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Galerie Ahlers

GALERIE AHLERS Düstere Straße 21 , 37073 Göttingen, Tel. 0551-57056 , Öffnungszeiten Di.-Fr. 10-13, 15-18, Sa. 10-13, http://www.galerieahlers.de/

Ganz anders als die Adresse Düstere Straße 21 vermutlich assoziieren lässt, befindet sich die Galerie an einem der malerischsten, geradezu venezianisch angehauchten Orte Göttingens. Neben einer Brücke über den Leinekanal geht es über einen Steg zum Vorgarten der Galerie. Auf der Grasfläche des Vorgartens-Hofes liegt eine 2 Meter große Moebiusschleife aus nicht rostfreiem Stahl. Für diese Skulptur des Bildhauers Willi Weiner gibt es einen deutlichen Bezug zur Göttinger Wissenschaftsgeschichte. Es waren Schüler von Carl Friedrich Gauß, die diese Schleife mit den merkwürdigen Eigenschaften entdeckt hatten (Johann Benedikt und August Ferdinand Möbius). Es ist eine Schleife bei der es keine Vorder- und Rückseite, sondern nur eine einzige Fläche gibt. Es gibt auch einen argentinischen Spielfilm "Moebius" der im Besitz eines Göttinger Filmverleihs ist. Dem Vernehmen nach würde Ahlers den Garten der neu gestalteten Gauß´schen Sternwarte für einen geeigneten Aufstellungsort der Plastik halten.

Diese Skulptur,die Möbiusschleife mit erstaunlichen mathematischen Eigenschaften sollte vor die Sternwarte. (Stand 2009)

Inzwischen (2011) ist sie dort auch gelandet, nachdem der scheidende Unipräsident sich dies als Geschenk von einem Sponsor gewünscht hatte.

(Zum Ärger der Gärtner, die dort schlecht Rasen mähen können)

In unmittelbarer Nachbarschaft der Galerie befindet sich das Literarische Zentrum. Vorher war die Galerie Ahlers in diesen Räumen. Die Nachbarschaft ist durchaus produktiv, so werden gelegentlich die literarischen Sommerfeste des Zentrums zusammen mit der Galerie durchgeführt.

links das Literarische Zentrum, rechts der Vorgarten und das Haus mit der Galerie Ahlers

Wann es so richtig anfing mit der Galerie erschließt sich im Rückblick nicht deutlich - auch wenn eindeutig 1982 als Gründungsjahr angegeben wird und entsprechend 2007das 25 jährige gefeiert wurde. Ahlers ist seit 1979 in Göttingen, begann mit einem Kunsthandelsgeschäft in der Reinhäuser Landstraße, trat aber erst 1987 deutlicher wahrnehmbar mit Ausstellungen in einer ersten Galerie an die Öffentlichkeit.

Oliver Ahlers , am 3.4.09 beim Gespräch in der Galerie über die Zukunft der Skulptur "Möbius-Schleife"

 

Birgid Helmy in der Galerie Ahlers "Der andere Ort"

Vernissage: 30.10.2015, 20 Uhr / Ausstellung: 31.10.-28.11. 2015,
Galerie Ahlers, Düstere Straße 2, 37073 Göttingen
Di.-Fr. 10-13 Uhr / 15-18 Uhr, Sa. 10-13 Uhr


Birgid Helmy, am 30.10.15, in der Galerie Ahlers

Links: Der pinkfarbene Mann mit Cowboyhut, kurzen Hosen, Stiefel und Handtasche ist der witzige Gender-Beitrag der Ausstellung.
Die Palette reicht aber bis zum todernsten Thema der "Vernichtung unwerten Lebens" im Nazi-Euthanasie-Programm (Installation "Kinderfachabteilung"


Schnappschuss während der Vernissage: Skulptur: Mann mit Flasche neben Computer und Bierflaschen, - fast wie eine Zusatz-Installation


Skulptur Ikonisierung und Erstarrung des Weiblichen
(Erinnert in dem Arrangement an Lou Andreas Salomé mit Nietzsche)


Skulptur Frau Geier (der Geier ist in der Handtasche)

Veranstaltertext
Zur Ausstellung - Der andere Ort - Heterotopos nennt Michael Foucault Orte in denen Menschen mit der herkömmlichen Zeit brechen und Räume die nach eigenen Regeln funktionieren.

