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Dialogforum für Flüchtlingsunterkunft

Dialogforum - Regulierung über die Verwaltung

Zusammensetzung der Dialogforen
Vorschläge Initiative Willkommen Flüchtlinge am IWF für das Dialogforum
Bonevo muß lernen, die Kreativität von Freiwilligen POSITIV aufzunehmen

Goest-Kommentar
Grundprobleme im Verhältnis Initiativen-Freiwilligenarbeit - Stadtverwaltung und Betreiberfirmen

>Flüchtlingsunterkünfte
>Flüchtlinge (Übersicht)

 

Dialogforum - Regulierung über die Verwaltung

Das Verfahren zur Installation eines "Dialogforums" wurde bei seiner erstmaligen Anwendung bei der Flüchtlingswohnanlage formalisiert (>>Verfahrensordnung) Die Stadtverwaltung als Ersteller der Wohnanlage Zieten wie als Finanzierer der IWF-Unterkunft hat sich das Recht genommen Regeln für einen Dialog aufzustellen, denen sich auch Akteure unterwerfen sollen, die völlig unabhängig von der Stadt sind.
Was als Sinn und Zweck formjuliert wird ist zunächst akzeptabel:
"Das Dialogforum hat die Aufgabe, die lokalen Akteure zusammen zu führen und zu beteiligen und die Akzeptanz der Einrichtung in der Nachbarschaft , mit den politischen und gese llschaftlichen Kräften im Stadtteil sowie mit Kirchengemeinden, Flüchtlingsorganisationen und anderen lokalen Akteuren herzustellen und zu erhalten."
Dann verschafft sich die Verwaltung allerdings die Oberhoheit über die Verfahren und behält sich das Recht vor, die Sitzung schriftlich einberufen und "Die Vertreter der Verwaltung sind zu allen im Dialogforum behandelten Beratungsgegenständen auf ihr Verlangen jederzeit zu hören.". Immerhin ist festgelegt, dass die Sitzungen öffentlich sind.

Beim Dialogforum IWF riss Siegfried Lieske Dezernent für Personal, Schule und Jugend das Verfahren an sich und führte eine Wahlordnung ein, die "so sein müsse".

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Zusammensetzung der Dialogforen

Wohnanlage Zietenterrassen
(gemäß "Verfahrensordnung")

Vertreter/in je Ratsfraktion
Vertreter/in je Ortsratsfraktion
1 Vertreter/in des Betreibers Wohnanlage
Vertreter/in des Integrationsrates -
Vertreter/in des Migrationszentrums
2 Vertreter/ in Sportvereine im Stadtteil
2 Vertreter/in Bildungseinrichtungen
Drei Vertreter/in Religionsgem.
2 Vertreter/innen der Bewohner*innen
Je ein/eine Vertreter/in der Initiativen

IWF Flüchtlingsunterkunft

Initiative Willkommen Flüchtlinge (Conrad Kelm)
Piraten-Ratsfraktion (Herr Ramaswamy)
ALG-Ratsfraktion (Herr Humke)
Migrationszentrum
Nonnenstieg-Bürgerinitiative
Theodor-Heuss-Gymnasium Hölty-Schule
CDU-FDP- Gruppe (Frau Oldenburg)
SPD-Ratsfraktion (Frau Tekindor-Freyjer) Bündnis90/Die Grünen (Frau Piepkorn)
Bonveno gGmbH Frau Abutalebi
Bonveno gGmbH Herr Bonder
Bauherr IWF Herr Bourzou Rafi-Elizei (EBR)
Frau Sürmann (Paulusgemeinde) Vorsitz

Besonders konkret war der Beitrag der Initiative Willkommen Flüchtlinge IWF
siehe dazu auch >Flüchtlingsunterkünfte / IWF

Vorschläge Initiative Willkommen Flüchtlinge am IWF für das Dialogforum am 8.2.2016

