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Stadtplanung - Nikolaiviertel

4.4.07 / Die Planung zur Veränderung des Nikolaiviertels ist inzwischen revidiert worden. Alles bleibt zunächst so wie es ist.

Offner Brief gegen die geplanten Umbaumaßnahmen
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Stadtplanung allgemein
> Nörgelbuff, Groner Straße 23 mußte wegen der Planungen räumen

> Nikolaistraße "Amüsiermeile" / "Ballermann" und Probleme mit Jugendlichen
>> Planungen des Architekturbüros

 



Nikolaikirche (Universitätskirche) - rund um die Nikolaikirche ist ein "urbaner Platz" mit eigener Qualität entstanden - Flohmarkt, Cafés.

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Aufnahme des Innenraums vom 30.10.1999

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Rund um die Nikolaikirche findet Samstags Flohmarkt statt.

 

Fotos von einigen der Gebäude um die es in dem Offenen Brief geht / November 2005

"Das Heranrücken des Centers an die gotische Nikolai-Universitätskirche zerstört das Gefüge des mittelalterlichen Platzes und degradiert ihn zur Anlieferungszone."


L: Groner Straße 24, R: Groner Straße 25

"Das Haus Groner Straße 24 ist ein Fachwerkbau der frühen Neuzeit, erbaut wahrscheinlich im frühen 16. Jahrhundert. Auch diese Fassade ist begradigt, aber der Bauherr modifizierte das Dach zum damals als attraktiv geltenden Mansarddach, eine aufwändigere und deshalb seltenere Lösung."

"Bei dem rot verputzten Haus Groner Straße 25 handelt es sich um einen Fachwerkbau des Mittelalters, möglicherweise sogar des 14. Jahrhunderts, welcher nachträglich begradigt wurde. Diese Glättung der weit in die Straße auskragenden Fassaden durch Absägen der Vorsprünge war nach der Universitätsgründung 1735 üblich. Die Dachform verrät, dass der originale Dachstuhl erhalten sein dürfte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eines der ältesten Häuser der Stadt."


L: Groner Straße 23, Hier befindet sich im Keller das Nörgelbuff / Rechts : Groner Straße 26

Blick in die Nikolaistraße: links die Nikolaikirche rechts daran anschließen im Bild das Haus Nikolaistr. 18 mit Erker.

"Mit dem Abbruch des um 1890 erbauten Eckhauses Nikolaistraße 18 mit seinem straßenbildprägenden Ecktürmchen wird überdies das Erscheinungsbild dieser Straße entwertet."

 

Offener Brief - Ein "Textilcenter" gefährdet die mittelalterliche Altstadt in Göttingen, Nachinventarisation erforderlich!

Wir veröffentlichen auf dieser Seite ein Schreiben, das uns als "Offener Brief" von einigen der Unterzeichner zugemailt wurde. Es geht darum, eine städtebauliches Drama zu verhindern bei dem historische Substanz wegen planerischer Mängel und Voreiligkeit unwiderbringlich zerstört würde. Deshalb heisst es u.a.: "Wir fordern eine sofortige Nachinventarisation der Bauten im Block zwischen Groner Strasse und Nikolaikirchhof durch Fachkräfte des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, damit im Verhandeln mit dem Investor und durch Abriss nicht unwiderrufliche Tatsachen geschaffen werden. Wir fordern den Abbruch der Verhandlungen mit dem Investor um diesen Standort,.."

Offener Brief

An den Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Herrn Lutz Stratmann,
An die Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Landeskonservatorin Frau Dr.-Ing. Christiane Segers-Glocke,
An den Stützpunkt Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege,
An den Oberbürgermeister der Stadt Göttingen, Herrn Jürgen Danielowski,
An den Baudezernent der Stadt Göttingen, Herrn Stadtbaurat Thomas Dienberg,
An die Untere Denkmalbehörde der Stadt Göttingen,
An den Städtebaubeirat der Stadt Göttingen,
An die Fraktionen im Rat der Stadt Göttingen

Göttingen, 09.11.2005


Offener Brief
Ein "Textilcenter" gefährdet die mittelalterliche Altstadt in Göttingen,
Nachinventarisation erforderlich

Sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Frau Dr. Segers-Glocke,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