Birgid Helmy hat sich schon in ihren frühen Arbeiten mit dem individuellen und kollektiven Unterbewussten im Zusammenhang mit ihrer persönlichen Geschichte wie auch allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandergesetzt. "Näher dem Verborgenen, Unbewussten als dem scheinbar Offensichtlichen, näher der Nacht als dem Tag und nie rückstandslos übersetzbar in sprachlichen Diskurs" so beschreibt die Künstlerin ihre bildhaften Vorstellungen, die sie in Zeichnungen, Malerei und Plastiken ausdrückt.

Ausgangspunkt sind häufig Träume und intuitiv skizzenhafte Zeichnungen. Ihr zentrales Thema ist der Mensch als singuläres Wesen oder in seinen sozialen, emotionalen Beziehungen zum mittelbaren und unmittelbaren Umfeld. Die Auseinandersetzung damit ist Ausgangspunkt vieler Arbeiten.

Neben den kreativen künstlerischen Prozessen spielt die handwerkliche Ausführung eine wichtige Rolle. Die Skulpturen werden von ihr modelliert, in ihrer Werkstatt gegossen und final bearbeitet. Die Rezepturen der unterschiedlichen Materialien werden von ihr kontinuierlich weiterentwickelt. Es ist ihr Anliegen, eine der ältesten künstlerischen Ausdrucksformen und das damit verbundene kulturelle Erbe, über aktuelle künstlerische Konzepte, Themen und auch über moderne Materialien in der Gegenwart zu verankern.


Neben ganz aktuellen Arbeiten in "Der andere Ort", stellt die Galerie Ahlers die 2015 produzierte Installation mit dem Titel "Kinderfachabteilung" erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.

Installation "Kinderfachabteilung" /
Der Versuch eines künstlerischen Gedenkens an Opfer des Nazi-Euthanasie-Programms

(Redaktionell bearbeiteter, gekürzter Text der Veranstalter) Seit 6 Jahren arbeitet Birgid Helmy in Atelierräumen im Künstlerhaus 6 in der ehemaligen Psychiatrie auf dem Eichberg im Rheingau. Im Künstlerhaus befinden sich mehrere, jeweils in sich abgeschlossene Ateliers professioneller Künstlerinnen und Künstler als auch von so genannten "Outsiderkünstlern". Neben persönlichen Arbeiten wie u.a. "Herzzeitloser", " Frau Geier", " Eingenistet", entstanden im letzten Jahr verstärkt Arbeiten mit gesellschaftspolitischem Hintergrund u.a. "Fassbinder", "Asyl", und "Kinderfachabteilung".

Während der NS Diktatur wurde die Heil-und Pflegeanstalt Eichberg (heute Vitos Rheingau), zu einer der Tötungsanstalten. 450 Menschen wurden auf dem Eichberg zwangssterilisiert. Fast 2300 Menschen brachte man von dort in den "grauen Bussen" nach Hadamar zur Tötung in die Gaskammer. 2500 Menschen wurden auf dem Eichberg direkt ermordet, darunter 500 Kinder. Ziel war es, "lebensunwertes Leben", aufgrund rassenhygienischer Vorstellungen und wirtschaftlicher Überlegungen, zu erforschen und zu vernichten. Die Morde und die medizinischen Versuche wurden von Ärzten und Pflegern durchführt.

Birgid Helmy arbeitet seit Jahren in der AG Gedenkstätte der Klinik mit. In diesem Zusammenhang ist auch der Entwurf für eine Gedenkstätte auf dem Klinikfriedhof für die ermordeten Menschen entstanden. Die Installation "Kinderfachabteilung" besteht aus 43 individuellen Urnen, die im Gedenken an die ermordeten Kinder von Helmy modelliert wurden.

