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Muttertag

Vorwort
2011 Wiener Ansatz für einen neuen Muttertag

Problemaspekte
Den Muttertag haben die Nazis nicht erfunden
Die feministische Mütterfraktion
Einfach erkennbare Irrwege
Schwierige Frage: Transgender, Mütter und Feminismus
Schwierige Frage: Reproduktionsmedizin und Mutterschaft

Einerseits/andererseits
Einerseits: Muttertag als "Tag der Gebärmaschine" abschaffen!
Andererseits: Mamas darf man/frau aber auch lieb haben!
Muttertag und Schwangerschaftsunterbrechung
Muttertagsanzeige aus politischen Gründen abgelehnt

(2006 / 2007 / 2008 / 2009 jeweils leicht überarbeitet - 2009 ergänzt um 2 neue Artikel / 2011 ein neuer Artikel)

Vorwort
Der zweite Sonntag im Mai ist in Deutschland Muttertag.
Es ist kein gesetzlicher Feiertag und auch kein religiöser Feiertag. Dennoch ist er in Kalendern als Muttertag gekennzeichnet. Abgesehen von früheren muttermäßig angehauchten Bräuchen tauchte der Muttertag zuerst in den USA 1907 auf und wurde 1914 dort offiziell eingeführt. Mehrere europäische Länder folgten, in Deutschland wurde er 1922/23 angeblich durch den Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber eingeführt.
Der Reiz zur Analyse entstand , weil die emotional intensive Ablehnung des Muttertags in der linksalternativen Szene mit der fortdauernden verbreiteten Praxis am Muttertag kontrastiert. Der Tag lässt viele dann doch nicht gleichgültig und fordert immer noch zu Bemerkungen heraus.
Selbst der Versuch, das Thema von allen Seiten zu beleuchten ist hier wohl nicht ganz gelungen aber vielleicht hilft der Text eine Orientierung für jene zu finden, die nicht von vornerherein alles ganz einfach sehen.

 

2011 Wiener Ansatz für einen neuen Muttertag

5.5.11 Wiener Aktivistinnen machen am Muttertag die >>weltweite Müttersterblichkeit zum Thema:
auch noch "2011 sterben rund 350.000 Frauen pro Jahr bei der Geburt oder an den Folgen: Todesfälle, die zum größten Teil durch bessere gesundheitliche Versorgung und verbesserte soziale Rahmenbedingungen verhindert werden könnten"
"Sie fordern statt Kommerz und Ideologisierung von Mutter-Sein eine offene Diskussion über Strukturen und Bedingungen aktueller Versorgungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit, die Frauen leisten.
" >>Standard [Anmerkung: dabei sollte die entsprechende Arbeit, die von Vätern oder anderen Personen geleistet wird nicht vergessen werden]

Aktion 20.000 Frauen: "Strukturdebatte mit Herz statt Muttertagskommerz Für eine politische Mütterlichkeit Wir sind sehr gerne Mütter. Mutter-Sein ist eine der tiefsten Empfindungen und Erfahrungen, die uns geprägt haben. Dennoch sind wir immer wieder, jede für sich individuell und situationsabhängig, überlastet, denn wir werden für jede Art von gesellschaftlichem Versagen als Mütter verantwortlich gemacht. Das spaltet uns. Und das ist eine Zumutung."

AktivistInnen und KünstlerInnen setzen "sich kritisch mit dem Begriff der Mütterlichkeit auseinandersetzen" ein >>"Müttermanifest der Neuen Frauenbewegung" ist im Umlauf.
Das Thema Mütterarmut Kinderarmut Alltagsbewältigung armutsbetroffener Mütter die Auseinandersetzung mit strukturellen Hintergründen wie geschlechtsspezifische Einkommensdifferenzen, schlecht bzw. unbezahlte Sorgearbeit, mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sowie die gemeinsame Entwicklung von Strategien gegen Frauenarmut im Allgemeinen und Mütterarmut im Besonderen

 

