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"Kunstquartier (KUQUA)" oder "Steidl-Carré"

Mit Kunstquartier ist eine Anzahl von Häusern im Carré Nikolaikirchhof (oben) , Nikolaistrasse (rechts), Turmstrasse (unten) und Düstere Strasse (links) gemeint, die im Besitz des Verlags Steidl sind.

Ecke oben links mit Bäumen der Kinderspielplatz

17.11.16 / Zur Vorbereitung des Bauplatzes für den Neubau des Galeriegebäudes im Kunstquartier (KuQua) wird die Stützkonstruktion auf dem Grundstück Düstere Straße 7 abgebrochen. Die Abbrucharbeiten starten am Mittwoch, 23. November 2016, und werden voraussichtlich vier Tage dauern. Nach einer umfassenden statischen Sicherung im Inneren ist das Fachwerkgebäude Düstere Straße 8 nun ohne die äußere Stützkonstruktion, die sich auf dem Gelände der Hausnummer 7 befindet, standsicher.

Spielplatz muß Kuqua weichen

14.12.16 / Mitteilung der Stadt: "Die vorbereitenden Maßnahmen zum Neubau des Galeriegebäudes im Kunstquartier (KuQua) machen den Umzug des Spielplatzes am Nikolaikirchhof notwendig. Bis einschließlich Mittwoch, 16. November 2016, ist der Spielplatz noch öffentlich zugänglich. Der Ersatzspielplatz am Kinderhaus an der Lohmühle kann anschließend genutzt werden. Die Stadtverwaltung hatte bereits im September über die bevorstehende Schließung des Spielplatzes informiert und Familien eingeladen, die Ersatzspielfläche gemeinsam zu besichtigen, um Ideen und Anregungen von Eltern und Kindern berücksichtigen zu können. Die am Nikolaikirchhof vorhandenen Spielgeräte werden am 17. und 18. November abgebaut und noch im November auf den Ersatzspielplatz umgesetzt. Da die feste Verankerung der Geräte durch die Aushärtezeit für die Betonfundamente eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, wird der komplette Spielplatzumzug voraussichtlich bis Ende Dezember geschafft sein."

Architektenwettbewerb für den Neubau des Ausstellungsgebäudes

23.10.16 / Den Zuschlag hat der Entwurf des Leipziger Planungsteams Atelier ST erhalten. Das wurde am 20.10.16 im Bauausschuss mitgeteilt. Das Preisgericht, das aus Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, der deutschen Architektur- und Kunstszene, des Fördermittelgebers und der Stadtverwaltung bestand, hatte die Entwürfe im April 2016 bewertet. Der nun umzusetzende Entwurf, hatte im Wettbewerb Platz 2 belegt. Im Urteil der Jury hieß es: "Dem Haus gelingt es, Erinnerungen an ehemals hier vorhandene Lagerhäuser zu wecken und zugleich die Aura des Geheimnisvollen und Besonderen zu entwickeln."


Visualisierung des 2. plazierten Vorschlags

"Mit dem erstplatzierten Atelier30 Architekten aus Kassel habe man sich nicht im Rahmen der finanziellen Vorgaben einigen können. Die Kosten für das Gesamtprojekt dürften 3,2 Millionen Euro nicht überschreiten. Außerdem habe das Büro eine Fertigstellung innerhalb des einzuhaltenden Rahmens nicht garantieren können. Die Einhaltung dieser Vorgabe ist nötig, um den vollständigen Erhalt der Fördermittel, durch die das Projekt finanziert wird, zu gewährleisten". Dabei handle es sich um Finanzmittel des Bundesbauministeriums aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus".

Jetzt folgen erstmal die nötigen Vorarbeiten wie die statische Sicherung, die Baugrubenumschließung und archäologischen Grabungen im künftigen Baufeld".