Ergänzt um vier gemalte Portraits verantwortlicher Ärzte, Verwaltungsbeamter und medizinischem Hilfspersonal für die Euthanasie: Dr. Karl Brandt, Leibarzt von Hitler und Dr. Philipp Bouhler Leiter der Staatskanzlei, beides Architekten des Euthanasieprogramms. Dr. Friedrich Mennecke und Ehefrau Eva sowie der Arzt Walter Schmidt. Dr. Mennecke war von 1939 - 1943 Direktor der Eichbergklinik, Dr. Schmidt von 1941 - 1945 Leiter der Kinderfachabteilung und von 1943 - 1945 Direktor der gesamten Klinik. Beide sind für die Durchführung des Euthanasieprogramms auf dem Eichberg verantwortlich. Ärzte beteiligten sich freiwillig an diesen Morden. Ärzte die sich nicht beteiligten, hatten keine Repressalien zu befürchten. Nach 1945 wurden einige von ihnen verurteilt, aber spätestens nach 10 Jahren waren auch die letzten begnadigt. Viele davon, darunter auch Dr. Schmidt, Leiter der Kinderfachabteilung auf dem Eichberg, praktizierten danach wieder.

Die Arbeit wird ergänzt, durch ein Kinderportrait, welches die medizinischen Versuche an Kindern symbolisiert und über ein Portrait von Hannah Arendt, die wichtige Hinweise über mögliche Handlungsmotive von Tätern (Banalität des Bösen), erarbeitet und publiziert hat.

 

 

Bernhard Heisig
Ausstellung in der Galerie Ahlers 28. März bis 25. April 201

Obwohl er sich selbst nie als „Historienmaler“ bezeichnete, sind seine Arbeiten Geschichtsbilder wie man sie heute selten sieht. So auch die beiden Ölgemälde, die als Entwurfsbilder für den Eingangsbereich der Universität Leipzig angefertigt wurden und nun erstmals vom 28. März bis 25. April 2015 in der Galerie Ahlers überhaupt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Berühmt geworden ist Bernhard Heisig mit Porträtdarstellungen wie das des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt, die eine zentrale Rolle in seinem Oeuvre spielen. Beispiellos fing er die typische Körpersprache und die spezifischen Gesichtszüge eines jeden Porträtierten ein. Aus der Hauptschaffenszeit des Künstlers zeigt die Galerie Ahlers zum ersten Mal das Ölgemälde „Der Chirurg“ von 1973. Ergänzt werden die Ölgemälde von farbigen Aquarellzeichnungen. Alle 21 Zeichnungen sind Entwürfe für eine Buchillustration von Bertolt Brechts „Mutter Courage“, mit der sich Bernhard Heisig mehrmals künstlerisch auseinandersetzte.

Aquarellzeichnung / Entwurf für eine Buchillustration von Bertolt Brechts „Mutter Courage“

 

 

Willi Weiner Zeichnungen und Plastiken

Ausstellungseröffnung Samstag, 31. August 2013, um 14 Uhr. Zur Ausstellungseröffnung spricht Helmut Wenzel (Kunstverein Göttingen) Ausstellungsdauer 31.August 2013 - 29. September 2013

Der Bildhauer Willi Weiner setzt nicht auf Masse sondern auf Haut. Er sucht nicht Schwere, Härte, Dichte, geht vielmehr dem Leichten, Weichen, Luftigen nach, setzt auf die Oberfläche, die Körper umspannt. Weiner verschweißt Stahlblechstücke aus Corten, 1 mm stark, wie Patchwork zu dünnwandigen Hohlkörpern, die Säulen, Gefäßen oder Mineralien ähnlich aussehen, sich oft aber auch Bergen, Inseln, Seen, Grotten - Landschaft - angleichen, somit Gestein und Wasser, Härtestes wie Weichstes darstellen können.


vergrößerter Ausschnitt


(Bild: Skulptur Willi Weiner,"Endlich Wachstum")

