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Otto Hahn

Zur Dokumentation über Otto Hahns Beteiligung an Entwicklung und Anwendung von Giftgas im Krieg siehe >gesonderte Seite

Otto Hahn gehört zu den Entdeckern der Kernspaltung. Wenn er als Ehrenbürger Göttingens erneut geehrt wird, sollte a) der wissenschaftliche Beitrag seiner Kollegin Meitner und b) die problematische Einschätzung Hahns zur Nutzung der Atomenergie beachtet werden.

Otto Hahn - die Gefahren von Atomkraftwerken nicht gesehen?

Es wird berichtet, Otto Hahn habe nach Kriegsende während seiner Internierung in England von den Schrecken des Atombombenabwurfs in Japan erfahren worauf er verzweifelt reagiert habe. Offensichtlich sah Hahn fortan die Gefahren der Atomenergie - aber lediglich bei eine Nutzung für Atomwaffen, denn andererseits förderte er vehement die sogenannte "friedliche Nutzung der Atomenergie". Dass der Betrieb von Atomkraftwerken und die Produktion waffenfähigen Plutoniums eng zusammenhängen, blieb offensichtlich ausserhalb seiner Wahrnehmung und dass Atomkraftwerke und Atommüll unverantwortliche Gefährdungen mit sich bringen hat er wohl nicht gesehen. Denn 1956 wurde er Mitglied des Präsidiums der Deutschen Atomkommission für friedliche Nutzung der Atomenergie.

1956 war Franz-Josef Strauß Verteidigungsminister geworden und betrieb massiv den Aufbau der Bundeswehr. Es war ein deutliches Signal in dieser Situation als 1957 ein Aufruf gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr veröffentlicht wurde. Allerdings hatte Strauß auch nie geglaubt, dass dies Deutschland erlaubt würde, sondern er versuchte über die europäische Einigung an die Atomwaffen innerhalb einer europäischen Armee zu kommen. Vielmehr setzte auch Strauß auf Atomkraftwerke - er wurde später Minister für ebensolche.

Gegen die Atombombe und für Atomkraftwerke?

Im Text des Göttinger Manifests der Göttinger 18 von 1957 heisst es u.a.:

"Wir wissen, wie schwer es ist, aus diesen Tatsachen die politischen Konsequenzen zu ziehen. Uns als Nichtpolitikern wird man die Berechtigung dazu abstreiten wollen; unsere Tätigkeit, die der reinen Wissenschaft und ihrer Anwendung gilt und bei der wir viele junge Menschen unserem Gebiet zuführen, belädt uns aber mit einer Verantwortung für die möglichen Folgen dieser Tätigkeit. Deshalb können wir nicht zu allen politischen Fragen schweigen. (...)
Jedenfalls wäre keiner der Unterzeichnenden bereit, sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen. Gleichzeitig betonen wir, dass es äußerst wichtig ist, die friedliche Verwendung der Atomenergie mit allen Mitteln zu fördern, und wir wollen an dieser Aufgabe wie bisher mitwirken."
Fritz Bopp, Max Born, Rudolf Fleischmann, Walther Gerlach, Otto Hahn, Otto Haxel, Werner Heisenberg, Hans Kopfermann, Max v. Laue, Heinz Maier-Leibnitz, Josef Mattauch, Friedrich-Adolf Paneth, Wolfgang Paul, Wolfgang Riezler, Fritz Straßmann, Wilhelm Walcher, Carl Friedrich Frhr. v. Weizsäcker, Karl Wirtz"

Lise Meitner nicht vergessen

10.4.07 / Otto Hahn wurde 1879 in Frankfurt/M geboren und starb 1968 in Göttingen. Er hatte während der Nazizeit weiterhin als Wissenschaftler am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin gearbeitet. 28 Jahre lang arbeitete er mit Lise Meitner zusammen, die 1938 Deutschland verlassen mußte, weil sie als Jüdin von den Nazis bedroht war. Der Mitarbeiter Hahns, Strassmann meinte später . "Lise Meitner war die geistig Führende in unserem Team gewesen." (Quelle) Was Otto Hahn entdeckte aber sich nicht erklären konnte wurde auf seine Bitte hin von Lise Meitner theoretisch erklärt. Da sie als Jüdin aus dem damaligen Hitlerdeutschland emigrieren mußte blieb ihr die Anerkennung des Nobelpreises versagt, für den sie 3 mal vorgeschlagen worden war. Die Bedeutung Meitners wurde immerhin später mit der Gründung des Hahn-Meitner-Institutes für Kernforschung in Berlin 1959 gewürdigt.


