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Baptistenkirche und Voigtschule

Pressegespräch mit der Gruppe "Kulturverbund"
Gerd Nier Stellungnahme
goest:Erste Einschätzung von Anfang Mai
Diskussion zur Einschätzung des Raumbedarfs für Kulturgruppen

Wenigstens eines der beiden Gebäude dem Gemeinwohl zuführen
Filmkunstfreunde Göttingen e.V.
Elf Fragen des Vereins "Stadt und Planung Göttingen e.V."

Links Baptistenkirche, rechts Voigtschule

 


Kein Verkauf der Voigt-Schule ans Goethe-Institut

In der Bürgerstraße sollte, so die ursprüngliche Absicht, eine neue Bildungs- und Begegnungsstätte entstehen. Der Rat der Stadt hatte dem Verkauf des Gebäudes an das Goethe-Institut Anfang des Jahres bereits zugestimmt. Am 22.9.15 meldete die Stadt Göttingen, das Präsidium des Goethe-Instituts habe nach Abschluss aller baufachlichen Untersuchungen entschieden, das ehemalige Schulgebäude der Stadt Göttingen nicht zu kaufen.
Daher steht es weiterhin für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. I

Verkauf der Voigtschule ans Goethe-Institut geplant / Wenig Transparenz

27.2.15 / pm Stadt / Der Stadt Göttingen liegt ein Schreiben des Goethe-Instituts vor, in dem es sein Interesse am Erwerb der ehemaligen Voigtschule in der Bürgerstraße zum Ausdruck bringt. Das haben die Göttinger Institutsleitung und die Stadtverwaltung in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Freitag, 27. Februar 2015, bestätigt. Das Institut will das Haus entsprechend umbauen und in eigener Regie führen, um seinen Bildungsbetrieb vom Standort in der Merkelstraße in das früher für Schulzwecke genutzte Gebäude verlagern zu können. Mit diesem „Neustart“ will sich das Institut nach den Worten seiner Göttinger Leiterin, Ulrike Hofmann-Steinmetz, stärker allen städtischen Aktivitäten und Initiativen öffnen, um den Austausch zwischen seinen Studierenden und der Göttinger Öffentlichkeit zu intensivieren. So sollen Aula und andere Räumlichkeiten im Goethe-Institut künftig als „Bürger-Zentrum" zur Verfügung stehen. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hat die Initiative des Instituts begrüßt. Das sei eine hervorragende Möglichkeit, um den Standort Göttingen des Goethe-Instituts auf lange Sicht zu sichern. Bereits am Donnerstag hat Köhler die Vorsitzenden der Ratsfraktionen und der CDU/FDP-Gruppe über das Kaufinteresse informiert. Ziel des Oberbürgermeisters ist es, bereits im März eine Ratsentscheidung herbeizuführen. Auch das Goethe-Institut, dessen internationale Studierende künftig in einem modernen Gästehaus wohnen sollen, ist, so Hofmann-Steinmetz, an einer in 2015 beginnenden Umsetzung des Projekts interessiert.
Der Verkauf wurde schneller eingefädelt als erwartet: Schon am Freitag den 13.3.15 soll der Verkauf für 400.000 € vom Rat beschlossen werden. Gerd Nier hatte darauf hingewiesen, dass es neben dem Millionengebot des Herrn Koch noch weitere fünf Gebote gegeben habe, die sich in der Größenordnung von 500.000 bis 800.000 Euro bewegt hätten. Darüber, wie es schließlich zu der Entscheidung für das Goethe-Institut kam ist nichts transparent gemacht worden. So richtet sich die Kritik an der Entwicklung vor allem an der plötzlich großen Geschwindigkeit mit der alles durchgezogen wurde.

"Pirat Meinhart Ramaswamy, der dem Verkauf zustimmte, kritisierte aber das von der Verwaltung durchgezogene "Hoppla-Hopp-Verfahren", bei dem innerhalb weniger Tage eine Entscheidung herbeigeführt werden soll. Das sei weder transparent noch demokratisch." HNA 6.3.2015 "Die Linke hatte vorab heftige Kritik am verdeckten Vorgehen der Verwaltung geübt. Jegliche Diskussion über den Verkauf sei dabei erstickt worden. Mit dem vereinbarten Stillschweigen in der Sache sollte ein Weg vorbei an den Gremien geebnet werden,

 

Voigtschule wird nun doch kein Art-Center (bzw. Arzt-Center)
Verhandlungen mit Investor abgebrochen

23.4.14 / Nach langem Gezerre um die zukünftige Nutzung der Voigtschule wurde aufgrund von Forderungen aus dem Bereich der Kulturschaffenden die Pflicht zur kulturellen Nutzung im Verkaufskonzept festgeschrieben. Schließlich entschied sich die Stadt für einen scheinbar nur halbkommerziellen Investor, der auch bereit schien etwas kulturelles nämlich ein "Art-Center" zu entwickeln. Nach einem Jahr Leerstand und etlichen Verhandlungsgesprächen zeigte es sich aber, dass der Investor sich nicht auf dieses Nutzungskonzept festlegen lassen wollte. Deshalb erklärte OB Meyer nun am 23.4.14, er möchte die Verhandlungen mit diesem Investor abbrechen und schlage vor, stattdessen zu prüfen, ob das städtische Museum in die ehemalige Voigtschule (Bürgerstr. 15) verlegt werden kann..