Kommentare

Stadtvorstand DieGrünen 27.10.16
Grüne fordern nachhaltige Kulturentwicklung. Kulturplanung nicht nur auf Fördergelder ausrichten Der Stadtvorstand der Grünen kritisiert weiterhin die fehlende Weitsicht in der städtischen Kulturentwicklung. "Es scheint so, als ob im Falles des KuQuas der durch die Bundesförderung gegebene Reiz mehr Einfluss auf Prioritätensetzung in und Gestaltung der Kulturlandschaft in Göttingen habe, als alle anderen Kriterien",(...). Aufgrund der zu Verfügung stehenden Gelder wurde ein eigentlich zurückgestelltes Großprojekt wieder ausgegraben. Ein Betriebskonzept für das Kunstquartier ist bisher unbekannt. Die Finanzierung des Betriebes steht in den Sternen. "Zumindest ist es gelungen einen KuQua-Entwurf auszuwählen, der die volle Förderhöhe gewährleisten kann, so dass die Stadt nicht auf weiteren Baukosten sitzen bleiben sollte", (...) Problematisch ist dabei insbesondere, dass sich aufgrund fehlender Umsetzung der Kulturentwicklungsplanung die Förderung immer mehr in Richtung Großeinrichtungen verschiebt. Dadurch gibt es immer weniger Geld für kleinere kulturelle Einrichtungen, deren Bestand gesichert werden sollte, um auch Raum und Räume für Kulturschaffende zur Verfügung zu stellen. Hier sei stellvertretend das KAZ genannt, welches aufgrund des EHPs Einbußen hinnehmen musste.

Ratsfraktion Wähler*innengemeinschaft Göttinger Linke 24.10.2016
Die Göttinger Linke fragt sich: Wird in der Düsteren Straße möglicherweise ein Betonbau auf Sand gebaut? (...). Jetzt soll ein an alte Lagerhallen erinnerndes Betonbauwerk den Mittelpunkt des Steidlschen Kunstquartiers bilden. (...) Für die Ratsfraktion der Göttinger Linken besteht das Geheimnis dieser Ausstellungshalle momentan allerdings immer noch eher darin, dass niemand die zu erwartenden jährlichen Folgekosten für das Stadtsäckel wirklich beziffern kann. Auch die immer wieder erhofften und erwähnten Sponsoren bleiben nach wie vor im Geheimnisvollen. Nur die geplanten Streichungen beim Museum und den Ausstellungen im Alten Rathaus scheinen immer noch sicher zu sein. Und das Besondere an dem Projekt besteht momentan eher darin, schnelle Entscheidungen zu treffen, damit uns einkalkulierte Steuermittel aus anderen öffentlichen Kassen nicht entgehen. Besonders ist auch, dass mit Eintrittsgeldern kalkuliert wird, die durch einen über Jahre zu haltenden enormen Besucherandrang erwirtschaftet werden [müßten].

Ratsfraktion FDP 28.10.16
(..) Der Betrieb des Kunstquartiers wird so viel kosten, dass die im Zukunftsvertrag gedeckelten freiwilligen Leistungen an andere erheblich sinken dürften. Zumindest eine schlankere Betriebsform als für das KuQua bisher vorgesehen, mit Wanderausstellungen etwa und ohne eigenen Kurator, wäre konsequent statt Jammern über selbst verursachte Fehler( …). Die FDP Göttingen setze sich für eine deutlich preiswertere Betriebsform des KuQua ein, damit die kleinen Einrichtungen nicht finanziell erdrückt würden. Vor den Folgen des teuren Großprojekts KuQua für Städtisches Museum, Archiv und kleine Einrichtungen hatten die Liberalen stets gewarnt.

 