(15.8.13 / Text: Jens Kräubig) Selbst ein Blick auf das Meer kann vorstellig werden, als Boden-, Wand- oder Hängeobjekt in fast greifbare Nähe rücken. Weiners plastische Metallobjekte sind wie improvisiert angelegt, zielen nicht auf Perfektion durch geometrische Präzision ab. Was sie auszeichnet, sind ihre Unregelmäßigkeiten, unverdeckte Bearbeitungsspuren wie Hammerschläge und nur grob geglättete, selten exakt gerade geführte Schweißnähte. Dem braunen Rostanflug der oxidierten Metallflächen - Tönung - setzt der Bildhauer gerne monochrom seidenmatt lackierte Flächen - Farbe - entgegen und stärkt so zusätzlich den malerischen Charakter seiner Objekte. Atmosphäre bildet gleichsam den Kern Weiners Formgebilde. Sie haben Geschichte an sich - sie sind von Geschichten umgeben. Den Phantasien des Betrachters wird dabei durch den Titel eine Grundrichtung vorgegeben. Bei Weiner ist der Titel keine lässliche Zutat. Seine Titelfindungen oder Benennungen, Wörter also, stellen vielmehr einen festen Bestandteil seiner Objekte dar. Häufig bilden sie den Ausgangspunkt seiner bildhauerischen Verkörperungsanstrengungen.

 

Neue Bilder von Wolfgang Kessler Ausstellungseröffnung: inside– outside

20 Uhr Zur Ausstellungseröffnung spricht Dr. Daniel Koep ( Hamburger Kunsthalle) Ausstellungsdauer 7. Oktober 2011 - 29. Oktober 2011 Wolfgang Kessler, 1962 in Hannover geboren, hat in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste Malerei studiert. Er war Meisterschüler bei Ben Willikens. Seine künstlerische Begabung hat ihm wichtige Preise und Stipendien eingetragen, darunter den Förderpreis der Hermann-Haake-Stiftung 1995, das Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes für das Deutsche Studienzentrum in Venedig 1998 und das Arbeitstipendium des Landes Niedersachsen 2003. Kessler lebt und arbeitet in Lemgo und Detmold. Der Künstler verfolgt in seinem Werk eine äußerst reizvolle und raffinierte Malerei, die zugleich gegenständlich und abstrakt ist. Die Ambivalenz, die in der Synthetisierung dieser beiden Malsprachen liegt, treibt er noch weiter, indem er in seinen Bildern äußerste Klarheit und rätselvolle Unschärfe miteinander verbindet. Die Klarheit ist sichtbar in seinen Kompositionen, die bestimmt sind von Maß und Zahl und von Symmetrie und Proportion. Die Unschärfe rührt her von einer in die modulierende Verflüssigung getriebenen Farbe, die ihren Gegenstand eher suggeriert, als dass sie ihn deutlich definiert. "Zwischenräume" beschäftigen den Künstler seit seiner ersten großen Werkserie zu diesem Thema im Jahre 1998. Inspiriert wurde er zu ihnen durch häufige Bahnfahrten. Beim Blick aus dem Zugfenster fiel ihm auf, wie fließend die Übergänge zwischen Stadt und Land, Natur und Kultur heute geworden sind. Im Zwischenraum erkannte Kessler eine Art Schnittstelle, in der sich soziale und politische Wirklichkeit in charakteristischer Weise abbildet. Allerdings kommt diese Einsicht in seiner Malerei in großer Diskretion und "wie auf Taubenfüßchen" (Nietzsche) daher. Im Vordergrund stehen die Form und das gelingende Bild. Auch die neuen, mit starken Farbkontrasten arbeitenden Bilder "Kapital I" und "Kapital II" in der Ausstellung der Galerie Ahlers thematisieren in virtuoser Weise den Blick des Malers aus einem fahrenden Zug auf die Wirklichkeit da draußen – "outside". Der fließende Verkehr auf Straße und Schiene, der uns oft genug den Blick auf die Landschaft verstellt, wird von ihm in der Horizontalen, und damit ironischerweise in der Manier eines klassischen Landschaftsbildes, wiedergegeben. Bei anderen Gemälden, auch sie von Kessler wie alle seine Werke in Öl auf Leinwand ausgeführt, geht der Blick nach Innen – "inside". Nicht in die Weite, sondern in die Höhe. Die Vertikale und damit das Hochformat regieren die Wahrnehmung. Mit dem Interesse am Innenraum geht ein neues Interesse des Malers am perspektivischen Raum einher. Die Struktur der Architektur fasst er auf wie einen Text, der ohne Leerstellen gleichfalls nicht verständlich wäre. Ob Drinnen oder Draußen, die mit großer malerischer Kompetenz souverän gefertigten Bilder von Wolfgang Kessler lassen sich auch symbolisch lesen. Der Blick nach außen ist flach. Abgelenkt, von den Sensationen der Welt zerstreut, was sich in der flächigen Faktur und lauten Farbigkeit der Gemälde zeigt. Die Innenansichten, und mit ihnen die Blicke nach Innen, sind tief, still und konzentriert, was Ihre Dreidimensionalität und in sich ruhende Farbwahl sichtbar machen. Dass im Inneren trotzdem allerhand Bewegung herrscht, auch das macht der Farbfluss dieser Bilder unübersehbar deutlich.

