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GDNÄ
Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e.V. / Die Wissensgesellschaft
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http://www.gdnae.de

Wissenschaftsbegeisterung herstellen - und absolut kritikfrei bleiben
Indirekte Öffentlichkeitsarbeit für Gentechnik-, Pharma- und KfZ-Industrie

14.9.12 / 14.-18 September finden im ZHG der Uni Veranstaltungen der GDNÄ (Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e.V.) statt. Die Gesellschaft weist stolz darauf hin, daß u.a. Alexander von Humboldt, Carl Friedrich Gauss, Albert Einstein und Max Planck Mitglieder der Gesellschaft waren. Neuerdings macht sich dei Gesellschaft Gedanken um eine neue Namensgebung und nennt sich nun mit Vorliebe GDNÄ Die Wissensgesellschaft. Die Schwerpunkte der Gesamtveranstaltung sollen bei den Themen "Mobilität, Kommunikation, Interaktion" liegen.

Beim Durchblättern des Programmheftes fallen in der Liste der Spendengeber die KWS-Saat AG (Einbeck), BASF und Bayer auf. Die Veranstaltungen werden in der Öffentlichkeit mit Unterstützung der Firma >>Science&Media (München) bekannt gemacht, die neben der GDNÄ die Bayer AG und die "DaimlerChrysler AG" zu ihren Kunden zählt.

Die 1988 gegründete "Stiftung zur Förderung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte". wurde mit Stiftungskapital der Bayer AG gegründet, dem Kuratorium der Stiftung gehören drei Mitglieder an, u.a. ein vom Vorstand der Bayer AG zu benennendes Mitglied. "Die Verantwortung für die Anlage des Stiftungskapitals hat die Bayer AG übernommen. Die Erträge der Stiftung dienen zur Finanzierung der gemeinnützigen Tätigkeiten der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte." (>>Quelle)

Aufgrund der Finanzierung durch Bayer ist es auch nicht verwunderlich wenn die für Bayer relevanten Themen in die Veranstatlungen einfließen und daß z.B. Prof. Hans Georg Rammensee (Tübingen) am 17.9. um 11.40 Uhr über die "Entwicklung therapeutischer Krebsimpfstoffe" referiert. Die Entwicklung neuer Impfstoffe ist nicht nur die Hoffnung von Kranken, sondern auch ein riesiges Milliardengeschäft. Die Nähe zu den Interessen der Bayer AG wird dadurch deutlich, dass neben Rammensee auch der ehemalige "global-regulatorischen Leiter" der Bayer AG, Ulrich Granzer im Aufsichtsrat der immatics GmbH sitzt, die eben diese Impfstoffe entwickeln will.

Daimler taucht als Namen nicht auf. Der Titel der Veranstaltungsreihe "Mobilität ..." führt aber zu Veranstaltungen über Elektroautos, den dazugehörigen Batterien, die auf >Nanotechnologien aufbauen. Auch die Ankündigung eines Vortrages zur Nanotechnologie am Samstag um 12 Uhr von Prof Joachim Maier zur Nanotechnologie lässt nicht erkennen, dass dieses Thema im Spannungsfeld mit kritischen Sichtweisen dargestellt wird. Daimler AG will angeblich zusammen mit Evonik bis 2014 die europaweit größte Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus gründen (>>elektroauto-nachrichten.de )und auffallend passend wird der neue ElectroSmart von Daimler ab Juni 2012 vermarktet. Und beim Vortrag einer Vertreterin des >>"Kompetenzzentrums Frau und Auto" stehen die Untersuchungen der Automobilindustrie zum Marktsegment Frauen im Zentrum des Interesses.

Am Samstag den 15.9.12 um 14.20 Uhr wird im GDNÄ-Programm ein Vortrag von Dr. Léon Broers, Vorstandsmitglied der KWS Einbeck angekündigt, der den Titel trägt: "Faszination Pflanzenzüchtung - Einblick in die Welt der modernen Pflanzenzüchter." Bei diesem Vortrag wird die Gentechnik wieder einmal als Allheilmittel gegen den Hunger in der Welt dargestellt, was bereits bei einer Werberede in der Göttinger Johanniskirche kritisiert wurde. (>goest-gentechnikseite)

Die Aktivitäten der KWS werden von Gentechnik-GegnerInnen scharf kritisiert. Die Freilandversuche der KWS wurden mehrfach durch >>Feldbesetzungen in Northeim gestört oder verhindert. Da die Teilnahme an dieser Veranstaltung den Kauf einer Tageskarte für 35 Euro erforderlich macht, zu dem Vortrag keine KritikerInnen der Saatgut-Gentechnik eingeladen wurden und schließlich nur 10 Minuten für die Diskussion vorgesehen sind, kann der Vertreter der KWS vermutlich weitgehend kritiklos für die Gentechnik der KWS werben.

Die Ankündigung der Veranstaltung erweckt den Eindruck, daß sie eine unkritische Begeisterung für den "wissenschaftlichen Fortschritt" erzeugen will. GDNÄ-Präsident Prof Ludwig Schultz forderte in einer Erklärung: "Wir müssen Emotionen in der Gesellschaft erzeugen" . Er scheint damit aber lediglich eine unkritische Begeisterung zu verstehen.


Vertreterin und Vertreter der Göttinger GDNÄ-Veranstaltung beim Pressegespräch: v.l.n.r.: Prof. Eva-Maria Neher, Uni Göttingen, GDNÄ- Präsident Prof. Ludwig Schultz (IFW Dresden - neue Metalle und Materialien), Prof. Konrad Samwer (Uni Göttingen). Nicht im Bild Reiner Korbmann, Leiter der Firma Sience&Media, der als Pressereferent für die GDNÄ fungiert.


Der in der Vergangenheit von KritikerInnen stets geforderte gesellschaftliche Dialog bei der Einführung neuer Technologien wird im Falle dieser GDNÄ Veranstaltung nicht geführt. Dazu ist die Veranstaltung zu einseitig als Akzeptanz-Förderungs-Maßnahme konzipiert. Die Veranstaltung zielt auf Herstellung von Technik- und Wissenschaftbegeisterung. Die soll eine Unterstützung bei der Einführung bzw. Entwicklung neuer Produkte bewirken. Dazu gehört auch eine Legitimation der Ausgaben zur Forschungsförderung aus öffenlichen Mitteln. Die Förderung der unkritischen Begeisterung könnte der der Entstehung unerwünschter Bewußtseinsströmungen in der Bevölkerung vorbeugen - die Lektion im Bereich Atomkraft wurde gelernt.

Der Obertitel der Veranstaltung lautet "Gesellschaft braucht Wissenschaft - Wissenschaft braucht Gesellschaft" . Man ist versucht zu interpretieren, dass eigentlich gemeint sei "Wissenschaft braucht unkritische Gesellschaft".

Während der Eröffnungspressekonferenz war die Frage nach einem "ethischen Selbstverständnis" der GDNÄ eigentlich schon eine Provokation und dazu gibt es in der Tat keine Einlassungen der GDNÄ.

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