch die Aufstellung von Containern ins Gespräch.
Gleichzeitig appelliert sie an Vermieter doch möglichst privaten Wohnraum
zur Verfügung zu stellen und der Stadt zu melden. Und dann liest man die
Verlautbarungen der Bauverwaltung, dass die Alte Försterei in Herberhausen
- noch im städtischen Besitz - an einen privaten Käufer verkauft werden
soll. Ein Haus, dass ohne große Investitionen zu Wohnzwecken für mehrere
Menschen genutzt werden könnte. Da wird das ehemalige IWF
- im Landesbesitz - demnächst vermutlich abgerissen, um Platz zu machen
für eine sogenannte hochpreisige Wohnbebauung, obwohl selbst ein großer
Teil der Anwohner für den Erhalt und den Bezug von Studenten und Flüchtlingen
plädiert haben. Da wäre das kleine Studentenwohnheim in der Bühlstraße
längst verkauft, hätten die dort wohnenden Studenten/innen nicht vehement
dagegen protestiert. Da wäre die alte Voigtschule
längst unter dem Hammer, wären die Forderungen des Investors an die Stadt
nicht ins uferlose gegangen. Da existiert immer noch die ominöse 10-ner-Liste
der zum Verkauf anstehenden städtischen Gebäude, obwohl der Druck auf
dem Wohnungsmarkt immer größer wird. Was sollen moralische Appelle an
die Bevölkerung, wenn man selbst sich aus der Verantwortung stiehlt. Es
wird sich vermutlich in nicht all zu ferner Zeit bitter rächen, dass die
Stadt immer mehr ihres Immobilienbesitzes verkauft. Demnächst müssen für
teures Geld Räumlichkeiten angemietet werden und die Verfügbarkeit und
Planungsmöglichkeiten für die Stadt werden immer weiter eingeengt. Vielleicht
rüttelt ja die Demonstration der Wohnrauminitiative
am 25.10. einige in dieser Stadt wach. (Gerd Nier)
* * *
attac
wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt /
18.10.14
Mit Empörung habe
ich das gestrige Urteil des Finanzgerichtes Frankfurt zur Kenntnis nehmen
müssen, indem mit einer fadenscheinigen Begründung der NGO attac die Gemeinnützigkeit
abgesprochen wird. Übermäßige Einmischung in tagespolitische Vorgänge
werden dafür z.B. angeführt. Wenn bürgerschaftliches Engagement und damit
zusammenhängende steuerrechtliche Begünstigungen oder auch nicht vom politischen
Wohlverhalten abhängig gemacht werden soll, dann wird damit ein wichtiger
Pfeiler unserer Demokratie "angesägt".
Will man so kritische
Organisationen mundtot machen ?
Da wird betrogen und
hinterzogen; da werden Pseudo-Stiftungen gegründet, um Steuerzahlungen
zu umgehen; da gibt es Amnestieregelungen und andere Tricks in unserem
Steuersystem. All das könnte man gemeinschaftsschädlich nennen. Und ausgerechnet
gegen kritische, bürgerschaftlich orientierte und gesellschaftspolitisch
engagierte Organisationen und Vereine wird vorgegangen, indem ihnen die
Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Für mich ist das Urteil des Finanzgerichtes
Frankfurt vom 17, Oktober d.J., das attac die Gemeinnützigkeit abspricht
insbesondere wegen seiner Begründung ein Skandal. Nach Ansicht des Gerichtes
sei "attac in der tatsächlichen Arbeit mehr auf politische Einmischungen
und engagiertes Mitgestalten der Bürgerinnen und Bürger (ausgerichtet)
als es die gesetzliche Grundlage der Abgabenordnung erlaubt." Willi van
Ooyen, der finanzpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im hessischen
Landtag nennt den Vorgang "Gesinnungssteuerrecht". Es ist zu befürchten,
dass weiteren wichtigen, kleinen Organisationen wie IMI (Informationsstelle
Militarisierung) und anderen NGOs gleiches widerfahren wird. Einen besonderen
Beigeschmack erhält die Aberkennung der Gemeinnützigkeit von attac auch
deshalb, weil sich gerade ihre letzten Aktionen gegen Steuertricks von
Konzernen wie Starbrucks, IKEA und Amazon gerichtet haben und sie das
sogenannte Freihandelsabkommen TTIP auch unter steuerrechtlichen Aspekten
