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- Göttinger AutorInnen -
Wolfgang Bittner

Die Eroberung Europas durch die USA
Lesung in der Torhaus-Galerie / Bittner: "Als ich nach Göttingen kam…"
Bittners neuer Roman: "Hellers almähliche Heimkehr"

Wolfgang Bittner lebt seit 2009 wieder in Göttingen, wo er früher Rechtswissenschaft, Soziologie und Philosophie studiert hatte. Er ist promovierter Jurist. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt und er erhielt mehrere Preise. Bittner hat mehr als 60 Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder veröffentlicht. Er übernahm Lehrtätigkeiten im In- und Ausland, darunter zwei Gastprofessuren in Polen. Er ist Mitglied im PEN und im Verband deutscher Schriftsteller, dessen Bundesvorstand er von 1997 bis 2001 angehörte >>www.wolfgangbittner.de

Dr. Wolfgang Bittner / Foto: goest

 

Veröffentlichung 2014
Die Eroberung Europas durch die USA

Autorenlesung Wolfgang Bittner 8. Dezember, 2014
19 Uhr im Holbornschen Haus, Rote Straße 34
Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Stiftung in Niedersachsen Eintritt frei

Der Autor liest aus seinem neuen Buch Die Eroberung Europas durch die USA. Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung am Beispiel der Ereignisse in der Ukraine.

Seit Beginn der Ukrainekrise wird der russische Präsident Putin in den westlichen Medien als kriegslüstern, imperialistisch und als das personifizierte Böse schlechthin dargestellt. Weit weniger wird über die Rolle der USA berichtet, die mit erheblichen finanziellen Mitteln ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen in der Ukraine verfolgten, was schließlich zum Sturz der gewählten Regierung der Ukraine und zur Wahl von Arsenij Jazenjuk als neuen Ministerpräsidenten durch das ukrainische Parlament beigetragen hat. Arsenij Jazenjuk gilt als ausgewiesener Freund der USA. Wolfgang Bittner präsentiert in seinem neuen Sachbuch einen Überblick seit Beginn der Maidanereignisse und stellt seine Analysen zur Diskussion. Welche Rolle spielt die EU und spielt Deutschland in diesem Prozess? Welche Motive lassen sie im Kontext der Ukrainekrise zum Nachteil der eigenen Wirtschaft handeln?

 

Lesung in der Torhaus-Galerie /
Bittner: "Als ich nach Göttingen kam…"

30.6.13 / Text: Awi / Unter dem oben genannten Motto las Dr. Wolfgang Bittner am 23.07.2013 in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof.

Es sollte ein Experiment sein, das neugestaltete Torhaus an diesem Sonntag für eine literarische Veranstaltung zu öffnen.

Mit rund fünfzig Besuchern war die Galerie einerseits gut besucht , andererseits aber auch ein ungezwungenen Kontakt zwischen dem Schriftsteller und seinem Publikum möglich.


Das Torhaus , Kasseler Landstraße

Zum Einstieg las Bittner einen kurzen Text, der die Stimmung in Göttingen bei einem samstäglichen Stadtbummel so einfing, dass die Zuhörer trotz der feinen Ironie und dem teilweise augenzwinkerndem Spott, Bittners Zuneigung zu seiner alten/neuen Wahlheimat spüren konnten.

Die folgende Lesung aus seinem nach wie vor hochaktuellen Debütroman: "der Aufsteiger" nahm das Thema Göttingen ein zweites Mal auf.
Der Protagonist des Romans beginnt vor dem gesellschaftlich politischen Hintergrund der 60er und 70er Jahre an der Wilhelm- August Universität sein Studium. Das Kapitel das Bittner vortrug setzt sich, nicht ohne Humor, in kritischer Distanz mit Form und Inhalt zweier Vorlesungen auseinander, die der Romanheld Wegner besucht. Dabei wird der Geist dieser Jahre und die Atmosphäre im Hörsaal so dicht und anschaulich, dass wohl mancher Zuhörer sich an eigene Studientage erinnert fühlte. Das Thema des Romans, der Aufstieg eines jungen Menschen, heute würde man sagen aus der bildungsfernen Schicht in das Akademikermilieu, ist dabei aktueller denn je. Man muss nur die Debatte um Eliteförderung und Studiengebühren mitdenken. Auch das Thema der Auseinandersetzung mit der NS Zeit, ist auf bedrückende Weise durch die Morde der NSU und Zunahme rechtsradikaler Gruppen gegenwärtiger denn je.