Gerd Nier von der Ratsfraktion GöLinke zieht daraus den Schluß, "es drohte also doch eher ein Arzt-Center an Stelle eines Art-Centers. Merkwürdig dabei ist, dass noch bis vor kurzem auf mehrmalige Nachfragen der Göttinger Linken im Bauausschuss immer wieder behauptet wurde, die Verkaufsverhandlungen seien ohne Komplikationen und stünden kurz vor Abschluss. „Schwarzmalerei und unnötige Dramatisierung wurde uns unterstellt“, so Nier. Den Initiativen wurde auch eine zwischenzeitliche Nutzung mit dem Hinweis auf den Verkauf und die zu hohen Sicherungskosten verwehrt. (..) für alle Beteiligten wäre es besser gewesen schon vor einem Jahr einen Ratsbeschluss zu fassen, der den Bedarf und die Interessen in Göttingen ansässiger Initiativen gefolgt wäre“,

Anmerkung goest: Ganz unklar ist nun, was eigentlich mit der alten Baptistenkirche (Bürgerstrasse 13) passieren soll kommen vielleicht doch noch einmal die Filmfreunde mit ihrem Wunsch nach einem Kinosaal und die MusikerInnen-Gruppen mit dem Interesse an einem Veranstaltungssaal ins Spiel. Fall das alte Stadtgefängnis am Platz der Synagoge auch endlich mal einer Nutzung zugeführt wird ergeben sich vielleicht zusätzlich neue Perspektiven

 

Wenigstens eines der beiden Gebäude dem Gemeinwohl zuführen

Antrag der Ratsfraktion "WählerInneninitiative GöLinke" zur Ratssitzung am 12.4.13

Der Rat möge beschließen:
Vor dem Verkauf der Gebäude Bürgerstraße 13 und 15 befassen sich der Kulturausschuss und ggf. auch der Jugendhilfeausschuss des Rates mit den eingereichten Konzepten und Anträgen der Initiativen aus dem kulturellen, pädagogischen und bildungspolitischen Bereich. Die Verwaltung wird beauftragt auf Grundlage der vorliegenden Anträge und Konzepte den benötigten Raumbedarf zu ermitteln. Ziel soll es sein, mindestens eines der Gebäude zugunsten einer dem Gemeinwohl dienenden Funktion gegenüber rein privatwirtschaftlichen Interessen zu sichern. Um den Initiativen, die vorwiegend ehrenamtlich tätig sind, die Möglichkeit zu geben, tragfähige Konzepte zu entwickeln und ein seriöses Kaufangebot zu erarbeiten, ist es dringend erforderlich den Zeitpunkt zur Einreichung von Kaufangeboten von Mai 2013 auf September 2013 zu verschieben.

Begründung:
Die Göttinger Linke hat sich von Anbeginn an gegen die Veräußerung städtischer Immobilien ausgesprochen. Wir können jedoch nicht verkennen, dass sich eine große Mehrheit des Rates in Verbindung mit der Verabschiedung des EHPs für eine Veräußerung auch der Gebäude Bürgerstraße 13 und 15 ausgesprochen hat. Jetzt geht es darum, bei dem anstehenden Verkauf möglichst dafür zu sorgen, dass sinnvolle und dem Gemeinwohl dienende Initiativen vor Investoren mit rein privatwirtschaftlichen Interessen die Möglichkeit zum Kauf und zur Nutzung mindestens eines der Gebäude erhalten. Unsere Stadt verdankt ihre Lebendigkeit und ihre kulturelle und soziale Vielfalt u.a. auch dem Engagement und der Arbeit vieler aktiver Initiativen, deren Mitglieder überwiegend ehrenamtlich tätig sind. Der öffentlichen Hand und damit unserer Stadt werden dadurch erhebliche Kosten erspart, sowohl für Leistungen, die sie sonst selbst erbringen müsste, aber auch im Sinne von präventiver Arbeit und der Vermeidung von Folgekosten. Für etliche Menschen, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche stellen diese Angebote eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit dar und helfen ihnen dabei, ihr Leben konstruktiv und kreativ zu gestalten.
Musikuss e.V., die Filmkunstfreunde, die Deutsch-Russische Gesellschaft und insbesondere auch der neu gegründete, genossenschaftlich orientierte Kulturbund, dem zwischenzeitlich mehr als 20 Initiativen angehören, belegen einerseits einen deutlichen Raumbedarf und anderseits das Engagement sich im Non-Profit-Bereich für diese Stadt und ihre Menschen einzusetzen.
Wir halten es für dringend erforderlich, dass die Stadtverwaltung unter Federführung der Kulturverwaltung mit den Initiativen als ersten Schritt den erforderlichen Raumbedarf abklärt. Sinnvoll wäre es ebenfalls, wenn man den vielen beteiligten Initiativen und Vereinen die notwendige Zeit zur Erstellung eines gemeinsamen Nutzungskonzeptes geben würde.
Für das Gebäude der ehemaligen Voigtschule regen wir an, mit der städtischen Wohnungsbau GmbH Kontakt aufzunehmen, um die Möglichkeit zur Einrichtung von Wohnungen insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen zu prüfen. Wir bitten Sie um Zustimmung zu diesem Antrag.

Anmerkungen goest:
Der Antrag wurde in der Ratssitzung am 12.4.13 in einer Abstimmung abgelehnt. Die Terminverschiebung hätte insofern Sinn gemacht, als folgende Terminplanung seitens der Stadt durch deren Exposé bekannt wurde. 16. und 23.3.13 öffentliche Bekanntmachung der Verkaufsabsicht
25.3.13 15 bis 17 Uhr Besichtigung , bis 15.4.13 Beantwortung möglicher Rückfragen
6.5.2013 Abgabe der Angebotsunterlagen , 23.5. und 6.6.13 Beratung im Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke , 14.6.2013 Entscheidung durch den Rat


Mai 2013 Pressegespräch mit der Gruppe "Kulturverbund"

19.5.13 // Zum Pressegespräch wurde ein Papier verteilt, das Texte von den in der Gruppe "Kulturverbund" Beteiligten enthielt. Ebenso wie im Gespräch wird darin der jeweilige Raumbedarf der verschiedenen Gruppen erläutert.Für den Fortgang der Verhandlungen scheint uns der darin enthaltene Textbeitrag von Uwe Scheibler vom Verein Stadt und Planung wichtig zu sein. Er weist u.a. auf folgendes hin:

"Unter anderem wird behauptet, das Gebäude müsse zwecks Erzielung eines Gewinns im Rahmen des Entschuldungshilfeprogramms (EHP) veräußert werden. Im Haushaltssicherungskonzept (HSK) von 2010, im EHP 2012 und in der ersten Vorlage an den Bauausschuss vom 21.06.12 ist als Ziel des Verkaufs jedoch ausschließlich die Entlastung von laufenden Betriebsausgaben genannt. Erst seit Januar 2013 wird vom Fachdienst Liegenschaften der Verwaltung zunehmend ein hypothetischer Gewinn beim Verkauf als Motivation genannt. Mithin ist zulässig, das Gebäude nicht dem Meistbietenden zu verkaufen, sondern den Zuschlag dem Bieter zu erteilen, dessen Nutzungskonzept dem öffentlichen Bedarf besser als andere entspricht. .Es wäre auf der anderen Seite sogar zulässig, das ....