(z.B. Buchpreisbindung) untersucht und kritisiert haben. Die Anerkennung
der Bertelsmann-Stiftung als gemeinnützig dürfte dagegen wohl kaum angetastet
werden, obwohl ihre Verlautbarungen und Publikationen zu den großen Meinungsmachern
in unserer Gesellschaft zählen dürften. Protest gegen die Entscheidung
des Finanzgerichtes ist angesagt und notwendig, in der Hoffnung, dass
der Widerspruch von attac durch viele Kommentare, durch Kritik und Empörung
aktiv begleitet wird. (Gerd Nier)
Verkauf,
Planung und Gestaltung für den Bereich Groner Tor / Groner Landstraße
/
12.10.14
Bis vor zwei Monaten
war ich Mitglied des Bauausschusses der Stadt Göttingen. Mit Erstaunen
und Beklemmung muss ich nun registrieren, dass praktisch innerhalb einer
Sitzung einstimmige Entscheidungen über Verkauf, Planung und Gestaltung
für den Bereich Groner Tor / Groner Landstraße getroffen werden. Für ein
Gebiet von dem es über Jahre hinweg hieß, dass es von besonderer städtbaulicher
Bedeutung sei. Da wird faktisch durch Anwendung des § 34 Baugesetz die
Mitwirkung der Bevölkerung ausgehebelt, völlig im Widerspruch zu den Bekundungen,
Beteiligungsrechte von Bürgerinnen und Bürgern auszubauen. Da wird fast
schon lachhaft, der Zeitdruck der Sparkasse wegen auslaufender Mietverträge
ins Feld geführt und da werden einseitige fianzielle Risiken für die Stadt
übernommen, die sich m.E. kaum rechtfertigen lassen. Es ist schon bezeichnend,
dass Christoph Lehmann als Nicht-Mitglied des Rates / Bauausschusses die
zentralen kritischen Fragen aufwirft, dafür aber leider wohl kaum Gehör
erhalten hat.
Aushebelung von
Bürgerbeteiligung
Mit ihrem einstimmigen
Beschluss zum Verkauf des Areals Groner Landstraße beerdigen die Mitglieder
des städtischen Bauausschusses Planungs- und Baukultur. Ihre Entscheidung
führt die Stadt in rechtliche, wie finanzielle Risiken. Das nennt man
"erst den Mund spitzen und dann nicht pfeifen". Immerhin gab es ein paar
Stimmen von Bauausschussmitgliedern, die berechtigte Kritik und Zweifel
an der Vorlage der Verwaltung zum Verkauf und der Planung des Areals äußerten.
Aber dann winkt der Ausschuss einstimmig innerhalb einer einzigen Sitzung
die Vorlage durch. Wer sollte sich auch trauen, den großen Dreien der
Region zu widersprechen.Immerhin, Christoph Lehmann als Nicht-Mitglied
des Bauausschusses brachte die kritischen Punkte, Risiken und Fragwürdigkeiten
konkret zum Ausdruck. Es ist unfassbar, dass das große Geld nicht den
Verstand hat, ihr durchaus wünschenswertes Vorhaben nicht unter den Schutz
eines geordneten städtebaulichen Verfahrens zu stellen. Fast schon lächerlich
wirkt die Begründung, die Sparkasse, eine der größten Immobilienbesitzerinnen
der Stadt, müsse dringend und kurzfristig wegen auslaufender Mietverträge
schnellste Planungssicherheit erhalten. Dies rechtfertigt nicht nur, Politiker
unter Druck zu setzen, es erlaubt, und das ist wirklich skandalös, dass
durch die rechtlich bedenkliche Anwendung des § 34 Baugesetz, die öffentliche
Beteiligung und Mitwirkung ausgehebelt wird. Anregungen, Einwendungen,
Bedenken aus der Bevölkerung - wie das Beispiel Nonnenstieg zeigt - scheinen
immer noch eher als Störfaktor und "Sand im Getriebe" betrachtet zu werden.
Hinzu kommt bei diesem Beschluss das einseitige finanzielle Risiko für
die Erschließung des Geländes und der damit in Verbindung stehenden Maßnahmen
des Umfeldes für die Stadt. Die noch nicht näher bezifferten Planungskosten
dürften sich der Millionengrenze nähern. Schön für die Investoren des
50-Millionen-Projektes. Gut erinnerbar sind mir die allseits betonten
Bekundungen in der Vergangenheit über die besondere städtebauliche Bedeutung
der Gestaltung dieses zentralen Bereiches Groner Tor / Groner Landstrasse.