1) Tempo 30 am Nonnenstieg die initiative willkommen flüchtlinge schlägt vor, den nonnenstieg in eine tempo-30-zone umzuwandeln. am besten komplett, mindestens jedoch im bereich des ehemaligen iwf. in dem genannten gebäude leben über 200 menschen, davon ein viertel kinder. die spielmöglichkeiten auf dem gelände sind begrenzt und es ist zu beobachten, dass viele kinder zufuß und mit fahrädern und rollern vor dem iwf spielen. dies zu unterbinden halten wir weder für möglich noch für wünschenswert, weil damit zugleich der kontakt zu den anwohnern und ihren kindern verhindert würde. das wohnviertel würde auch insgesamt von dieser maßnahme profitieren und am nikolausberger weg wurde bereits eindrücklich gezeigt, dass die einführung möglich ist und die vorteile klar überwiegen. wir bitten daher darum, dass unser vorschlag an die zuständigen entscheidungsinstanzen weitergeleitet und möglichst schnell umgesetzt wird. damit sollte nicht bis zum ersten unfall gewartet werden.

2) Barrierefreiheit im IWF – u.a.: Kann der Fahrstuhl wieder in Bewegung gesetzt werden? Weitere Maßnahmen?
3) Mehrere und geöffnete Gemeinschaftsräume zum Essen und zum Klönen

4) Kühlschränke mit abschließbaren Fächern

5) Reinigungsmittel für Bad und Küche und auch Klopapier: Das sollen alles die Flüchtlinge von den 5 Euro pro Tag bezahlen? Kann das nicht Bonveno tragen?

6) Fest im Frühjahr: Einladung an Schulen, Kindertagesstätte und Bonveno, gemeinsam mit uns einen Festausschuss zu bilden für ein Frühjahrsfest!

7) Unser Büro: Die Stadt wollte bis Ende Januar die eingelagerten Büromöbelreste abholen. Das ist leider nicht passiert, sollte aber möglichst bald nachgeholt werden.

8) Unsere Kleiderkammer: Ein Brief an die Initiative: "Sehr geehrte Damen und Herren, wir wollten am Freitag zwischen 15 und 16 Uhr Sachspenden in Form von Kinderkleidung, Rucksäcken, Ranzen und Schulmaterialien abgeben. Leider sind wir weggeschickt worden. Man dürfe die Sachen hier nicht mehr annehmen. Es müsse alles ins zentrale Sammellager in die Robert-Bosch-Breite gebracht werden. Für uns überhaupt nicht nachvollziehbar. Warum muss man mit den ganzen Sachen erst einmal quer durch die Stadt? Warum darf man nicht die Familien hier in der Nachbarschaft unterstützen? Die Ablehnung ist sehr schade und sicher auch nicht fördernd für weitere Hilfsmaßnahmen. Mit freundlichen Grüßen, ..." Der Meinung dieses Leserbriefs schließen wir uns an.

9) Ein Nachbarschaftscafe/Erzählcafe im Viertel: Wer hätte noch Lust darauf? Wer vermittelt uns einen guten Draht an die Wohnungsgenossenschaft um eventuell den unserer Meinung nach hervorragend geeigneten Gemeinschaftsraum in der Ewaldstraße einmal die Woche möglichst kostenfrei zu bekommen? Hier wäre auch Platz für das Anliegen der Organisation "Welcome Dinner": Also das Zusammenführen von Göttingern und Flüchtlingen durch ein gemeinsames Essen.

10) Regelmäßiger Runder Tisch zwischen dem Bonveno-Team und dem Koordinator*innenkreis der Initiative zwecks gegenseitiger Information und Besprechung von Schwierigkeiten.

Bonevo muß lernen, die Kreativität von Freiwilligen POSITIV aufzunehmen

Dr. Michael Bonder ist Geschäftsführer des AWO Kreisverbandes Göttingen , SPD-Abgeordneter im Kreistag und Geschäftsführer der >>Bonveno gGmbH, der Betreibergesellschaft der Flüchtlingsunterkunft Nonnenstieg 72 (IWF) . Bonder sieht keine Notwendigkeit für einen runden Tisch wie ihn die Initiative vorschlägt. Es bestünde die Kontaktmöglichkeit der Anwohner*innensprechstunde. Und außerdem hätten die MitarbeiterInnen schon volle Stundenzettel jenseits der Arbeitszeitordnung. (Anmerkung: Einen Betriebsrat gibts wohl nicht) Erst nachdem immer mehr Diskussionsbeiträge vorgetragen werden, die von Abstimmungsproblemen zwischen Betreiber und Freiwilligen-Initiative berichten lässt sich Bonder gegen Ende der Veranstaltung dazu herab ein Treffen zuzusagen und bietet ein Treffen bis Mitte März an.