Architektenwettbewerb mit Vorauswahl nach Vorlieben der Verwaltung

12.10.15 / Für die Umsetzung des Kunstquartiers sollen Planungentwürfe von Architekturbüros eingeholt werden. Dabei wurde von der Stadtverwaltung ein Verfahren vorgeschlagen, bei dem nicht alle Bewerbungen in ein Auswahlverfahren kommen sondern die Entwürfe von 5 Architekturbürosauf alle Fälle ins Auswahlverfahren aufgenommen werden sollen und darüberhinaus nur noch 10 Entwürfe per Los aus der Gesamtzahl der Bewerbungen mit aufgenommen werden sollen.
Die Stadtverwaltung hat sich also schon 5 Architekturbüros nach ganz eigenem Wunsch ausgesucht und damit den Wettbewerb entscheident eingeschränkt. Merkwürdigerweise ist unter diesen Fünf auch das Architekturbüro Sergio Pascolo das bereits viele Jahre Aufträge der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Göttingen erhalten hatte. Damals war der heutige Oberbürgermeister Köhler Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau.
In einer Pressemitteilung der Piraten vom 12.10.15 heisst es: "Auf Nachfrage der CDU im Bauausschuss hatte Dienberg erläutert, die gesetzten Büros hätten mit historischen Baumaterialien besonders viel Erfahrung. »Pascolo hat bislang nur mit Beton und Stahl gearbeitet und nach den bekannten realisierten Projekten keinerlei Erfahrung mit historischen Baustoffen«, kritisiert Ramaswamy. »Dieses Büro muss von der Liste entfernt werden. Sonst sieht es schon wieder so aus, als würden die Aufträge unter der Hand vergeben."
„Bürger müssen von Beginn an einbezogen werden" - Dieses Wahlversprechen Köhlers ist in dieser Vorgehensweise jedenfalls nicht wiederzuentdecken.

Möglich, dass die SPD aufgrund ihrer bekannten Liebe zu Italien von einem Architekten mit Sitz in Venedig begeistert ist und ihn deshalb auch 2014 zu einer Veranstaltung der Göttinger SPD zur Stadtplanung der Zukunft eingeladen hatte. Die Piratenpartei wies allerdings darauf hin, dass Pascolo zu den Architekten gehörte, "die in Berlin 2009 eine Bebauung für Randareale des Tempelhofer Feldes entworfen hatten" . Diese Planung wurde dann durch einen Bürgerentscheid zunichte gemacht. Offensichtlich hatte sich hier die mangelnde Beteiligung der Bevölkerung gerächt. Piraten fordern nun, "alle eingereichten Architekturvorschläge der Öffentlichkeit vorzulegen. Es muss ein Kontingent von mindestens fünf Vorschlägen geben, die in einem demokratischen Abstimmungsverfahren (mit Benotungen) von der Bevölkerung ausgewählt werden können. Vorab gesetzte Büros darf es nicht geben."


"Unterausschuss KuQa"

4.11.16 / Ein Unterausschuss wird dazu benutzt Meinungen einzuholen. Die Entscheidungen fallen jedoch in dem jeweiligen Ausschuss und im Rat, stark beeinflusst von den Fachabteilungen der Verwaltung. Es keine echte Beteiligung.
Wer im Sanierungsgebiet wohnt, arbeitet oder dort Grundeigentum besitzt, kann sich noch bis Dienstag, 8. November 2016, bewerben, um Mitglied in diesem Ausschuss zu werden. Gewählt werden die Mitglieder in einer Quartiersversammlung am Donnerstag, 10. November 2016, um 18.00 Uhr im Sitzungssaal 118 des Neuen Rathauses. Der Unterausschuss soll die Sanierungsmaßnahmen begleiten und hat die Aufgabe, sich mit Fragen der Durchführung der Sanierung zu befassen und die Belange verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Institutionen der südlichen Innenstadt einzubeziehen. Der Unterausschuss soll alle vier Monate zusammentreten und Themen besprechen, die das Sanierungsverfahren in dem Sanierungsgebiet betreffen, zu dem auch das Kunstquartier gehört. Die Ergebnisse und Empfehlungen sollen bei den Beratungen der Fachausschüsse sowie des Rates der Stadt einbezogen werden. Der Unterausschuss besteht laut seiner Satzung aus je einem Mitglied der im Rat vertretenen Fraktionen, verschiedener Gruppen aus dem Stadtteil sowie einer Vertretung des Sanierungsträgers. Die Beteiligung aus dem Stadtteil besteht aus zwei Vertretungen der Bürger- bzw. Grundstückseigentümer/innen, die im Sanierungsgebiet leben oder arbeiten bzw. deren Grundstück im Sanierungsgebiet liegt. Repräsentiert sein sollen außerdem Institutionen der südlichen Innenstadt. In den Unterausschuss entsenden auch der Seniorenbeirat, der Integrationsrat, die Steuerungsgruppe „Inklusion Bewegen“ und die Polizei an beratende Mitglieder. Interessierte können sich noch bis Dienstag, 8. November 2016, beim Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung melden. Anmeldungen nehmen Reiner Tucholla unter der Telefonnummer 0551/400-2545 oder per E-Mail an r.tucholla@goettingen.de oder Martina Welslau unter der Telefonnummer 0551/400-2556 oder per E-Mail an m.welslau@goettingen.de entgegen. Weitere Informationen zum Sanierungsgebiet gibt es auch online unter www.goettingen.de/suedliche-innenstadt und www.kunstquartier.goettingen.de.