in großer Sorge um die Zukunft der historischen Göttinger Innenstadt wenden wir uns an Sie in einer Sache, die hier viele Bürger stark bewegt.
Vor kurzem ließ die Lokalpresse verlauten, dass das Baudezernat der Stadt Göttingen seit Monaten mit einer Düsseldorfer Projektentwicklungsgesellschaft verhandelt. Diese Gesellschaft plant, im Herzen der Altstadt zwischen Nikolaikirche und Groner Straße ein Textilcenter zu errichten, dem fast ein ganzer Baublock zum Opfer fallen soll. Für die von Stadtbränden und Bombenangriffen verschont gebliebene Altstadt bahnt sich eine denkmalpflegerische und städtebauliche Katastrophe an.
Erhalten werden soll lediglich die Werksteinfassade des um 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftshauses Groner Straße 26. Auf der Abbruchliste stehen dagegen die Fachwerkgebäude Groner Straße 22 bis 25 sowie das Wohn- und Geschäftshaus Nikolaistraße 18.
Bestürzt sind wir über die Tatsache, dass trotz mehrmonatiger Vorlaufzeit verwaltungsseitig offenbar nichts über den Denkmalwert der zur Disposition stehenden Bauten bekannt ist.
Bei dem rot verputzten Haus Groner Straße 25 handelt es sich um einen Fachwerkbau des Mittelalters, möglicherweise sogar des 14. Jahrhunderts, welcher nachträglich begradigt wurde. Diese Glättung der weit in die Straße auskragenden Fassaden durch Absägen der Vorsprünge war nach der Universitätsgründung 1735 üblich. Die Dachform verrät, dass der originale Dachstuhl erhalten sein dürfte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eines der ältesten Häuser der Stadt. Das Haus Groner Straße 24 ist ein Fachwerkbau der frühen Neuzeit, erbaut wahrscheinlich im frühen 16. Jahrhundert. Auch diese Fassade ist begradigt, aber der Bauherr modifizierte das Dach zum damals als attraktiv geltenden Mansarddach, eine aufwändigere und deshalb seltenere Lösung. Das Haus Groner Straße 23 ist ein zweigeschossiger Renaissancebau mit Fenstergalerie im ersten Obergeschoss. Über dem Ladenbereich des Gebäudes Groner Straße 22 verweisen verborgene Balkenköpfe und Füllhölzer auf eine Bauzeit um 1650.
Die Häuserreihe, ein geschlossener Bestand, wie er auch überregional selten ist, repräsentiert die Göttinger Stadtbaugeschichte in beispielhafter Weise. Obwohl die Häuser durchweg genutzt werden, sollen sie dem Abbruch zum Opfer fallen. Dringend geboten ist eine Untersuchung zur Konstruktion und der Geschichte der wertvollen Gebäude, wie sie in solchen Fällen in anderen Städten seit Jahrzehnten üblich ist.
Das Heranrücken des Centers an die gotische Nikolai-Universitätskirche zerstört das Gefüge des mittelalterlichen Platzes und degradiert ihn zur Anlieferungszone. Mit dem Abbruch des um 1890 erbauten Eckhauses Nikolaistraße 18 mit seinem straßenbildprägenden Ecktürmchen wird überdies das Erscheinungsbild dieser Straße entwertet.
Ursache der aktuellen Vorgehensweise ist die mangelhafte Kenntnis des historischen Baubestandes in Göttingen. Das Verzeichnis der Baudenkmale ist das Ergebnis einer in den Jahren 1978 und 1979 durchgeführten Schnellinventarisation, es ist dringend überarbeitungsbedürftig. Die Denkmaltopographie, mit deren Erscheinen Göttingen 1982 eine Vorreiterrolle einnahm, entspricht nicht mehr den heute üblichen wissenschaftlichen Standards, indem sie viel zu knapp und völlig veraltet ist. So ist es zu erklären, dass bisher keines der jetzt bedrohten Häuser als Baudenkmal erfasst wurde.
Besonders bestürzt uns, dass dieses Vorhaben in einer langen Göttinger Tradition von investorengerechter Einzelfallplanung mit Flächenabriss steht, die dem gebauten historischen Erbe und dem Stadtraum in Göttingen schweren Schaden zugefügt hat. Das Problem überdimensionierter Centerprojekte in historischem Umfeld teilt Göttingen mit anderen Städten. Eine Tagung des Niedersächsischen Heimatbundes zeigte erst vor kurzem, dass der durch die Center ausgelöste Verdrängungswettbewerb Arbeitsplätze gefährdet, den Unterhalt der stadtbildprägenden historischen Bausubstanz erschwert und zur Verödung der peripheren Lagen führt.
Im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber künftigen Generationen möchten wir verhindern, dass das kulturelle Erbe der Stadt in einer kurzsichtigen Entscheidung ein weiteres Mal dezimiert wird.
Forderungen
Wir fordern eine sofortige Nachinventarisation der Bauten im Block zwischen Groner Strasse und Nikolaikirchhof durch Fachkräfte des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, damit im Verhandeln mit dem Investor und durch Abriss nicht unwiderrufliche Tatsachen geschaffen werden.
Wir fordern den Abbruch der Verhandlungen mit dem Investor um diesen Standort, gegebenenfalls bietet sich der Verweis auf die Brache des ehemaligen Stadtbadgeländes an.
Für die derzeitige Überarbeitung des Leitbildes für die Göttinger Altstadt fehlt eine wichtige Grundlage: das Wissen um den historischen Baubestand der Innenstadt. Wir fordern eine Nachinventarisation der Göttinger Altstadt, mit dem Ziel der Überarbeitung des Verzeichnisses der Baudenkmale und der Erstellung einer neuen Denkmaltopographie, um das Wissen um das bauliche Erbe der Stadt Göttingen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hochachtungsvoll

Prof. Dr. Carsten-Peter Warncke, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Dr. Gerd Unverfehrt, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Achim Arbeiter, Archäologisches Institut der Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte
Privatdozent Dr. Thomas Noll, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Jürgen Schlumbohm, Max-Planck-Institut für Geschichte Göttingen
Universitätsprediger Prof. Dr. Jan Hermelink, Georg-August-Universität Göttingen
Claus Hoffmann, Göttingen
Pastor Wolfgang Winter, Rektor des Studienseminars der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers Göttingen
Dr. Jens Reiche, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Bernd Hoffmann, Göttingen
Dr. Christian Scholl, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Dr. Kerstin Schwedes, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Marianne Bergmann, Archäologisches Institut der Georg-August-Universität Göttingen
Dr. Peter Kriedte, Max-Planck-Institut für Geschichte Göttingen
Pastor Rudolf Grote, St. Johanniskirchengemeinde Göttingen
Prof. Dr. Klaus-Steffen Saternus, Abteilung Rechtsmedizin der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. i. R. Dr. Antje Middeldorf-Kosegarten, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Werner Schnell, Kunstgeschichtliches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Dr.-Ing. des. Dipl.-Geogr. Jan Volker Wilhelm, Gleichen-Diemarden
i. A. Prof. Dr. Christian Freigang, Kunstgeschichtliches Institut der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main

(Die Unterschriften wurden der Dokumentation als .pdf-Datei beigefügt und liegen der Redaktion vor)