Den Muttertag haben die Nazis nicht erfunden
Die Nazis haben den Muttertag nicht erfunden, aber sie haben ihn als offiziellen Gedenktag in ihre rassistische Ideologie eingebaut. Die Frau wurde als Gebärinstrument für die Herrenrasse definiert, deren Leistung für die Gemeinschaft mit dem Mutterkreuz eine Auszeichnung erhielt. 1938 wurde das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" eingeführt und Müttern mit der "richtigen Rassenzugehörigkeit" nach einem "Ariernachweis" verliehen, wenn sie besonders viele Kinder zur Welt brachten. Bezeichnenderweise erfolgte dies kurz vor Kriegsausbruch, da liegt die Vermutung nahe, dass man die biologische Produktion von Soldaten fördern wollte. Das Mutterkreuz in Gold gab es erst ab 8 Kindern. >> Mutterkreuz / Bild

Die feministische Mütterfraktion
Die feministische Linie in der Mutterdiskussion , die bei der ursprünglichen EInführung 1922 in den USA eine Rolle spielte kam auch später noch zum tragen. Im Jahr 1987 hatten Frauen aus der feministischen Ecke der Grünen gar ein "Müttermanifest" geschrieben und den Müttern eine besonders positive Rolle zur Veränderung der Gesellschaft durch die Mütterlichkeit zugeschrieben: "Das Wissen von Müttern, von den Werten, die sie im Zusammenleben mit ihren Kindern erleben und lernen, fehlt überall im öffentlichen Bewusstsein. Die Erfahrung von Schwangerschaft und Geburt, das Erleben des Heranwachsens und Heranreifens junger Menschen unter unserer Obhut, gibt Müttern die Chance, den inneren Zusammenhang zwischen Mensch und Natur täglich neu zu spüren." (1987 Müttermanifest) Übrigens als wir 2006 bei Google "Müttermanifest" eingaben, fragte Google zurück "Meinten Sie Männermanifest?" Inzwischen (2008) wird der Begriff gleich gefunden.

Einfach erkennbare Irrwege
Die kommerziellen Interessen der Geschäfte für Blumen und Geschenke mögen uns nicht weiter interessieren, sie sind analytisch einfach als Geschäftemacherei abzutrennen. Auch die Begründung, "Muttertag ist ein Angriff gegen die Befreiung von Frauen aus der herrschaftsbezogenen Geschlechterrolle" kann schnell als richtig abgehakt und mit der Forderung "Rechte statt Blumen" verbunden werden. In dem Sinne wäre eine Umlenkung auf den 8. März als internationaler Frauentag naheliegend. Soweit, so langweilig und abgehakt. Aber es gibt noch schwierige Fragen...

Schwierige Frage: Transgender, Mütter und Feminismus
Schwieriger wird es mit der Transgenderdiskussion, die überhaupt die Geschlechterrollen auflösen möchte, dabei aber auf biologische Grenzen stösst. Mutter, das ist ein biologisch gebundener Begriff und steht natürlich quer zu der ganzen Gender-Diskussion und Dekonstruktionsversuchen geschlechtlicher Bipolarität. Die Widersprüche zwischen Transgender- und Feminismus werden in einem Text des Gender-Instituts Hannover deutlich, der die provokative Frage stellt, ob ein biologischer Mann in eine Frauengruppe dürfe, weil er sich weiblich fühle. (Der Frauenabend im Kabale und alle Frauen-Only-Regelungen wären demnach biologistisch?)


Transparent "gegen homogene identitäten, geschlechtermatrix irritieren - Label Troubel - AK Gender" - zusammen mit einem Anti-Nazi-Transparent bei einer Demo am 12.5.06

Schwierige Frage: Reproduktionsmedizin und Mutterschaft
Es gibt Menschen, die die soziale Rolle einer Mutter wahrnehmen, ohne ein Kind geboren zu haben, wie z.B. bei einer Adoption.
Aber die vollständige Abkoppelung von der biologischen Basis durch neue medizinische Reproduktionstechnologien ist kein erstrebenswertes Ziel. Der Versuch Geschlechterrollen aufzuheben nach dem Motto: jede/r kann Mutter werden, schließlich geht das auch im Labor - würde einer entmenschlichten Wissenschaftstechnokratie das Wort reden. Wenn Schwangerschaft und Geburt von ihrer biologischen Basis abgekoppelt würden, dann gäbe es keine menschlichen Mütter mehr. Dann würde der Muttertag allerdings ad absurdum geführt, denn dann würde sich z.B. die Frage stellen, wem die Mutterschaft zugesprochen werden soll, wenn ein in-vitrio-fertilisiertes Kind mit anonymem Ei und Sperma gezeugt wurde

 

