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Bluenote

Das Bluenote, ein Denkmal der Jazzgeschichte, wurde gnadenlos von der "Strukturveränderung" der Universität überrollt: Gentrifizierung des universitären Untergrunds durch Verdoppelung der Miete. Seit 1.1.2015 ist das Bluenote geschlossen. Die Reihe der geschlossenen Clubs , die auch als Spielstätten für Musiker_innen dienten wird immer länger. EIN NACHRUF

Das Bluenote befand sich 40 Jahre lang in einem typischen Göttinger Gewölbekeller, der zu einemmassiven Gebäude des Studentenwerks gehörte, in dem sich ehemals die Alte Mensa und im ersten Stock ein schöner alter Tanzsaal befanden. Das gesamte Gebäude wurde vom Studentenwerk an die Universität übergeben. Damit begann eine "Renovierung" und Umstrukturierung bei der die Geschichte des Bluenotes weggeräumt wurde.

So sah der Eingang lange Zeit aus

Der alte Schriftzug im Stil der FlowerPower 70er Jahre wurde erst Jahrzehnte später 2009 entfernt - obwohl zu diesem Zeitpunkt der Schriftzug unter Retro-Mode-Aspekten schon wieder aktuell war.

Foto: Eingangstür Alte Mensa. Rechts unter "Blue Note" führte die Treppe zum Blue Note-Eingang.

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Blue Note am Wilhelmsplatz

Das erste Kulturevent, das dran glauben mußte, war das regelmäßig überregionale Tango-Event "Tea-Time-Tango", dem der Zutritt zum Saal im ersten Stock entzogen wurde. Die zuständigen Teile der Universitätsleitung zeigten damit wenig kulturelles Feingefühl. (siehe dazu einen ausführlichen >Artikel ).
Nun wurde dem Bluenote zum Jahreswechsel mit Verdopplung der Miete der Garaus gemacht. Angeblich soll ein Jahr lang dort renoviert werden. Das Bluenote hat am 31.12.14 geschlossen und
ist seit Jahresanfang 2015 für immer Geschichte. Und was für eine Geschichte !

Bluenote ein Denkmal der Jazzgeschichte


In den Anfängen war das Bluenote ein weithin beachteter Ort für Jazz. Alte Plakate an den Wänden zeugten noch lange von dieser Zeit . Bis ca. 2001 hingen die alten Jazzplakate an der Decke. Leider wurden sie unter Mißachtung ihrer historischen Bedeutung entfernt als ein neuer Deckenanstrich erfolgte. Die Plakate zeugten z.B. von folgenden Namen (zusammengefasste Kurzinformationen zu den Musikern aus Wikipedia):

Art Hodes war als Jazz-Pianist, Komponist, Bandleader und Journalist ein originaler Vertreter des Chicago Jazz. Mitte der 1960er hatte er eine eigene, mit einem Emmy preisgekrönte Fernsehserie, die Jazzgeschichte mithilfe berühmter Musikergäste präsentierte. Die LP von 1981 "Blues to Save the Trees" ist ein musikalisches Zeitdokument, das Titelstück ein leiser Protest gegen Abholzung (Startbahn West) und Baumsterben (Saurer Regen). Insgesamt beträgt die Diskografie von Hodes über 100 Alben, darunter auch Soloalben.

Toto Blanke ein deutscher Jazz-Gitarrist trat bereits 1957 mit Gunter Hampel und Otto Wolters auf.1970 wechselte er ins Profilager. Mit der Rockjazz-Gruppe Association P.C. (zu der außer ihm der Bassist Sigi Busch, der niederländische Schlagzeuger Pierre Courbois und die Keyboarder Joachim Kühn bzw. Jasper van't Hof gehörten trat er bei zahlreichen Festivals auf. Für seine Beschäftigung mit der Musik des Tango gründete Blanke gemeinsam mit dem Sänger Raul Montero und wechselnden Bandoneonspielern das "Trio Tango." 2011 erhielt der Musiker für seine künstlerische Tätigkeit den Kulturpreis seiner Heimatstadt Paderborn.

Blues-Musiker Blind John Davis aus Chicago, Illinois. 1952 gehörten Davis und Big Bill Broonzy zu den ersten Blues-Musikern, die in Europa auftraten und Aufnahmen machten.