 

"Nationales Projekt des Städtebaus mit Strahlkraft" oder "Größenwahn"?

Steidl behauptet, "Göttingen werde sich mit dem "Kunstquartier" einen festen Platz in der deutschen Kulturszene erwerben" (>>zit. dpa) . Einige Häuser sollen mit erheblichen Finanzmitteln des Bundes zu Ausstellungsräumen von insgesamt ca. 1400 qm Fläche umgewandelt werden. Die Förderung erfolgt mit 4,5 Millonen Euro, weil das Vorhaben als "Nationales Projekt des Städtebaus" angesehen wird. Im Jubel über die Förderung mit Bundesmitteln fallen Begriffe wie "spektakulären Kunstachse Paris-Berlin-Göttingen mit europaweiter Strahlkraft". Es wird wird zwar immer wieder hervorgehoben, dass Steidl mit vielen bedeutenden Künstlern in Kontakt stand und steht. Der Verlag verfüge selbst über Sammlungen von Joseph Beuys und Klaus Staeck.
Mit einer Sammlung der Werke von Günter Grass ist immerhin eine Literaturnobelpreisträger dabei. Die Bezeichnung "Grass-Archiv" ist allerdings ein ziemlicher Etikettenschwindel. Das wirkliche Grass-Archiv mit zahlreichen Devotionalien aus dem Vorlass des Autors befinden sich in Lübeck. In Göttingen sollen lediglich alle seine bisher erschienen Werke, auch in diversen Übersetzungen, präsentiert werden. Es handelt sich daher im wesentlichen um eine aus Steuermitteln geförderte Verlagsausstellung ohne weitergehenden wissenschaftlichen Anspruch bzw. Nutzen.
Die Versprechungen lauten "Nach dem Prinzip einer Kunsthalle werden im Galeriegebäude temporäre Ausstellungen präsentiert. Mit dem Kunstquartier Göttingen entsteht ein kulturelles Angebot der Bildenden Kunst in Göttingen mit außergewöhnlichem Anspruch und überregionaler wie auch internationaler Ausstrahlung. Mit dem KUQUA wird das Ziel verfolgt, nicht nur ein Ausstellungsgebäude/Galeriegebäude neu zu erbauen, sondern das gesamte Quartier als Kultur- und Kreativzentrum weiterzuentwickeln." (Unterlagen des Bauausschuss)

Steidl hat zwar Kontakt zu berühmten Photographen (z.B. Lebeck), berühmte Schaupieler als auch Musiker lassen Bücher hoher Qualität bei Steidl drucken. Ob dies alles aber zu einer "regelmäßigen Präsentation bedeutender deutscher und internationaler Kunst" ausreicht sowie die Frage einer Beteiligung der Stadt Göttingen und deren Folgen werden heiss diskutiert.