Einerseits / Andrerseits

Einerseits: Muttertag als "Tag der Gebärmaschine" abschaffen!
Angesichts der politischen Versuche, Frauen auf eine Mutterrolle in Form einer Gebärmaschine festzulegen, ihnen gleichzeitig alle Lasten unbezahlt aufzubürden und sie in untergeordnete soziale Rollen zu pressen ist es geradezu zynisch, ihnen dann am Muttertag für ihre Unterordungsbereitschaft danken zu wollen.
Stattdessen sollte die Aufmerksamkeit Frauen gegenüber auf den internationalen Frauentag gelenkt werden bei dem die "einfachen" aber immer noch unerledigten Fragen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die schlichte Gleichberechtigung im Vordergrund stehen. Hierbei könnten sich auch die Transgender-Diskussion problemlos einklinken ohne dass ihr ein Zacken aus der Krone fällt.

Foto : "Symbole des Weiblichen"

Ausstellung im Klinikum, Sammlung HeinzKirchhoff

 

Andererseits: Mamas darf man/frau aber auch lieb haben!
Bislang werden alle Menschen von einer Mutter ausgetragen und geboren. Wenn die Beziehung zwischen Kindern und Eltern gut ist, dann liebt man sich, wenn nicht, dann eben nicht.
Ob irgendjemand Dankbarkeit und/oder Liebe gegenüber einer Mutter empfindet, das hängt einfach von der jeweiligen Beziehung zueinander ab. Und wenn die Beziehung entsprechend ist, dann darf man/frau einer Mutter, einem Vater oder anderen auch dankbar sein, dass sie sich um einen gesorgt haben als man klein und hilflos war.

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Zwang zur Mutterschaft

5.5.09 / Die Äußerung eines positiven Bezugs zum Kinderkriegen gerät in Gefahr von scheinheiligen "Abtreibungsgegnerinnen" und "Abtreibungsgegnern" ausgenutzt zu werden. Dies gilt es zu verhindern ohne sich den positiven Bezug zum Kinderkriegen nehmen zu lassen. Vielmehr muß die Scheinheiligkeit der "Pro-Life" bzw. "Ja-zum-Leben" Propagandisten in ihrer Lebensfeindlichkeit gegenüber der Mutter entlarvt und die Verbindungen zu rechtsradikalen Organisationen / Publikation bzw. fundamentalistischen kirchlichen Kreisen aufgezeigt werden.

Am 28.4.09 hatte die Burschenschaft Hannovera ihren "Verbandsbruder Manfred Libner" zu einem Vortrag in das Verbindungshaus hinter der Stadthalle, Herzberger Landstraße 9 eingeladen. Manfred Libner (>>Foto) ist Geschäftsführer der Stiftung "Ja zum Leben". Diese Stiftung ist verbunden mit der CDU und rückwärtsgewandten kirchlichen Kreisen. Johanna Gräfin von Westphalen (Foto) hat 1988 diese Stiftung gegründet und ist deren Vorsitzende. 1985-2002 war sie auch Vorsitzende der CDL Christdemokraten für das Leben eine "Lebensrechtsinitiative innerhalb der CDU/CSU und Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL)."

"Das Ja zum Leben muss wieder gesellschafts- und kulturprägend wirksam werden. Nur dann lassen sich auch jene Probleme lösen, die mit dem rapiden Bevölkerungsrückgang verbunden sind, wie etwa der sinkende Wohlstand, die Unterfinanzierung der sozialen Sicherungssysteme, die unsichere Altersvorsorge und die abnehmende Innovationsfähigkeit der Gesellschaft." (Zitatbeispiel der CDL Quelle)

2002 erhielt die Leiterin der CDL "auf Anregung von Joseph Ratzinger (damals noch Kardinal) eine der höchsten Auszeichnungen des Papstes: das Großkreuz des Heiligen-Gregorius-Ordens." (laut Internetmagazin kath.net ) Das vom Vatikan akzeptierte Internetmagazin kath.net auf katholischer Seite, und idea.de auf evangelischer Seite hat keine Berührungsängste zu diesen Richtungen.