Joe Viera deutscher Jazzsaxophonist und -pädagoge. Seit 1960 hat er Seminare, Workshops und Vorträge (z. T. auch in anderen Ländern Europas) gegeben und organisiert. 1970 begann er mit der Herausgabe von Jazzunterrichtswerken (Übersetzungen in polnisch, schwedisch und griechisch), für die er ausgezeichnete Instrumentalisten hinzuzog. Joe Viera unterrichtete an der Universität-Gesamthochschule Duisburg, an der Musikhochschule Hannover, an der Universität München und an der Universität Passau. Er ist Mitbegründer der Internationalen Jazz-Föderation und der Union Deutscher Jazzmusiker (seit 1988 erster Vorsitzender). Viera erhielt 1996 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Am 14.6.74 spielte er im Bluenote Göttingen

Joe Pentzlin spielte 1976 im Bluenote. Erste Schallplattenaufnahme bei Columbia im Rahmen der fünf besten deutschen modernen Jazzformationen Tourneen mit dem Joe Pentzlin Trio Produktionen bei diversen deutschen und europäischen Rundfunksendern. 1975 "musikalischer Botschafter" Göttingens mit Tourneen durch Polen und England 1976/77 Schallplatte und Tourneen mit dem amerikanischen Saxophonist/Sänger Eddie "Cleanhead" Vinson

Eurreal Wilford "Little Brother" Montgomery war ein amerikanischer Blues/Jazz-Pianist und -Sänger überwiegend in Chicago. Von 1931 bis 1938 leitete er eine eigene Band. in Jackson zog aber 1941 wieder zurück nach Chicago, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Von dort aus unternahm er ausgedehnte Tourneen durch die USA und nach Europa, u. a. anlässlich des American Folk Blues Festival 1966. In der Nachkriegszeit hat er regelmäßig Plattenaufnahmen gemacht. Am 21.10.75 spielte er im Bluenote Göttingen

Wolfgang Engstfeld Tenor Saxophon, Komposition geb. 1950 in Düsseldorf, begann mit 14 Jahren Saxophon zu spielen. Anfang der 70er Jahre gründete er die Gruppe "Jazztrack" zusammen mit Uli Beckerhoff, Sigi Busch und Heinrich Hock, mit der er vier LPs einspielte und die im Bluenote Göttingen auftrat. Auf Festivals sowie bei Radio- und Fernsehaufnahmen spielte Wolfgang Engstfeld unter anderem mit: Wolfgang Dauner, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff, Toto Blanke. Wolfgang Engstfeld unternahm Konzerttourneen vor allem mit eigenen Bands in ganz Europa, aber auch in Afrika (12 Länder), Japan, Russland, Australien und China. Als Solist spielte er in den Big Bands von WDR u. NDR sowie in der Klaus-Weiss-Bigband. Neben seiner Dozententätigkeit bei verschiedenen Jazzkursen war er Lehrbeauftragter an den Musikhochschulen Hamburg, Aachen und Duisburg und ist seit 1992 Professor an der Musikhochschule Köln im Hauptfach Saxophon. Am 2. Juli 1074 spielte er im Bluenote

 

Phase: Disco, Musikclub

Die Entwicklung des Bluenote ging in den 90er Jahren und ab 2000 den Weg als Disco. Anfängliche Highlights waren die damals noch nicht üblichen Oldie-Nights. Es gab intensive Phasen der Salsa-Discos und African Music bei der "Tropical Night".

Bei den überfüllten Discoabenden rann die Feuchtigkeit von den Wänden bzw. hinter die Holzverschalungen; der daraus aufsteigende Schimmelgeruch wurde zur damaligen Zeit noch meist durch dichten Zigarettenrauch überdeckt. Von außen kommend, war im Unterschied zur frischen Luft draußen aber stets schon ein leichter Kellergeruch am Eingang wahrnehmbar. Wie einiges andere hätte der Eingangsbereich dringend renoviert werden müssen. Bei den Stahlplatten auf der Tanzfläche stand manchmal eine Ecke hoch an der man hängen bleiben konnte. Nach den oberflächlich billigen Renovierungsversuchen sah es stets fast genauso aus wie vorher. Nur bei der Beseitigung der alten Jazzplakate war man äußerst gründlich - ahnungsvoll hatten wir einige davon vorsorlich abgelichtet. Geschäftsführer Fritz Wieck ("Hugo") stieg anscheinend rechtzeitig aus, nachdem das Bluenote weitgehend abgenutzt war, erheblichen Renovierungsstau aufwies und die Zeit mit sprudelnden Eintrittsgeldern und Bierumsatz dem Ende zu ging.