Alle an einem (Seilschafts-?)Strang:
SPD Verleger , SPD Bundesministerin, SPD Oberbürgermeister , SPD-Jury-Vorsitzender

Kaum ein anderes Projekt hat so viel Geld zugesprochen bekommen wie Kuqua. Selbst Gelsenkirchen hat für das Projekt "Energielabor Ruhr – modellhafte energetische Erneuerung des denkmalgeschützten Gartenstadtbereichs als Beitrag zur Erneuerung eines vom Strukturwandel der Montanindustrie betroffenen Stadtraumes nur 4 Millionen € zugesagt bekommen. Quelle

Dr. Barbara Hendricks (SPD) Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit ist seit 1978 in SPD-Funktionen tätig. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesumwelt- und Bauministerium der Frau Hendricks ist Florian Pronold SPD-Landesvorsitzender Bayern und war Vorsitzender der Jury, die vom Bundesbauministerium aus Mitgliedern des Deutschen Bundestages und Experten verschiedener Fachdisziplinen gebildet worden war.
Bekannt wurde der Zuschlag von 4,5 Millionen Euro für das Steidl-Projekt in der Einführungszeit des neuen Oberbürgermeisters Rolf Georg Köhler (SPD) vormals Geschäftsführer und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender der Städtischen Wohnungsbau GmbH Göttingen.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Steidl GmbH & Co. OHG Gerhard Steidl (SPD) ist seit 40 Jahren eng mit der Partei verbunden. Auch wichtige Geschäftspartner und Kunden seines Verlags wie Klaus Staeck (SPD-Miglied seit 1960) und Günter Grass stehen der SPD sehr nahe mit Verbindungen in die höchsten Kreise.

Die Sanierung des Hauses Düstere Str. 6 mit dem Ziel ein "Grass-Archiv" einzurichten wurde bereits mit 120.000 € Steuergelder aus Mitteln für den Denkmalschutz finanziert - angestoßen vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Oppermann, der auch bei der Mittelvergabe für das KUQUA-Pprojekt eine zentrale Rolle spielt. Kritiker_innen aus den Reihen SPD und Grüne sehen sich von einer Art "Kamarilla um Oppermann und Steidl" überrumpelt. Bei einigen Gewerkschaftern ist die Sympathie für Steidl auch deshalb begrenzt, weil Verlag und Druckerei immer noch keinen Betriebsrat haben.

Kollateralschäden bei der Durchsetzung des Kunst-Quartiers

Das Carré Nikolaistraße, Turmstraße, Düstere Straße, Nikolaikirchhof . In den vergangen Jahren hat Steidl im Nikolaiviertel zielstrebig Häuser aufgekauft. Mittlerweile befinden sich (mindestens) acht Gebäude in seinem Besitz. Davon sind einige derzeit nicht oder nur teilweise bewohnt bzw. werden für betriebliche Zwecke genutzt.

Nikolaikirchhof 6 Das Fachwerkhaus wurde abgerissen. Hier lebte zuvor eine Familie. In dem Neubau, der mit einem Durchgang zum Nebenhaus verbunden ist, soll die Bibliothek des Verlegers untergebracht werden
Nikolaikirchhof 7 (Abriss und Neubau) befindet sich der Buchladen Rote Straße, darüber die Privatwohnung des Verlegers.
Nikolaistrasse 21

In der wohnen noch Menschen (z.T. Angestellte des Verlags), andere Wohnungen wurden zu luxuriösen ausgestatteten Appartements für Besucher (Autoren oder Geschäftspartner) umgestaltet.
Die Nr. 21 soll eine Galerie oder ein Atelier beherbergen, was mit weiterem Wohnraumverlust einhergehen dürfte.
Die geplante Sanierung und Umbau des Galeriegebäudes 2 (Nikolaistraße 21) wurde zurückgestellt (Kostenreduzierung um 1.800.000). Das Gebäude soll "perspektivisch in das Gesamtkonzept einbezogen werden."

Nikolaistr. 22

Scheint leer zu stehen. Die Sanierung und der Umbau als Galeriegebäude 3 wurde zurückgestellt (Kostenreduzierung um 300.000) Beantragt waren die Sanierung der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes und der Ausbau des Erdgeschosses zur Ausstellungsfläche. Für die Maßnahmen im Inneren gilt auch hier, dass diese zurückgestellt werden können, da eine spätere Einbindung in das Kunstquartier möglich ist. Mietfreie Nutzung EG Nikolaistraße 22

