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Huhtamaki 2 Demonstration 11.5.05

Huhtamaki (Bericht über Spontanstreik am 28.4)
> Protest am 1. Mai 05
> Artikel zu Huhtamaki im GBE

Nächstes Treffen des UnterstützerInnenkreises für die Huhtamaki-Belegschaft- für alle die mithelfen wollen: 17.5.05, 17 Uhr DGB Haus

Zwar versuchen einige Leute noch drum herum zu reden, verbreiten Illusionen über die Möglichkeit von "Verhandlungen zur Sicherung der Arbeitsplätze"; aber inzwischen ist klar, das Werk in Göttingen wird dicht gemacht. Der Versuch, Hoffnungen auf den Erhalt der Arbeitsplätze zu schüren soll die Leute beruhigen, denn man befürchtet, die Aggressionen der Belegschaft könnten hochkochen und außer Kontrolle geraten. Aber ohne massiven Druck wird nicht einmal ein vernünftiger Sozialplan zustandekommen.

11.5.05 / Gegen 13 Uhr hatten sich ca. 30-40 Personen vor dem Werkstor von Huhtamaki eingefunden um dort ihre Solidarität mit der Huhtamatik-Belegschaft auszudrücken. Montagsdemo-Teilnehmer mit Transparent, IGMetall-Fahnen, der neue DGB-Vorsitzende Martin Gertenbach, Personalratsvertreter der Kliniken, Sartorius, JournalistInnen vom GBE (Göttinger Betriebsexpress), Stadtradio, GT, NDR, dpa, . Mehrere SPD-Fahnen zusammen mit Oppermann, Andretta und Weender SPD ler,


Peter Winkelmann, Gewerkschaftssekretär der IG BCE in Alfeld bei der Kundgebung

Gewerkschaftssekretär Peter Winkelmann von der IG Bergbau Chemie Energie aus Alfeld, der zuständigen Stelle für Huhtamaki in Göttingen - angesprochen auf die Tatsache, dass die IG - BCE nicht zur Solidariätskundgebung aufgerufen habe meinte, dass die Abstimmung zwischen Göttingen und Alfeld verbessert werden müsse.

Wenn es daran scheiterte, sollte aber wirklich schnellstens etwas unternommen werden!

Nach ca. 30 Minuten kamen die Leute, überwiegend Männer aus der Betriebsversammlung heraus zum Werkstor. Sie hatten sich vom Vize-Direktor Huhtamaki Europa , Herrn Timo Salonen aus Finnland erklären lassen müssen, dass auch die gestern noch versprochene Erhaltung der 80 Arbeitsplätze im Bereich Folienproduktion hinfällig ist. Verständlich dass deshalb ein Transparent mitgeführt wurde auf dem stand "Wir fordern Informationen"

Der einzige, der ein ganz individuelles Schild gemalt hatte


Die Belegschaft verlässt die Arbeit - spontane Arbeitsniederlegung


Vom Werk in Weende über die Weender Landstraße in die Innenstadt

Aggressionen
Bei den Demonstranten war eine verhaltene Agressivität zu spüren, die bei einigen, die später am Marktplatz offen sichtbar bzw. hörbar wurde als Politiker von SPD (Oppermann) und Danielowski (CDU) sprachen.
In diesem Zusammenhang ist interessant, was man zur Antwort bekommt, wenn man die Frage der Farbikbesetzung anspricht. Da heißt es, es sei zu gefährlich, weil die Leute so aufgeladen seien, dann könne es leicht zu Sachbeschädigungen kommen und die Leute die sowas machen würden hätten mit der Folge der fristlosen Entlassung zu rechnen.


Die Kundgebung am Marktplatz


Oppermann sichtbar sauer auf Edi


Redebeitrag von Edi (Montagsdemo)

Realsatire
Als Edi vom Bündnis Montagsdemo am Mikro meint, es wäre schon schwierig, z.B. eine Verbindung zu protestierenden Studis herzustellen, die sich gegen Studiengebühren wehren, wenn bei der Huhtamaki-Kundgebung Oppermann reden dürfe, der in seiner Zeit als Landesminister diese Studiengebühren auf den Weg gebracht hat. Da schreit Oppermann wütend von der Seite "Spalter!"

Das Credo des OB:
Wir können nichts machen, aber wir tun alles was in unserer Macht steht, das können Sie mir wirklich glauben

 

Die Bitte des OB um ein Gespräch bei der finnischen Zentrale wurde abgelehnt, man würde erst die Entscheidung treffen und danach könne man gerne darüber reden.

 

Beim Vorbeigehen an ALCAN versuchte einer mit Megaphon die Aufmerksamkeit der ALCAN-Beschäftigten zu gewinnen, aber die Leute hinter den Glasscheiben offensichtlich in einer Schulung reagierten nicht.

Bei Sartorius standen die Leute am Fenster und schauten auf die Kollegen die demonstrierten. Ein Abgesandter der Sartoriusbelegschaft verlas später am Markt eine Solidaritätsadresse und sicherte die Unterstützung zu


Solidaritätserklärung des Vertreters von Sartorius (mit Hut) für Huhtamaki

Ein Lastwagen von Zufall demonstrierte lautstark Zustimmung mit der Hupe und erntete Grüße der Demonstranten. Anwohner in der Hannoverschen Straße drückten ihre Sympathie für die Demo mit aufgedrehter Musikanlage aber mit dem unpassenden Song der Queens "We are the Champions" aus. Interessant war übrigens, dass die Demo auch dynamische Elemente wie Hinsetzen, Aufspringen und Laufen entwickelte. Das ist bei der eher als konservativ verschrienen BergbauChemieEnergie-Gewerkschaft mal was neues.


Vor dem Idunazentrum

Die überwiegende Form der Lärmproduktion bestand aus Trillerpfeifen und Pressluft-Tröten. Nur an der Spitze des Zuges wurden Parolen gerufen "Eins zwei drei vier - Für Arbeitsplätze kämpfen wir" . Die weitgehende Beschränkung auf sprachlosen Lärm drückt die Sprach- und Hilflosigkeit aus aber der Lärm drückt die Wut aus.


Beim Eintreffen in der Weender Straße

Das Transparent an der Spitze war "Wo bleibt die soziale Verantwortung von Huhtamaki?" das war ja ganz ok, aber die Transparente "Wir wollen eine Standortgarantie" und "Wir sind noch immer verhandlungsbereit" zeigten schon die Sackgassen an in die man demnächst vielleícht laufen wird, nämlich a) zu glauben, dass mit Verhandlungen die 540 Arbeitsplätze gerettet werden können und b) in Standortkonkurrenz mit anderen Werken zu verfallen wo die Leute ja auch nur um ihre Arbeitsplätze kämpfen, die also unte dem Aspekt der Solidarität auch keine Lösung ist. Ein Teil der Produktion wandert nach Polen, die Restarbeitsplätze (Folien) werden vermutlich ins Werk Forchheim verlagert. Die Überlegung "Druck erhöhen durch Fabrikbesetzung" ist bislang noch nicht laut zu hören.

Wenn ganze Werke geschlossen werden und schlagartig z.B. bei Huhtamaki 500 Leute arbeitslos werden, dann wird zumindest die Hetze gegen Arbeitslose als "Sozialschmarotzer" nicht länger haltbar. Zu deutlich wird, dass die Sozialschmarotzer jene sind, die Arbeiter ausbeuten und rausschmeissen nachdem sie vorher Subventionen kassiert haben.



Bettler beobachtet die Demonstration für Arbeitsplätze

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