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Hauke Hückstädt

Hauke Hückstädt ist 1969 geboren. 1984 kam er nach Hannover, 1995 bis 2000 war er im Literarischen Salon Hannover tätig. 2001- 2010 war er Geschäftsführer und Programmleiter des Literarischen Zentrums Göttingen. Ab 1. Juli 2010 wird er die Leitung des Literaturhauses in Frankfurt übernehmen. Die Leitung des Literarischen Zentrums in Göttingen wird ab 1.5.2010 seine Dr. Anja K. Johannsen übernehmen.


> Hauke Hückstedt
wechselt zum Literaturhaus Frankfurt


Prof. Heinz Ludwig Arnold †
Publizist/ Herausgeber, und ehemals Vorstandsvorsitzender)des Literarischen Zentrums e.V.

Die Verabschiedung von Hauke Hückstedt erfolgte im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums des Literarischen Zentrums. Bei der Verabschiedung wurde vielfach die Arbeit von Hauke Hückstädt dankbar gewürdigt. Er hat Qualitätsarbeit im Literaturbereich gemacht und sich gleichzeitig auf neue Formate vorgewagt. Der Abschied der PraktikantInnen vom bisherigen Leiter des Literarischen Zentrums fiel besonders emotional aus. Das Literarische Zentrum Göttingens war durchweg geprägt von den dort mitarbeitenden Praktikantinnen und Praktikanten. Darauf hat Hauke Hückstädt selbst immer wieder hingewiesen. Der Abschied der PraktikantInnen von Hauke Hückstädt geriet zu einem anrührenden Ereignis. Im Keller des Deutschen Theaters Göttingen hatten sich heutige und ehemalige PraktikantInnen im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung 10 jahre Lit. zentrum versammelt und Hauke Hückstädt herbeigebeten. Sie überreichten ihm einen minutiösen Modellnachbau des Raumes in dem die Veranstaltungen des Literarischen Zentrums stattfinden. Hauke Hückstädt wurde in diesem Moment von seinen Gefühlen und Tränen überwältigt, was in eine Reihe von Umarmungen überging - einfach herzerweichend war´s .


"Die Metropole ist im Kopf oder nirgends" war der Trostspruch von Hückstädt in der Göttinger Provinz als er von Hannover nach Göttingen gekommen war. Es war die Abwandlung des Satzes "Das Beste der Metropole ist im Kopf oder nirgends.". Aus der gemütlichen kleinen Großstadt Göttingen wechselt Hückstädt nun in die Stadt des Geldes. In Frankfurt dreht sich in der Tat fast alles ums Geld, es ist "die Stadt des pekuniären Ästhetiszismus" (Der Begriff ist auf dem Mist von goest gewachsen - als einmal über Frankfurt an sich diskutiert wurde).

Wenn man nacheinander von einem Foto des Literarischen Zentrums zu einem Foto des Literaturhauses Frankfurt wechselt, wird man geradezu erschlagen von der Pompöshaftigkeit des Frankfurter Gebäudes. Da erscheint ein gigantisches Gebäude wie ein weißer Tempel mit meterhohen weißen Säulen. Dagegen nimmt sich das Göttinger Zentrum wie ein Nebengebäude für Dienstpersonal aus.

Maria Gazzetti die bisherige Leiterin des Literaturhauses Frankfurt meinte zu dem Pompösbau des Frankfurter Literaturhauses: "Diese Räume müssen mehr Geld generieren." Nicht nur die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die es erschweren dürfte, Sponsorengelder einzuwerben, hat Maria Gazzetti im Blick, wenn sie von Veränderungen spricht. Sie meint vor allem den überhitzten, auf Prominenz, große Literaturpreise und Events setzenden Klimawandel des Literaturbetriebs." (FR 2009)

 

Hauke Hückstädt links während einer Vorstellung des Programms des Literarischen Zentrums , rechts März 2010

Das Literaturhaus Frankfurt ist einfach eine völlig andere Dimension ... im Vorstandsvorsitzender ist seit einer turbulenten Mitgliederversammlung im Mai 2009 Dr. Joachim Unseld, der lange Jahre die großen Buchverlage Suhrkamp und Insel geleitet hat. Einem Bericht der Frankfurter Rundschau zufolge nannte er "die Akquise von Drittmitteln als eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre." Da ist die Literatur eng mit dem Geld verbunden. Der zweite Vorsitzende Dr. Hartwig Graf von Westerholt ist Anwalt einer großen Frankfurter Anwaltskanzlei wo sich 24 AnwältInnen mit Gesellschaftrecht, Wettbewerbs- und Wirtschaftsrecht etc. beschäftigen. Schatzmeister ist in so einem Umfeld nicht etwa jemand, der zufällig mal einen Buchhaltungskurs gemacht hat, sondern der Bankier Rudolf E. Dösch, Vorstand der Frankfurter Bankgesellschaft von 1899 AG. Auch Beisitzerin wird man nicht einfach so in dieser Geldstadt, sondern - Beisitzerin ist z.B. Sylvia von Metzler , sie ist im Vorstand der Metzlerstiftung. Die Stiftung hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde 1998 von dem Bankier Friedrich von Metzler gegründet. "Sie berät ein Kuratorium über die Projekte und begleitet sie sowohl finanziell als auch mit Rat und Tat: Für alle geförderten Projekte oder Initiativen werden Mitarbeiter des Bankhauses Metzler als „Paten“ gewonnen." Tja ... wie gesagt "pekuniärer Ästhetizismus" ...allenfalls

Andererseits ist z.B. der Verleger K.D. Wolf ehemaliger SDS-Vorsitzender in der Hochzeit der Studentenbewegung Mitglied im Literaturhaus-Verein. K.D. Wolf und andere haben entschieden klar gestellt, dass das Literaturhauskonzept der bisherigen Leiterin Gazetti ihre Sympathie hat. Gazetti hatte im Zuge der Auseinandersetzungen 2009 ihren Verzicht auf eine Vertragsverlängerung angekündigt, weil sie "einen gewissen «Veranstaltungsdruck» verspürte und lieber «auf das Buch, als auf das Festival» schauen wollte." ... "Die Literaturwissenschaftlerin, die seit 1995 für das Programm Verantwortung trägt, hatte sich stets leidenschaftlich dafür eingesetzt, den Charakter des Hauses nicht der Notwendigkeit zu opfern, höhere Beträge an Sponsorengeldern einzuwerben." Diese Forderungen hatte der alte Vorstand des Literaturhauses brachial versucht auch auf Kosten der Programmleitung durchzusetzen - daraufhin wurde der Vorstand aber - auch wegen Gefühlskälte - abgewählt - das läßt eigentlich hoffen. Ob aber der neue Vorstand unter Unseld eine wesentlich andere Linie fahren wird, darf bezweifelt werden.

Angesichts der Probleme die ihn vielleicht in Frankfurt erwarten könnten muß man befürchten, dass es nicht so leicht sien wird, dort die qualitative Arbeit ähnlich wie in Göttingen fortzusetzen. Möglich, dass er sich bald nach Zeiten zurücksehnt als das Gute der Metropole nur im Kopf und die Probleme der Metropole noch nicht vor seiner Haustür waren. Wir wünschen ihm jedenfalls alles Gute!