Düstere Straße 2 Das Eckhaus / Turmstraße ist jüngst von einer Künstlerin gekauft worden. In dem Haus ist derzeit noch eine Wohnung belegt. Zuvor lebten dort 10 bis 15 Menschen, mehrheitlich Flüchtlinge und Hartz IV Bezieher.
Düstere Straße 5 Hier lebt noch eine Familie, eine andere Wohnung scheint ebenfalls (nur temporär?) belegt zu sein. Alle anderen Wohnungen werden vom Verlag genutzt.
Düsteren Straße 6

Soll das "Grass-Haus" werden. Archiv mit allen weltweit erschienenen Büchern und einer Grafiksammlung. Dort lebte vor der Sanierung eine Familie. Das Grundstück Düstere Straße 6 ist als Schenkung 2015 vorgesehen, dafür sind im Städtischen Haushalt 2015 175.000,00 € als Ausgabe vermerkt. Der Innenausbau wird von Steidl finanziert und durchgeführt und ist nicht mehr Teil des Zuwendungsantrags

Düsteren Straße 7

Hier soll das Hauptgebäude des Kunstquartiers von Steidl entstehen. Vor dem Abriss wohnten hier ca. 15 Menschen in mehreren Wohnungen. Der Neubau als dreigeschossiges Galeriegebäude 1 wurde reduziert auf 3.200.000 € Die in diesem Projekt reduzierten Mittel in Höhe von 100.000 € werden für die statische Sicherung des nördlich unmittelbar angrenzenden Fachwerkgebäudes Düstere Straße 8 aufgewendet

Düstere Straße 8

Die mögliche Veräußerung durch den privaten Eigentümer an die Stadt Göttingen wurde signalisiert. Für den Ankauf sind 400.000 Euro eingeplant. Bei dem nördlich an das neue Galeriegebäude unmittelbar angrenzende Gebäude handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus. Mit dem Neubau des Galeriegebäudes ist eine statische Sicherung erforderlich.

Der "Skulpturenpark" soll auf dem Gelände eines Kinderspielplatzes entstehen. Dieser wird vor allem von Eltern kleiner Kinder sehr geschätzt, weil er nur über einen abschließbaren Zugang vom Nikolaikirchhof zu erreichen ist. Der Spielplatz wurde vor ca. 25 jahren vom Verleger im Rahmen eines Deals mit der Stadt finanziert, um seine Druckmaschinen im Dreischichtenbetrieb laufen lassen zu können. In einem Wohngebiet ist so etwas eigentlich untersagt. Der Wegfall eines der ganz wenigen Kinderspielplätze in der Innenstadt müsste auf jeden Fall kompensiert werden. Man kann davon ausgehen, dass geeignete (städtische) flächen im Umfeld nicht vorhanden sind.

Fazit: In den vergangenen Jahren ist im Nikolaiviertel Wohnraum für midestens 50 menschen zerstört bzw. umgewidmet worden. Dies steht dem Leitbild von 10.000 ständigen Bewohnern der Innenstadt diametral entgegen. Der neue OB Köhler, der sich den Wohnungsbau und -erhalt auf die Fahne geschrieben hat. Müsste davon eigentlich wenig begeistert sein...

Waghalsige Finanzierung

Zu den 4,5 Mio Bundesmitteln fügt die Stadt einen Eigenanteil von 500.000 € hinzu. Aber die 4,5 Millionen € werden mit Sicherheit nicht ausreichen, um das gesamt Kulturquartier in die Tat umzusetzen. Sollte das Hauptgebäude einmal stehen, wird es mit Sicherheit weitere finanzielle Forderungen zur Vollendung des Projekts geben. EinSubventionsloch von beträchtlicher Größe, das immer wieder mit Steuermillonen gefüllt werden muss, scheint durchaus realistisch. Die Finanzierung der Folgekosten für das Hauptgebäude ist völlig unklar. Die Verwaltung geht von jährlich 360.000 € aus, die zur Hälfte von der Stadt übernommen werden sollen. Wer die andere Hälfte übernimmt ist nicht klar.