Dieses Thema greift Bittner im letzten Teil der Lesung aus seinem neuen Roman" Hellers allmähliche Heimkehr" auf (Siehe goest-Besprechung weiter unten). Diesmal spielt die Handlung nicht in Göttingen, sondern in der fiktiven Kleinstadt Salfelden. In einer Rezension von Wolfgang Lieb heißt es dazu aber sehr treffend Salfelden beschreibt einen" Mikrokosmos, der alles zu bieten hat, was man sich an politischen, wirtschaftlichen und publizistischen Interessenverflechtungen und Skandalen vorstellen kann und deswegen realistisch erscheint, weil man ständig und überall damit konfrontiert ist"(Nachdenkseiten, die kritische Website). Auch hier machte Bittner durch die Auswahl des vorgelesenen Abschnittes Lust auf mehr. Eine Rezension des Buches finden sie hier.

Das Experiment Literatur im Torhaus verlangt nach dem gelungenen Einstieg unbedingt nach einer Fortsetzung. Dabei Schriftsteller zu Wort kommen zu lassen , die mit Göttingen verbunden sind scheint mir eine gute Idee.

 

Bittners neuer Roman:
"Hellers almähliche Heimkehr"

Nächste Lesung in Göttingen: 23.6.13 Torhaus-Galerie 16 Uhr "Als ich nach Göttingen kam", Lesung mit Wolfgang Bittner. Der Autor liest aus seinem kürzlich erschienenen Roman "Hellers allmähliche Heimkehr" sowie Texte über Göttingen.

Roman von Wolfgang Bittner, Verlag André Thiele VAT, erste Auflage Juni 2012, (printed in Israel) 239 Seiten, 19.90 €

Eigentlich ein gefundenes Fressen für goest - die Besprechung eines Romans, bei dem es um Lokalpolitik und Journalismus geht. Darüberhinaus geht es auch noch darum, dass ein Journalist geradlinig bei seiner politischen Auffassung bleibt , die daraus resultuerenden Schwierigkeiten mit seinem Verleger in Kauf nimmt (das droht goest bestimmt nicht) und letztenendes in eine politische Redaktion eines kleinen Lokalmagazins wechselt. Realistischerweise nimmt der Autor an, dass es sich um ein anzeigenfinanziertes Blatt handelt. Die Analogie wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es auch noch ein nicht-kommerzielles Internetmagazin gewesen wäre.

Bittner hat in mehrfacher Hinsicht einen politischen Roman geschrieben. Als Journalist zu seinen politischen Auffassungen zu stehen und trotz Anfeindungen und negativen Folgen die Wahrheit zu schreiben. Das allein wäre schon als politisches Thema genug. Aber Bittner nimmt nahezu jede Möglichkeit in der fortlaufenden Handlung wahr, um politische Inhalte auszubreiten, einzuflechten anzudeuten. Das Beispiel einer 1.Mai-Rede über die Heller die Hauptfigur des Romans einen Bericht schreiben will, ist dasseher noch brachial deutlich. Ein DGB-Vorsitzender zieht dermaßen vom Leder, dass es nur so kracht. "Die Regierung ist zum Erfüllungsgehilfen der Wirtschaftslobby geworden (...) der Siegeszug des ungebremsten Kapitalismus... ....Die Spekulanten verzocken unser Geld .....ein Viertel der Bevölkerung am Rande oder unterhalt des Existenzminimums, allein über eine Million von Hartz IV...." (S.97) Gleichzeitig tauchen Nazis als Störer auf. Dann wird die Abwiegelei des Polizeileiters beschrieben, der keine organisierte Störung von Nazis, sondern nur Äußerungen kritischer Einzelmeinungen gesehen haben will. Diese Sichtweise wird durch Hellers Zeitungsarbeit in der Öffentlichkeit schärfstens korrigiert. Das gefällt dem Herausgeber des "Tagblatt" nicht und irgendwann muß Heller gehen. (der Autor hat sicher nicht dabei ans Göttinger Tageblatt und dessen Fotograf Heller gedacht! Es ist immer wieder von der Ortschaft O. die Rede, unweit von der Küste, vielleicht Oldenburg)