Uwe Scheibler

...Gebäude nicht zu verkaufen, sondern nur dessen Nutzung abzugeben: Denn aus strategischen Gründen, zwecks Steuerung der städtebaulichen Entwicklung und zugunsten der Interessen von geringkommerziellen Gebäudenutzungen sollten Grundstücke in solch strategisch bedeutsamer Lage im städtischen Eigentum verbleiben. Selbst diese letzte Variante wird immer noch den Vorgaben von HSK und EHP gerecht. Die Stadt muss dabei die Nutzung noch nicht einmal selber betreiben, sondern kann diese über Vermietung, langjährige Verpachtung oder andere vertragliche Regelungen an private Nutzer übergeben, um so die städtebauliche Steuerung weiter in öffentlicher Hand zu behalten."

Nicht sehr auskunftsfreudig: Seitens goest wurde während des Pressegesprächs gefragt, ob der Kulturverbund oder einzelne seiner Mitglieder als Kaufinteressenten auftreten und wenn der Kulturverbund kaufen will, in welcher Organisationsform der Kulturverbund auftritt, ob als Verein, GmbH oder sonstwie. Die recht einsilbige knappe Antwort des Sprechers Dr. Friedrich (Foto rechts, während des Pressegesprächs) lautete "Ja", und der Kulturverbund sei eine "Personengruppe". Und auf die Frage wie man glaube das Geld dafür auftreiben zu können, gab es keine Antwort.

Christine Büttner meinte, seitens der Politik sei zu hören gewesen, dass man als Käufer "lieber eine natürliche Person als eine juristische Person" wünschte. Gleichzeitig meinte sie aber auch, dass je nach Entwicklung die Gründung Genossenschaft zur Beschaffung des Geldes geeignet sei. All diese Bemerkungen erfolgten allerdings in einer Situation in der die Bieterfrist für Kaufinteressenten schon abgelaufen war.

Nicht sehr transparent: Einige Tage nach dem Pressegespräch war zu vernehmen, dass es vier Kaufangebote aus den Reihen der "Personengruppe" Kulturverbund gäbe. Es wurde die Überzeugung geäußert, dass diese Kaufinteressenten über ausreichend Mittel verfügten, ein relevantes Angebot zu machen. Die Namen der Interessenten und deren genaue Pläne sind nicht bekannt. Es ist unklar, was diese Interessenten daran hindert in die Öffentlichkeit zu gehen und Transparenz herzustellen.

Auch seitens der Stadt wurde zwar angekündigt, am 23.5.13 im Bauausschuß alle Kaufinteressenten vorzustellen - das war aber offensichtlich eine Fehlinformation, denn es sollten nur die "Nutzungskonzepte" vorgestellt werden, die Kaufinteressenten werden nicht genannt


Dr. Friedrich


Christine Büttner

Mit einer weiteren Frage seitens goest wurde versucht, das Verhältnis zu den anderen Soziokulturellen Zentren wie KAZ und Musa sowie Rockbüro zu ergründen. Das Rockbüro sei eingeladen worden, aber eben nicht gekommen. Die Antworten deuteten darauf hin, dass es keinen besonders engen Kontakt und Absprachen mit jenen gegeben hat. Vereinzelte Meinungen in der Runde sprachen auch von Berührungsangst und Konkurrenzbefürchtungen.
Die Behauptung, das Rockbüro sei eingeladen worden ist bei zwei Vertretern des Rockbüro auf Erstaunen getroffen: das Rockbüro sei "definitiv nicht eingeladen worden" hieß es gegenüber goest am 23.5.

Apell für eine klare Zweckbindung zugunsten der Kultur und des Gemeinwohls
Gerd Nier zu diesem Zeitpunkt noch Ratsherr der Ratsfraktion der GöLinke und Mitglied der Partei die Linke nahm am Pressegespräch teil und veröffentlichte anschließend folgenden Aufruf:
"Erhaltet die alte Voigtschule für die Kultur! Für Kinder und junge Menschen, für die Nostalgiker und Musi-Kuss, für die vielen Bands und Einzelmusiker, für die Filmkunstfreunde, Theater- und Tanzgruppen, für die Deutsch-russische-Gesellschaft und das Anatolische Kulturzentrum, für den Kinderschutzbund und inklusive Arbeit, für viele weitere Gruppen und uns alle in Göttingen.
Die Pressekonferenz des Kulturverbunds und etlicher anderer sozial/kultureller Initiativen am Donnerstag, den 16. Juli in einem Raum der alten Voigtschule hat noch einmal eindrucksvoll die Raumnot und den Bedarf nach Übungs-, Aufführungs- und Gemeinschaftsräumen für eine Vielzahl von Gruppen gezeigt. Noch in der laufenden Veranstaltung kamen mit dem Kinderschutzbund und einer Initiative, die praktizierte Inklusion lebt neue Interessenten hinzu. Auch der Förderkreis Planetarium meldete sein Interesse an. Neben dem unverkennbaren Bedarf wiesen die Vertreter/innen des Kulturbundes ausgehend von der ursprünglichen Zweck des Gebäudes als Schule darauf hin, dass der ihm zugrundeliegende pädagogische Gedanke fortgeführt werden könnte. Aufwendige Umbauarbeiten erübrigten sich. Die ideale Lage zur Innenstadt und das sich selbst tragende Konzept ohne Folgekosten für die Stadt wurden zusätzlich hervorgehoben. Große Sorgen, ja Misstrauen kamen bezüglich der Transparenz der Verkaufsverhandlungen, der Bewertung der eingereichten privatwirtschaftlichen oder dem Gemeinwohl verpflichtenden Konzepte bei vielen Beiträgen zum Ausdruck. Für die Göttinger Linke konnte ich nur zum wiederholten Mal zum Ausdruck bringen, dass wir für eine klare Zweckbindung zugunsten der Kultur und des Gemeinwohls, aber auch für eine öffentliche Diskussion über die eingereichten Angebote sind. Selbst Gedanken einer Verpachtung oder Vermietung oder erbbaurechtlichen oder genossenschaftlichen Konzepte sollten noch einmal von Rat und Verwaltung ernsthaft geprüft werden. ....."