Das bleibt nicht ohne Folgen. In den Unterlagen des städtischen Bauausschusses heisst es:
Die anteilige Mitfinanzierung der Stadt in Höhe von 50 Prozent der jährlichen Betriebskosten wird durch Fokussierung und Modifikation des bestehenden stadteigenen Kulturangebotes erbracht. Insbesondere durch die notwendige Neukonzeptionierung des Städtischen Museums sowie durch Anpassung des Ausstellungsbetriebs im Alten Rathaus werden die erforderlichen Mittel erwirtschaftet. Im Rahmen der Planung der künftigen räumlichen und baulichen Zukunft des Städtischen Museums ist der künftige angepasste finanzielle Rahmen zu berücksichtigen. Hierbei wird eine Reduzierung und Konzentration der Ausstellungsflächen erforderlich. Personalkostensenkend soll sich die Einführung technischer Überwachungssysteme auswirken. Die Qualität der stadtgeschichtlichen Ausstellungen sollen unter den Einsparvorgaben nicht beeinträchtigt werden. Der heute im Alten Rathaus angebotene Ausstellungsbetrieb insbesondere zeitgenössischer Kunst wird im Hinblick auf das Ausstellungskonzept im neuen Galeriegebäude des KUQUA abgestimmt und ggf. integriert.

Für die Vorbereitung des Ausstellungsbetriebs im KUQUA fallen bereits 2016/2017 jeweils 80.000 € Personal- und Planungskosten und ab 2018 jährlich 180.000 € erforderliche Betriebskosten an, für die im Ergebnishaushalt aus den Produkten Stadtarchiv, Städtisches Museum sowie städtische Kunstausstellungen Deckungsbeiträge vorgesehen (D.h. Gelder abgezogen) werden.

Dann steht da noch "Die freien Kultureinrichtungen werden von diesem Umbau des kulturellen Angebotes nicht durch Kürzungen betroffen sein." (Wers glaubt wird seelig)

Wenn man, nur als Beispiel, berücksichtigt, dass bei einer Ausstellung von Kunstwerken mit hohem Marktwert Versicherungskosten im hohen fünfstelligen Bereich anfallen könnten (und von der Stadt getragen werden müßten), ist ein Verstoß gegen die Vorgaben des Entschuldungsvertrages mit dem Land programmiert.. Bedenkt man, wie erbittert um vglw. kleine Beträge von 5000 € und weniger bei den freiwillen Leistungen gestritten wird, ist es schon erstaunlich mit welchen Summen hier operiert wird.

Kommentar Gerd Nier 18.2.15

Das großkotzige und arrogante Gehabe eines anscheinend sehr reichen Göttinger Verlegers

"Spießig" und "miefig" nennt Herr Steidl all die diejenigen, die nicht unhinterfragt seine Vorstellungen und Pläne für ein Göttinger Kunstquartier nachvollziehen. "Traurig" ist für ihn, dass über 360.000 Euro geschätzte jährliche Folgekosten aus dem Stadtsäckel diskutiert wird. Für ihn anscheinend Peanuts, für die Kulturinitiativen und Kulturschaffenden, für Museum und Stadtarchiv aber jetzt schon ein qualitätseinschränkender bis existenzgefährdender Betrag. Für ihn ist es wohl auch nur ein kleiner Betrag aus der Portokasse, Rats- und Verwaltungsmitgliedern eine Fahrt nach Paris, London und Berlin zu finanzieren, um sich in den europäischen Metropolen inspirieren zu lassen, wie man denn das Jahrhundertprojekt in Göttingen gestalten könnte. Das nach seiner Ansicht "verschlafene" kleine Nest soll endlich den Anschluss an "Millionengeschäfte" wie z.B. die Art Cologne schaffen. Ganz nebenbei erhofft sich Herr Steidl noch die deutliche Belebung des ganzen Nikolaiviertels. Da sollten die Stadtplaner und er mal darauf achten, dass wir in ein paar Monaten nicht leerstehende Markthallen des dann geschlossenen K-Town in unmittelbarer Nähe haben. Mag sein, dass ich ein "Kunstbanause" bin, dem Förderverein KUNST, der ebenfalls seine Bedenken zu dem Projekt formuliert, dürfte dieser Verdacht doch sicher nicht treffen.