Der Kampf um journalistische Ehrlichkeit, wie auch die Bennenung von Nazis und Hintermännern, die Aufdeckung ihrer Täterschaft bei Anschlägen, gegen alle Beschönigungen und Vertuschungsversuche zieht sich als Linie im Buch durch. Auffälligerweise wird zwar die Aufdeckung von Naziaktivitäten und deren strafrechtliche Verfolgung (der Autor ist Jurist!) kontinuierlich in die Geschichte eingebaut aber die Argumente der Nazis, die zu "geschlossenen rechtsradikalen Weltbildern" führende Ideologie wird nicht immer mit Gegenargumenten aufgelöst. Das scheint bedenklich wenn z.B. der emotionale Ausbruch eines Unternehmers mit geschlossenem rechtsradikalen Weltbild beschrieben wird. Dies lässt nicht nur Heller, sondern auch den Leser ratlos zurück, denn es taucht niemand auf, der detailliert dagegen argumentiert (134 ff). Die meisten LeserInnen des Romans werden immun sein gegen die beschriebenen Naziplattheiten. Jedoch befällt einen Unwohlsein bei der Annahme, dass diese Plattheiten genau die Denke einer großen Masse Menschen ist, ohne dass man sie mit einfachen Gegenerklärungen erreichen könnte. Die im Roman geweckte Hoffnung, dass das Problem durch die Auswechslung des korrupten Polizeichefs (auch noch mit Hilfe des BKA) gelöst werden könne, ist vermutlich in sich selbst illusiorisch aber ignoriert auch, dass dadurch die rassistischen Grundstimmungen in der Bevölkerung nicht beseitigt werden. Auch aufklärende Zeitungsartikel können hier nur einen begrenzten Beitrag leisten.

Was die Einflechtung politischer Themen insgesamt angeht, so könnte man eine lange Liste derjenigen Themen erstellen, die Bittner in seinem Roman anspricht: Uni, Studenten, akademischer Karrierismus (mit der verdienstvollen Erinnerung an die >>Antrittsrede Schillers in Jena, deren Kritik an den verschleierten materiellen Interessen vieler Professoren heute fast noch aktueller als damals ist.)

Das Thema Afghanistan und die Traumatisierung von Soldaten wird eingeflochten im Gespräch mit einer Gasthauswirtin. Oder: auf dem Weg Hellers zwischen Apotheke, Museum und Altenheim wird kurzerhand über zwei Buchseiten hinweg eine Analyse der Adelsherrschaft früherer Zeiten eingeschoben "der ganze Kontinent war lückenlos von irgendwelchen adeligen Gaunern, Erpressern und Kriegstreibern besetzt." dassHeller als Hauptfigur des Romans Chefredakteur einer Lokalzeitung wird, ergibt sich die Möglichkeit auch das Thema Nahverkehr und Privatisierungspolitik einzuflechten. (44) Bebauungspläne, und überall "Kungelei und Vetternwirtschaft". Dass der Sohn Hellers sich in Westafrika aufhält verschafft die Gelegenheit, ihn eine lange Email an den Vater schreiben zu lassen, mit einer Kritik an der Entwicklungshilfepolitik in der die Verschleuderung von Steuergeldern für das aufwändige Leben von Diplomaten im auswärtigen Dienst beschrieben wird und "wie skrupellos die Ressourcen dieser Länder zum Nachteil der Bevölkerung ausgebeutet werden." Und so könnten weitere Textstellen dieser Art aneinandergereiht werden, die immer wieder eingeflochten sind in den Beschreibungen z.B. von Treffen mit Freunden, Parties oder intimen Zweierbegebenheiten.

Am Anfang des Buches ist ein Nachdenken Hellers über sein Schicksal zu lesen: "Sein Engagement war ihm nie von Vorteil gewesen hatte ihn auch jetzt wieder ins Abseits gebracht und ihn seine Stelle gekostet ... Ein Gen-Defekt dachte er, eine Art Gerechtigkeiswahn, womöglich eine psychische Störung ..." (S. 17) Damit rührt der Buchinhalt an ein merkwürdiges Phänomen, das auftritt, wenn einfache aber grundlegende Wahrheiten so laut und deutlich geäußert werden, dass eine Reaktion darauf nur der Schrei nach Veränderung sein kann. Wer Angst vor einer Auflösung bisheriger Ordnung hat, muß dies als peinlichen Druck empfinden und wendet seine Emotionen oftmals gegen den Verkünder der Wahrheit. Die Abwehr kommt jedoch oft eher verdeckt daher mit einer Bemerkung wie, "das ist doch alles etwas einfach dargestellt zu undifferenziert". Wenn aus dem Gesagten nur die Konsequenz einer umwälzenden Veränderung gezogen werden kann, müssen diejenigen, die diese Änderung nicht wollen, das Gesagte bekämpfen. So kann es kommen, dass der Verkünder der Wahrheit immer und immer wieder alleine dasteht und unter den Reaktionen zu leiden hat, so wie sie Bittner an seiner Romanfigur Heller beschreibt. Heller hat sogar Angst darüber depressiv zu werden.