 

Erste Einschätzung von Anfang Mai

goest 6.5.13 // Zwei große Gebäude an der Bürgerstraße, sind aufgrund ihrer Lage natürlich ein Immobilien-Leckerbissen. Und die Größe der Objekte lässt allerlei Phantasien zu. Die Voigtschule allein hat insgesamt eine Nutzfläche von rd. 3.200 qm, der Kirchensaal der Baptistenkirche ca. 150 qm.

Für beide Objekte, so die Verwaltung, habe es "in der Vergangenheit rege Nachfrage gegeben". Jetzt wo der Verkauf dieser Immobilien ansteht, hatte sich zunächst der Filmkunstfreunde Göttingen e.V. gemeldet. Die Stadt - so die Filmfreunde - solle vom Käufer verlangen, dass in der Kirche ein Kino eingerichtet werde. Dieser Idee stand jedoch entgegen, dass die Stadt möglichst viel Geld einnehmen möchte, denn hinter dem Verkauf steht die durch den "Zukunftsvertrag" eingeschränkte Handlungsmöglichkeit der Stadt. Das Geld soll in das "Entschuldungshilfeprogramms" fliessen. Die Initiative "Kulturverbund" um die Musikschule "Musikuss" zielte danach auf einen getrennten Verkauf und scheint zu hoffen, eine Vergünstigung beim eigenen Erwerb zu erzielen. Auf die Forderung hin, dass das Gebäude kulturellen Initiativen vergünstigt zur Verfügung gestellt werden soll erklärte Uli Holefleisch in der Bauausschußsitzung am 7.3.13, er wolle zu bedenken geben, "dass ein Verkauf unter Wert ein Verzicht auf ersparte Zinsaufwendungen und insofern eine - haushaltsrechtlich nicht zulässige - freiwillige Leistung darstelle." (Protokoll der Ausschusssitzung)


Voigtschule (Teilabschnitt) an der Bürgerstraße / 2013

Beim Verkauf von 3.200 qm der Voigtschule wird es um einen Preis gehen, bei dem nicht ersichtlich ist, wie der von finanziell notleitenden Kulturinitiativen aufgebracht werden soll. An einer Nutzung dieses Schulgebäudes sind die Musikschule Musikuss e.V. , die Deutsch-Russische-Gesellschaft e.V., Kreuzberg on Kul Tour e.V., Domino e.V. und andere interessiert. Ein Arbeitsgruppe dazu trifft sich jeden Mittwoch um 20 Uhr im Haus des Musi-Kuss e.V., Reinhäuser Landstraße 55 , "um die Erhebung des aktuellen Raumbedarfs in Göttingen auszuwerten und das weitere gemeinsame Vorgehen zu planen." Unter dem Namen "Kulturverbund Voigtschule" haben sie eine Online-Petition entworfen in der sie darauf hinweisen dass die Voigtschule "Räume mit 25-75 qm Fläche sowie eine wunderschöne, 200 qm große Aula mit guter Akustik für 400 Besucher" bietet.

Während die Filmfreunde bei der Baptistenkirche noch vorschlugen, ein Investor solle über die Zweckbindung zur Einrichtung eines Kinos verpflichtet werden, also jemand anders solle kaufen und sie selbst bekämen dann die Chance dort Kino zu machen, denkt der Kulturverbund Voigtschule offensichtlich selbst die Voigtschule zu kaufen. Christine Büttner, (Vorsitzende von Musikuss e.V.) meldete sich im Bauausschuss bei der obligatorischen Bürgerfragestunde zu Wort und sagte laut Protokoll: " dass sie von der Stadt keine versteckten Subventionen erwarte: Sie wolle vielmehr ein faires Angebot abgeben, erwarte jedoch auch, dass ihr konzeptioneller Ansatz besondere Berücksichtigung finde." Irritierend an dieser Formulierung ist, dass die Worte von Frau Büttner wie die einer Einzelbieterin klingen und nicht wie die des "Kulturverbundes Voigtschule" . Ein Gebäudekomplex wie die Voigtschule in dieser Lage mit mehr als 3.000 qm, dürfte in die Millionen gehen - nehme wir mal einen qm-Preis von 1000 Euro, dann wären das schon 3 Millionen. Es darf bezweifelt werden, dass der Kulturverbund eine solche Summe oder auch nur ein Drittel davon aufbringen kann. Der Versuch, durch politische Einflußnahme den Preis zu reduzieren ist wie bereits oben geschildert im Bauausschuß auf Granit gestoßen. Ein Mitglied des Verbundes: "Derzeit versuchen wir zum einen durch Vorlage eines für Göttingen wirklich guten Konzeptes zu überzeugen, parallel öffentlichen und damit politischen Druck aufzubauen, damit die Nutzungskonzepte wirklich adäquat gewertet werden und zudem zu erreichen, dass die Vergabediskussion und Bewertung nicht wie geplant heimlich stattfindet sondern öffentlich und überprüfbar gremacht wird." Allerdings - und das wird der Knackpunkt: eine politische Bewegung, die in diesem Geschäft genügend Druck zur Reduzierung des Preises ausüben könnte ist bisher nicht in Sicht.