 

KUNST e.V. : Bedenken zur Finanzierung

Kultureinrichtungen brauchen Sicherheit!
Diskussion um das KuQua wird von KUNST e.V.kritisch begleitet!

Der Verein KUNST begrüßt die Aussagen des neuen OB Rolf Georg Köhler, dass die Göttinger Kultureinrichtungen keine Kürzungen wegen der Finanzierung des geplanten Kunst-Quartiers (KuQua) durch die Stadt zu befürchten haben. Aus Sicht des Vereins ist für die Göttinger Kultureinrichtungen auf mittlere Sicht trotzdem mit einer Verschlechterung der finanziellen Unterstützung zu rechnen, da durch das Entschuldungshilfeprogramm (EHP) die Ausgaben für freiwillige Leistungen auf 3,24 % des Haushalts gedeckelt sind. Dies führt unwillkürlich dazu, dass nur Einrichtungen wie das DT oder das GSO, in deren Zuschussverträgen feste Steigerungsraten verankert sind, abgesichert sind, während für die kleineren Kultureinrichtungen und Initiativen nur ein kontinuierlich kleiner werdender Betrag übrig bleibt. Wir freuen uns sehr über die von der Stadt zugesagten Zuschusserhöhungen zur Erfüllung der Mindestlohnanforderungen bei Kultureinrichtungen wie musa, KAZ, Künstlerhaus oder Lumiere und anderen. Eine mittelfristige Sicherheit ist damit leider nicht gegeben. Auch das Junge Theater ist trotz seines für 4 Jahre gesicherten Zuschusses nicht gerettet, weil die damit verbundenen Kürzungen von 40.000 Euro nur in diesem Jahr seitens der Stadt ausgeglichen werden!

Vor diesem Hintergrund beobachtet der Verein KUNST die Diskussion um die Finanzierung des geplanten KuQua mit großem Interesse, aber auch mit Sorge. Das KuQua kann eine Bereicherung mit großer überregionaler Strahlkraft für Göttingen werden. Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass das zu erstellende Konzept durchdacht und gerade im Hinblick auf die entstehenden Kosten überzeugend und belastbar ist. Dies scheint uns auf Basis der vorliegenden Informationen noch nicht gegeben. Aus Sicht des Vereins ist dafür im Vorfeld außerdem eine breite Diskussion über Auftrag, Partner und Kooperationen notwendig. So sollten z.B. der Kunstverein und die Universität, möglicherweise auch die Kunsthalle in Duderstadt einbezogen werden, um Kooperationen zu schaffen und Synergien zu nutzen. Auch das Land Niedersachsen sollte bei der Finanzierungsplanung einbezogen und weitere Zuschussmöglichkeiten (z.B. EU) geprüft werden.

Als höchst bedenklich sehen wir die diskutierte Kürzung bei Städtischem Museum und Stadtarchiv zugunsten des KuQua. Für uns sind derzeit weder für das KuQua noch für den langfristigen Betrieb von Museum und Archiv belastbare Konzepte erkennbar. Wir halten diese allerdings für unerlässlich, bevor Entscheidungen über Umverteilungen im Haushalt gefällt werden. Museum und Archiv tragen erheblich zur Reflektion und Identifikation der Stadt bei und haben es verdient, dass Bürger und Rat über Funktion, Anforderungen und finanzielle Ausstattung eine ernsthafte und kritische Diskussion über die zukünftige Ausrichtung führen. Sie dürfen nicht zum Steinbruch für andere Einrichtungen missbraucht werden. Die Stadt steht vor großen Herausforderungen, die mittelfristig eine Gefahr für die kulturelle Vielfalt der Stadt bedeuten können. Dazu zählt auch der große Sanierungsbedarf bei städtischen Spielstätten wie dem Deutschen Theater, dem Ottfried-Müller-Haus oder der Stadthalle. Wir fordern eine breite Diskussion mit Einbeziehung aller Kulturträger, bevor Rat und Verwaltung entscheiden oder gar vollendete Tatsachen schaffen und bieten ausdrücklich unsere konstruktive Unterstützung an.

Für den KUNST e.V. Nils König, Willi Arnold, Tobias Wolff und Anne Moldenhauer