Blick ins Bluenote am frühen Abend


  "Oldie Night"-Disco Samstags nachts

Gelegentlich war der Gewölbekeller absolut voll, z.B. am Freitag bei der african disco (höllisch laut) oder am Samstag bei der "Oldie Night" wo von "Return to Sender", "Griechischer Wein.."; "Motorbiene" bis "Highway to Hell" usw. alles zu hören war. Tanzen war bis 2 Uhr nachts meist nur auf einem Fleck möglich. Damals war die Oldie Night eine der wenigen Stätten an denen sich etwas lockere Angehörige älterer Generationen tanzmäßig auch ohne Paartanzen vergnügen konnten. Die heute (2015) üblichen Ü30, Ü40 usw. Parties gab es damals noch nicht. Die Luft wurde von einem großen Ventilator an der niedrigen Decke über der Tanzfläche verwirbelt. Damit niemand bei "Jump, Jump" mit erhobendem Zeigefinger in den Ventilator kam, wurde ein Gitter davor angebracht.

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Salsa-Disco 2002

Mit zwei Salsa-Terminen war die Latino-Disco überproportional vertreten. Mittwochs waren viele Latino-Studis beim Salsa-Abend anwesend. > Salsa.

Später fanden allerlei neue Versuche statt: türkischer Abend, "Molotovdisco", HipHop-Abend, Reggaedisco, usw.

 

Auszüge aus einem unveröffentlichten Göttingen-Roman (aus dem goest-Fundus) von 1998

Kürzlich war er, spätnachts aus einer Kneipe kommend, auf seinem Nachhauseweg von einem Unbekannten in eine Nische am Wilhelmsplatz gezogen worden, die von den umstehenden Laternen nicht voll ausgeleuchtet wurde. Der packte ihn mit zwei Händen an der Jacke , zog ihn zu sich heran und raunzte ihm unverständliches Kauderwelsch entgegen. Schließlich drückte ihm der alkoholisierte Dunkelmann unter drohendem Gemurmel einen Zettel gegen die Brust (...).

Nun war an ein Nachhausegehen nicht mehr zu denken; auf diesen Schreck hin mußte er zunächst einmal verschnaufen und sich besinnen. Er zippelte seine Klamotten etwas zurecht, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und ging zum Eingang des Blue Note, da die ganze Sache nur wenige Meter entfernt davon abglaufen war. Nachdem er die schmuddelige Treppe hinunter gelangt war bezahlte er, da es Freitag war, die 2 DM Eintritt, ging zur Theke und bestellte sich ein Glas Bier. Der Laden war gerammelt voll, aber weit ab von derTanzfläche am Tresen fand man manchmal noch ein Platz. Er blieb gleich am Tresen sitzen und holte den zerknäulten Zettel aus der Tasche. (...)

So blieb er noch eine Weile sitzen um sich abzuregen und hing seinen Gedanken nach. Im Blue Note war Freitags-Disco, tropical night, und der Keller war überfüllt vorwiegend mit Afrikanern. Das Pling, Pling der westafrikanischen Musik und die Zigarettenrauchschwaden hingen in der Luft. (...) Er zog sich vom überfüllten Tresen zurück in eine dunkle Ecke, fand einen nichtbesetzten Stuhl an einen Tisch, dessen Belegschaft wohl gerade auf der Tanzfläche war, setzte sich und kramte nach einer kurzen Zeit des Abhängens wieder in den Gedanken, die ihn vor dem unerfreulichen Vorfall beschäftigt hatten.

 

Vom Bluenote zum "Electric Note" und wieder zurück

Ab 2009 war das Bluenote auf der Suche nach neuer Identiät. Schilder und Namen wechselten.