Am 22.5.13 erklärte die Stadtverwaltung zum weiteren Verfahren "Die Nutzungskonzepte aller 13 bis zum Stichtag am 6. Mai 2013 eingegangenen Angebote zum Ankauf der beiden städtischen Immobilien in der Bürgerstraße 13 und 15 wird die Verwaltung in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke am 23. Mai 2013 vorstellen (Das ist bei der Bauausschusssitzung am 23.5.nicht passiert - es wurden von Stadtbaurat Dienberg lediglich die folgenden Termine nun auch mündlich mitgeteilt.). Gleichzeitig werde das weitere Verfahren erläutert, das von zwei Beratungsrunden am 6. und am 20. Juni 2013 im Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke ausgeht, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Am 6. Juni erklärt die Verwaltung ebenfalls in öffentlicher Sitzung ihr Bewertungskonzept mit der unterschiedlichen prozentualen Gewichtung für den Kaufpreis, das Nutzungskonzept und die geplante Gestaltung der Außenanlagen und legt gleichzeitig einen zusammenfassenden Angebotsspiegel sowie ihre auf der Grundlage des Bewertungskonzeptes entwickelten Vergabevorschläge vor. Die Verwaltung sichert ein transparentes Verfahren zu und wird die Beratungen, soweit rechtlich möglich, in öffentlichen Sitzungen durchführen. Seine Beschlussempfehlung soll der Fachausschuss zwei Wochen später für eine voraussichtlich am 26. Juni 2013 stattfindende Ratssitzung fassen."

Zum Anfang

Diskussion zur Einschätzung des Raumbedarfs für Kulturgruppen

goest-Kommentar 24.5.13
Göttingen als New Orleans Südniedersachens

Nun hat die Stadtverwaltung auf die Feststellung, es gäbe dramatischen Bedarf an Proberäumen cool geantwortet, was sie in der Vergangenheit dafür getan habe. Dabei hat sie behauptet es gäbe diesen Bedarf nicht, und die Vielzahl der Proberäume suchenden Bands dabei ignoriert. Offensichtlich haben es noch nicht alle EntscheidungsträgerInnen in Göttingen begriffen: Die im Vergleich zu anderen Städten überdurchschnittlich große Vielzahl an Musik- und Kulturgruppen ist ein besonderer Schatz Göttingens, den es zu pflegen und zu fördern gilt. Bei Wirtschaftsunternehmen meint jede/r, es sei selbstverständlich, dass eine Förderung durch Infrastruktur notwendig sei um letztendlich den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen zu sichern. Womit das Verbleiben am Standort Göttingen sowie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gesichert werden. Auch die Förderung der Händelfestspiele ist weithin unstrittig, weil dies zu den kulturellen Aushängeschildern gehört. Dagegen sieht die kreative Band im Kellerloch-Übungsraum alt aus. Eine einzelne Band reicht zur Betrachtung aber nicht aus. Man muß zur Bewertung dieses Kultursektors schon die hohe Zahl von 350-500 Musikbands in Stadt und Region beachten. Was spräche angesichts dieser Tatsache dagegen, die Idee eines "New Orleans" Südniedersachsens zu entwickeln. Dazu müßte den Gruppen aber etwas bei der Infrastruktur (Proberäume, Veranstaltungsorte, Studios, musikalische Weiterbildung, Texten, Musikverlage, überregionale Werbung) unter die Arme gegriffen werden. Wer solche Ideen abblockt und sich auf die Marketing-Scheuklappen des Spruches "Stadt die Wissen schafft" begrenzt, sollte sich den Satz eines Wissenschaftlers der Norduni hinter die Ohren schreiben, der angesichts der trostlosen Steinwüste dort meinte: "wenn ich abends von der Arbeit rausgehe will ich irgendwo mal ein Bier trinken können wo ein Leben ist." Wenn die Nord-Uni Symbol für Göttingens Zukunft ist, wäre New Orleans echt eine Alternative.

 

Kultour e.V. Es fehlen 50-100 Räume für Kulturgruppen 3.5.13

3.5.13 // Der folgende Text ist von Klaus Wißmann und aus Sicht des Kreuzberg on KulTour e.V. verfaßt, gibt aber nach dessen Auffassung ebenso die Position des Kulturverbundes Voigtschule wieder (Kreuzberg on Kul Tour e.V. + musikuss + Domino + etliche Musiklehrer, Musiker usw. )

Foto Klaus Wißmann,
während des Pressegesprächs am 19.5.13

Kullturzentrum oder Kanzleien?
Zur Perspektive einer Nutzung der Baptistenkirche und Voigtschule gibt es eine online-Petition, die am 30.4.13 gestartet wurde und nach 2 Tagen bei 2616 Seitenaufrufen bereits 312 ZeichnerInnen aufweist. Zur >>Online-Petition