Diese wurde dann innerhalb einer Sitzung "gebührend gewürdigt". Für Laternenmodelle,
Möblierung der Fußgängerzone etc. brauchte der Bauausschuss immer eine
Reihe von Sitzungen bis zur Entscheidungsreife, in diesem Falle wird alles
Bedeutende in weniger als zwei Stunden durchgepeitscht. Es ist zu befürchten,
dass sich dieser städtebauliche "Schnellschuss" in die Reihe von Bausünden
der Vergangenheit einreiht. (Gerd Nier)
* * *
Wohnungen
für Studierende und allgemeine Wohnungsnot
In der letzten Woche
habe ich im Camp der Wohnrauminitiative in der Humboldtalle 9 längere
Gesräche mit den Initiatoren des Camps und mit Bewohner/innen des studentischen
Wohnheims in der Humboldtalle 9 geführt. Ich war über das Engagemnt der
jungen Menschen sehr erfreut und insbesondere auch darüber, dass sie sich
nicht nur für studentische Interessen interessieren und einsetzen, sondern
sich auch für die Verbesserung der Wohnraumsituation für Flüchtlinge,
Hartz-IV-Bezieher/innen und Geringverdiener/innen einsetzen. Auf der Grundlage
dieses Gespräches bin ich dann auch der Bitte nachgekommen, für die Wohnrauminitiative,
die Grüne HSG und die Juso HSG (vermutlich werden weitere Veranstalter
hinzukommen) eine Demonstration für Wohnraum am 25. Oktober angemeldet.
Die Vielfältigkeit
studentischen Wohnens muss beibehalten werden
Das sind schon "schwere
Geschütze", die das Studentenwerk in Person von Professor Magull da auffährt.
Die Androhung von Exmatrikulation und Strafanzeigen gegen die Bewohner
der Humboldtallee 9. als Sanktionen gegen die Studenten, die u.a. für
die neu ankommenden Erstsemester, die aktuell kein Zimmer auf dem engen
und teuren Göttinger Wohnungsmarkt bekommen können und denen auch das
Studentenwerk nicht helfen kann, ein Camp als Übergangsmöglichkeit eingerichtet
haben. Die seit Jahren in der Humboldtallee und als Wohnraum-Initiative
auch in anderen Studentenwohnheimen ein Konzept verfolgen und leben, das
weit mehr ist als nur ein gemeinsames Dach über dem Kopf zu haben beinhaltet.
Weil sie neben dem gemeinsamen Lernen auch eine soziale Gemeinschaft für
wichtig und erstrebenswert halten. Es war bisher das lang praktizierte
Recht der Bewohner, dass sie bei der Auswahl der Neubezieher ein Mitwirkungs-
und Vorschlagsrecht hatten. Erinnern wir uns. Wenn sich in den 1970-ger
Jahren nicht Studenten/innen für die Erhaltung und Nutzung der Häuser
Kreuzberg Ring stark gemacht hätten und durch Öffentlichkeitsarbeit und
Demos und letztlich auch durch die Besetzung deren Erhalt gesichert hätten,
wären nach dem Willen des damaligen Stadtrates längst alle Häuser zugunsten
einer gigantischen Straßenplanung abgerissen worden. Erinnern wir uns,
wenn nicht die Bewohner/innen der Bühlstraße 8 gegen den Verkauf ihres
kleinen Wohnheimes vor Kurzem protestiert hätten, wäre das Haus, das das
Studentenwerk nicht mehr betreiben und die Stadt verkaufen wollte, längst
Geschichte. Immer wieder haben sich studentische Wohnrauminitiativen nicht
nur für die Belange studentischen Wohnens eingesetzt, sondern auch für
die anderer Bevölkerungsgruppen, die von dem Mangel an bezahlbaren Wohnraum
betroffen waren und sind. So wollen sie sich auch am 25. Oktober dieses
Jahres für die Interessen von Flüchtlingen, Hartz-IV-Bezieher/innen und
Geringverdiener/innen einsetzen. Dies ist aus meiner Sicht gelebte Solidarität.
Immer wieder wird von vielen Seiten betont, dass verschiedene Formen des
Zusammenlebens, verschiedene Lebensentwürfe ihren Raum erhalten sollen
und müssen. Warum also jetzt wieder mal der Versuch, alte Vereinbarungen,
langjährig praktizierte kollektive Wohnformen aufzukündigen und zu zerstören.
Der Hinweis, für ausländische Erasmus-Studenten/innen Platz zu schaffen,
die i.d.R. nur relativ kurze Zeit in Göttingen verweilen, dürfte vorgeschoben
sein und wirkt deshalb eher perfide, weil damit versucht wird ausländische
Studenten/innen gegen die engagierter jetzigen Bewohner und die Wohnraum-Initiative
auszuspielen. Es wäre sinnvoll und an der Zeit, dass das Studentenwerk
die angebotene Lösung, das Haus an einen Verein zu vermieten ernsthaft
aufgreift und aufhört mit Drohgebärden auf die berechtigten Belange und
Forderungen der Bewohner/innen des Gebäudes in der Humboldtalle einzugehen.
Das Studentenwerk muss wieder an den Verhandlungstisch.
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