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Goest-Kommentar
Grundprobleme im Verhältnis Initiativen-Freiwilligenarbeit - Stadtverwaltung und Betreiberfirmen

Seitens der Initiative und durch Teilnehmer im Publikum wurde geäußert, dass man sich manchmal wie Helfer zweiter Klasse behandelt fühle, Hauptamtliche und Ehrenamtliche würden unterschiedlich behandelt. Man wünsche sich einen Dialog auf Augenhöhe.

Hier wird ein Grundproblem deutlich, dessen Ursachen es zu ergründen gilt. Die Stadtverwaltung hat ein Interesse daran möglichst viele Freiwillige Helfer*innen zu mobilisieren. Bei allen Veranstaltungen wird die Freiwilligenhilfe hochgelobt und versichert, das mit den Flüchtlingen wäre alles nur zu schaffen MIT den Freiwilligen. Hintergrund dieser Einschätzung ist, dass die Stadt nicht so viele bezahlte Stellen einrichten kann und will. Gleichzeitig betont sie, dass die Mitarbeiter*innen der Stadt am Limit mit ihrem Einsatz seien und es nur mit Freiwilligen zusammen ginge. Die Einbindung der Freiwilligenarbeit soll aber so erfolgen als seien die Freiwilligen weisungsgebunden durch die Stadt. Man möchte über die angebotenen freiwilligen Leistungen im Sinne der Stadt verfügen, sie abrufen, verteilen und einsetzen, nach Vorgabe der Stadtverwaltung. Dies zeigt auch die Internetseite mit der man die Freiwilligen-Arbeit organisieren will. Es geht um Zeitspenden, Sachspenden, Geldspenden. Man möchte entgegennehmen und dann bestimmen wie man es verwendet. Dadurch wird bezahlte Arbeit der Stadtverwaltung gespart und alles erfolgt doch so wie es die Verwaltung will. (Bei einer Infoveranstaltung meinte OB Köhler, die Verwaltung sei irritiert über die Formen der Selbstverwaltung in einigen Unterkünften und darüber, dass diese Selbstverwaltung auch noch funktioniere - das müßte doch ein Ansatzpunkt zum Nachdenken sein!

Die Betreibergesellschaft Bonevo gGmbH hat bezahlte Beschäftigte die nach dem Kommando der Leitung funktionieren müssen. Wenn nun Freiwillige drumherum hüpfen ist es für die Betreiber schwer ihre Ordnung durchzuhalten. Nun intervenieren sie mit bürokratischen Restriktionen. Bei Gruppentreffen sollen die Initiativen jedesmal die Namen aller Anwesenden in Listen eintragen. Die Zugangskontrolle ins Haus wird thematisiert, Führungszeugnisse werden verlangt, Räume nur nach Beantragung zur Verfügung gestellt, Gitarrenspielgruppen gecancelt. Wenn dadurch die Freiwilligenarbeit abgewürgt wird, bleibt der Betreibergesellschaft nur die Forderung nach mehr bezahlten Stellen, weil sonst die Arbeit nicht zu schaffen ist . Wenn die Stadt aber keine weiteren Stellen schafft, dann würden sich die Bedingungen für die Flüchtlinge verschlechtern, weil viele Angebote und Hilfen wegfallen, die bisher von Freiwilligen übernommen werden.

Sehr bedauerlich dabei ist auch , dass der Enthusiasmus, die Kreativität, die Begeisterung der freie Initiative und mittelfristig die Motivation der Freiwilligen flöten geht und somit eine großartige Ressource für eine positive Bewältigung der Situation versiegen könnte. In diesem Sinne die dringende Bitte, organisatorische Lösungen zu suchen, die die freiwillige Arbeit von bürokratischen Hindernissen befreien, die die Vorschläge der Initiativen aufgreift und unterstützt und gleichzeitig den Sicherheitsbedürfnissen und den Erfordernissen nach geregelten Abläufen gerecht werden. Dazu sind Absprachen und Koordination auf gleicher Augenhöhe notwendig. Alles andere wäre ein Verlust (G.Schäfer / goest)

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