 

Ausstellung Werke von Gudrun Brüne

Ausstellungseröffnung am 26. August 2011 um 20 Uhr
Zur Ausstellungseröffnung spricht Michael Stöber.

26.08.2011 bis 24.09.2011 werden Werke von Gudrun Brüne aus den letzten zwanzig Jahren gezeigt. Die Malerin wurde 1941 in Berlin geboren und war bis zum Ende der DDR deren Bürgerin. Sie studierte in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchdruck, u. a. bei Bernhard Heisig, dessen Assistentin sie zeitweise war und den sie später heiratete. Zwanzig Jahre lang von 1979-1999 unterrichtete Gudrun Brüne Malerei an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Strodehne im Havelland. Die Malerin wurde vor allem mit ihren Puppen-, Masken- und Marionettenbildern bekannt, die auch heute noch ein bedeutendes Motiv ihrer Kunst sind. Brüne hat stets gegenständlich gemalt, wobei sich mit den Jahren ihr Darstellungsstil geändert hat weg von einer expressiven, aufgerissenen hin zu einer eher lasierenden, neusachlichen Sprache. Die malerische Kompetenz der Künstlerin steht dabei in jeder Phase außer Frage. Brüne hat ihre Kunst nie im Sinne der sozialistischen Staatspropaganda eingesetzt.

Ihre Konzentration auf das Puppen-, Masken- und Marionettenmotiv kann man sich in den DDR-Jahren nicht dramatisch genug denken. Die Vorstellung, der Mensch trage Masken, hinter denen er sich verstecken könnte, deckte sich ganz und gar nicht mit dem idealistischen Bild des Staates von einem sich im kollektiven Dienst verausgabenden Bürger. Und dass der gar wie eine Marionette an Fäden gezogen wird, konnte man fast schon als explizite Kritik am allmächtigen Staat lesen. Auch nach der Wiedervereinigung hat Gudrun Brüne das Thema nicht losgelassen. Heute indes lesen sich ihre Bilder, die sie als „Metaphern für den manipulierten Menschen“ versteht, anders. Nun sind es stärker die Götter der Werbung, der Mode und des Konsums, die nach dem Menschen greifen und ihn in grotesker Weise deformieren. Ihrer gilt es, heute sich zu erwehren, so gut es eben geht.

Bild: "Eva im weißen Kleid", Mischtechnik auf Hartfaser, 1990, 110 x 150 cm

 

 

Schnappschuß während eines Besuchs in der Galerie Juli 2011

 

Ausstellung „K.R.H. Sonderborg. Rebellion in Schwarz und Weiß“ (21.4. - 5.5.09)

K. R. H. Sonderborg (1923-2008) Rebellion in Schwarz und Weiß
Text von Agnieszka Golebiewska, Kunsthistorikerin Mitarbeiterin in der Galerie Ahlers