Der Name "Electric Note" Anfang 2011 (Foto oben links) scheint sich doch nicht gehalten zu haben - Ende 2011 prangte wieder das Schild "Blue Note" über dem Eingang mit einem kleineren Zusatz der auf elektro hinweist. Das neue Konzept konzentrierte sich auf regelmäßige events mit "elektronischer underground Musik". Entsprechende wurde die Soundanlage neu eingerichtet. Bei der zukünftigen Programmgestaltung kann sich das Electric Note auf eine schon existierende Göttinger Szene der Electromusik stützen, die bisher verteilt eigene Parties gemacht haben und sich nun auf diese Location konzentrieren.

2002


2009


Ende 2011

 

Inhaber mit BlueNote-Geschichte ab 2011


Foto von 2002: Damals arbeitete Farzad Ahmadi-Naini noch an der Theke,

Seit Ende 2011 ist Farzad Ahmadi-Naini der neue Inhaber des Blue Note. Foto: Hier ist er vor dem Bluenote-Eingang, am 23.2.13 zu sehen

 

Offene Bühne vom Kreuzberg on Kultour e.V. (Ab April 2014 im Bluenote)

Die Organisator_innen schrieben zu diesem Vorhaben, das nun durch die Schließung jäh beendet wurde:

"Wir haben rumüberlegt und diskutiert: Ab jetzt wird die Offene Bühne standardmäßig im Blue Note stattfinden: Der Sound dort ist unübertrefflich, der Inhaber hat Bühnenlicht zugesagt, die Bühne ist groß - der Raum auch.Und das ist der Haken: Wir müssen versuchen, es dort voller zu bekommen, damit es richtig schön wird. Es wäre super, wenn wir das dort in etwas größerem Rahmen etablieren könnten! Das Blue Note hilft mit und hat gerade für die Offene Bühne im Juli eine Außengenehmigung beantragt.Dann könnte die Juli-OB auf dem Wilhelmsplatz stattfinden - wäre doch prima, oder? Wenn weiterhin so viele Musiker kommen, wie bisher, überlegen wir, die Startzeit auf 20 Uhr vorzuziehen. - Es scheint auch sinnvoll zu werden, dass Musiker sich vorher anmelden! www.cafe-kreuzberg.de/ckb_old

 

Pressemitteilung des Kreuzberg on Kultour e.V. 5.1.15

Seit dem 1. Januar ist die Kult-Spielstätte Blue Note geschlossen. Damit verliert Göttingen eine wichtige Konzertbühne und wir, Kreuzberg on KulTour e.V., eine lieb gewonnene Lokalität, die im vergangenen Jahr auch zur neuen Heimat unserer monatlichen Offenen Bühne wurde. Wieder einmal muss die Offene Bühne umziehen. Nach der Schließung des Café Kreuzberg, des Cartoons und der BloomingBar, hieß es nun auch Abschied nehmen vom Blue Note. Doch die Karawane der Offenen Bühne lässt sich davon nicht stoppen und zieht nun weiter in den Freihafen/EinsB. Am 8. Januar findet dort zum ersten Mal die Offene Bühne statt. Wie immer geht es um 21 Uhr los. Wir bitten Sie um Unterstützung, damit auch viele Musiker und Zuhörer den Weg zu uns finden. Uns liegt aber auch die Spielstätte Blue Note am Herzen und wir hoffen sehr, dass Sie uns dabei helfen, damit es sich nur um eine vorübergehende Schließung handelt und der traditionsreiche Kellerclub schon bald wieder von Musikern aus der Region und aller Welt bespielt werden kann.


Axel Mehner (rechts) & Klaus Wißmann bei der 100. Offenen Bühne des Kreuzberg on KulTour e.V. am 10.04.2014 im Blue Note

Kreuzberg on Kultour e.V. : "Goodbye Blue Note!"