Schön wäre es, wenn es hülfe, die Politik davon zu überzeugen, dass eine solche einmalige (letztmalige?) Gelegenheit zur Schaffung eines großen, zentralen Kulturzentrums auf Privatinitiative hin und ohne Folgekosten für die Stadt, nicht fahrlässig versäumt werden darf!
Es mangelt in Göttingen eklatant an geeigneten:
Proberäumen (aktuell allein beim Kreuzberg on Kul Tour e.V. besteht ein angefragter Bedarf 50 bis 100) Unterrichtsräumen, Probebühnen, Veranstaltungsraum sowohl im weiteren Bereich Klassik als auch im weiteren Bereich Jazz, Pop, Rock.
Als Beispiele seien genannt:
a) Der Wettbewerb Jugend musiziert kann in Göttingen mangels Raum nicht durchgeführt werden und muß deshalb nach Northeim ausgelagert werden!
b) Es fehlen geeignete Räume für die Durchführung des Göttinger Liedermaching Festivals und Folkfestivals (beide waren im Café Kreuzberg beheimatet und mußten mangels passender Lokalität eingestellt werden, nachdem Großinvestor Johny Bassil das Haus Kreuzbergring 3 kaufte und so der Mietvertrag endete).
c) Es fehlt nach meiner Erfahrung geeigneter Raum für Veranstaltungen zwischen 400 und 1000 Besuchern in Göttingen völlig. Etliche solcher Veranstaltungen können wir daher in Göttingen nicht durchführen.
All dies böte das Ensemble Voigtschule und Baptistenkirche schon unmittelbar oder nach wenig Veränderung nebst zusätzlich grandioser Außenfläche in perfekter Lage mit perfekter Verkehrsanbindung ans Straßennetz, durch den benachbarten Bahnhof und eigenen Busparkplätzen auch überregional! Es wäre zudem endlich ein Zentrum, in welchem Klassik bis Rock, Kindertheater bis Akrobatik und Theater bis Tanz unter einem Dach zusammenkämen und sich vermutlich bislang ungekannte Synergien ergäben!
Für Unterricht, Proben und Veranstaltungen wurden diese Häuser errichtet, sind dafür bestens geeignet und müssen doch den Bürgern Göttingens auch dafür unbedingt erhalten bleiben!
Es besteht die phantastische Chance für Göttingen mit der Initiierung dieses Kulturzentrums eine Spitzenposition als Oberzentrum zu erlangen und sich weit über die Stadtgrenzen hinaus zu profilieren!
Dies sind die Kernziele unserer Arbeit zur Erhaltung des Ensembles Voigtschule und Baptistenkirche für die Göttinger Kultur und für die Göttinger Bürger.

 

Stadtverwaltung 22.5.13 :
Es gibt keinen "dramatischen Bedarf an Proberäumen"

"Im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der beiden städtischen Häuser hat die Verwaltung die Behauptung des „Kulturverbundes Voigtschule und Baptistenkirche“, in Göttingen gebe es einen dramatischen Bedarf an Probe- und Übungsräumen, als völlig übertrieben zurückgewiesen. Das Angebot an Probe- und Übungsräumen sei in Göttingen deutlich besser als in vergleichbar großen Städten in Niedersachsen, was den Anstrengungen der Stadt in der Vergangenheit zu verdanken sei. Die Verwaltung erinnerte in ihrer Stellungnahme daran, dass die Stadt im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten und politischen Beschlussvorgaben in den letzten Jahrzehnten sehr viel getan habe, um die Raumfrage im kulturellen Bereich in allen ihren unterschiedlichen Anforderungsprofilen zu lösen. Beispiele: das Göttinger Symphonie Orchester, der Knabenchor, Arbeit und Leben u.a. haben im Kulturzentrum Godehardstraße ihre Probe- und Büroräume erhalten, die Film- und Kinoinitiative/Kino Lumière konnte in die Geismar Landstraße 19 einziehen. Eine Reihe von Musiklehrkräften des Deutschen Tonkünstlerverbandes erhielt nach Auflösung der Musikschule ebenfalls in der Godehardstraße ihre Unterrichtsstätte. Überaus erfolgreich war der sukzessive, seit 1989 in über zehn Bauabschnitten erfolgte und bis heute nicht abgeschlossene Ausbau des Hagenweg 2 a auf über 3.200 m² in Trägerschaft der Musa, der u.a. das größte Musikübungsraumzentrum Niedersachsens mit über 60 Musikgruppen in 18 Bandübungsräumen im Kellergeschoss, mit Tanz- und Musikübungsräumen, mit privatwirtschaftlichem Tonstudio, mit Künstlerateliers, mit Büro- und Proberäumen für die Domino e.V. angeschlossenen freien Theatergruppen entstehen ließ. Die Stadt verweist auf den öffentlich subventionierten Ausbau des Künstlerhauses mit Galerie, mit BBK- und Kreis 34-Räumen und einzelnen Künstlerateliers, den Um- und Ausbau des Apex, den Neubau des Volkshochschulgebäudes auf der Bahnhof-Westseite, die Renovierung des Alten Rathauses, die Sanierung der Stadthalle, den Ausbau der Lokhalle, den Neubau des Mehrzweckgebäudes Weende und des Nachbarschaftszentrums Grone, die Kleinkunstbühne Geismar etc.. Andere, baulich sanierte oder neu geschaffene und oft auch kulturell genutzte Räumlichkeiten im Jugend-, Sozial-, Sport- und Schulbereich, in Kirchengemeinden, Gemeinderäume wie Bürgerhäuser, Dorfgemeinschaftshäuser etc. kämen hinzu. Stadt Göttingen"

 

Entgegnung
Klaus Wißmann / "Kreuzberg on KulTour e.V."
24.5.13
"Dramatischer Probe- und Veranstaltungsraummangel in Göttingen nachweisbar"