Der im letzten Jahr verstorbene K.R.H. Sonderborg ist einer der wichtigsten deutschen Nachkriegskünstler. Geboren am 5. April 1923 im dänischen Sønderborg, gestorben am 18. Februar 2008 in Hamburg, gilt Kurt Rudolf Hoffmann als eine der führenden Persönlichkeiten der informellen Malerei. Die aktuell laufende Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart "Deutsches Informel" (21.02.-01.06.2009) weist auf wachsendes Interesse an der Nach-kriegskunst hin. Neben Künstlern wie Peter Brüning und Emil Schumacher ist dort auch K.R.H. Sonderborg vertreten. Nicht nur chronologisch, sondern auch stilgeschichtlich sind die Jahre um die Mitte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Zeitabschnitt, der einen tief greifenden Wandlungsprozess der bildenden Kunst markiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Informel oder die informelle Kunst (frz.: art informel) zum weithin dominierenden Phänomen. Das Informel wird als Sammelbegriff für die abstrakten Kunstströmungen der europäischen Nachkriegsjahre verwendet und kennzeichnet das europäische Pendant zum amerikanischen Action Painting und abstrakten Expressionismus. Es entstand nach den traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs auf der Suche nach neuen bildnerischen Ausdrucks-möglichkeiten als Gegenbewegung zur geometrischen Abstraktion. Dabei geht es nicht um das chaotische Ausleben auf der Leinwand, wie etwa beim Action Painting, sondern um Emotion und Spontaneität des Werkes. Die Suche wird zum Leitmotiv, was auf der Leinwand bleibt, ist die Sicherung der Malaktion. Das Informel war Sonderborgs Widerstand, er setzte sich mit seiner nonkonformistischen Stellung der kleinbürgerlichen Kultur des Wiederaufbaus entgegen. Seine Bilder sind Ausdruck seines spirituellen Verlangens und seiner künstlerischen Transformation, als Antwort auf seine Umgebung im Hamburger Hafen, in Rom oder im Gefängnis. Hamburg hat ihn immer fasziniert und ihm Sujets geliefert. Der große Strom Elbe und der Hamburger Hafen mit seinen Schiffen und Kränen, die Gleise der Güterbahnhöfe. Häuser und Verkehrsadern über Brücken und Highways in New York. Hochspannungsleitungen, der elektrische Stuhl und eine Zeitungsabbildung der Baader-Zelle in Stammheim. Seine Werke sind zwar grundsätzlich expressiv und nicht figurativ, doch gibt es immer wieder Bilder, die eindeutig aktuelle Bezüge nehmen und realistisch scheinen. Sonderborg liebte die Experimente. Seine schwarz-weiße Bildsprache entwickelt sich zu großer Offenheit und manchmal zu brutaler Unmittelbarkeit. Seine Botschaft ist Freiheit. Er wechselte oft seinen Lebensmittelpunkt, was Kritiker zu der Vermutung brachte, dass er nicht nur in seiner Kunst, sondern auch in seinem Leben die Bewegung brauchte. Er bevorzugte alles, was Grenzen und Räume überbrückt. Seine Bilder sind konzentrierte Entladungen von gelebter Spannung und Erinnerung einer permanenten Unruhe. Schon 1953 hörte Sonderborg auf, seine Bilder mit assoziativen Titeln zu versehen. Er beschränkte sich auf die Angabe von Ort, Datum und Zeitspanne der Herstellung des Bildes. Der Malakt als solcher verkörpert einziges Thema und Interesse der Bilder und die Unmittelbar der Aktion als Spurensicherung der eigenen künstlerischen rebellischen Identität.

 

Ausstellungen

Mit einigen wenigen Künstlerinnen und Künstlern arbeitet Ahlers schon über viele Jahre zusammen. So z.B mit Sigrid Nienstedt, mit deren Bilder sie gemeinsam 1995 großen Erfolg hatten. Oder mit Sigrid von Lintig, von der nun eine Ausstellung bis zum 18 April zu sehen ist.