Göttingen verliert eine weitere Kult-Spielstätte Das Blue Note – nach seiner Eröffnung 1974 wurde es zu dem berühmten und einzigen Live-Club der Göttinger Innenstadt mit internationaler Bedeutung! Musikgrößen wie Champion Jack Dupree, Louisiana Red, Eb Davis oder Eddy C. Campbell waren neben unzähligen anderen internationalen Stars im Göttinger Jazzkeller zu Gast. Auf den Touren, die Deutschlands größter Konzertveranstalter Fritz Rau buchte, war das Blue Note immer eine feste Station. Blind John Davis benutzte für ein LP-Cover sogar ein Foto, das im Blue Note aufgenommen wurde ( LP-Cover (Lippmann + Rau Records!: Blind John Davis, aufgenommen am Traditionsklavier im Blue Note Doch seit den 90ern wechselten immer wieder die Betreiber und der Fokus lag dann aus wirtschaftlichen Gründen viele Jahre auf einem reinen Discobetrieb.

Das Blue Note wird wieder ein Live-Club : 2009 beschloss der Verein Kreuzberg on KulTour e.V. die Konzerttradition dieser Kult-Spielstätte wieder aufleben zu lassen. Zwar gastierten dort nun keine Jazz- und Bluesmusiker mehr, doch lokale, überregionale und internationale Bands traten regelmäßig im Blue Note auf. Es wurde außerdem wieder ein fester Bestandteil der großen Göttinger Events, wie des Indoor Altstadtfestes oder der SoundBase bzw. späteren SoundInvasion. Auch die Offene Bühne des Vereins fand dort eine neue Heimat. Von den vielen Konzertplakaten, mit denen einst die Decke und Wände des Blue Note tapeziert waren, ist zwar schon lange nichts mehr zu sehen, doch viele der Musiker wussten trotzdem um die musikgeschichtliche Bedeutung der Blue Note-Bühne und waren stolz dort spielen zu können. Das Spielstättensterben geht weiter Doch damit ist nun Schluss. Nachdem sich erst im Februar 2014 die BloomingBar in die Kette der Spielstättenschließungen einreihte, verliert Göttingen nun mit dem Blue Note auch noch seine international renommierteste Kult-Bühne. Da die alte Mensa am Wilhelmsplatz von der Universität zu einem Seminar- und Tagungszentrum umgebaut wird, soll auch das Kellergewölbe renoviert werden. Das ist zwar zu begrüßen, doch ob es nach der Fertigstellung 2016 wieder ein Gastronomiebetrieb werden wird, in dem auch Live- Musik möglich ist, ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Schon vor den Renovierungsplänen stand die Zukunft des Blue Note in den Sternen, da die Universität eine Verdoppelung der Miete plant. „Das sei unbezahlbar“, so Farzad Ahmadi, letzter Betreiber des Blue Note. Andere Interessenten wurden durch die lange Wartezeit bis zur Neueröffnung abgeschreckt. „Eine so lange Schließung ist für einen Live-Club, der ohne finanzielle Unterstützung auskommen muss, ohnehin tödlich“, so Klaus Wißmann, 1. Vorsitzender des Kreuzberg on KulTour e.V.. Ohne das Blue Note fehlt Göttingen eine der wichtigsten Konzertbühnen. Darunter leidet die Göttinger Musikszene, denn nun sind dort voraussichtlich keine Konzerte mehr möglich. Kreuzberg on KulTour e.V. hatte in den vergangenen Jahren nicht nur das Blue Note, sondern auch andere Spielstätten in Göttingen massiv unterstützt bzw. neue Spielstätten geschaffen. „Doch diese nur geringfügig, zu spärlich und zu hindernisreich geförderten Anstrengungen reichen nicht, um an verschiedenen Stellen der Stadt das Spielstättensterben zu stoppen“, betont Wißmann: „Das Blue Note ist nun das neueste Opfer und ein unwiederbringlicher, bedeutender Verlust für die Attraktivität Göttingens.“

Wie kann geholfen werden? Wünschenswert wäre eine Intervention der Politik und des Kulturdezernates, um das Interesse der Stadt am Live-Club Blue Note gegenüber der Universität zumindest zu artikulieren. Mit vereinten Anstrengungen wäre es ja vielleicht doch noch nicht zu spät! „Kreuzberg on KulTour e.V. würde jedenfalls auch zukünftig gerne nach Kräften einen Live-Club dort aktiv unterstützen“, versichert Wißmann.