Sollte ein Leser nun auf die Idee kommen, in Bittners Roman ein gerüttelt Maß Autobiographisches zu vermuten, wird er darüber stolpern, dass Bittner solcherlei Ansinnen ahnend im Roman selbst kommentiert: als Heller über die Begegnung mit einer Schriftstellerin berichtet sagt er zu seiner Gesprächspartnerin u.a. : "Begehen Sie nicht den Fehler, die Autorin mit der Protagonistin gleichzusetzen." (47) Doch dann fällt der Fortgang des Romans dieser Abwehr in den Rücken, denn genau diese Autorin von der die Rede war hat in autobiographischer Weise intime Erlebnisse mit Heller in ihren neuesten Roman eingebaut. Das lässt einen dann rätselratend zurück, wie es wohl Bittner mit Autobiographischem hält.

Bittner bei einer Veranstaltung im Apex am 10.12.12

Veranstaltung und Werkstattgespräch mit Wolfgang Bittner:
"Vom Schreiben leben"

Seine Werke, überwiegend Romane und Erzählungen, aber auch Aphorismen, handeln vom schwierigen Spagat zwischen politischen Einsichten und alltäglichem (Fehl)Verhalten. Bittners Prägung durch kritische Theorie und politisches Engagement durchzieht sein Werk. Bittner wird in seinem Vortrag über das Schreiben selbst reden, aber auch über die gut zu planenden Wege der Veröffentlichung. Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Wer nicht nur für sich Erlebtes und Erdachtes festhalten will, sondern schreibt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist bestimmten Bedingungen unterworfen und bedarf spezieller Kenntnisse, abgesehen von einer Begabung für den Umgang mit Sprache und mit seiner Fantasie. Es reicht nicht, etwas zu schreiben; es muss auch angeboten, veröffentlicht und honoriert werden. Wolfgang Bittner, ein erfahrener Autor, gibt Auskunft und zeigt Wege durch den schwierigen Alltag der freien Schriftstellerei.

Zugrunde liegt sein Buch "Beruf: Schriftsteller – Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will?"allitera-Verlag, Überarbeitete Neuausgabe 2006 (Erstausgabe 2002) 148 Seiten, 12,90 €

12.12.12 /Der verdi-Ortsverein Göttingen lud ein zu einem Vortrag von Wolfgang Bittner "Vom Schreiben leben" am 10. Dezember um 20 Uhr im APEX. Organisiert wurde die Veranstaltung von der >Gruppe der verdi-Freien (JournalistInnen, FotografInnen,..., SchriftstellerInnen) in ver.di


Die gängige Literatur der Gegenwart ist weitgehend "gesellschaftskonform", das Widerständige, wie es beispielsweise früher bei Andersch, Böll oder Sehers zu finden war, sei lange vorbei. Wer aus dem gesellschaftlichen Konsens ausbreche, wie z.B. Martin Walser oder Günter Grass, so Bittner, sei der Zurechtweisung und gesellschaftlichen Sanktionen ausgesetzt.
Versuche, Qualitätskriterien für Literatur zu formulieren unterscheiden zwischen "industrieller Literaturproduktion, die mit großen Gefühlen handelt aber nicht auf Schöpferisches, sondern auf vorgefertigte Formen zurückgreife. Dies stehe im Gegensatz zu jenen, die wie Max Frisch z.B. formulierte "aus Notwehr schreiben", oder aus einem dringenden inneren Antrieb schreiben müssen. Hochgeschätzte Literatur wurde oft genug von verarmten Schriftstellern hervorgebracht. "Diejenigen, die es ernst meinen, bei denen kommt es nicht von außen". Damit hatte der Veranstaltungstitel eine Doppeldeutigkeit realisiert, "Vom Schreiben leben" erhielt die Bedeutung "Schreiben, um weiterleben zu können".
Nach den allgemeinen Einschätzungen bezüglich der immer stärkeren Unterordnung des Literaturbetriebes unter wirtschaftliche Interessen gab Bittner Einschätzungen, Erfahrungen und Ratschläge zu Vertragsgestaltung, Umgang mit Verlagen, Honoraren, Steuern, Urheberrechten Schrifstellerverbänden, Rechtshilfen und beantwortete anschließend auch entsprechende Fragen aus dem TeilnehmerInnenkreis.

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