Ausstellungseröffnung Sigrid von Lintig 2009

Sigrid von Lintig

Herzwolde, Bleiben und Verlassen,

Ausstellungsdauer 20. März 2009 – 18. April 2009

Die Bilder von Lintigs sehen aus wie Erinnerungsfotos aus Familienalben. Teilweise sind sie unscharf, so als ob das Bewußtsein einen Teil der Geschichte verdrängt und dadurch die Erinnerung undeutlich gemacht habe.

Die Bilder drängen die Vermutung auf, dass sich um sie eine Geschichte rankt, deren Herauskramen mühsame Entdeckungsarbeit nötig machen würde. Tatsächlich wurden die Gemäldemotive alle ursprünglich von privaten Fotos angeregt.

Abbildungen mit Rehkitz wirken wie Illustrationen von Heimatfilmen und Privatkitsch der 50er Jahre.

Das Bild mit der schwarzen Ziege hingegen erinnert an Fabeln, Märchen oder psychologische Symbolkonstruktionen a la Bergmann.

Manchmal kam der Gedanke an Bilder von Franz von Stuck hoch.

Andere Bilder lassen Gedanken über mögliche Psycho-Dramen entstehen, in deren Zusammenhang die Bilder möglicherweise gestanden haben.

 


Vernissage am 20.3.09, Ausstellungsraum, Erdgeschoß, vorderer Teil

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens präsentierte die Galerie Ahlers vom 3. Oktober bis 8. November 2008 eine Ausstellung, "die querbeet durch die Geschichte der Galerie führt – von den Anfängen des Kunsthandels in der Reinhäuser Landstraße über die Station im Walkemühlenweg bis zur Galerie in der Düsteren Straße.


Blick in den Durchgang zum hinteren Teil der Galerie

25 Jahr-Feier der Galerie Ahlers 2008

Neue und gesammelte Arbeiten (fast) aller Künstler, die die Galerie einmal gezeigt hat

Dabei waren :
- Andreas Welzenbach
- Birgit Pundsack
- Dina Draeger
- Eberhard Viegener
- Eduard van Giel
- Edvard Frank
- Esther Horn
- Franz Lenk
- Franz Radziwill
- Gerhard Scharnhorst
- Hartmut Böhm
- Heinrich Hörle
- Helmut Bönitz
- Herbert Galle
- Ingo Lie
- Ivar Kaasik
- Katrin Jaquet
- Philip Rantzer
- Sigrid Nienstedt
- Sigrid von Lintig
- Silke- Thomas Schiela
- Walter Eisler
- Willi Weiner
- Wolfgang Kessler
- Wolfram Scheffel.

(Presseinfo der Galerie 2008)


Links: Galerist Oliver Ahlers bei der 25 Jahr-Feier in der Galerie mit Gästen.
Bild rechts:
bei der 25 Jahr-Feier hing da ein echter Munch im ersten Stock.

 

Rückblick Mai 2008 Ausstellung Esther Horn

"INCIDENT AT A CORNER" 16. Mai 2008, um 20 Uhr führte Dr. Peter Funken, Kunstkritiker, Kurator und Autor aus Berlin, ein Gespräch mit der Malerin .
" In den Bildern sedieren sich die Farben zur Nacht. Es sind die abseits gelegenen, schlecht beleuchteten Orte in der Nähe von Tankstellen, Fernstraßen, Telefonzellen oder Parkplätzen, die Esther Horn aufgreift. Niemand scheint anwesend zu sein, dennoch spricht die Dunkelheit ihre eigene Sprache. In der Ferne leuchten die Rücklichter eines Wagens. Wohin so spät, so weit? Die präzise, gegenwärtige Malerei verschränkt Schicht um Schicht, stellt der Auflösung der Form den Gegenstand anbei. In mehreren Ebenen, transparenten Lasuren, deckenden Gesten, glatten und rissigen Oberflächen äußern sich die Stofflichkeiten des Malprozesses, die Haftung an das Material. Von oben läuft die Dunkelheit in die Sträucher. Mit beunruhigender Intensität generiert Esther Horn die Welt aus dem Farbraum, gibt sie zur Wahrnehmung zurück an den Betrachter." (Text Galerie-Ankündigung)

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