(...) Leider wurden vom Referat des Oberbürgermeisters weder die Informationen der im Kulturverbund organisierten Mitglieder, noch die aktuellen Informationen des Fachdienstes Kultur hierzu sorgsam berücksichtigt: (...) In einem ausführlichen Schreiben des Leiters des Fachdienstes Kultur an den Kulturverbund vom 29.4.13 wird hierzu u.a. ausgeführt (teils Sinnzitate) "Es ist zutreffend, dass in den vergangenen Jahren verschiedene Kulturakteure ihre Bitten, Sorgen und Fragen betreffend Raumbedarf dargelegt haben."…"teilweise konnte geholfen werden, teilweise nicht". …"Im Bereich der Übungs-, Gruppenräume, Ateliers u.a. kann aber von einem Bedarf an preiswerten Räumen ausgegangen werden."……"KAZ, musa … und andere führen für ihren Bereich entsprechende Wartelisten"…(...)
Der "Kreuzberg on KulTour e.V." steht als einer der größten Veranstalter der Region im Rock / Pop / usw.-Bereich, mit Schwerpunkt auf der Betreuung einheimischer Bands, in ständigem Austausch mit Göttinger Musikformationen. Uns liegen ungezählte und - wegen der Aussichtslosigkeit helfen zu können - weitgehend unkatalogisierte Anfragen der vergangenen Jahre nach Proberäumen vor.
Allein seit Bekanntwerden der Bestrebungen des Kulturverbundes zur Einrichtung eines Kulturzentrums in der ehemaligen Voigtschule seit Mitte April – und damit auch der Aussicht auf neue Proberäume - haben wir allein bei uns über 20 Bewerbungen von dringend und aktuell suchenden Bands katalogisiert. Und dies nur aus dem Bereich Rock / Pop / usw.!
In der Pressemitteilung der Stadt vom 22.5.13 wird die musa als "das größte Musikübungsraumzentrum Niedersachsens mit über 60 Musikgruppen in 18 Bandübungsräumen im Kellergeschoss" genannt. Es sind aber eben nur 60 Musikgruppen, die dort regelmäßig üben können. Das ist nur ein kleiner Teil der geschätzt und schwankend bis zu 500 Bands und Formationen aus Göttingen und der Region. Wir verfügen über eine große und seit gut zwei Jahrzehnten geführte Datei der regionalen Bands. In dieser Datei ist etwa jede fünfte Band als suchend vermerkt. "Etwa 50 bis 100 davon sind, unseres Wissen nach, aktuell oder latent auf der Suche nach einem geeigneten Proberaum", (...)"Sie stehen seit Jahren und sogar bis zu einem Jahrzehnt (!) auf Wartelisten, müssen in behelfsmäßige Proberäume oder sogar in andere Städte ausweichen." "Ohne regelmäßige Proben können diese Bands leider auch nicht so häufig Konzerte geben, wie sie es gerne würden. Jährlich fallen so 2-5 Konzerte pro Band weg. Wieder ein Verlust für die Kulturwirtschaft Göttingens", (...)
Dringender Bedarf an Veranstaltungsraum von 300-800 Besuchern:
Übereinstimmend stellen Fachdienst Kultur und "Kreuzberg on KulTour e.V." fest, dass hinsichtlich Spielstätten in Göttingen derzeit Veranstaltungen für 300-800 Personen nicht versorgt werden können: …"Für den Bereich einer Spielstätte nach VersStättVO für Konzerte, Lesungen, Theater, Gastspiele etc. wird in Göttingen ein Bedarf für Veranstaltungen in der Größenordnung von 300 - 800 Personen gesehen…"(Fachdienst Kultur v. 29.4.13). "Kreuzberg on KulTour e.V." schätzt diese Lücke aus wirtschaftlichen Erwägungen etwas größer; nämlich bis ca. 1000 Besucher.
Es können also jedes Jahr etliche Konzerte in Göttingen nicht stattfinden in der Größenordnung 300 bis 1.000 Besucher, was erhebliche finanzielle Einbußen für unsere Kulturwirtschaft bedeutet. (...) Die Aula der Voigtschule könnte mit ihrer Kapazität bis 400 Besucher bereits einen Teil der Lücke schließen und könnte zudem mit vertretbarem Aufwand auf eine deutlich höhere Kapazität erweitert werden.

 

Elf Fragen des Vereins "Stadt und Planung Göttingen e.V."

6.2.13 / zum seltsamen Vorgehen der Göttinger Verwaltung beim Liegenschaftenverkauf (Sitzung Bau- und Planungsausschuss 07.02.2013) Bürgerstrasse 13 und 15: Offene Fragen zum Göttinger Liegenschaftenmanagement

Seit 1994 wird die ehemalige Baptistenkirche nicht mehr als solche genutzt. Seit rund 20 Jahren ist klar, dass es eine Nachnutzung für diese Liegenschaft geben muss. Wir möchten gerne wissen:

  • 1. Wie sieht die Betriebsrechnung der Stadt in der Summe für diese Liegenschaft für die Jahre 1994-2012 aus? Seit 1975 gilt der heutige Flächennutzungsplan der Stadt Göttingen. Seit 38 Jahren befindet sich damit der Bebauungsplan von 1968 im Widerspruch zum übergeordneten Flächennutzungsplan.
  • 2. Wie kommt es, dass in den vergangenen 40 Jahren keine Gelegenheit zur Aufhebung dieses Widerspruchs in der Bauleitplanung ergriffen wurde? Der Käufer einer Liegenschaft muss für ein reelles Angebot mit feststehenden Bedingungen rechnen können.
  • 3. Weshalb wird eine ungewisse Änderung des Bebauungsplans in Aussicht gestellt und weshalb wird verschwiegen, dass dafür zuerst auch noch eine Änderung des Flächennutzungsplanes notwendig ist? Im Haushaltssicherungskonzept und im Entschuldungshilfeprogramm geht es nur um die Entlastung der Stadtkasse von laufenden Unterhaltungskosten.
  • 4. Mit welcher Begründung legt das Liegenschaftenmanagement ein Exposé vor, das faktisch den Kaufpreis als wichtigstes Kriterium in den Vordergrund stellt? In mehreren Sitzungen des Bauausschusses wurde von der Verwaltung betont, dass der Verkauf der Liegenschaften Bürgerstrasse 13 und 15 sowohl je einzeln als auch gemeinsam denkbar sei.
  • 5. Mit welcher Begründung legt das Liegenschaftenmanagement nun ein Exposé vor, das nur die Doppelpack-Variante enthält und damit eine primär nicht-kommerzielle Nutzung faktisch ausschliesst? Die Verwaltungsvorlage für das Exposé ist alternativlos formuliert, obwohl der Beschluss der Sitzung vom 21.06.2012 lautete: "...die Zielsetzung der künftigen Verkaufs- Exposés (...) vorab im Ausschuss vorgestellt wird."
  • 6. Weshalb formuliert die Verwaltung keine mit Vor- und Nachteilen bewertete Alternativen, damit die Politik eine vernünftige Entscheidungsgrundlage hätte? Der gültige B-Plan beinhaltet die Bestimmung, dass das Grundstück der Voigt-Schule nach Aufgabe der schulischen Nutzung als Grünfläche auszuweisen sei.
  • 7. Weshalb ignoriert das Liegenschaftenmanagement diese behördenverbindliche Zielsetzung? Die Verwaltungsvorlage impliziert eine Änderung der planungs- und baurechtlichen Bedingungen, die den Zielsetzungen des B-Planes, des Flächennutzungsplanes, des städtebaulichen Leitbilds und des Innenstadt-Leitbilds widersprechen.
  • 8. Gibt es eine den Rat der Stadt faktisch bindende Vorabsprache mit einem Käufer oder müssen sich die Käufer des Risikos bewusst sein, dass eine Änderung der Bauleitplanung auch gegen ihre Interessen erfolgen könnte? Nach der ersten Vorstellung der Verkaufspläne am 21.06.2012 durch das Liegenschaftenmanagement wurden mehrere Anträge auf einstweilige Unterschutzstellung, bzw. auf eine Prüfung der Denkmalwürdigkeit, der ehemaligen Baptistenkirche eingereicht und Hinweise auf den bestehenden Ensembleschutz gegeben.
  • 9. Weshalb hat die Verwaltung bis dato nicht alle Eingaben beantwortet und weshalb sind die Überlegungen dazu nicht in die Vorlage eingeflossen und weshalb werden im Exposé das schutzwürdige Wall-Vorfeld und der Ensembleschutz nicht erwähnt? Im Exposé wird vorgeschlagen, neu ein so genanntes "Mischgebiet" festzulegen. Dies widerspräche der übergeordneten Bestimmung des Flächennutzungsplans als "Grünfläche und Parkanlage".
  • 10. Welche Überlegungen stecken hinter dem Vorschlag für ein Mischgebiet und welche Änderungen an Baufeldern und Bauvolumina sind angedacht? In den bisherigen Beratungen wurde festgestellt, dass der Auftrag über 10 zu verkaufende Liegenschaften mit der Vorlage von 10 Vorschlägen der Politik keine Auswahl lasse.
  • 11. Weshalb wurden die Vorschläge bisher nicht in ihrer Gesamtheit so vorgestellt, dass für die Politik eine Wahlmöglichkeit vorhanden wäre?

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Anmerkung goest
In der Bauausschußsitzung vom 7.3.13 erklärte Herr Friele seitens der Verwaltung, "Die Fragen des Vereins ‚stadtundplanung göttingen e.V.' seien im Wesentlichen jedoch auch bereits schon mit Schriftsatz vom 10.10.2012 beantwortet worden"

 

Filmkunstfreunde Göttingen e.V. : Programmkino in der Baptistenkirche

6.2.13 / Petition der Filmkunstfreunde Göttingen e.V. Petitionstext: "Nach 2 Jahren der engagierten Suche nach neuen Räumlichkeiten für ein Programmkino in Göttingens Innenstadt ist nun mit dem zum Verkauf stehenden Gebäude der ehemaligen Baptistenkirche in der Bürgerstraße eine historische Chance entstanden. Diese Chance besteht, weil wir einen Käufer gefunden haben, der bereit ist, auf Gewinn zu verzichten, und den ehemaligen Kirchenraum für die Nutzung als Kino und für andere kulturelle Zwecke umzugestalten. Dieses Kino wird private Betreiber haben; daher kommen auf die Stadt keinerlei Folgekosten zu. Seit 30 Jahren gibt es keine dauerhafte Nutzung dieses Gebäudes. Die Einrichtung eines neuen Kinos ist möglich, wenn die Stadt, die dieses Gebäude ohnehin verkaufen will, die Ausschreibung mit einer Zweckbindung für eine kulturelle Nutzung als Kino und für Veranstaltungen versieht. Der Verkaufserlös wäre dann möglicherweise niedriger, weil man mit dem Betreiben eines Kinos nicht besonders viel verdienen kann. Wir meinen jedoch, dass es im Interesse der Stadt und ihrer Bürger liegt, diese Chance für eine kulturelle Belebung der Innenstadt zu ergreifen. Beerdigen sie nicht die Hoffnungen vieler Göttinger Bürger! Eine Vorführung von Filmen in Schulgebäuden, wie sie uns angeboten wurde, ersetzt kein Kino. Das Gebäude hat Atmosphäre, der Raum hat Atmosphäre, und die Lage an der Bürgerstraße bietet ausgezeichnete Werbemöglichkeiten. Treffen Sie keine Vorentscheidung zu Lasten der kulturellen Nutzung der alten Baptistenkirche. Führen sie das Gebäude einer würdigen kulturellen Nachnutzung zu. Es liegt in Ihrer Hand!!! Begründung: Mit einem neuen Programmkino an dieser Stelle kann sich Göttingen sowohl kulturell aufwerten als auch die Entwicklung seiner Innenstadt deutlich voranbringen. Das kulturelle Argument: Das Kino-Angebot in Göttingen entspricht nicht mehr den Anforderungen einer Universitätsstadt. Trotz der ausgezeichneten Arbeit des Lumière sind in Göttingen viele engagierte, nachdenkliche, berührende, ausgefallene oder eben einfach schöne Filme gar nicht oder nur für sehr kurze Zeit zu sehen. Ein neues Programmkino in der Nachfolge des Cinema und der beiden Sternkinos kann die Lücke zwischen Lumière und Cinemaxx schließen. Das städtebauliche Argument: Göttingens Innenstadt hat kein Kino mehr. Ein neues Kino, das auch Raum bietet für weitere Kulturveranstaltungen, wäre ein Schritt gegen die kulturelle Austrocknung der Innenstadt. Gleichzeitig würde ein eindrucksvolles Gebäude erhalten und eine ehemalige Kirche einer würdigen Nutzung zugeführt."

Die Petition hatte am 2.3.13 1.680 Unterschriften bekommen >>online Petition