Die Organisation "Ja zum Leben" unterstützt extreme Propaganda gegen Schwangerschaftsabbrüche. Auf der Internetseite www.babycaust.de (Webseite des Herrn Annen) werden die Schwangerschaftsabbrüche auf widerliche Weise mit der Ermordung von Menschen in den Gefangenenlagern der Nazis gleichgestellt. Annen veranstaltete Proteste vor den Arztpraxen und nannte die MedizinerInnen Mörder. Diesem Menschen leisteten Manfred Libner von "ja zum Leben" und Claudia Kaminski vom "Bundesverband für das Leben" Schützenhilfe nachdem er vom Gericht in seine Schranken verwiesen wurde.
Die gesamte Strömung findet sich im Fahrwasser der fundamentalistischen, traditionalistischen Kirchenteile, die letzthin durch die Pius-Bruderschaft wieder einmal die Spitze des Eisbergs gezeigt haben, der durch den Papst weitgehend gedeckt wird.

>> Stiftung Ja-zum-Leben
>> Burschenschaft Hannovera
>> CDL (Christdemokraten für das Leben)
>> Bundesverband Lebensrecht
>> Internetmagazin kath.net
>> Internetmagazin ev.: idea.de

Polizei schützt das Haus der Burschenschaft Hannovera am 28.4.09, als der Burschenschafts-Bruder Manfred Libner und Geschäftsführer der Organisation "Ja-zum-Leben" einen Vortrag zur Verdammung von Schwangerschaftsabbrüchen hielt.

Zur Demonstration gegen die Hannovera hatte die studentische Gruppe "Olafa" aufgerufen. Deren Flugblatt trug allerdings die recht geschmacklose Überschrift "Hätt Maria abgetrieben wär uns das erspart geblieben". Bei aller Kritik ist die Rücksicht auf die religiösen Gefühle ein Bestandteil von Toleranz auf die nicht verzichtet werden sollte.

 

Muttertagsanzeige aus politischen Gründen abgelehnt

5.5.09 / Mit einer Muttertagsanzeige wollte jemand in der Samstagsausgabe am 9.5. im Göttinger Tageblatt einen politisch geprägten Gruß zum Muttertag unterbringen. Für den gleichen Tag waren bekanntermaßen eine Nazidemo und Gegendemonstrationen angesagt worden.
Die Anzeige mit dem Text "Liebe Mama, ich bin stolz auf Dich, dass Du trotz Deiner 75 Jahre noch immer gegen Nazis auf die Straße gehst. Den Blumenstrauß gibt' s nachher in Friedland! Deine Silke" Das GT weigerte sich die Anzeige abzudrucken, rief bei der Auftraggeberin an und teilten ihr mit "dass dieser Text "verboten" sei!

Die Sache ging folgendermaßen weiter, wie die Betroffenen berichteten: "Nachdem beim Göttinger Tageblatt (GT) von verschiedenen Seiten Nachfragen zum "Verbot" der Muttertagsanzeige (siehe unten angehängter Text) eingingen, setzte dort offenbar ein Sinneswandel ein. Man spricht beim GT heute plötzlich von "Missverständnissen". Die vom GT zunächst nicht akzeptierte Anzeige wird nun doch am Samstag, 9. Mai 2009 auf der Muttertagssonderseite erscheinen. An diesem Tag wollen bekanntlich Nazis (die NPD-nahe "Deutsch-Russische Friedensbewegung europäischen Geistes") in Friedland (LK Göttingen) vom Grenzdurchgangslager zum "Heimkehrerdenkmal" auf den Friedländer Hagenberg marschieren. Breite und vielfältige Proteste und Widerstand organiseren sich bereits dagegen. Die erwähnte Grußanzeige ist einer von vielen verschiedenen Aktionen gegen die unerträgliche Nazi-Normalität in unserem Land. Wir danken all denen, die uns in diesem Disput mit dem GT ideell und teilweise tatkräftig unterstützt haben, sehr herzlich. Gemeinsam werden wir den (Zitat) "Friedensmarsch" der Nazis für eben diese zum Desaster machen. Antifaschistische Grüße Dr. Silke und Uwe Reinecke"

Tatsächlich wurde sie dann doch nach dem ganzen Theater wirklich auf der Muttertagsseite im Magazin am 9.5.09 abgedruckt. Der Text "Liebe Mama, ich bin stolz auf Dich, dass Du trotz Deiner 75 Jahre noch immer gegen Nazis auf die Straße gehst. Den Blumenstrauß gibt' s nachher in Friedland! Deine Silke" war noch in der Vorlage mit roten und rosa Herzchen eingerahmt.

 

 


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