Grabstein von Otto Hahn auf dem Alten Stadtfriedhof in Göttingen,

gestorben 28. Juli 1968 in Göttingen,

Entdecker der Kernspaltung mit der entsprechenden Formel auf dem Grabstein

Otto Hahn in Göttingen

Im Jahr 1944 wurde Hahn der Nobelpreis für Chemie zuerkannt, bei Kriegsende 1945 wurde er festgenommen und mit anderen Wissenschaftlern in England bis Januar 1946 interniert. In den Jahren danach (1948?) kam Hahn nach Göttingen. Bis1960 war er in Göttingen Präsident der "Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften", der Nachfolgeorganisation des "Kaiser-Wilhelm-Institutes". Hahn wohnte 1953-1968 in der Gervinusstraße 5 nahe bei den Schillerwiesen. (Stadtarchiv)

Am 24. Oktober 1951 empfing die Max-Planck-Gesellschaft eine internationale Studienkommission für die Marshall-Hilfe Göttingen. In der Nacht auf dem Heimweg vom Empfang wurde in der Herzberger Landstraße Otto Hahn ein Überfall verübt. "Ein junger Mann stach mit einem spitzen Instrument auf den Gelehrten ein. Glücklicherweise war die Verletzung nicht schwer." Der Attentäter, Josef Kastner stellte sich später selbst der Polizei und im August 1952 ordnete das Gericht seine Unterbringung in einer Heilanstalt an. (Stadtarchiv )

Während der Zeit in Göttingen erhielt Otto Hahn 1954 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Am 8. März 1959 veranstaltete die Max-Planck-Gesellschaft eine Feierstunde anlässlich des 80sten Geburtstag von Otto Hahn. Im Rahmen dieser Feier wurde Otto Hahn das Ehrenbürgerrecht der Stadt Göttingen verliehen. (Stadtarchiv)

Am 28. Juli 1968 starb Otto Hahn in Göttingen, an der Beerdigung auf dem Stadtfriedhof am 1. August 1968 nahmen auch Bundespräsident Dr. Lübke, die Bundesminister Dr. Stoltenberg und Prof. Dr. Carlo Schmid teil.

Grab Otto Hahns, auf dem Stadtfriedhof an der Kasseler Landstrasse.

 

In Göttingen wurden zum Andenken an Hahn ein Otto-Hahn-Gymnasium in der Godehardstraße nach ihm benannt, eine Straße in Weende an der Polizeistation und ein Teil der Lohalle wurde zum Otto-Hahn-Zentrum benannt.

Film über Otto Hahn und Festakt zum 50 Jahrestag des Göttinger Manifestes

Am 12. April 2007, veranstalten die Universität und die Deutsche Physikalische Gesellschaft einen Festakt zum 50. Jahrestag des Göttinger Manifests von 11.00 bis 13.00 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz. Sprechen werden u. a. Dr. Arne Schirrmacher vom Münchener Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte, Prof. Dr. Martin Kalinowski vom Carl Friedrich – Weizsäcker Institut für Naturwissenschaften und Friedensforschung der Universität Hamburg und der Ständige Vertreter der Bundesrepublik bei der Internationalen Atomenergie-Organisation, Botschafter Peter Gottwald.

Am 12.4.07 um 18.30 Uhr wird in der Lokhalle / Otto – Hahn – Zentrum zum ersten mal die 45 minütige Filmdokumentation über die Zeit Otto Hahns in Göttingen gezeigt.

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Erklärung des Göttinger Anti-Atom-Plenums zum 50. Jahrestag der Göttinger Erklärung

50 Jahre Selbstbetrug

Von der Atombombe zur Göttinger Erklärung und zurück

2 Jahre nach der umstrittenen Remilitarisierung Westdeutschlands forderte die Adenauer/Strauß-Regierung 1957 auch eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr. Dagegen richteten sich führende Atomphysiker in ihrer "Göttinger Erklärung". Es war das erste und letzte Mal, dass sich Wissenschaftler öffentlich in die deutsche Außenpolitik einmischten und mit Arbeitsverweigerung drohten.

Aus heutiger Sicht waren die Unterzeichner in ihren Forderungen aber viel zu zaghaft und saßen außerdem einem fatalen Trugschluss auf. Denn abgelehnt wurde nur die Beteiligung Deutschlands am atomaren Wettrüsten und auch nur diese militärische Ausrichtung von Atomforschung. Die "friedliche Verwendung" der Atomenergie sollte nach dem Willen der Physiker dagegen "mit allen Mitteln" gefördert werden. Dabei hätten ihre eigenen Biografien sie lehren können, dass eine Trennung von "ziviler" und "militärischer" Atomtechnik im Prinzip unmöglich ist:

Ein Großteil der 18 Unterzeichner der Göttinger Erklärung war auch schon unter Hitler an Atomprojekten beteiligt, ein Drittel von ihnen in führenden Positionen im "Uranverein". Auch wenn sich die Wissenschaftler bei ihren Kernspaltungsexperimenten während des Zweiten Weltkriegs als unpolitische Grundlagenforscher sahen, so war doch allen klar, dass ihr Auftrag darin lag, letztendlich eine deutsche Atombombe zu entwickeln. Technische Unzulänglichkeiten und der Verlauf des Krieges verhinderten die Ausführung. Doch ihr wissenschaftlicher Ehrgeiz blieb ungebrochen. Vorgeblich sollte der Aufruf eine Schlussstrich unter diese unrühmliche Vergangenheit ziehen. Adenauer und Strauß bekamen jedoch ohnehin durch die dauerhafte Stationierung amerikanischer Atomraketen in der BRD im Rahmen der Nato-Mitgliedschaft einen indirekten Zugriff auf Atomwaffen. Gleichzeitig war die Erklärung aber auch so etwas wie der Startschuss für einen staatlich geförderten Aufbau ziviler Atomanlagen in der Bundesrepublik: Das erste BRD-Versuchs-Atomkraftwerk in Kahl wurde nur ein Jahr später entwickelt.

Zur weltweiten Verbreitung von kerntechnischen Anlagen trug vor allem die Internationale Atomenergiebehörde IAEO bei. Die IAEO wurde, ebenfalls vor 50 Jahren, auf Betreiben der USA gegründet. Ihre Aufgaben sind die Förderung und Kontrolle ziviler Kernkraftnutzung bei gleichzeitiger Verhinderung der Weiterverbreitung der Atombombentechnik. Ziel war es, die westlichen Staaten von der Durchführung eigener Nuklearforschung abzuhalten, um das Monopol der bestehenden Atommächte zu sichern. Und "zivile" Atomanlagen boten und bieten immer auch die Option militärischer Nutzung.

Die "Achsen des Bösen"

Am deutlichsten wird die Untrennbarkeit von "ziviler" und "militärischer" Nutzung bei Wiederaufarbeitungs- und Urananreicherunsanlagen. Diese können leicht zur Herstellung atomwaffenfähigen Materials umgerüstet werden. Angereichertes Uran und Plutonium werden für den Bau von Atombomben benötigt. Das gleichzeitig abgereicherte Uran findet Verwendung in der Uranmunition, deren panzerbrechende Wirkung z.B. im Kosovo-Krieg geschätzt wurde. Zu Recht gibt es aktuell internationale Bedenken, wenn der "Schurkenstaat" Iran auf eigenen Urananreicherunsanlagen beharrt. Weniger beachtet von der Weltöffentlichkeit wird dagegen die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, die seit 1985 in Betrieb ist und in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Abgereichertes Uran wird von Gronau nach Russland verschenkt. In der Vergangenheit wurde auch deutsche Atomtechnik im großen Stil exportiert, bevorzugt in Krisenregionen und an Militärdiktaturen (Argentinien, Brasilien, Südafrika) und unter Umgehung des Atomwaffensperrvertrags. Deutsche Hilfestellung versetzte z.B. Indien in die Lage, ab 1974 eigene Atombomben herzustellen.

Ausgerechnet der Mitverfasser der Göttinger Erklärung und Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Otto Hahn, war 1953 an einem solchen Deal beteiligt: Der Versuch, Uranzentrifugen nach Brasilien zu schmuggeln, scheiterte aber. US-Kontrolleure beschlagnahmten die in Göttingen zusammengesetzten Geräte, die Brasilien in die Lage versetzen sollten, Uran anzureichern und zu einer Atommacht aufzusteigen. Weder die Produktion noch der Export dieser Anlagen war nach den damaligen Alliierten Kontrollratsgesetzen erlaubt. Vielleicht war es bei den Physikern um Hahn mehr als nur "Selbstbetrug", als sie vorgaben, Atomwaffenforschung strikt abzulehnen. Vielmehr war und ist die Göttinger Erklärung dazu geeignet, die Kittel aller Atomwissenschaftler weiß zu waschen und das Thema Atomenergie von allen negativen Assoziationen zu säubern.

Es gibt keine "friedliche" Atomenergie!

Die Kritik an der militärischen Nutzbarkeit von Atomtechnologie bedeutet nicht, dass rein zivile Nutzung harmlos wäre. Die verheerenden Schäden für Mensch und Natur schon beim Uranabbau, die unvermeidbare Strahlungsbelastung im Normalbetrieb eines AKWs und die ständige Gefahr eines GAUs, die nicht ungefährlichen und rücksichtslos durchgeführten Atommülltransporte und vor allem das unlösbare Problem der dauerhaft sicheren Einlagerung machen Atomtechnologie zu einer nicht vertretbaren Bedrohung. Bestes Beispiel hierfür ist das volllaufende Endlager Asse II. All dieser Probleme mögen sich die 18 Unterzeichner vor 50 Jahren nicht bewusst gewesen sein, an unserer Verantwortung heute darf das jedoch nichts ändern.

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